Starkregen und Tauwetter in den Alpen

Die kalte Luft über dem Alpenraum wurde in der Nacht auf Mittwoch endgültig ausgeräumt. Mit einer kräftigen Warmfront strömt nun aus Westen sehr milde Luft aus den Subtropen zu uns. Die Schneefallgrenze steigt damit ins Hochgebirge auf über 2000 m an, an der Alpennordseite kommt es zu kräftigem Regen und markantem Tauwetter.

Die kalte Luft (blau/grün) wird von milder Luft aus Westen (rot/orange) nach Osten abgedrängt. ©ECMWF/Ubimet

Kräftiger Regen an der Alpennordseite

In Vorarlberg und Nordtirol beginnt es am Mittwochnachmittag von Westen her zunehmend kräftig zu regnen. Die Schneefallgrenze steigt mit Ankunft der milden Luft rasch ins Hochgebirge an. Vor allem in der Nacht auf Donnerstag fällt dann anhaltender und kräftiger Regen, wobei in den Staulagen der Nordalpen die größten Regenmengen zu erwarten sind. Vom Bregenzerwald über den Kaiserwinkl bis zur Eisenwurzen kommen zu den gefallenen Mengen noch etwa 15 bis 30 Liter pro Quadratmeter dazu. In den Staulagen des Arlbergs sowie Dachsteins weitere 20 bis 40 Liter.

Nassschneelawinen und lokale Überflutungen

Derzeit liegen in den höher gelegenen Täler etwa 20 bis 30 Zentimeter Schnee. Dieser wird aufgrund der milden Luft rasch schmelzen und in Kombination mit den Regenmengen kann es zu Problemen kommen. Kleinere Flüsse können über die Ufer treten und auch die Gefahr von Nassschneelawinen steigt in den kommenden Tagen deutlich an. Auch einzelne Murenabgänge sowie Hangrutschungen sind nicht auszuschließen.

Aktuelle Warnungen der Unwetterzentrale

Tauwetter im Winter

Das wohl bekannteste Tauwetter im Winter ist das nahezu jährlich auftretende Weihnachtstauwetter, das die Wünsche auf weiße Weihnachten im Flachland meist dahinrinnen lässt. Allerdings gehören mildere Wetterphasen in Mitteleuropa genauso zum Winter wie Starkschneefall und Kältewellen. Beim Tauwetter gibt es zwei klassische Wetterkonstellationen – stürmischer Südföhn und feucht-milde Westströmung.

Südföhn – bekannter Schneefresser

Etabliert sich über West- oder Südwesteuropa ein ausgeprägtes Tiefdruckgebiet gerät der Alpenraum in eine oftmals stürmische Südwest- bis Südanströmung. Dabei wird milde Luft aus dem Mittelmeer oder sogar der Sahara zu den Alpen geführt und an der Alpennordseite greift stürmischer Südföhn durch. Dabei steigen die Temperaturen oftmals über die 10-Grad-Marke, in Extremfällen werden sogar knapp 20 Grad erreicht. Der Hauptfaktor für die Schneeschmelze ist aber nicht die Temperatur, sondern der permanente starke Wind. In klassischen Föhntälern wie dem Rhein- oder Wipptal schmelzen so an einem Tag oftmals 30 cm Schnee dahin.

Westwetterlage – Tauwetter und Hochwasser

Bei einer Westwetterlage ziehen Tiefs vom Atlantik nach Mitteleuropa und haben ehemalige subtropische und damit recht milde Luftmassen im Gepäck. Oftmals steigt die Schneefallgrenze dabei gegen 2000 m. Bei Westwetterlagen wird es aber nicht nur mild und stürmisch, sondern aufgrund des Tiefdruckeinflusses gibt es oftmals auch größere Regenmengen. Die Kombination aus gefrorenem Boden, Schmelzwasser und Regen führt dann im Alpenvorland oder in den deutschen Mittelgebirgen an kleinen und mittleren Flüssen zu Hochwasser. Die Auswirkungen auf die großen Flüsse wie etwa die Donau sind hingegen meist gering, da ein Teil des Niederschlags im Einzugsgebiet/Hochgebirge weiterhin als Schnee fällt.

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Tauwetter und Südföhn

Derzeit kann man in den Alpen bei viel Sonnenschein noch den frisch gefallenen Schnee genießen. Ein wahrer Traum in Weiß bietet sich hier, wie auch die Webcams zeigen:

https://www.foto-webcam.eu/webcam/schruns/

Doch das traumhafte Winterwetter hat nicht lange Bestand. Aus Nordwesten nähert sich im Tagesverlauf eine kräftige Warmfront, die von Salzburg bis ins Nordburgenland am Abend und in der Nacht für etwas Regen, anfänglich auch noch Schnee sorgt.

