Regen und Schnee: Die Schneefallgrenze in den Alpen

Schneefallgrenze

Die Schneefallgrenze taucht im Winter in nahezu jedem Wetterbericht in den Alpen auf, sofern Niederschlag erwartet wird.  Meist wird für diesen Höhenbereich eine gewisse Spanne angegeben, da sich die Schneefallgrenze im Laufe der Zeit meist ändert und besonders in den Alpen selbst auf vergleichsweise kleinem Raum größere Unterschiede auftreten.

Die Schneefallgrenze am Dienstagabend in Österreich. © UBIMET

50:50

Bei der Schneefallgrenze handelt es sich nicht um eine scharfe Grenze, wo der fallende Schnee abrupt in Regen übergeht, sondern um eine unterschiedlich  mächtige Schmelzschicht. Laut Definition liegt die Schneefallgrenze dabei in jener Höhenlage, wo das Verhältnis zwischen Schneeflocken und Regentropfen 50 zu 50 beträgt. Die Schneefallgrenze liegt stets etwas tiefer als die Nullgradgrenze, je nach Luftschichtung meist um etwa 200 bis 400 Meter. Meteorologen verwenden auch gerne die sog. Feuchtkugeltemperatur: Wenn diese unter +0,5 Grad liegt, fällt meist Schnee, bei Werten zwischen +0,5 und +1 Grad dagegen Schneeregen. Eine Ausnahme stellen allerdings Inversionswetterlagen dar, dann kann es manchmal auch zu gefrierendem Regen kommen.

Schneeregen
An der Schneefallgrenze. © www.foto-webcam.eu

Schneefall- und Schneegrenze

Schnee fällt zwar häufig auch noch bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, meist findet dann aber keine Akkumulation am Boden statt. Das Höhenniveau, ab dem der Schnee auch liegen bleibt, wird als Schneegrenze bezeichnet. Diese liegt meist auf halber Höhe zwischen der Schneefallgrenze und der Nullgradgrenze. Schneeflocken können aber nicht nur schmelzen, sondern vor allem in trockener Luft auch verdunsten bzw. sublimieren: Damit kühlt die Oberfläche der Schneeflocken ab, weshalb es selbst bei deutlichen Plusgraden noch immer schneien kann. Im Extremfall, wie etwa unterhalb einer Föhnmauer, kann der gesamte Schnee sublimieren. In sehr trockener Luft sind zudem selbst bei Temperaturen um +5 Grad noch Schneeflocken möglich.

Schneefallgrenze
Die Schneegrenze ist in den Alpen meist gut sichtbar. ©’www.foto-webcam.eu

Niederschlagsabkühlung

Wenn Schneeflocken bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt schmelzen, wird der Umgebungsluft etwas Wärme entzogen. Damit kühlt sich die Luft bei windschwachen Verhältnissen nach und nach auf 0 Grad ab. Vor allem in engen Alpentälern, wo das Luftvolumen geringer als über der Ebene ist, kann die Schneefallgrenze daher bei starken Niederschlagsraten rasch bis zum Talboden absinken. Die Luftschichtung liegt dann meist bis zum Kammniveau bei exakt 0 Grad, weshalb Meteorologen auch den Begriff „isothermer Schneefall“ verwenden. Somit kann es selbst bei einer vergleichsweise milden Luftmasse bis in manche Tallagen schneien, während die Schneefallgrenze abseits der Alpen teils sogar um 1000 m höher liegt (die kalte Luft wird nicht herangeführt, sondern die vorhandene Luft wird an Ort und Stelle abgekühlt). Bekannt dafür sind unter anderem die Täler Osttirols und Oberkärntens bei Italientiefs, während dieses Phänomen in windigen Regionen wie etwa im Wiener Becken nur selten eine Rolle spielt.

Schneefall
Schneefall im Drautal. © www.foto-webcam.eu

Bild von Jonathan Sautter auf Pixabay

Italientiefs: Regen und Schnee in Österreich

Regen

Wenn kalte Luftmassen westlich der Alpen in den Mittelmeerraum vordringen, sind die Bedingungen für die Entstehung von Tiefdruckgebieten rund um dem Golf von Genua aufgrund der Position und Ausrichtung der Alpen besonders günstig. In Österreich kommt dabei meist eine südliche Höhenströmung auf, welche feuchte Mittelmeerluft zu den Alpen führt. Italientief ist aber nicht gleich Italientief, so können die Auswirkungen auf unser Wetter sehr unterschiedlich ausfallen.

Besondere Wetterlagen

Die meisten Italientiefs ziehen vergleichsweise schnell nach Osten oder Südosten ab und sorgen nur vorübergehend für kräftige Niederschläge im Süden Österreichs. Italientiefs stehen allerdings auch im Zusammenhang mit markanten Wetterlagen, welche gebietsweise mit großen Niederschlagsmengen verbunden sind:

  • Ergiebiger Südstau (v.a. in Osttirol und Oberkärnten)
  • Gegenstromlage (im gesamten Alpenraum)
  • Vb-Tief bzw. „Fünf-b-Tief“ (v.a. im Osten und Südosten)

Südstau

Nahezu ortsfeste Tiefdruckgebiete über dem westlichen Mittelmeerraum sorgen in Österreich für eine anhaltende Südströmung. Bevor die Luft auf die Alpen prallt, nimmt sie über dem Mittelmeer viel Feuchtigkeit auf und wird in weiterer Folge in den Südalpen wie ein Schwamm ausgepresst. In Österreich sind davon Osttirol und Oberkärnten besonders stark betroffen.  Je nach Ausrichtung und Stärke der Höhenströmung gibt es dabei die größten Niederschlagsmengen in der Regel im Gail- und Lesachtal oder am Loibl in den Karawanken. Erst Ende August gab es etwa am Nassfeld in Kärnten rund 300 mm Regen in nur zwei Tagen.

Solange keine kühle Luft aus NW eintrifft, weht in den Nordalpen Föhn.

Im Winterhalbjahr kann die Schneefallgrenze bei solchen Lagen selbst bei einer relativ hohen Nullgradgrenze um 2000 m Höhe bis in manche Tallagen absinken: Die Schmelzwärme des Schnees, die der Umgebung entzogen wird, sorgt nämlich in engen Tälern für eine Abkühlung der Luft bis auf 0 Grad. Weitere Hintergründe zum Thema Niederschlagskühlung haben wir kürzlich hier zusammengefasst.

Gegenstromlage

Bei vielen Südstaulagen weht in den Nordalpen gleichzeitig Föhn. Wenn das dazugehörige Höhentief allerdings nahezu ortsfest knapp westlich von Österreich zu liegen kommt, sickert an der Alpennordseite aus Nordwesten kühle Luft ein, die den Föhn abheben lässt. Die südliche Strömung im Kammniveau sinkt dann an der Alpennordseite nicht mehr ab, sondern gleitet über die kühle Luft in tiefen Schichten auf. Der Niederschlag kann aus Süden also auch auf die Alpennordseite übergreifen. Meteorologen sprechen dann von einer Gegenstromlage, da in den Tälern der Nordalpen eine schwache nördliche Strömung aufkommt, während in der Höhe starker Südwind weht. Bei diesen Wetterlagen kann die Schneefallgrenze je nach Niederschlagsintensität dank der Niederschlagsabkühlung bis in manche Täler der Nordalpen absinken, so ist diese Wetterlage meist auch für den ersten Schnee der Saison etwa am Brenner oder im Pinz- und Pongau verantwortlich.

Eine Gegenstromlage sorgt auch in den Nordalpen für Regen bzw. Schneefall.

Vb-Tief

Wenn Italientiefs sich ost- bis nordostwärts über die Adria in Richtung Ungarn und schließlich Polen verlagern, bestehen auch im Osten Österreichs die größten Chancen auf kräftigen Regen bzw. Schneefall. Bei solch einer Zugbahn des Tiefkerns sprechen Meteorologen auch von einem Vb-Tief („Fünf-b-Tief“).

Die häufigsten Zugbahnen von Tiefdruckgebieten nach van Bebber und Köppen (1891).

Auch bei dieser Wetterlage gleiten feuchte Luftmassen auf der kühlen Luft in tiefen Schichten auf, aufgrund der Zugbahn des Tiefs sind die größten Niederschlagsmengen aber im Osten und Südosten Österreichs zu erwarten. Diese Wetterlage ist relativ selten, im Winter kann sie aber zu markanten Wintereinbrüchen führen.

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Schneemangel im Gebirge setzt sich fort

Bereits im vergangenen Winter gab es am Alpenhauptkamm deutlich weniger Schnee als üblich, wobei der nahezu vollständig trockene März besonders eklatant war. Die mehrfache Ablagerung von Saharastaub sowie der nachfolgende heiße Sommer ohne Schnee in den Hochlagen haben dann auch zu der Rekordschmelze der Gletscher geführt. Der milde und in einigen Regionen sehr trockene Herbst sorgt nun in den Hochlagen der Alpen für einen schlechten Start in die neue Wintersaison.

Analyse der aktuellen Schneehöhe am 12.11.2022. © UBIMET

Am Hohen Sonnblick in 3.109 m Höhe wurden heuer bereits mehrere Rekorde aufgestellt, wie etwa:

  • Erstmals kein negatives Monatsmittel der Temperatur im Mai mit exakt 0,0 Grad (Messreihe seit 1887)
  • Die früheste Ausaperung: am 6. Juli (zuvor lag der Rekord am 13. August in den Jahren 1963 sowie 2003, Daten seit 1938).
  • Erstmals ein positives Monatsmittel der Temperatur im Oktober mit +0,1 Grad (Messreihe seit 1887)

Warmer Herbst

Der Herbst 2022 war bislang durch zahlreiche Hochdrucklagen und deutlich überdurchschnittliche Temperaturen geprägt, entsprechend gab es in den Hochlagen weniger Neuschnee als sonst. Nennenswert war nur ein Italientief am 4. November, welches in den Hochlagen für 30 bis 50 cm Schnee sorgte. Dieser hat sich aber rasch gesetzt und die Südhänge sind wieder bis weit über 2000 m hinauf ausgeapert.

Schneelage in den Stubaier Alpen. © Land Tirol

Derzeit ist zwar die Fläche der Schneebedeckung annähernd durchschnittlich, die Mächtigkeit der Schneedecke ist aber geringer als üblich.

12.11.2022 Langjähriges Mittel
Sonnblick (A), 3109 m 23 cm 141 cm
Zugspitze (D), 2964 m 18 cm 65 cm
Dresdner Hütte (A), 2290 m 7 cm 30 cm
Säntis (CH), 2502 m 8 cm 40 cm
Weissfluhjoch (CH), 2536 m 13 cm 32 cm

 

Derzeit beträgt die Abweichung der Schneehöhe zum langjährigen Mittel etwa -60 bis -80 Prozent. Bei einer passenden Großwetterlage kann sich das zu dieser Jahreszeit zwar rasch ändern, derzeit sieht es aber noch nicht danach aus.

Der Herbst war bislang deutlich zu mild. © UBIMET

Nur wenig Schnee in Sicht

In der kommenden Woche lässt der Hochdruckeinfluss zwar nach, die Niederschlagsmengen halten sich nach derzeitigem Stand aber in Grenzen. Am Mittwoch erfasst voraussichtlich eine schwache Kaltfront die Alpen, mehr als 5 bis 15 cm sind in den Hochlagen aber nicht zu erwarten. Die nächste Chance für nennenswerten Neuschnee kündigt sich dann am kommenden Freitag an, ab übernächster sieht der Trend dagegen eher ungünstig aus.

Die Wahrscheinlichkeit für Niederschlag nimmt im Alpenraum etwas zu. © ECMWF

Generell deuten die Modelle in den kommenden Wochen vor allem auf erhöhte Tiefdrucktätigkeit über dem Nordatlantik sowie auf positive Druckanomalien über Skandinavien bzw. Russland hin. Bei dieser Konstellation wird es im Alpenraum mitunter leicht föhnig und die Niederschlagsmengen in Österreich halten sich meist in Grenzen. Zum Monatsende wird dann eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für positive Druckanomalien berechnet. Die Temperaturen nähern sich zwar tendenziell dem langjährigen Mittel an, die zu erwartenden Niederschlagsmengen sind aber eher unterdurchschnittlich.

Tendenz der Druck- und Niederschlagsanomalien in den kommenden drei Wochen. © ECMWF

In Summe ist das Jahr 2022 in Österreich auf Rekordkurs, nur ein kalter Dezember kann ein Podestplatz noch verhindern. Sollte der Dezember ebenfalls zu mild abschneiden, wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit 2018, dem bislang wärmsten Jahr seit Messbeginn.

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Straßenverhältnisse im Herbst: 5 Herausforderungen für Autofahrer

Straße im Herbst

Die Umstellung von Sommerzeit auf Winterzeit findet zwar erst Ende Oktober statt, doch schon jetzt werden die Tage merklich kürzer. Der Pendelverkehr verlagert sich nun zunehmend in die Dämmerung. Mehrere Gefahrenquellen werden somit für Autofahrer zunehmend zum Thema:

  1. Wildwechsel
  2. Nebel
  3. Eis
  4. Laub
  5. Sonnenblendung

Wildwechsel

Besonders jetzt im Herbst ist zur Dämmerung viel Wild unterwegs. Da Wildtiere oft auf bekannten Wegen die Verkehrsstraßen der Menschen passieren, warnen Hinweisschilder an besonders gefährlichen Stellen vor dem Wildwechsel. Mit angepasster Fahrgeschwindigkeit sowie besonderer Bremsbereitschaft kann die Gefahr von Zusammenstößen zwischen Autos und Wildtieren zumindest minimiert werden, nichtsdestotrotz gibt es Jahr für Jahr zahlreiche Unfälle, allein in Österreich kamen in der Saison 2018/19 mehr als 75.000 Wildtiere durch eine Kollision mit einem Fahrzeug zu Schaden. Wenn Wild unmittelbar vor dem Auto über die Straße läuft, sollte man versuchen nur zu Bremsen und nicht zu lenken, da man sonst riskiert von der Straße abzukommen (was meist noch gefährlich ist).

