Ab welcher Eisdicke kann man Eislaufen?

Üblicherweise nimmt die Dichte von Stoffen mit abnehmender Temperatur zu, weshalb sich beispielsweise die kühlste Luft bei einer ruhigen Hochdrucklage im Winter immer am Boden eines Tals ansammelt. Es gibt jedoch ein paar Stoffe, darunter Wasser, die ein gegenteiliges, anomales Verhalten zeigen. So rücken die Moleküle des Wassers bei einer Temperatur von +4 Grad besonders nah zusammen und erreichen die maximale Dichte. Bei Temperaturen unter 4 Grad nimmt die Dichte des Wassers wieder etwas ab.

Eislaufen
Der Weissensee in Kärnten. © https://weissensee4.it-wms.com/

Die 4-Grad-Marke

Durch die Dichteanomalie des Wassers kühlt ein stehendes Gewässer im Laufe des Herbstes gänzlich auf 4 Grad ab, bevor sich das Wasser an der Oberfläche weiter in Richtung Gefrierpunkt abkühlen kann. Im Winter kommt es somit immer an der Oberfläche eines Gewässers zur Eisbildung, während am Seeboden eine 4 Grad „warme“ Schicht erhalten bleibt. Diese Eigenschaft des Wassers ist überlebenswichtig für die dortige Tier- und Pflanzenwelt.

Freigabe

Die Freigabe einer Eisfläche erfolgt meist durch lokale Vereine. In der Regel wird aber nicht ein ganzer See freigegeben, sondern immer nur bestimmte, gekennzeichnete Bereiche, da die Eisdicke besonders im Uferbereich oder in der Nähe von Zuflüssen meist ungleichmäßig ist. Wer sich auf das glatte Parkett bewegt, sollte sich der damit verbundenen Gefahren aber bewusst sein! In der Regel soll das Eis eines stehendes Gewässers mindestens 8 cm dick sein, um es gefahrlos betreten zu können:

  • 5 cm: einzelne Personen
  • 8 cm: mehrere Personen
  • 12 cm: Schlittengespanne
  • 18 cm: Autos

Gefrorene Flüsse bzw. Fließgewässer sind viel gefährlicher als stehende Gewässer, diese sollte man also generell nicht betreten.

Eislaufen
Der Hörzendorfersee in Unterkärnten. © https://www.evw.at/webcams/

Bisher wenige zugefrorene Seen

Der Winter 2019/20 war bislang sehr mild, somit was es vielerorts nicht kalt genug für zugefrorene Seen. Lediglich in windgeschützten Tal- und Beckenlagen, wo es häufig zu starken Temperaturinversionen kam, sind ein paar Seen tragfähig. In Österreich betrifft dies vor allem Kärnten sowie einzelne kleine Seen in den Nordalpen. So ist derzeit etwa der Westteil des Weissensees in Kärnten oder der Ritzensee bei Saalfelden freigegeben. Weiters kann man auch etwa auf dem Pressegger See, dem Hörzendorfersee, dem Rauchelsee oder dem Lendkanal in Klagenfurt Eislaufen. (Update: Der Aichwaldsee war zunächst zum Eislaufen freigegeben, wurde aber nach einem tragischen Unfall am Samstag wieder sofort gesperrt, derzeit ist das Betreten verboten).

Eislaufen in Saalfelden. © www.foto-webcam.eu

Titelbild: b_hanakam on VisualHunt / CC BY-NC-SA