Am Mittwoch aufkommender Südföhn

Am Mittwoch liegt Österreich dann hinter der Warmfront im milden Warmsektor und die Strömung dreht auf Südwest.

Bodenfrontenkarte für den Mittwoch

Dafür verantwortlich ist das Sturmtief GORAN über den Britischen Inseln, an dessen Vorderseite sich eine föhnige Südströmung einstellt. Der Föhn erreicht im Laufe des Mittwochs auf den Bergen Sturmstärke und es kommt zu Schneeverwehungen. Bis der Föhn in die Tallagen vordringt dauert es hingegen länger, da erst die bodennahen Kaltluftseen ausgeräumt werden müssen.

Höchstwerte am Mittwoch

Mit bis zu 12 Grad wird es besonders am Alpenostrand schon sehr mild, aber auch in Vorarlberg greift gegen Abend der Südföhn durch.

Am Donnerstag setzt sich der Südföhn fort und dringt bis in viele Alpentäler vor. Auch im Südosten wird es mit kräftigem Südwestwind sehr mild.

Höchstwerte am Donnerstag

Deutlich kühler und windschwach bleibt es nur vom Salzach- bis ins Ennstal sowie im Südwesten.

Tauwetter

Mit den steigenden Temperaturen und dem Südföhn geht es dem Schnee an den Kragen. Allerdings gibt es derzeit rekordverdächtige Schneemengen in den Alpen, sodass nur ein Teil des Schnees abschmilzt. Auch ist das Tauwetter nicht so massiv, um irgendwelche Probleme durch Hochwasser zu verursachen. Am Freitag geht der Föhn zu Ende, das Wochenende verläuft dann unbeständig und im Bergland teils winterlich.

Nach dem Schnee kommt das Tauwetter

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Über dem Nordatlantik kommt es derzeit zur regen Tiefdrucktätigkeit,  vom Ostatlantik bis zur Nordsee kommt es zur Bildung zahleicher Tiefdruckwirbel, die in den kommenden Tagen eine Wetterumstellung in Deutschland herbeiführen. Im Westen des Landes sind die Temperaturen meist schon im positiven Bereich, während im Osten noch der Einfluss des Höhentiefkomplexes über Osteuropa spürbar ist.

Am Dienstag zieht eine Warmfront über Deutschland hinweg und räumt die letzten Reste der Kaltluft im Osten aus. Zuvor fällt in den Mittelgebirgen noch etwas Schnee, der allmählich in Regen übergeht.

Bodendruck- und Frontenkarte für Dienstag, 19. Jänner 2021
Bodendruck- und Frontenkarte für Dienstag, 19. Jänner 2021. Quelle: DWD

Im Warmsektor dreht die Höhenströmung auf westliche Richtung, in Bodennähe frischt der Südwestwind kräftig auf. In den höheren, exponierten Lagen werden vereinzelt auch Sturmstärken erreicht.

Maximale Windböen am Dienstag, 19.01.2021
Maximale Windböen am Dienstag, 19.01.2021

Der ununterbrochene Nachschub milder Atlantik Luft in den kommenden Tagen sorgt für eine Erwärmung in allen Höhen, die Folge ist Tauwetter.

Äquivalent-potentuelle Temperatur in etwa 1500m Höhe charakterisiert die Eigenschaften der Luftmasse. Gelb bzw. Orange im Bild stehen für milde, Blau bzw. Violet für kalte Luftmassen. Quelle: NOOA
Äquivalentpotentielle Temperatur in etwa 1500 m Höhe charakterisiert die Eigenschaften der Luftmasse. Gelb bzw. Orange im Bild stehen für milde, Blau bzw. Violet für kalte Luftmassen. Quelle: NOOA

Dabei erreichen die Temperaturen am Dienstag im Westen und Nordwesten den zweistelligen Bereich, bis zu 10 Grad werden von der Kölner Bucht bis zur Elbmündung  erreicht.

Quelle UBIMET.
Quelle UBIMET.

Am Mittwoch und Donnerstag setzt sich die Erwärmung allmählich in den Großteil des Landes durch, bis zu 12 Grad sind dann am Donnerstag am Oberrhein sowie von der Altmark bis zur Niederlausitz möglich.

Maximumtemperatur von Montag 18. bis Donnerstag 21. Januar 2021. Quelle NOAA.
Maximumtemperatur von Montag 18. bis Donnerstag 21. Januar 2021. Quelle NOAA.

Größere Abflussmengen sind trotz Tauwetters nicht zu erwarten, da zum Schmelzwasser in den betroffenen Regionen keine nennenswert hohen Niederschlagsmengen in flüssiger Form zu erwarten sind.

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