Gefahr von Wildwechsel auf den Straßen.
Gefahr von Wildwechsel auf den Straßen. © pixabay.com

Nebel

In den kommenden Wochen nimmt die Nebelanfälligkeit kontinuierlich zu. Bekannte Nebelregionen sind beispielsweise der Bodenseeraum, der Donauraum, das Klagenfurter Becken und das Schweizer Mittelland. Die Sichtweite kann dabei drastisch abnehmen, besonders auf Schnellstraßen muss man also stets einen ausreichenden Sicherheitsabstand halten!

Raureif und Nebel
Reif und Nebel im Herbst. © Adobe Stock

Frost

Frost ist ein Wetterparameter, der erst zum Ende des Herbstes wirklich verbreitet auftritt, in Tal- und Beckenlagen kann es aber bereits jetzt Bodenfrost geben. Besonders auf Brücken kann es dann in den Nächten nach Durchzug einer Wetterfront glatt werden und in klaren Nächten kann sich Reif bilden. Dies ist besonders gefährlich, wenn man im Herbst noch mit Sommerreifen unterwegs ist, daher empfiehlt es sich bereits jetzt auf Winterreifen umzusteigen.

Rutschiges Laub

Herabfallendes Laub ist vor allem im Oktober und November ein Problem. Gerade nach windigen Tagen sowie kalten Nächten präsentieren sich viele Straßen übersät von bunten Blättern. In Kombination mit Regen oder Tau wirkt das nasse Laub wie ein natürliches Schmiermittel. Ein rechtzeitige Abnahme der Fahrgeschwindigkeit schafft Abhilfe. Allgemein bleiben die Straßen nach einem Frontdurchgang in dieser Jahreszeit immer länger feucht, da die Sonne kaum noch Kraft und Zeit hat, um den Boden zu erwärmen. Spätesten wenn der Winterdienst unterwegs ist, muss man häufiger die Scheiben putzen, man sollte also stets ausreichend Scheibenwaschflüssigkeit haben.

Laub auf den Straßen im Herbst.
Laub auf den Straßen im Herbst. © Adobe Stock

Sonnenblendung

Die Sonne geht immer später auf und immer früher unter, dadurch kann es am Weg zur Arbeit häufiger passieren, dass man beim Autofahren an manchen Stellen direkt in die Sonne schaut. Dies wirkt sich negativ auf die Sichtweite aus, im Extremfall kann sie sogar schlechter als bei Nebel sein! Selbst die Sonnenblende hilft manchmal nicht, sondern nur eine Verminderung der Fahrgeschwindigkeit.

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Zeitumstellung: Ab Sonntag Normalzeit gültig

Zeitumstellung: Ab Sonntag Normalzeit gültig

Die Umstellung der Uhren erfolgt in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Die Uhren werden um 03:00 Uhr eine Stunde zurückgestellt. Daraus folgt, dass ihr eine Stunde länger schlafen könnt. Generell sollte das Aufstehen somit leichter fallen, denn am Morgen ist es bei Normalzeit heller als bisher. Dafür wird es am Abend deutlich früher dunkel.

Zeitumstellung in Mitteleuropa seit 1980

Versuche, die Uhrzeit im Sommer und Winter an den Sonnenstand anzupassen, gab es schon vor 1980. Doch erst 1980 gab es einen Konsens. Die Zeitänderungen im mitteleuropäischen Raum wurde somit nachhaltig festgelegt. Das Resultat: Seit 6. April 1980 wird zwischen 2:00 Uhr und 3:00 Uhr morgens zweimal jährlich an Europas Uhren gedreht. Wirklich gedreht wird allerdings nur mehr an sehr wenigen Uhren. Elektronische Geräte stellen ihre Uhren oftmals automatisch um oder bekommen die korrekte Uhrzeit über das Internet.

Zeitumstellung in der Nacht

Die Ursachen für die Umstellung während der Nachtstunden sind das geringere Verkehrsaufkommen (vor allem Fahrpläne öffentlicher Verkehrsmittel) und die geringe wirtschaftliche Aktivität, die zu dieser Tageszeit herrschen. Erst seit 1996 erfolgt die Zeitumstellung am letzten März- und letzten Oktoberwochenende.

Straße in der Nacht ©picjumbo.com - https://picjumbo.com/night-car-lights-on-the-road/
Die Uhr wird in der Nacht umgestellt, da das Verkehrsaufkommen gering ist und es kaum wirtschaftliche Aktivität gibt. ©picjumbo.com

Auswirkungen der Zeitumstellung

Im Gegensatz zur Zeitumstellung im März (eine Stunde weniger Schlaf) bringt die Umstellung auf die Normalzeit im Oktober wenig Probleme mit sich. Der ursprüngliche Sinn hinter der Zeitumstellung war das Sparen von Energie. Im Sommer ist es durch die Umstellung länger hell, der Verbrauch von Strom für Beleuchtung ist also geringer. Durch die Umstellung auf Normalzeit wird im Herbst mehr Energie für das Heizen von Wohnungen und Büros benötigt. Ob man in Summe also tatsächlich Energie spart, ist umstritten.

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Herbstferien bringen Sonne und Nebel, auf den Bergen extrem mild

Quelle: Adobe Stock

Der Oktober 2022 endet so, wie er sich über weite Strecken präsentiert hat, nämlich außergewöhnlich mild. Die festgefahrene Großwetterlage mit Hochdruckeinfluss über dem Mittelmeerraum und Teilen Mitteleuropas geht in den Herbstferien in die Verlängerung. Aus Südwesten erreicht dabei am Nationalfeiertag ein weiterer Schwall subtropischer Luft das Land.

In Mitteleuropa war der Oktober durch ungewöhnlich viel Hochdruckeinfluss geprägt.

Auf den Bergen milder als im September

Die Temperaturen in den Herbstferien liegen auf den Bergen teils mehr als 10 Grad über dem langjährigen Mittel. Das Zusammenspiel aus tiefem Sonnenstand und Hochdruckeinfluss führt in den Niederungen zwar zu Inversionswetterlagen, auch hier liegen die Temperaturen aber über dem Durchschnitt. Auf den Bergen war der Oktober bislang sogar milder als der September und eine nennenswerte Änderung ist nicht in Sicht. Am Hohen Sonnblick lag die mittlere Temperatur im Oktober bislang bei nahezu exakt 0 Grad, im September dagegen bei -1,1 Grad. Üblich wäre eine durchschnittliche Temperatur von etwa -3 Grad. Etwa am Patscherkofel und am Brunnenkogel war der Oktober bislang sogar 2 Grad milder als der September.

Nach dem kühlen Abschnitt im September liegen die Temperaturen etwa am Sonnblick über dem Mittel.

Am Nationalfeiertag teils bewölkt

Am Mittwoch halten sich im östlichen Flachland und in den südlichen Becken zunächst einige Nebelfelder, an der Alpennordseite ziehen dagegen Wolken durch und stellenweise gehen Regenschauer nieder. Tagsüber lösen die Wolken im Osten den Nebel ab, von Vorarlberg über Salzburg bis in die Weststeiermark kommt dagegen häufig die Sonne zum Vorschein. Die Höchstwerte liegen zwischen 14 Grad im Mühl- und Waldviertel und 22 Grad in Vorarlberg.

Blockiertes Hoch

Ab Donnerstag stellt sich unter dem Einfluss von Hoch ZACHARIAS bis auf Weiteres ruhiges und häufig sonniges Herbstwetter ein, vor allem in den Alpen dominiert meist der Sonnenschein. In den Niederungen nimmt dagegen die Nebelneigung zu, etwa am Freitag zeichnet sich im Nordosten ganztags Hochnebel ab. Die Luft erwärmt sich je nach Nebel und Sonne auf 15 bis 24 Grad, wobei es vor allem in den Alpen für die Jahreszeit außergewöhnlich warm wird. Bei Temperaturen in 2.000 m Höhe um 15 Grad kann man sich auf ausgezeichnetes Wanderwetter freuen, zumal auch noch kaum Schnee auf den Wanderwegen liegt.

In den Herbstferien etabliert sich ein „Betonhoch“ über Mitteleuropa. Daten: ECMWF/UBIMET

Zu Beginn der kommenden Woche ist in den Nordalpen vereinzelt auch nochmals ein Sommertag mit einem Höchstwert von 25 Grad möglich. Eine Änderung der Großwetterlage ist nach derzeitigem Stand nicht vor dem Monatswechsel zu erwarten.

Auch in den Niederungen liegen die Temperaturen meist über dem Mittel. Daten: ECMWF/UBIMET

Späte Sommertage nur mit Föhn

Sommertage sind ab Mitte Oktober generell sehr selten und treten meist nur mit Föhn auf. Etwa in Bludenz wurden am 21.10.2020 noch 25,8 Grad erreicht bzw. am 23.10.2019 sogar 27,4 Grad. Den Rekord für den spätesten Sommertag im Jahr halten mehrere Wetterstationen im Traun- und Mostviertel am 16. November 2002, als bei einem schweren Föhnsturm in Weyer bis zu 26,1 Grad gemessen wurden.

Titelbild  © AdobeStock

Tief HELGARD bringt im Westen örtlich kräftige Gewitter

Deutschland gerät aktuell zunehmend unter den Einfluss eines Tiefs namens HELGARD, dessen Kern sich in den kommenden Stunden zu den Britischen Inseln verlagert. Mit einer südwestlichen Strömung zieht im Tagesverlauf die Warmfront des Tiefs über das Land hinweg, diese ist aber kaum wetterwirksam und sorgt in erster Linie nur für den Durchzug ausgedehnter, hochliegender Wolkenfelder.

Die prognostizierte Frontenanalyse für Sonntag, 12 UTC. Karte: FU Berlin / DWD
Für die Jahreszeit energiereiche Luft erfasst den Westen des Landes. © GFS/UBIMET

Am Abend lokal kräftige Gewitter

In den Abendstunden zieht aus Westen bereits die Kaltfront des Tiefs auf, in deren Vorfeld zeichnen sich Schauer und mitunter auch Gewitter ab. Bei sehr starker Windscherung und für die Jahreszeit ungewöhnlich hohen CAPE-Werten können die Gewitter von NRW bis ins nördliche Baden-Württemberg auch kräftig ausfallen und damit für Unwettergefahr sorgen.

Am Abend setzt in der Atmosphäre Hebung ein. © ECMWF/UBIMET

Die Gewitter ziehen sehr schnell und können abgesehen von kurzzeitigem Starkregen lokal auch für Hagel und Sturmböen sorgen. Da die Windscherung auch in tiefen Schichten recht stark ausfällt, ist auch die Wahrscheinlichkeit für einen Tornado leicht erhöht, wobei nicht alle Bedingungen dafür perfekt erfüllt werden und die Unsicherheiten erhöht sind.

Gewitterpotential am Sonntagabend. © www.uwr.de

Im Laufe der Nacht ziehen die Gewitter unter Abschwächung rasch ostwärts, somit ist auch im Osten zeitweise schauerartiger Regen zu erwarten. Die Unwettergefahr ist hier aber gering.

Der aktuelle 6z-ICON-D2-Lauf sieht den Schwerpunkt zwischen Saarland und Unterfranken.

Titelbild © Storm Science Austria

Herbst bringt oft Föhn in den Alpen

Föhn in den Bergen.

Im Allgemeinen ist Föhn ein Wind, der auf der Leeseite von Gebirgen durch Absinken wärmer und relativ trockener wird. Wenn Gebirgsketten der Luftströmung  im Weg stehen, kann Luft auf der windabgewandten Seite des Gebirges (im Lee) bei bestimmten Bedingungen als trockener Wind in die Täler durchgreifen. In Europa sind es die über weite Strecken West-Ost verlaufenden Alpen, die namensgebend für dieses Phänomen sind, das sich je nach Anströmung meist als Süd- oder Nordföhn äußert. Es gibt aber durchaus auch Westföhn, wie etwa am Alpennordrand, im Inntal oder auch im Wiener Becken.

Hochreichender Föhn

Die bekannteste Form ist der Südföhn, wenn Luft von Italien über die Alpen nordwärts strömt. Typisch dafür ist die Annäherung eines kräftigen Tiefs über Westeuropa. An dessen Vorderseite baut sich über dem Alpenraum eine straffe Südwestströmung auf. Der Luftdruckunterschied zwischen Alpensüd- und Alpennordseite setzt die Föhnströmung in Gang. Bei der klassischen Föhntheorie („Schweizer Föhn„), kühlt die Luft beim Aufsteigen an der Alpensüdseite ab, wobei es vielfach zur Kondensation und oft auch zur Niederschlagsbildung kommt. Auf der anderen Seite des Gebirgskamms rauscht die Luft dann als turbulenter Fallwind talwärts, wobei sich diese, ihrer Feuchtigkeit mittlerweile entledigt, schneller erwärmen kann, als sie sich zuvor abgekühlt hat. So kommt es dass die Luft bei gleicher Höhenlage an der Alpennordseite deutlich wärmer als an der Alpensüdseite ist.

Der „Schweizer“ Föhn. © Roland Stull; Univ. of British Columbia

Seichter Föhn

Wolken und Niederschlag im Luv der Berge sind aber keine Voraussetzung, so kommt es immer wieder zu Föhn, obwohl der Himmel auf beiden Seiten der Alpen nahezu wolkenlos ist. Sehr häufig trennen die Alpen nämlich unterschiedliche Luftmassen: In solchen Fällen kann die kühlere Luft durch die Einschnitte des Alpenhauptkamms hindurchfließen, wie etwa im Bereich des Brenners, und dann wasserfallartig  in die Täler strömen, wobei sie durch Kompression abgetrocknet bzw. erwärmt wird (u.a.. wird auch der Begriff  „Österreichischer Föhn“ herangezogen). Diese Föhnluft steigt zuvor nicht am Südhang der Alpen auf, sondern befindet sich in mittleren Höhenniveaus über den mit Kaltluft gefüllten Tälern südlich des Alpenhauptkamms.

Der „österreichische“ Föhn. © Roland Stull; Univ. of British Columbia

Beide Föhntypen können überall auftreten, es handelt sich keineswegs um geographisch begrenzte Varianten, so gibt es durchaus auch in Österreich Föhnlagen mit starkem Niederschlag in den Südalpen. Der Begriff „Österreichischer Föhn“ stammt aus Innsbruck, da es hier besonders häufig föhnig ist, auch wenn in Südtirol mitunter noch die Sonne scheint.

Trajektorien der Luft bei Südföhn im Linth- (oben), Rhein- (Mitte) und Wipptal (unten) bei verschiedenen Luftmassen (links = warm, mittig = mild, rechts = kühl) - Jansing, L. & Sprenger, M.(2022) Thermodynamics and airstreams of a south foehn event in different Alpine valleys. Quarterly Journal of the Royal Meteorological Society, 148( 746), 2063– 2085. Available from: https://doi.org/10.1002/qj.4285
Trajektorien der Luft bei Südföhn im Linth- (oben), Rhein- (Mitte) und Wipptal (unten) bei verschiedenen Luftmassen (links = warm, mittig = mild, rechts = kühl) – Jansing, L. & Sprenger, M.(2022) Thermodynamics and airstreams of a south foehn event in different Alpine valleys. Quarterly Journal of the Royal Meteorological Society, 148( 746), 2063– 2085. Available from: https://doi.org/10.1002/qj.4285

Frühjahr und Herbst

Speziell im Winter steigt die Wahrscheinlichkeit für zähe Kaltluftseen in den tieferen Tallagen deutlich an. Dann kommt es bei schwach ausgeprägten Luftdruckunterschieden vor, dass sich der Föhn nicht gegen die kalte Talluft durchsetzen kann und sich auf die Hochtäler beschränkt. Gut zu sehen ist dieses winterliche Minimum auch im folgenden Bild, es zeigt die Häufigkeit für Südföhn in Innsbruck im Laufe eines Jahres: Die „föhnigste“ Jahreszeit ist demnach der Frühling (der hohe Sonnenstand begünstigt den Föhndurchbruch), ein zweites Maximum gibt es im Oktober. Im Sommer sind die Druckgegensätze und die Höhenströmung dagegen meist nur schwach ausgeprägt.

Boxplot der monatlichen Anzahl von Föhntagen in Innsbruck. © A. Ortner / Uni Innsbruck

Des einen Freud, des anderen Leid

Im Gegensatz zur Luv-Seite, wo der Himmel oft bewölkt ist und zum Teil auch der feuchte und kühle Wettercharakter dominiert, bewirkt Föhn als trockener Wind im Lee oft freundliche Wetterbedingungen. Dabei zeigt sich der Himmel häufig wolkenarm und somit kommen in den Bergen Sonnenhungrige auf ihre Rechnung. Im östlichen Flachland kommt es bei leicht föhnigem Wetter dagegen besonders häufig zu zähem Nebel. Der Föhn kann in Sachen Windstärke allerdings Probleme bereiten und örtlich durchaus auch für Sturmschäden verantwortlich sein. Überdies ist der Föhn bei manchen Menschen in Verruf geraten, denn er steht in Verdacht, den Organismus zu beeinflussen. Empfindliche Menschen leiden bei Föhn unter Nervosität, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, innerer Unruhe und mitunter auch unter Kreislaufbeschwerden. Weiters kann die südliche Höhenströmung auch Saharastaub im Gepäck haben, weshalb die Luft bei Föhnlagen manchmal diesig erscheint und die Fernsicht eingeschränkt ist.

Foto: jan.remund auf visualhunt.com

Extremwetter im Oktober: Von Hitze bis Schnee

Ob ruhiges Herbstwetter, Föhnstürme oder auch Wintereinbrüche, der Oktober kann sich von Jahr zu Jahr von sehr unterschiedlichen Seiten präsentieren. Heuer verläuft der Oktober bislang außergewöhnlich mild, da wiederholt sehr milde Luftmassen subtropischen Ursprungs zum Alpenraum gelangen. Damit sind wir sogar auf Rekordkurs, so könnte dieser Oktober der wärmste seit Messbeginn im Jahre 1767 werden. Bislang wurde das Podest von 1795, 1811 und 2001 besetzt.

Bisherige minimalen und maximalen Temperaturabweichungen im Oktober auf Stationsbasis. © UBIMET

Vorerst ist auch keine nennenswerte Änderung in Sicht: Die vorübergehend eingeflossene, kühle Luft im Osten des Landes wird bereits am Wochenende wieder verdrängt. Regional können sich in den Niederungen zwar bodennahe Kaltluftseen mit Nebel halten, auf den Bergen und in den Föhnschneisen sorgt die milde Luft dagegen nach wie vor für sehr hohe Abweichungen.

Prognose der Temperaturabweichungen in den kommenden 7 Tagen. © K. Haustein

Ein Monat der Extreme

Der Oktober liegt wie der April mitten in der Übergangsjahreszeit, damit kann er je nach vorherrschender Großwetterlage sowohl Wärmewellen als auch erste Wintereinbrüche bringen. Im Gegensatz zum Frühjahr ist der Sonnenstand aber deutlich niedriger, weshalb es auch häufig zu Inversionswetterlagen kommt. Klimatologisch bringt der Oktober jedenfalls in weiten Teilen des Landes die ersten Nächte mit Luft- und Bodenfrost. In Mittelgebirgslagen oberhalb von etwa 1.000 bis 1.300 m kommt es zudem manchmal zu Kaltlufteinbrüchen mit der ersten dünnen Schneedecke der Saison. Selten kann man sogar in tiefen Lagen schon die ersten Schneeflocken zu Gesicht bekommen.

Späte Hitze und frühe Eiseskälte

Anfang Oktober gab es tatsächlich schon Tage mit über 30 Grad: In Österreich stieg die Temperatur in Eisenstadt (Burgenland) am 1.10.1956 auf erstaunliche 30,1 Grad, in Deutschlandsberg (Steiermark) wurden am 5.10.1983 genau 30 Grad erreicht. Das sind die Hitzerekorde für die Landeshauptstädte:

  • Wien 28,6 Grad (1942; 2009)
  • Eisenstadt 30,1 Grad (1956)
  • St. Pölten 27,8 Grad (2001)
  • Linz 26,0 (1956)
  • Graz 27,2 (2019)
  • Klagenfurt 26,3 (1971)
  • Salzburg 28,2 (1987)
  • Innsbruck 26,8 (2009)
  • Bregenz 29,4 (1966)

Im Oktober kann es allerdings auch schon klirrend kalt werden: So fror man etwa in Sankt Jakob im Defereggen (Osttirol) am 29.10.1997 bei -14,2 Grad und in Sankt Michael im Lungau (Salzburg) am 25.10.2003 bei -13,4 Grad. Selbst in Wien gab es Ende Oktober 1920 -9,1 Grad.

Schießling im Hochschwab: 15 cm Neuschnee auf 1400m - Bild: Mario Gansberger
Schießling im Hochschwab: 15 cm Neuschnee auf 1400m im Oktober 2021 – Bild: Mario Gansberger

Schneehäufigkeit im Oktober

Die Häufigkeit von Schneefall im Oktober hängt stark von der Seehöhe ab. Am Arlberg gibt es fast jedes Jahr eine dünne Schneedecke im Oktober, aber auch im Außerfern, im Lungau oder in Mariazell kommt das statistisch gesehen immerhin alle zwei Jahre vor. In den größeren Tälern wie dem Unterinntal oder dem Murtal gibt es eine dünne Schneedecke dagegen nur alle 5 bis 10 Jahre. Entlang der Donau ist Schnee im Oktober hingegen ein äußerst ungewöhnliches Ereignis und kommt etwa nur alle 50 Jahre vor. In Wien wurde im Oktober bislang zweimal eine Schneedecke gemessen: am 30.10.1940 sowie am 24.10.2003. Eine unterbrochene, dünne Schneedecke gab es in den westlichen Randbezirken aber auch am 28.10.2012.

Markante Ereignisse

Allein in den letzten 15 Jahren gab es mehrmals heftige Wintereinbrüche im Oktober. So fielen beispielsweise am 14. Oktober 2009 rund 30 cm Neuschnee in Seefeld, 20 cm in Turnau und 10 cm in Mariazell. Noch heftiger verlief der Wintereinbruch am 10. Oktober 2013 im Westen Österreichs, als in Seefeld und Patsch bis zu 50 cm Neuschnee fielen und es selbst in Innsbruck etwa 15 cm Nassschnee gab.  Der nasse Schnee hatte massiven Schneebruch zur Folge.


Herbststurm

Im Oktober beginnt allmählich die Saison der im Winterhalbjahr gehäuft auftretenden Sturmtiefs. In den Südföhnregionen der Alpen kommt es außerdem gerade im Oktober und November häufig zu Föhnstürmen, so wurden beispielsweise am Patscherkofel am 3. Oktober 2020 Böen bis 175 km/h gemessen. Sehr stürmisch kann es aber auch in den Niederungen zugehen, wie etwa im Einflussbereich von Orkan XYLIA am 28.10.1998, als in Wolfsegg (Oberösterreich) Böen bis zu 127 km/h gemessen wurden, oder auch am 29. Oktober 2017, als Sturm HERWART etwa in Wien Böen bis 119 km/h brachte.

Titelbild: Erster Schnee im Oktober © stock.adobe.com

Inversionswetterlage mit Nebel und Hochnebel

Nebel

Zu dieser Jahreszeit stellt sich unter beständigem Hochdruckeinfluss immer öfter eine sogenannte Inversionswetterlage ein. Diese zeichnet sich durch eine Umkehr der normalerweise vorherrschenden Abnahme der Temperatur mit der Höhe aus, so ist es in mittleren Höhenlagen milder als in den Tal- und Beckenlagen. Dies hat zwei Ursachen:

  • Den Sonnenstand
  • Die Subsidenz bei Hochdrucklagen

Lange Nächte

Die Nächte in Mitteleuropa sind bereits über 13 Stunden lang und die Sonne steht tagsüber etwa in Wien maximal 33 Grad über dem Horizont. Die unteren Luftschichten kühlen in den langen Herbstnächten stark aus und besonders in den Tal- und Beckenlagen entstehen sogenannte Kaltluftseen, die durch die immer schwächere Sonne erst spät oder gar nicht mehr ausgeräumt werden können.

Im Herbst gibt es viel Nebel
Nebel im Rheintal. © www.foto-webcam.eu

Subsidenz

Kräftige Hochdruckgebiete im Herbst sorgen in der freien Atmosphäre für eine absinkende Bewegung der Luft („Subsidenz“). Wenn Luft absinkt, dann gelangt sie unter höheren Luftdruck und wird demzufolge komprimiert und erwärmt. Dies hat zur Folge, dass die Luft im Gebirge oft sehr trocken und die Fernsicht ausgezeichnet ist. Die Grenze zum darunterliegenden Kaltluftsee wird dann besonders markant und fördert beständigen Nebel oder Hochnebel.

In den Tallagen hält sich Nebel
Inversion mit Subsidenz im Winter. © UBIMET / www.foto-webcam.eu

Während in den Tälern und Niederungen also graues und kühles Wetter herrscht, kann es in mittleren Höhenlagen tagsüber bei Sonnenschein mitunter auch mehr als 20 Grad milder sein! Aber auch ohne Hochnebel ist es unterhalb der Inversion häufig dunstig, denn durch die fehlende Durchmischung mit der oberen Atmosphäre sammeln sich Feuchte und Schadstoffe langsam an und die Sicht ist getrübt.

Eine Inversionswetterlage
Eine Dunstschicht im Zuge einer Inversionswetterlage in Osttirol. © www.foto-webcam.eu


Titelbild © https://www.foto-webcam.eu/

Optische Phänomene im Nebel

Nebel und Sonne

Bei Wanderungen durch eine Nebelschicht ist es empfehlenswert, an der Nebelobergrenze auf optische Effekte zu achten. Um diese zu beobachten muss man meist wie bei einem Regenbogen mit dem Rücken zur Sonne stehen. Anbei eine Übersicht der häufigsten optischen Phänomene im Nebel:

  • Glorie
  • Brockengespenst
  • Nebelbogen
  • Schattenstrahlen
Flugzeug über den Wolken
Auch aus dem Flugzeug lassen sich viele optische Phänomene beobachten. © AdobeStock

Glorie

Es handelt sich dabei um farbige Lichtbögen bzw. -kreise um den eigenen Schatten, dabei ist jeder Bogen ähnlich zu einem Regenbogen innen bläulich und außen rötlich. Im Kern umgibt eine runde, helle Fläche den Schatten des Beobachters. Die Bögen entstehen u.a. durch die Rückstreuung der Sonnenstrahlung in kleinen Wassertröpfchen (der Lichtstrahl breitet sich in der Tropfenoberfläche als Grenzflächenwelle aus und strahlt so auch in Rückwärtsrichtung Licht ab) und der anschließenden Beugung an  kleinen Wassertröpfchen. Durch Interferenz des gebeugten Lichtes entstehen schließlich die ringförmigen Strukturen.
Man kann diese optische Erscheinung vor allem am Nebelrand beobachten, wenn man mit dem Rücken zur Sonne steht und die Sonnenstrahlen von hinten auf die Wolken fallen. Das gleiche Phänomen kann man oft aber auch aus einem Flugzeug, beobachten, wenn man Wolken nach oben durchbricht. Eine ähnliche Lichterscheinung ist der sog. Heiligenschein, dessen Ursache Tautropfen etwa auf einer Wiese sind.

Glorie
Ein Glorie an der Wolkenoberseite. © AdobeStock

Brockengespenst

Die Glorie geht oft einher mit dem sogenannten Brockengespenst. Es handelt sich dabei um den Schatten des Beobachters, der in eine tiefer gelegene Nebelschicht projiziert wird. Im Gegensatz zum Schattenwurf auf festen Oberflächen erscheint der Schatten in die Tiefe projiziert und dadurch perspektivisch vergrößert. Insbesondere wenn man sich nahe an der Nebelschicht befindet, kann es dazu kommen, dass man sich über die Größe und die Bewegungen des eigenen Schattens erschrickt. Das Phänomen wurde erstmals auf dem Brocken von Johann Esaias Silberschlag im Jahre 1780 beobachtet und beschrieben.

Brockengespenst
Ein Brockengespenst inkl. Glorie. © AdobeStock

Nebelbogen

Bei einem Nebelbogen handelt es sich um einen kreisförmigen, weiß leuchtenden Bogen, der ganz ähnlich zu einem Regenbogen entsteht. Er wird daher manchmal auch „weißer Regenbogen“ genannt. Neben der Brechung und Reflexion des Lichtes spielen dabei auch Beugungseffekte eine Rolle. Auch dieses Phänomen kann man beobachten, wenn man sich am Nebelrand mit dem Rücken zur Sonne befindet. Der Nebelbogen ist breiter als ein Regenbogen und schimmert außen gelblich und am Innenrand bläulich, dazwischen ist er weiß. Je kleiner die Tröpfchen sind, desto lichtschwächer erscheint er. Ab etwa 5 Mikrometern Tröpfchengröße wird das Licht so schwach, dass man es nicht mehr wahrnehmen kann.

Nebelbogen
Ein Nebelbogen. © AdobeStock

Schattenstrahlen

Im Gegensatz zu den bisher beschrieben Phänomenen sieht man Schattenstrahlen, wenn man in Richtung Sonne blickt. Diese optische Erscheinung trägt viele Namen wie etwa Strahlenbüschel oder auch Nebelstrahlen (engl. allg. „crepuscular rays„). Meist kann man diese Strahlen beobachten, wenn man sich im Schatten von Bäumen befindet und in Richtung Sonne blickt. An den von der Sonne beschienen Bereichen wird das Licht an den kleinen Nebeltröpfchen gestreut und es entsteht ein scheinwerferähnlicher Effekt, als ob man die Sonnenstrahlen tatsächlich sehen könnte.

Schattenstrahlen im Nebel
Nebelstrahlen. © AdobeStock

 

Atmosphärischer Fluss leitet Wärmewelle ein

Österreich liegt derzeit unter dem Einfluss einer westlichen Höhenströmung und eine eingelagerte Warmfront zieht aktuell über den Norden des Landes hinweg. Mit der Warmfront erfassen feuchtwarme Luftmassen subtropischen Ursprungs das Land, welche uns in den kommenden Tagen sehr mildes Herbstwetter bescheren werden. Die Temperaturen erreichen von Sonntag bis Dienstag nochmals verbreitet die 20-Grad-Marke bzw. örtlich in den Nordalpen sogar bis zu 25 Grad. Die feuchtwarme Luft gelangt aktuell mit einem sog. „atmosphärischen Fluss“ nach Mitteleuropa.

Die Rückwärtstrajektorien zeigen die Herkunft der Luft am Alpennordrand. Bild: www.wetter3.de
Zu Wochenbeginn liegen die Temperaturen in Mitteleuropa deutlich über dem Mittel.

Atmosphärischer Fluss

Bei einem atmosphärischen Fluss handelt es sich um ein etwa 500 km breites und bis zu mehrere tausend km langes Band subtropischer Luft, welches mit einer straffen Strömung sehr viel Feuchtigkeit in die mittleren Breiten bzw, manchmal sogar bis in polare Breiten führt. Die folgende Animation zeigt das aus Satelliten-Daten abgeleitete niederschlagbare Wasser (genauer für Kenner: PWAT = precipitable water), welches den atmosphärischen Fluss vom subtropischen Atlantik bis nach Mitteleuropa sichtbar macht.

Ein atmosphärischer Fluss erstreckt sich vom subtropischen Atlantik bis nach Mitteleuropa.

Bei solchen Ereignissen kann es manchmal zu großen Regenmengen kommen, wobei allerdings mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Wenn der Fluss über einen längeren Zeitraum auf die gleiche Region trifft und insbesondere mit einer senkrechten Komponente auf eine Gebirgskette gerichtet ist, besteht die Gefahr von Hochwasser und Vermurungen. Aktuell trifft der Fluss mit einer senkrechten Komponente u.a. auf den Schwarzwald, allerdings ist die Wetterlage nicht festgefahren und damit verweilt der Fluss nur für eine vergleichsweise kurze Zeit. Die Alpen liegen parallel zum Fluss, damit bleiben die Regenmengen hierzulande gering, nur in den exponierten Lagen des Bregenzerwaldes gibt es nennenswerte Mengen um 30 Liter pro Quadratmeter.

U.a. im Weststau des Schwarzwaldes gab es bereits mehr als 50 mm Regen.

Atmosphärische Flüsse stehen manchmal im Zusammenhang mit extremen Regenmengen, ganz besonders im Bereich von Gebirgsketten im Zuge einer festgefahrenen Wetterlagen. Beispielsweise kam es vor knapp einem Jahr auf diese Weise auch am Rande von Vancouver zu schweren Überflutungen.

Ausgehend von den tropischen Regionen erstrecken sich stets mehrere atmosphärische Flüsse, aktuell u.a. auch entlang der Westküste Kanadas oder an der Südspitze Argentiniens.

Goldener Oktober: Am Sonntag in den Nordalpen bis zu 25 Grad

Zeller See

Der Oktober verlief bislang etwa 2 Grad milder als im langjährigen Mittel von 1991 bis 2020, wobei regional wie im Lienzer Becken oder im Rax-Schneeberg-Gebiet auch Abweichungen zwischen +2,5 und +3 Grad beobachtet wurden.

Bisherige Temperaturabweichung im Oktober.

Im Laufe des Wochenendes erfasst ein Schwall subtropischer Luft das Land, somit werden die Abweichung weiter steigen. In Summe schließt die erste Oktoberhälfte somit milder als die zweite Septemberhälfte ab. In Wien war der Oktober bislang mit einer durchschnittlichen Temperatur von 14 Grad knapp 2 Grad milder als die zweite Septemberhälfte.

Temperaturabweichungen in Wien seit Mitte September.

Zunächst noch wechselhaft

Mit einer westlichen Strömung ziehen in den kommenden zwei Tagen noch schwache Störungen durch, somit gestaltet sich das Wetter am Freitag und Samstag noch nicht von seiner beständigen Seite. Am Freitag ziehen vom Salzburger Land bis ins östliche Flachland anfangs ein paar Regenschauer durch, tagsüber stellt sich trockenes Wetter ein und die Wolken lockern auf. Im Westen breiten sich im Tagesverlauf dagegen zunehmend dichte Wolken aus und am späten Abend setzt Regen ein. Die Höchstwerte liegen meist zwischen 15 und 19 Grad. Am Samstag dominieren anfangs die Wolken und im Norden und Nordosten fällt etwas Regen. Sonst bleibt es meist trocken und von Vorarlberg bis Kärnten lockert es tagsüber etwas auf. Die Temperaturen erreichen 14 bis 20 , im äußersten Süden und Westen auch 21 Grad.

In den Nordalpen bis zu 25 Grad

Der Sonntag startet regional mit Nebelfeldern und im Norden ziehen noch ein paar harmlose Wolken durch, am Vormittag setzt sich aber verbreitet die Sonne durch. Die Temperaturen steigen deutlich an, am Alpennordrand wie etwa in Salzburg oder in der Eisenwurzen wird es nochmals spätsommerlich warm mit Höchstwerten bis zu 25 Grad. Aber auch sonst wird es sehr mild für die Jahreszeit mit Temperaturen zwischen 18 und 23 Grad. Üblich zu der Jahreszeit wären Höchstwerte von etwa 14 bis 17 Grad.
Das sonnige und milde Wetter setzt sich auch am Montag und Dienstag fort, regional wie etwa im Waldviertel kann sich jedoch bis in die Mittagsstunden Nebel halten. Die größten Temperaturabweichungen gibt es im Bergland, so steigt die Nullgradgrenze nochmals gegen 4000 m an.

Die Nullgradgrenze liegt zu Wochenbeginn sehr hoch. © ECMWF/UBIMET

Späteste Sommertage mit Föhn

Sommertage sind ab Mitte Oktober generell sehr selten und treten meist nur mit Föhn auf. Etwa in Bludenz wurden am 21.10.2020 noch 25,8 Grad erreicht bzw. am 23.10.2019 sogar 27,4 Grad. Den Rekord für den spätesten Sommertag im Jahr halten mehrere Wetterstationen im Traun- und Mostviertel am 16. November 2002, als bei einem schweren Föhnsturm in Weyer bis zu 26,1 Grad gemessen wurden.

Die Temperaturen liegen zumindest bis Mitte der kommenden Woche über dem langjährigen Mittel. © ECMWF/UBIMET
Die kommenden 7 Tage verlaufen verbreitet ungewöhnlich mild. © K. Haustein

Titelbild © AdobeStock

Laubverfärbung im Herbst

Farben im Herbst - pixabay.com / claude05alleva

Im Sommer werden bei großen Bäumen mehrere hundert Liter Wasser pro Tag verdunstet. Wenn im Winter der Boden gefriert, bleibt der Wassernachschub aus, die Bäume und Sträucher können nicht mehr genug Wasser aufnehmen und würden vertrocknen. Deshalb entledigen sie sich im Herbst ihrer Blätter und stoppen so die Wasserabgabe. Für das Abwerfen der Blätter braucht es einen niedrigen Sonnenstand und kürzere Tage, nächtliche Temperaturen im einstelligen Bereich und mehrere sehr kühle Nächte hintereinander. Zudem wird der Vorgang auch durch Hormone gesteuert. Das Maximum der Herbstverfärbung ist im Oktober, in höheren Lagen etwas früher, in tiefen Lagen etwas später.

Herbstfarben. Bild © pixabay.com

Von gelb bis feuerrot

Der stickstoffreiche grüne Blattfarbstoff (Chlorophyll), mit dem die Pflanzen die Energie des Sonnenlichts für die Bildung von Zucker nutzen (Photosynthese), wird bei der Blattverfärbung in seine Bestandteile zerlegt und eingelagert. Im Laufe dieses Prozesses wird sichtbar, dass die Blätter auch orange und gelbe Farbstoffe enthalten: Karotinoide (gelb, orange, rot), Xanthophylle (gelb) und Anthocyane (oft rot). Pappel- und Ahornblätter werden beispielsweise gelb, Roteichen oft feuerrot.
Das leuchtende Farbenspiel des Herbstes beruht in erster Linie auf einer Änderung des Mengenverhältnisses dieser Blattfarbstoffe. Im Frühling und Sommer überwiegt der grüne Farbstoff, das für die Photosynthese unabdingbare Chlorophyll. Es überdeckt alle anderen Pigmente. Mit dem Verschwinden des Chlorophylls kommen jetzt die anderen Pigmente voll zur Geltung und verursachen die beeindruckende herbstliche – zumeist gelbliche – Laubfärbung.

Bunte Herbstimpressionen.
Bunte Herbstimpressionen. Bild © pixabay.com

Besonders intensiv zeigt sich die herbstliche Verfärbung in Nordamerika, hier unter dem Namen „Indian Summer“ bekannt. Der Grund liegt darin, dass unsere Bäume weniger Farbstoffe produzieren. Diese sind nämlich auch dazu da, die Wirkung des Sonnenlichtes abzuschirmen, sodass das lichtempfindliche Chlorophyll nicht angegriffen wird. Je sonniger es ist, desto intensiver sind so die Farben. Bei uns ist es durchschnittlich häufiger bewölkt, sodass sich ein intensiverer Sonnenschutz zumeist erübrigt.

Viele Vorteile für die Pflanzen

Der Blattabwurf ist dabei nicht nur ein wirksamer Verdunstungsschutz, sondern hat noch weitere Vorteile für die Pflanzen: Er entsorgt giftige Stoffwechsel-Endprodukte und gespeicherte Umweltgifte. Auch können kahle Bäume im Winter besser große Schneelasten aushalten, ohne dass Äste oder sogar Stämme brechen. Außerdem erhalten die im Frühjahr austreibenden Knospen durch den herbstlichen Laubfall ausreichend Licht für ihre Entwicklung.

Schneefall im Herbst - Adobe Stock
Schneefall im Herbst. Bild © AdobeStock

Nadelbäume

Während die meisten Laubbäume ihre Blätter im Herbst abwerfen, ist dies mit Ausnahme der Lärche bei den Nadelbäumen nicht der Fall. Die Blätter der Nadelbäume verfügen nämlich über eine dicke Wachsschicht und eine sehr feste Haut, welche die Verdunstung hemmt. Außerdem sind die sogenannten Spaltöffnungen, über die der Baum Wasser verdunstet, im Blatt versenkt, sodass die Verdunstung weiter gebremst wird. Hinzu kommt die kleine Oberfläche der Nadeln, wodurch sich die Verdunstung nochmals verringert. Deshalb ist ein herbstlicher Nadelfall nicht nötig. Dies gilt jedoch nicht für die Lärche, die oft in sehr kalten Regionen wächst, sodass die genannten Mechanismen nicht mehr wirken. Damit sie kein Wasser verdunstet, wirft sie im Herbst ihre Nadeln ab.

Herbst
Goldener Oktober in den Alpen. © www.foto-webcam.eu

Sommertrockenheit

Insbesondere bei längeren Trockenphasen, wie in diesem Sommer oder 2018, kam es auch bei uns immer wieder auch zu vorzeitigem Laubfall durch Vertrocknen der Blätter. Solche Ereignisse sind im Zuge der erwarteten weiteren Klimaerwärmung mit immer längeren sommerlichen Trockenphase in Zukunft immer häufiger zu erwarten.

Der goldene Oktober

Im Oktober sorgen Vegetation und Sonne für goldenes Licht

Der Ausdruck „goldener Oktober“ hat im deutschsprachigen Raum eine sehr lange Tradition. Er wurde nachweislich bereits vor mehreren hundert Jahren verwendet, wobei das exakte Datum des Aufkommens jedoch nicht gesichert ist. Entscheidend für den goldenen Eindruck in dieser Jahreszeit sind zwei Faktoren:

  • Die Laubfärbung
  • Der Sonnenstand
Herbst
Goldener Oktober bei Oberstdorf. © www.foto-webcam.eu/

Faktor Vegetation

Die Blattverfärbung der Laubwälder erreicht im Oktober vielerorts ihren Höhepunkt. Mit der abnehmenden Sonnenstrahlung lässt die Photosynthese nach: Um den dazu benötigten, wichtigen grünen Farbstoff Chlorophyll über den Winter nicht zu verlieren, wird dieser den Blättern entzogen und andere Farbstoffe werden sichtbar. Bei Lärchen und Birken etwa kommt es durch Karotin zu einer gelb bis goldgelben Färbung, bei Eiche und Ahorn hingegen sorgt der Stoffe Anthocyan für einen deutlich rote Farbe, während Buchen und Eichen aufgrund von Gerbstoffen eher ins Bräunliche gehen.

Herbst
Goldener Oktober in Kärnten. © www.foto-webcam.eu

Faktor Sonne

Die Färbung der Blätter wird durch die verstärkte Streuung des Sonnenlichts in dieser Jahreszeit zusätzlich hervorgehoben, insbesondere in den Morgenstunden sowie am späten Nachmittag bzw. Abend. Dadurch überwiegt die gelb-rötliche Strahlung, welche die Blattverfärbung noch besser und intensiver zur Geltung bringt, und oftmals geht der Farbton sogar ins Goldene. Ruhige Hochdrucklagen sowie auch Föhnlagen im Herbst garantieren meist diesen Sonnenschein, sofern der Nebel keinen Strich durch die Rechnung macht.

Goldenes Licht in Wien am Dienstagabend.
Goldenes Licht in Wien. © foto-webcam.eu

Hoch TIMEO bringt den Altweibersommer

Altweibersommer

In der neuen Woche gerät Österreich zunehmend unter Hochdruckeinfluss und die nordwestliche Strömung lässt ab Dienstag nach. Der seit mehreren Wochen andauernde Tiefdruckeinfluss wird durch Hoch TIMEO beendet. Die Temperaturen steigen im Laufe der Woche deutlich an, mit etwas Verspätung kommt nun doch noch der Altweibersommer.

Ab dem Wochenbeginn breitet sich Hoch TIMEO in Mitteleuropa aus. © UBIMET

Am Montag im Osten sehr windig

Der Montag startet an der Alpennordseite dicht bewölkt und vom Salzkammergut bis in die nördliche Obersteiermark gehen noch ein paar Schauer nieder. Sonst bleibt es meist trocken und die Wolken lockern im Tagesverlauf auf. Die meisten Sonnenstunden sind im Süden und Osten zu erwarten. Der Wind weht allerdings im Osten teils kräftig aus Nordwest, in exponierten Lagen gibt es auch stürmische Böen. Die Temperaturen erreichen 12 bis 21 Grad mit den höchsten Werten im äußersten Süden.

UCM-Modellprognose der Windspitzen am Montag. © UBIMET

Zunehmend sonnig und mild

Am Dienstag ziehen vom Wald- und Weinviertel bis ins Burgenland einige Wolkenfelder durch, sonst scheint nach Auflösung örtlicher Nebel- oder Hochnebelfelder bereits verbreitet die Sonne. Tagsüber stellt sich auch im Osten ein freundlicher Mix aus Sonne und Wolken ein. Die Höchstwerte liegen zwischen 15 und 20, im Inntal auch 22 Grad. Der Mittwoch und der Donnerstag beginnen regional wie etwa in den südlichen Becken, im Donauraum und am Alpenrand mit Frühnebel, dieser lichtet sich aber rasch und verbreitet dominiert der Sonnenschein. Die Temperaturen steigen spürbar an und erreichen 19 bis 24 Grad.

Prognose der Höchstwerte am Mittwoch (zum Vergrößern auf das Bild klicken). © UBIMET

Weiterhin mild

Am Freitag und Samstag setzt sich das ruhige und überwiegend sonnige Herbstwetter fort, die Temperaturen liegen weiterhin über dem jahreszeitlichen Mittel mit Höchstwerten knapp über der 20-Grad-Marke. Im Laufe des Wochenendes nimmt der Hochdruckeinfluss jedoch langsam ab und nach derzeitigem Stand nähert sich am Sonntag wieder ein Tiefausläufer dem Alpenraum.

Die neue Woche bringt überdurchschnittliche Temperaturen und nahezu keinen Regen. © ECMWF/UBIMET

Bild von Tanja Schulte auf Pixabay

 

Zivilschutz-Probealarm am 1. Oktober

Sirene

Der jährliche Zivilschutz-Probealarm soll nicht nur als Funktionstest der Sirenen dienen, sondern auch der Bevölkerung die Bedeutung der Signale in Erinnerung rufen. Am Samstag werden somit mehr als 8.000 Sirenen in ganz Österreich heulen. Mit diesen soll nämlich im Katastophenfall die Bevölkerung gewarnt und alarmiert werden.

Sirenensignale

Anbei die Bedeutung der Signale sowie der Zeitplan für den Probealarm am 1. Oktober 2022:

    • 12 Uhr: Sirenenprobe, 15 Sekunden
    • 12:15 Uhr: Warnung, 3 Minuten gleichbleibender Dauerton: Herannahende Gefahr!
    • 12:30 Uhr: Alarm, 1 Minute auf- und abschwellender Heulton: Gefahr!
    • 12:45 Uhr: Entwarnung, 1 Minute gleichbleibender Dauerton: Ende der Gefahr
Die Bedeutung der Sirenensignale
Die Bedeutung der Sirenensignale. © zivilschutzverband.at

Weitere Infos dazu gibt es hier: zivilschutzverband.at

Titelbild © Adobe Stock

September 0,6 Grad kühler als im langjährigen Mittel

Der September 2022 schließt mit einer Abweichung von -0,6 Grad zum langjährigen Mittel von 1991 bis 2020 leicht zu kühl ab. Die markantesten Abweichungen um -1 Grad wurden von den Kitzbüheler Alpen bis ins Salzkammergut beobachtet. Nahezu durchschnittlich waren die Temperaturen dagegen im Süden und Südosten des Landes. In Summe war der September nach dem April erst der zweite zu kühle Monat in diesem Jahr, wobei der Kontrast zum überdurchschnittlich warmen Vormonat besonders markant ausfällt: In den Landeshauptstädten war es im September rund 7 Grad kühler als im August, beispielsweise lag die mittlere Temperatur in Wien im August bei 22,6 Grad, im September dagegen bei 15,4 Grad. Zuletzt kühler verlief der September im Jahr 2017.

Temperaturabweichungen im September 2022. © UBIMET

Erst mild, dann kühl

Die erste Monatshälfte verlief in weiten Teilen des Landes noch überdurchschnittlich mild. Auch zur Monatsmitte gelangten an der Ostflanke des ehemaligen Hurrikans Danielle nochmals sehr milde Luftmassen ins Land und am 14. wurden in Graz bis zu 29,6 Grad erreicht. Im Zusammenhang mit einem weiteren Ex-Hurrikan namens Earl kam es zur Monatshälfte aber zu einem markanten Kaltlufteinbruch und mit Ankunft arktischer Luftmassen sank die Schneefallgrenze im Westen am 17. erstmals bis in höhere Tallagen ab. Am 20. gab es im Bergland den ersten Morgenfrost der Saison und am 23. wurde es auch in tiefen Lagen wie etwa in Berndorf und in Klausen-Leopoldsdorf örtlich leicht frostig.


Damit war der Kontrast zwischen der ersten und der zweiten Monatshälfte besonders groß: Die mittlere Temperatur in Wien lag in der ersten Septemberhälfte bei 18,6 Grad und in der zweiten nur noch bei 12,2 Grad. Ähnlich auch in Klagenfurt, hier war es in der zweiten Monatshälfte knapp 7 Grad kühler als in der ersten.

Temperaturverlauf in Wien.

An der Alpennordseite viel Regen

Der September brachte vor allem von Vorarlberg bis ins Mühlviertel sowie streckenweise auch im Süden überdurchschnittlich viel Regen. Die größte Abweichung zum Mittel wurde in Bregenz mit einer Gesamtbilanz von 206% verzeichnet, wobei hier allein vom 16. auf den 17. rund 104 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden gemessen wurden. Deutlich zu nass war der Monat aber auch in Teilen Oberösterreichs sowie Unterkärntens, so liegt die Bilanz in Linz und Pörtschach bei 160%. Streckenweise gab es jedoch auch weniger Niederschlag als üblich, ganz besonders am Alpenostrand von den Fischbacher und Gutensteiner Alpen bis ins Mittelburgenland. Die relativ trockensten Orte mit einer Bilanz von knapp 50 % waren Lilienfeld, Berndorf und Aspang. In diesen Regionen setzte sich die seit Juni andauernde Trockenheit somit fort. Österreichweit war der September in Summe nahezu durchschnittlich.

Niederschlagsanteil vom Mittel im September 2022. © UBIMET

Bei der Sonnenscheindauer liegt die Bilanz bei etwa 80%, wobei es besonders vom Flachgau bis ins Waldviertel mit nur 65 bis 75% des Solls deutlich weniger Sonnenstunden als üblich gab. Nahezu durchschnittlich sonnig war es lediglich in Teilen Unterkärntens und des Wiener Beckens.

Sonnenscheinabweichungen im September 2022. © UBIMET

Extremwerte September 2022

Stand: Freitag, 30.09.2022, 10 Uhr (Bundesland, Tag des Auftretens)

Höchste Temperaturen
  • 29,6 Grad Graz Straßgang (ST, 14), Eisenstadt (B, 8.)
  • 29,5 Grad Wien Donaufeld (W, 7.), Mattersburg (B, 8.)
  • 29,4 Grad Deutschlandsberg (ST, 7.)
Sommertage (Höchstwert >25 Grad)
  • 9 Bad Radkersburg (ST)
  • 8 Bludenz (V), Seibersdorf, Berndorf (NÖ), Mattersburg, Bruckneudorf (B)
Tiefste Temperaturen (unter 1000 m Seehöhe)
  • -4,3 Grad Schwarzau / Moorbad Harbach (NÖ, 23.)
  • -2,9 Grad Seckau (ST, 23.)
  • -2,6 Grad Weitensfeld (K, 22.)
Frosttage (unter 1000 m Seehöhe)
  • 4 Turnau (ST)
  • 3 Radstadt (S), Oberwölz, Neumarkt, Zeltweg (ST), Ehrwald (T), Weitensfeld (K)
Nasseste Orte
  • 332 Liter pro Quadratmeter Alberschwende (V)
  • 306 Liter pro Quadratmeter Bregenz (V)
  • 275 Liter pro Quadratmeter Sulzberg (V)
Trockenste Orte
  • 30 Liter pro Quadratmeter Mistelbach (NÖ)
  • 33 Liter pro Quadratmeter Mörbisch (B)
  • 36 Liter pro Quadratmeter Mattersburg (B)
Blitzentladungen
  • 15.350 Steiermark
  • 9.105 Niederösterreich
  • 6.533 Oberösterreich
Sonnigste Stationen
  • 185 Sonnenstunden Mörbisch (B)
  • 180 Sonnenstunden Klagenfurt (K)
  • 176 Sonnenstunden Hollenthon (NÖ)
Stärkste Windspitzen Niederungen
  • 88 km/h Arriach (K, 14.)
  • 86 km/h Innsbruck Flughafen (T, 6.)
  • 83 km/h Mariazell (ST, 18.)
Blitzdichte im September. © UBIMET

Rekord-Sturm: Hurrikan Fiona trifft auf Kanada

Hurrikan Fiona

Der Kern von Hurrikan Fiona befindet sich aktuell etwa 250 km nördlich der Bermuda-Inseln und zieht mit gut 40 km/h nord- bis nordostwärts. Derzeit werden im Kern des Tiefs mittlere Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h erreicht, was einem Hurrikan der Kategorie 3 entspricht.

Extratropical Transition

Wenn Hurrikane in nördliche Breiten vorstoßen, kommen sie allmählich in den Bereich der Westwindzone. In diesen Gebieten sorgen die zunehmende Windscherung sowie die sukzessive kühleren Wassertemperaturen für eine Umwandlung des Tiefs: Die Symmetrie geht verloren, das Tief entwickelt allmählich Fronten und bei meist etwas nachlassenden Windgeschwindigkeiten wird das Tief in Summe größer. Solange das Tief noch einen warmen Kern besitzt, spricht man von einem Hybrid-Sturm, im weiteren Verlauf kühlt dieser aber ab und das Tief wird schließlich zu einem außertropischen Tiefdruckgebiet der mittleren Breiten. Bei Fiona kommen jedoch zwei ungünstige Faktoren zusammen: Einerseits profitiert der Wirbelsturm von außergewöhnlich hohen Wassertemperaturen, andererseits auch vom Zusammenspiel mit der vergleichsweise weit nach Süden reichenden Frontalzone.

Hurrikan Fiona interagiert mit der Frontalzone. © ECMWF/UBIMET

Hybrid-Sturm

Hurrikan Fiona gerät in den kommenden Stunden in den Einflussbereich der Westwindzone, und das zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt: Ein ausgeprägter Höhentrog mit kühlen Luftmassen zieht derzeit nämlich über den Osten der USA hinweg und sorgt beim Zusammentreffen mit Fiona für große Temperaturgegensätze. Die Interaktion mit der Frontalzone führt kommende Nacht zu einer neuerlichen Verstärkung des Tiefs sowie auch zu einer leichten Kursänderung in Richtung Küste. Fiona wird dabei zu einem „Hybrid-Sturm“ und weist beim Landfall in Nova Scotia am Samstagmorgen sowohl tropische als auch außertropische Eigenschaften auf.

Historisches Ereignis

Der Luftdruck im Kern des Tiefs wird beim Landfall je nach Modell nochmals auf etwa 930 hPa absinken. Dies ist ein extrem tiefer Wert für Kanada, so liegt der bisherige Landesrekord bei 940,2 hPa (gemessen am 20. Januar 1977 in der Provinz Neufundland). Es muss also von einem außergewöhnlich heftigen Sturm für diesen Breitengrad ausgegangen werden. Laut Reanalyse-Daten seit dem Jahre 1950 lag der tiefste Luftdruck in den betroffenen Gebieten bislang bei etwa 952 hPa. Die Modelle berechnen Wellenhöhen von teils über 15 Metern, dazu muss man vor allem östlich des Tiefkerns an der Küste mit einer schweren Sturmflut sowie auch mit Orkenböen um 160 bzw. vereinzelt auch 200 km/h rechnen. In den betroffenen Gebieten zeichnen sich somit verheerende Schäden ab.

Wochenausblick: kühl mit erstem Morgenfrost im Bergland

In der neuen Woche liegt Österreich zwischen einem Hoch über Westeuropa und reger Tiefdrucktätigkeit über Osteuropa. Mit einer nordwestlichen Strömung gelangen dabei weiterhin kühle Luftmassen arktischen Ursprungs ins Land. Zur Wochenmitte sorgt das Hoch auch in Österreich für eine zögerliche Wetterbesserung. In manchen Tallagen ist in dieser Woche der erste Morgenfrost der Saison zu erwarten, zum kommenden Wochenende hin steigen die Temperaturen aber wieder leicht an.

Die Nordwestlage setzt sich zu Wochenbeginn fort. © ECMWF / UBIMET

Zu Wochenbeginn im Norden unbeständig

Am Montag und Dienstag überwiegen vom Tiroler Unterland bis ins östliche Flachland meist die Wolken und vor allem im Bergland ziehen zahlreiche Schauer durch. Die Schneefallgrenze liegt in den Nordalpen zwischen 1200 und 1400 m. Wetterbegünstigt ist bei föhnigem Nordwind der Süden des Landes, aber auch von Innsbruck westwärts kommt zeitweise die Sonne zum Vorschein und es bleibt meist trocken. Der Wind weht besonders am Montag lebhaft bis kräftig aus Nordwest, vom Mostviertel bis ins Nordburgenland sowie im östlichen Bergland gibt es auch stürmische Böen. Die Temperaturen kommen nicht über 9 bis 19 Grad hinaus.

48h Niederschlagsprognose von Montagmorgen bis Mittwochmorgen. © UBIMET

Zwischenhoch bringt ersten Frost

Zur Wochenmitte lässt der Tiefdruckeinfluss nach. Anfangs gehen in den Nordalpen noch Schauer nieder, im Tagesverlauf werden diese aber seltener und auch im Norden kommt wieder zeitweise die Sonne zum Vorschein. Die Temperaturen ändern sich kaum und erreichen 9 bis 18 Grad. Der Donnerstag bringt einen Mix aus Sonne und Wolken, dazu bleibt es meist trocken. Bei abflauendem Wind und auflockernder Bewölkung ist zudem am Donnerstag und Freitag in manchen Alpentälern vom Arlberggebiet bis in die Obersteiermark sowie auch im Oberen Waldviertel erstmals leichter Morgenfrost in Sicht. Der Freitag, astronomischer Herbstbeginn, verläuft dann bei nur harmlosen Wolken häufig sonnig. Mit Höchstwerten knapp unterhalb der 20-Grad-Marke steigen die Temperaturen wieder leicht an.

Prognose der Tiefstwerte MIttwochnacht (zum Vergrößern auf das Bild klicken). © UBIMET

Am Wochenende etwas milder

Die Prognose für das kommende Wochenende ist noch unsicher, nach derzeitigem Stand wird es am Samstag aber etwas milder. Im Vorfeld eines aufziehendes Tiefs werden die Wolken zwar tendenziell wieder dichter, ob sich zum Sonntag hin aber neuerlich unbeständiges Wetter einstellt, hängt von der noch ungewissen Zugbahn der Tiefs über dem Atlantik ab.

Zum Wochenende hin nähern sich die Temperaturen dem langjährigen Mittel an. © ECMWF/UBIMET

Titelbild © AdobeStock

Herbst: Unwettersaison durch Regen und Gewitter am Mittelmeer

Im Herbst gehen im Mittelmeer kräftige Gewitter nieder

Während die Gewittersaison in Mitteleuropa vor allem von Mai bis Anfang  August ihren Höhepunkt erlebt, verlagert sich der Schwerpunkt der Gewittertätigkeit in den Herbstmonaten immer weiter südwärts.

Zunehmender Tiefdruckeinfluss

Im Sommer liegt vor allem das südliche Mittelmeer häufig unter dem Einfluss des subtropischen Hochdruckgürtels, welches für trockene und heiße Wetterbedingungen sorgt. Im Herbst verlagert sich die Westwindzone im Mittel aber langsam südwärts und die Ausläufer des subtropischen Hochdruckgürtels werden nach Nordafrika abgedrängt. Aus diesem Grund stellen der Hebst und der Winter im Mittelmeer die nasseste Zeit des Jahres dar.

Im Herbst fällt der meiste Niederschlag in Dubrovnik
In Dubrovnik fällt besonders im November und Dezember viel Regen.

Labile Luftschichtung

Der zunehmende Tiefdruckeinfluss und die ersten Kaltluftvorstoße aus Nordeuropa führen in Zusammenspiel mit den milden Wassertemperaturen zu einer labilen Schichtung der Luft. In der folgenden Graphik sieht man die mittlere, potentiell verfügbare Energie für vertikale Luftmassenbewegung (MLCAPE), welche ein wichtiges Maß für Gewitter darstellt. Im Herbst verlagert sich der Schwerpunkt südwärts.

Im Herbst ist die Luftschichtung im Mittelmeer labil.
Mittlere, potentiell verfügbare Energie für Konvektion im Juni und September. © Tilev-Tanriöver

Unwettersaison

Im nördlichen Mittelmeerraum erreicht die Gewittersaison im Spätsommer und zu Herbstbeginn ihren Höhepunkt, im zentralen Mittelmeer im Laufe des Herbsts und im äußersten Süden und Osten erst im Winter. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen einer Studie des ESWD wieder, welche die Monate mit den meisten Tagen mit Tornados zeigt.

Im Mittelmeer gibt es im Herbst die meisten Tagen mit Tornados
Der Monat des Jahres mit den im Mittel meisten Tagen mit Tornados. © ESWD

Mildes Mittelmeer

Die Wassertemperaturen im Mittelmeer nehmen im Zuge der globalen Erwärmung langsam zu, so gab es auch im heuer von Ende April bis Anfang November in weiten Teilen des Meeres nahezu durchgehend überdurchschnittliche Wassertemperaturen. Auch im langjährigen Trend seit 1982 kann man ein Zunahme der mittleren Wassertemperaturen beobachten, was für die angrenzenden Länder eine Gefahr darstellt. Die Unwettersaison wird nämlich tendenziell länger und intensiver, denn je wärmer das Wasser im Herbst ist, desto mehr Energie steht für Unwetter zur Verfügung.

Das Mittelmeer wird immer wärmer
Trend der Wassertemperaturen im Mittelmeer. © CEAM

Italien sowie die Ostküste der Adria von Kroatien bis Montenegro sind für Starkregen besonders anfällig, da sie einerseits am Rande einer der wichtigsten Geburtsstätten für Tiefdruckgebiete im nördlichen Mittelmeerraum liegen, und andererseits die Landschaft durch zahlreiche Gebirgsketten geprägt ist. Vor allem in Italien gibt es immer Gebiete mit auflandigem Wind, unabhängig von der exakten Lage der Tiefs. Die Alpen, die Apenninen oder auch das Dinarische Gebirge sorgen dann für Staueffekte beim Niederschlag. Die Kombination aus Starkregen und Gebirgsketten führt jährlich zu lokalen Sturzfluten. Je nach Lage der Tiefs können aber auch die Küstenregionen Südostspaniens und Südfrankreichs betroffen sein.

Sturzflut in den Marken

Heftige Gewitter haben am Donnerstag in der mittelitalienischen Provinz Marken schwere Verwüstungen angerichtet. Örtlich sind über 400 mm Regen in wenigen Stunden gefallen, was in etwa der Hälfte des mittleren Jahresniederschlags von Berlin. Die daraus resultierende Sturzflut hat jedoch mindestens  10 Menschen das Leben gekostet, mehr Infos dazu gibt es hier.

Am 23. September ist astronomischer Herbstbeginn

Bunte Wälder im Herbst - pixabay

Der astronomische Herbst beginnt auf der Nordhalbkugel mit dem Äquinoktium in der letzten Septemberdekade, der je nach Jahr auf den 22., 23. oder 24. September fällt. Das Äquinoktium ist jener Tag, an dem die Sonne senkrecht über dem Äquator steht und der lichte Tag bzw. die Nacht weltweit mit je 12 Stunden gleich lang sind. In diesem Jahr liegt die Sonne am 23. September exakt um 03:03 Uhr MESZ senkrecht über dem Äquator und die Sonnenstrahlen treffen hier also im 90-Grad-Winkel auf die Erdoberfläche. Nach diesem Zeitpunkt liegt die Sonne dann südlich des Äquators im Zenit und auf der Südhalbkugel kehrt langsam der Frühling ein.

Äquinoktium
Die Erde am Äquinoktium: Die Sonne steht senkrecht über dem Äquator.

Lange Nächte

Ende September und Anfang Oktober stellt sich oftmals ruhiges und stabiles Hochdruckwetter ein. Der Altweibersommer ist im deutschen Sprachraum eine sogenannte meteorologische Singularität, also eine regelmäßig wiederkehrende Wettererscheinung. Der Übergang in den Goldenen Oktober findet bei entsprechender Wetterlage fließend statt. Die Tageslänge nimmt in dieser Jahreszeit besonders schnell ab, so verlieren wir derzeit etwa 3 bis 4 Minuten Licht pro Tag.

Die Tage werden langsam wieder länger
Die Änderung der Tageslänge im Jahresverlauf.

Astronomische vs. meteorologische Jahreszeiten

Für uns Meteorologen ist der Herbst schon rund drei Wochen alt, er begann am 1. September. Warum es neben den astronomischen Jahreszeiten auch die sogenannten meteorologischen Jahreszeiten gibt, hat einen einfachen Grund: Meteorologische Statistiken lassen sich nur schwer erstellen, wenn der Beginn der Jahreszeiten mitten in einem Monat liegt und dann auch noch von Jahr zu Jahr schwankt. Deshalb wurde noch in Zeiten ohne Computer die Entscheidung getroffen, die meteorologischen Jahreszeiten immer an den Monatsersten beginnen zu lassen.

Quelle Titelbild: pixabay

Der Einfluss von Hurrikans auf das Wetter in Europa

Die Sicht vom Weltraum auf Hurrikan Florence

Im langjährigen Mittel erreicht die atlantische Hurrikansaison im September ihren Höhepunkt. Die meisten Wirbelstürme entstehen über den sehr warmen Gewässern des tropischen Atlantiks bzw. der Karibik und ziehen dann west- bis nordwestwärts in Richtung Bermuda-Inseln oder zum Golf von Mexiko. Manche Stürme biegen auch schon früher nach Norden ab, wo sie dann zunehmend in den Einflussbereich der Westwindzone kommen und schließlich in Richtung Europa umgeleitet werden.

Zugbahnen von tropischen Wirbelstürmen (1950-2018).

Einfluss auf Europa

Über den vergleichsweise kühlen Gewässern des Nordatlantiks wandeln sich tropische Wirbelstürme allmählich in außertropische Tiefdruckgebiete um (extratropical transition) und können vom Jetstream im Bereich der Frontalzone eingebunden werden. Je nach Lage können sich die Tiefs dann neuerlich verstärken und Einfluss auf das Wettergeschehen stromabwärts in Europa nehmen. Vereinzelt können Ex-Hurrikane als hybride Tiefdruckgebiete sogar direkt auf Westeuropa treffen: Meist erreichen sie das Festland zwar nur in stark abgeschwächter Form, es gibt allerdings Ausnahmen, wie etwa die Shapiro-Keyser-Zyklonen mit sog. Sting Jets. Diese betreffen zwar meist nur eng begrenzte Gebiete, können aber dennoch zu schweren Schäden führen, wie beispielsweise Ophelia im Jahre 2017 oder Leslie im 2018.

Hurrikan Ophelia im Jahr 2017
Hurrikan Ophelia (2017) konnte seine tropischen Eigenschaften lange erhalten und traf dann als Hybrid-Sturm auf die Britischen Inseln. © EUMETSAT / UBIMET

Wesentlich häufiger beeinflussen Ex-Hurrikane allerdings die Großwetterlage, so können sie im Herbst manchmal ruhige und milde Wetterabschnitte in Teilen Europas begünstigen. Da die Prognose der Zugbahn jedoch häufig mit einigen Unsicherheiten behaftet ist, können Hurrikane negative Auswirkungen auf die mittelfristige Vorhersagequalität haben.

Hurrikan Danielle bringt Spätsommer

Der erste Hurrikan der Saison entwickelte sich heuer ungewöhnlich spät sowie ungewöhnlich weit nördlich: Am 2. September wurde der tropische Sturm Danielle gut 1000 km westlich der Azoren erstmals als Hurrikan eingestuft. Vorerst befand sich der Wirbelsturm nahezu ortsfest und zog dann langsam nordostwärts. Über den immer kühleren Gewässern des Nordatlantiks hat das Tief seine tropischen Eigenschaften schließlich verloren. Mittlerweile nimmt das Tief unter weiterer Abschwächung Kurs auf Portugal.

Zugbahn von Danielle inkl. Prognose („Z“) sowie aktuelle Wassertemperarturen. © R. Hart

Der Kern von „Ex-Danielle“ befindet sich derzeit etwa 400 km westlich von Portugal und an seiner Ostflanke gelangen mit einer südlichen Strömung nochmals sehr warme Luftmassen  subtropischen Ursprungs nach Westeuropa. In den kommenden Tagen erfassen diese Luftmassen zum Teil auch den Alpenraum und die Temperaturen steigen hierzulande nochmals auf ein spätsommerliches Niveau.

Auf der aktuellen Wetterkarte sind zwei ehemalige Hurrikane sichtbar.

Hurrikan Earl unterstützt Kaltlufteinbruch

Ein weiterer Hurrikan namens Earl ist in den vergangenen Tagen knapp östlich der Bermuda-Inseln vorbeigezogen und befindet sich mittlerweile als hybrides Tief etwa 500 km südöstlich von Neufundland. Ex-Earl nimmt im Laufe der kommenden Tage Kurs auf den Süden Grönlands, gleichzeitig löst sich Ex-Danielle auf. Damit verlagert sich das Hoch über dem Nordatlantik unter vorübergehender Verstärkung zu den Britischen Inseln, was im Zusammenspiel mit einem umfangreichen Tiefdruckgebiet über Skandinavien wiederum eine ausgeprägte Nordlage in Mitteleuropa zur Folge hat. Dadurch ist auch hierzulande am kommenden Wochenende ein Kaltlufteinbruch in Sicht.

Ex-Earl beeinflusst die Großwetterlage stromabwärts in Europa.
Schematische Darstellung des Einflusses eines starken Tiefs über dem Westatlantik auf das Wetter in Europa. © https://journals.ametsoc.org/

Wie unterscheiden sich Tiefdruckgebiete?

Generell kann man die Tiefs in tropische oder außertropische Tiefdruckgebiete unterteilen. Während erstere einen warmen Kern und eine symmetrische Struktur aufweisen, sind letztere durch einen kalten Kern und einer asymmetrischen Struktur mit Warm- und Kaltfronten gekennzeichnet. Damit treten die stärksten Windgeschwindigkeiten bei einem tropischen Tief im Gegensatz zu einem außertropischen Tief direkt in Bodennähe auf.  Tropische Tiefs können sich jedoch in außertropische Tiefdruckgebiete umwandeln, dieser Prozess wird als „extratropical transition“ bezeichnet. In dieser Übergangsphase spricht man auch von subtropischen Tiefs, wobei die Tiefs sowohl tropische als auch außertropische Eigenschaften aufweisen.

Wird es in Zukunft bei uns auch Hurrikane geben?

Durch die globale Erwärmung dehnt sich der Bereich, in dem tropische Wirbelstürme vorkommen, tendenziell etwas nordwärts aus, zudem können sich Hurrikane rascher verstärken. Der östliche Nordatlantik wird allerdings die Bedingungen für tropische Wirbelstürme weiterhin nicht erfüllen, da die Wassertemperaturen nach wie vor zu niedrig sind. Ex-Hurrikane können aber tendenziell etwas länger als zuvor ihre tropischen Eigenschaften beibehalten und damit häufiger als hybride Tiefdruckgebiete auf Westeuropa treffen. Im Mittelmeerraum gibt es derzeit noch keine Anzeichen, dass sich die Anzahl an Medicanes erhöht. Ähnlich wie im tropischen Atlantik  ist aber davon auszugehen, dass sich etwaige Medicanes aufgrund der zunehmenden Wassertemperaturen rascher verstärken und damit größere Auswirkungen haben können.

 

Wochenausblick: Auf Spätsommer folgen Gewitter und Abkühlung

Frühnebel im Herbst

Zu Wochenbeginn sorgt ein Hoch namens RONALD für eine Wetterbesserung in Österreich. Über dem Ostatlantik zieht dagegen der ehemaligen Hurrikan Danielle auf, der sich mittlerweile stark abgeschwächt hat und als gewöhnliches Tiefdruckgebiet auf die Iberische Halbinsel trifft. Im Vorfeld des ehemaligen Hurrikans gelangen zur Wochenmitte warme Luftmassen subtropischen Ursprungs in den Alpenraum und die Temperaturen steigen an. Das spätsommerliche Wetter währt allerdings nur kurz, denn bereits am Donnerstag zieht die Kaltfront eines umfangreichen Skandinavientiefs auf. Zum Wochenende hin kündigt sich dann eine Nordlage und eine nachhaltige Abkühlung an.

Zwei ehemalige Hurrikane beeinflussen das Wettergeschehen in Europa.

Sonniger Wochenstart

Am Montag dominiert von Vorarlberg bis Kärnten der Sonnenschein und auch im Donauraum kommt im Tagesverlauf häufig die Sonne zum Vorschein. Nur im östlichen Bergland stauen sich noch einige Wolken, bis auf vereinzelte Schauer bleibt es aber auch hier trocken. Die Temperaturen erreichen 19 bis 25 Grad mit den höchsten Werten im Tiroler Oberland und in Oberkärnten.

Prognose der Sonnenscheindauer am Montag. © ECMWF

Auch der Dienstag verläuft überwiegend sonnig, im Tagesverlauf ziehen an der Alpennordseite allerdings ausgedehnte Schleierwolken durch. Die Temperaturen steigen deutlich an und erreichen 23 bis 29 Grad mit den höchsten Werten in Vorarlberg und im Tiroler Oberland.

Im Vorfeld einer nahezu stationären Kaltfront verläuft der Dienstag noch überwiegend sonnig in Österreich. © ECMWF

Zur Wochenmitte kräftige Gewitter

Am Mittwoch ziehen von Oberösterreich bis ins Nordburgenland viele Wolken durch und bereits am Vormittag fällt stellenweise etwas Regen. Tagsüber kommt zeitweise die Sonne zum Vorschein, im Laufe des Nachmittags und Abends ziehen an der Alpennordseite aber teils kräftige Schauer und Gewitter durch, dabei besteht örtlich die Gefahr von schweren Sturmböen. Von Unterkärnten bis ins Südburgenland verläuft der Tag dagegen trocken und überwiegend sonnig. Die Höchstwerte liegen mit 23 bis 29 Grad deutlich über dem jahreszeitlichen Mittel, im äußersten Südosten ist vereinzelt sogar die 30-Grad-Marke nochmals in Reichweite.

Prognose der Höchstwerte am Mittwoch (zum Vergrößern auf das Bild klicken). © UBIMET

Der Donnerstag gestaltet sich allgemein unbeständig. Die Sonne kommt nur noch zwischendurch zum Vorschein und bereits am Vormittag gehen örtlich Regenschauer nieder. Im Tagesverlauf ziehen dann vor allem im Südosten und im Norden neuerlich kräftige Gewitter durch, örtlich kündigt sich nochmals Unwettergefahr an. Die Höchstwerte liegen von Nordwest nach Südost zwischen 20 und 27 Grad.

Markante Abkühlung

Der Freitag verläuft bewölkt und vor allem im Süden und in den Alpen häufig nass. Die Temperaturen kommen selbst im Flachland kaum noch über die 20-Grad-Marke hinaus. Das kommende Wochenende macht dann vor allem an der Alpennordseite schon einen spätherbstlichen Eindruck: Mit einer nördlichen Strömung gelangen Luftmassen arktischen Ursprungs ins Land und die Schneefallgrenze sinkt in den Nordalpen zumindest vorübergehend gegen 1200 m ab.

ENS-Prognose des Temperaturtrends in der freien Atmosphäre. © ECMWF

Titelbild von Lukáš Jančička auf Pixabay

Am Donnerstag von der Steiermark bis in den Osten örtlich Gewitter

Blitz

Die Gewittersaison neigt sich zwar dem Ende entgegen, im Zuge der aktuellen Wetterlage gibt sie in Mitteleuropa aber nochmals ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Ursache dafür ist ein umfangreiches und nahezu stationäres Tiefdruckgebiet mit Kern über den Britischen Inseln, welches in den vergangenen Tagen feuchtwarme Luftmassen nach Mitteleuropa geführt hat. Aktuell gehen im Vorfeld der Kaltfront des Tiefs in einem Streifen von der Nordsee bis nach Ostdeutschland sowie an der nördlichen Adria und in Mittelitalien bereits kräftige Schauer und Gewitter nieder.

IR-Satbild und Blitze um 9:30 Uhr. © EUMETSAT/UBIMET

Auch Österreich liegt am Donnerstag unter Tiefdruckeinfluss und in der Westhälfte fällt vor allem in der ersten Tageshälfte schauerartiger Regen. Im Osten zeigt sich dagegen noch häufig die Sonne und es wird nochmals sommerlich warm mit bis zu 28 Grad im äußersten Osten.

Satellitenbild um 9 Uhr mit der Kaltfront quer über Österreich.

Am Nachmittag im Osten Gewitter

In den kommenden Stunden steigt die Schauer- und Gewitterneigung in der Osthälfte an, somit sind ab dem frühen Nachmittag  auch im östlichen Flachland örtlich Gewitter zu erwarten. Die Gewitter können örtlich auch kräftig ausfallen mit der Gefahr von Sturmböen, Hagel und großen Regenmengen in kurzer Zeit. Der Wind frischt zudem vom Mostviertel über das Wiener Becken bis ins Nordburgenland auch abseits der Gewitter teils kräftig aus West auf. Im Westen beruhigt sich das Wetter am Nachmittag hingegen und vor allem in Vorarlberg kommt häufig die Sonne zum Vorschein.

Niederschlagsprognose vom ICON-D2-Modell.

Der Freitag beginnt dann im Norden und Osten oft sonnig, in Vorarlberg und am Alpenhauptkamm gehen in der Früh hingegen einzelne Regenschauer nieder. Diese werden tagsüber immer häufiger und breiten sich aus, lokal sind auch Gewitter eingelagert. Am längsten trocken und freundlich bleibt es im östlichen Flachland, im Westen lockert es am Nachmittag wieder auf. Die Höchstwerte zwischen 17 und 26 Grad. Am Wochenende setzt sich das unbeständige Wetter fort und die Temperaturen gehen noch etwas zurück

Sommer 2022: Gewitter brachten 1,2 Mio. Blitze in Österreich

Vom 1. Juni bis zum 31. August registrierte das Blitzortungssystem LINET (Lightning Detection Network) von nowcast, dem Blitzspezialisten der UBIMET-Gruppe im Hochpräzisionsmessbereich über ganz Österreich verteilt exakt 1.214.906 Blitze (Wolken- und Erdblitze). Damit bewegt sich der diesjährige Sommer im Mittelfeld der vergangenen 10 Jahre. Zuletzt deutlich mehr Blitze wurden im Sommer 2017 mit 1,8 Mio. Entladungen erfasst, deutlich weniger dagegen im Sommer 2015 mit 625.000 Entladungen. Im langjährigen Mittel sind die meisten Blitze in den Gebieten vom Grazer Bergland und Mürztal über das Grazer Becken bis ins Südburgenland sowie auch am Alpennordrand rund um Salzburg zu erwarten, siehe auch hier: Gewitter in Österreich

Blitzdichte im Sommer 2022. © UBIMET
Max. Blitzdichte pro km² (Bundesländer):
  • 24 Blitze/km² Oberösterreich
  • 20 Blitze/km² Steiermark
  • 15 Blitze/km² Kärnten

Steiermark auf Platz 1

Auf Bundesländerebene lag im Sommer 2022 wieder das traditionell blitzreichste Bundesland Steiermark auf Platz 1 mit 334.000 Entladungen. Damit holt sich die Steiermark die Krone von Oberösterreich zurück, welches im Sommer 2021 an erster Stelle lag. Oberösterreich liegt allerdings auf Bezirksebene an der Spitze: Der Bezirk mit der höchsten Blitzdichte war Kirchdorf an der Krems mit rund 43 Blitzen pro Quadratkilometer, gefolgt von Freistadt und Murau mit 32 Blitzen pro Quadratkilometer. Die Gemeinde mit der höchsten Blitzdichte war Windischgarsten mit 75 Blitzen/km².

Max. Blitzdichte pro km² (Bezirke):
  • 42,7 Kirchdorf an der Krems (OÖ)
  • 31,7 Freistadt (OÖ)
  • 31,7 Murau (ST)
  • 31,2 Steyr-Land (OÖ)
  • 31,0 Steyr (OÖ)
Blitzdichte pro km² in den Landeshauptstädten:
  • 25,5 Linz (226% des Jahresmittels)
  • 16,7 Graz (59% des Jahresmittels)
  • 16,3 Salzburg (61% des Jahresmittels)
  • 10,6 Klagenfurt (95% des Jahresmittels)
  • 9,0 Innsbruck (60% des Jahresmittels)
  • 7,7 Bregenz (46% des Jahresmittels)
  • 6,3 St. Pölten (59% des Jahresmittels)
  • 3,5 Wien (31% des Jahresmittels)
  • 3,3 Eisenstadt (20% des Jahresmittels)

Extrem blitzreicher Juni

Im langjährigen Mittel sind die Monate Juli und August die blitzreichsten des Jahres in Österreich, heuer brachte die klassische Hochsaison allerdings deutlich weniger Blitze als üblich. Vor allem die Frühsaison im Mai und Juni brachte heuer regional ein Blitzfeuerwerk: Im Juni haben mehrere Südwestlagen kräftige Gewitter im Alpenraum begünstigt, im Hochsommer war die Luft aufgrund von Hochdruckgebieten über West- und Nordeuropa dagegen oft zu trocken.

Blitzdichte im Juni 2022.

Mit 771.000 Entladungen wurden im Juni sogar mehr Blitze erfasst, als im Juli und August zusammen (was zudem auch dem höchsten Juniwert seit Beginn der modernen Blitzerfassung entspricht). Am häufigsten blitzte es in der Steiermark, in Ober- und Niederösterreich sowie in Kärnten. Mehrmals kam es auch zu großem Hagel wie etwa örtlich im Kaiserwinkl, im Traunviertel oder auch in Unterkärnten. Im Juli und August gab es dagegen nahezu keine Meldungen von großem Hagel.

Blitzentladungen pro Monat im Vergleich zum Mittel. © UBIMET

In Erinnerung bleiben dabei vor allem der 5. Juni, als zwischen Kufstein und Ellmau bis zu 10 cm großer Hagel beobachtet wurde, sowie der 28. Juni, als ein nahezu ortsfestes Gewitter im Bezirk Villach-Land extreme Regenmengen brachte. Mit Böen bis 129 km/h und in Summe 145 mm Regen wurden in Arriach gleich zwei Rekorde innerhalb von nur 24 Stunden aufgestellt. Auch in Villach gab es mit 120 mm einen neuen Sommerrekord.

Juli unterdurchschnittlich

Im Juli erreicht die Gewittersaison normalerweise ihren Höhepunkt, heuer brachten Ausläufer des Azorenhochs aber wiederholt trockene Luftmassen nach Österreich. Mit 294.500 Entladungen haben wir nur 65% der üblichen Blitze detektiert. Besonders gewitterarm war der Juli im östlichen Flachland, etwa in Wien wurden nur 160 Blitze erfasst.

Blitzdichte im Juli 2022. © UBIMET

Die Kombination aus trockenem Frühjahr und ausbleibenden Sommergewittern hatte auch zur Folge, dass der Pegel des Neusiedler Sees am 18. Juli schließlich den bisherigen Negativrekord aus dem Jahre 2003 unterboten hat (Pegeldaten seit 1965). Ein paar kräftige Gewitterlagen gab es allerdings in den Alpen, wie etwa am 22. Juli in Tirol, als es im Stubaital zu schweren Vermurungen kam.

Blitzflaute im August

Zeitweiliger Hochdruckeinfluss sowie die regionale Trockenheit haben im August zu einer stark unterdurchschnittlichen Gewitteraktivität geführt. Mit in Summe nur 149.185 Entladungen gab es weniger als die Hälfte der üblichen Blitzanzahl. In der sonst sehr gewitterreichen Steiermark wurde mit 42.600 Entladungen nur 38% des Mittels erreicht, nur im August 2015 wurden bislang noch weniger Blitze detektiert.

Blitzdichte im August 2022. © UBIMET

Der August brachte zwar weniger Gewitter als üblich, dennoch kam es zu schweren Unwettern. Besonders in Erinnerung bleibt der 18. August, als eine Gewitterlinie mit teils orkanartigen Böen über Unterkärnten und die Steiermark hinwegzog. An mehreren Stationen wurden dabei neue Rekorde aufgestellt, wie etwa in Neumarkt, Mooslandl, Leoben, Kapfenberg und St. Andrä.

Stärkster Blitz im Bezirk Melk

Die Kraft von Blitzen wird über die Stromstärke in der Einheit Ampere angegeben. Der stärkste Blitz des Landes wurde in Niederösterreich im Bezirk Melk gemessen: Spitzenreiter ist eine Entladung mit rund 427.000 Ampere am 26. August in der Gemeinde Dunkelsteinerwald. In kürzester Zeit wurde dabei rund 26.000 mal mehr Energie freigesetzt, als in einer haushaltsüblichen Steckdose mit 16 Ampere verfügbar ist.


Titelbild @ AdobeStock

Gewitter brachte riesigen Hagel in Katalonien

Das Gewitter zog am Dienstagabend zwischen 19 und 20 Uhr MESZ ausgehend von den östlichen Pyrenäen im spanisch-französischen Grenzgebiet südostwärts bis zum Mittelmeer. Knapp nördlich von Girona wurde das Gewitter immer intensiver, besonders betroffen mit Hagelkörnen mit Durchmessern bis zu 12 cm war der Ort La Bisbal d’Empordà, wo zahlreiche Verletzte gemeldet wurden und tragischerweise auch ein Kleinkind von einem Hagelkorn erschlagen wurde. Laut Tomas Pucik, Experte vom ESSL, handelt es sich wohl um den ersten direkten Todesfall durch Hagel in Europa seit 1997.

Riesenhagel

Je nach Größe wird Hagel in unterschiedliche Klassen eingestuft. Ab einem Durchmesser von 4 cm spricht man meist von großem Hagel, ab etwa 7 cm von sehr großem Hagel und ab 10 cm von Riesenhagel. Hagelkörner mit einem Durchmesser von 10 bis 12 cm fallen mit einer Geschwindigkeit von etwa 160 bis 170 km/h und können eine Masse von 500 bis 800 Gramm aufweisen. So große Hagelkörnern sind zwar selten und treten meist nur vereinzelt am Rande der heftigsten Gewitterkerne auf, für Menschen und Tiere herrscht dann jedoch Lebensgefahr. Die bislang größten dokumentierten Hagelkörner in Europa liegen bei etwa 15 cm, wie etwa auf der Schwäbischen Alb am 6. August 2013 mit 14,1 cm. In den USA wurde in South Dakota sogar ein Hagelkorn mit einem Durchmesser von 20 cm beobachtet.

„Loaded gun“

Das Potential für starke Gewitter mit großem Hagel war am Dienstagabend bei ausgeprägter Windscherung und der sehr feuchten, energiereichen Mittelmeerluft gegeben. Es war allerdings nicht klar, ob es am Südrand eines Höhentrogs über Frankreich bzw. bei der  vorherrschenden Luftschichtung überhaupt zur Auslöse von Gewittern kommen würde („low probability- high impact„). Im Laufe des späten Nachmittags konnte sich aber tatsächlich ein Gewitter über den Bergen entwickeln, welches sich dann in der zunehmend energiereichen Mittelmeerluft fortpflanzen und das gesamte Potential ausschöpfen konnte. Meteorologen sprechen bei solch einer potentiell instabilen Luftschichtung auch von einer „Loaded-gun-Lage“: Wenn sich ein Gewitter auslöst, schießt es regelrecht in die Höhe uns sorgt für hohe Unwettergefahr, wenn die Wetterlage dagegen nicht ausreichend Hebung für die Auslöse liefert, passiert gar nichts.

Die Blitzspur des Gewitters am 30. August 2022. © UBIMET

Das Potential für Unwetter war sehr hoch (Prognose vom ECMWF-Modell).
IR-Satbild mit dem Wolkenschirm des Gewitters um 17:30 UTC. Die Cloud Tops oberhalb des Aufwinds erreichen -66 Grad.

Quelle Titelbild: Twitter

Sommer 2022 viertwärmster seit Messbeginn

Der August 2022 schließt mit einer Abweichung von +1,5 Grad zum langjährigen Mittel von 1991 bis 2020 überdurchschnittlich warm ab. Die größten Abweichungen um +2 Grad wurden in Vorarlberg und im äußersten Südosten beobachtet. Zum Teil nur knapp über dem Durchschnitt lagen die Temperaturen dagegen im zentralen Bergland von den Tauern über den Pongau bis ins Mostviertel. Damit gab es deutlich mehr Sommertage als üblich, etwa in Bad Radkersburg waren es 27 bei einem Mittel von 20. Nur knapp dahinter liegen bereits Wien, Innsbruck und Eisenstadt mit 26 Sommertagen. Die meisten Hitzetage gab es in Seibersdorf, an 17 Tagen wurde hier die 30-Grad-Marke erreicht, gefolgt von Gänserndorf mit 14. Üblich wären hier 9 Hitzteage. Mit der Ausnahme von Salzburg wurde zudem in jedem Bundesland die 35-Grad-Marke erreicht, der heißeste Tag des Jahres war der 5. August, als in Seibersdorf sogar 38,7 Grad gemessen wurden.

Temperaturabweichungen im August 2022. © UBIMET

Höhentief sorgt für Unwetter und Rekorde

Wie schon der Juli brachte auch der August im Flächenmittel weniger Niederschlag als üblich. Regional kam es kurz nach der Monatsmitte allerdings zu teils großen Regenmengen, als ein Höhentief vom westlichen Mittelmeer über Norditalien zum Balkan zog. Zunächst kam es am 18. zu einer folgenschweren Gewitterlinie, deren Böen in Unterkärnten und in der Steiermark zahlreiche neue Stationsrekorde brachten. In Neumarkt wurde sogar Orkanböen von 139 km/h bzw. in Mooslandl von 124 km/h gemessen.


Nur einen Tag später fielen am Nordrand des Höhentiefs in Vorarlberg extreme Regenmengen, von Bregenz bis Feldkirch wurden neue Tagesrekorde gebrochen. Im Rheintal kam in kürzester Zeit sogar der gesamte mittlere Monatsniederschlag zusammen: In Bregenz wurden 205 mm Regen innerhalb von nur 12 Stunden gemessen, der bisherige Rekord lag bei 99 mm.


Rund um den 22. gab es dann auch vom Salzkammergut bis ins Weinviertel größere Niederschlagsmengen, somit brachte der August etwa im westlichen Mostviertel und im Weinviertel meist ein Niederschlagsplus von 10 bis 30 %. In Nordtirol sowie von Unterkärnten bis ins Wiener Becken war es dagegen mit einem Minus von teils mehr als 50 % verbreitet zu trocken. Im landesweiten Flächenmittel fehlen damit etwa 20 % auf eine ausgeglichene Bilanz.
Auch Gewitter blieben in weiten Teilen des Landes Mangelware: In Summe wurden knapp 150.000 Blitzentladungen erfasst, also nicht einmal halb so viele wie in einem durchschnittlichen August. Nur im August 2015 wurden in der jüngeren Vergangenheit noch weniger Entladungen detektiert.

Vorläufige Niederschlagsanteil im August 2022. © UBIMET

Viertwärmster Sommer seit Messbeginn

Der August war bereits der siebte zu warme Monat in diesem Jahr und der vierte in Folge. Damit war der Sommer 2022 nahezu durchgehend zu warm, höchstens kurzzeitig lagen die Temperaturen knapp unterhalb der langjährigen Mittelwerte. Dadurch liegt die Anzahl an Sommer-Hitzetagen deutlich über dem Mittel, in Bregenz wurde die 30-Grad-Marke mit 16 Hitzetagen sogar doppelt so oft wie üblich erreicht. Damit reiht sich der Sommer mit einer Abweichung von +1,6 Grad knapp auf Platz 4 in der langjährigen Messreihe ein, auf dem Podest bleiben 2003, 2019 und 2015. Besonders hohe Abweichungen von teils über 2 Grad wurden in den Alpen von Vorarlberg bis Kärnten verzeichnet.

Temperaturabweichungen im Sommer 2022. © UBIMET

Der Sommer 2022 hat auch wieder verdeutlicht, dass Höchstwerte über 35 Grad mittlerweile keine Seltenheit mehr sind, so wurde diese Schwelle in fast allen Bundesländern – mit der Ausnahme von Salzburg und der Steiermark – in allen drei Sommermonaten erreicht.

Abweichung vom Klimamittel der durchschnittlichen Sommertemperaturen. © zamg.at/histalp
Vorläufige Niederschlagsabweichung im Sommer 2022. © UBIMET

Extremwerte August 2022

(Bundesland, Tag des Auftretens. Stand: Montag, 30.08.2022, 12 Uhr)

Höchste Temperaturen
  • 38,7 Grad Seibersdorf (NÖ, 5.)
  • 37,4 Grad Wolkersdorf (NÖ, 5.)
  • 37,2 Grad St. Andrä im Lavanttal (K, 5.)
Hitzetage (Höchstwert >30 Grad)
  • 17 Seibersdorf (NÖ)
  • 14 Gänserndorf (NÖ)
  • 13 Wolkersdorf (NÖ)
Nasseste Orte
  • 314 Liter pro Quadratmeter Bregenz (V)
  • 313 Liter pro Quadratmeter Dornbirn (V)
  • 264 Liter pro Quadratmeter Fraxern (V)
Sonnigste Stationen
  • 288 Sonnenstunden Rohrspitz (V)
  • 282 Sonnenstunden Sulzberg (V)
  • 268 Sonnenstunden Feldkirch (V)
Stärkste Windspitzen Niederungen
  • 139 km/h Neumarkt (ST, 18.)
  • 124 km/h Mooslandl/Hieflau (ST, 18.)
  • 117 km/h Leoben (ST, 18.)
  • 112 km/h Kapfenberg, Köflach (ST, 18.)
  • 111 km/h Deutschlandsberg (ST, 18.)
Unwetterwarnungen am Nachmittag des 18. Augusts 2022. © www.uwz.at

Sommer-Comeback: Ab Mittwoch zunehmend warm und schwül

Sommer mit Badewetter

Das in der Osthälfte Österreichs zuletzt wetterbestimmende Höhentief verlagert sich derzeit langsam nach Südosteuropa und hinterlässt sehr feuchte Luftmassen. Der Tiefdruckeinfluss lässt aber nach und mit den Temperaturen geht es in der Osthälfte deutlich bergauf. Der Sommer 2022, der aus meteorologischer Sicht mit dem Monatswechsel endet, war damit ähnlich warm wie der Sommer 2015, dem bislang drittwärmsten seit Messbeginn. Nur  2003 und 2019 war es noch heißer.

Vorläufige Temperaturabweichungen im Sommer 2022. © UBIMET

Wetterbesserung im Osten

Der Mittwoch beginnt vor allem im Norden und im östlichen Bergland bewölkt, meist bleibt es aber trocken  und tagsüber wird es allgemein freundlicher. Nur ganz vereinzelt sind in den östlichen Nordalpen und im Mühlviertel kurze Schauer möglich. Von Vorarlberg bis ins Innviertel und im Süden dominiert der Sonnenschein. In der Osthälfte wird es spürbar milder, so liegen die Höchstwerte in den Niederungen recht einheitlich zwischen 24 und 27 Grad.

Unterschied zwischen den Höchstwerten am Dienstag und Mittwoch. In der Osthälfte wird es 4 bis 8 Grad milder, im Westen bleibt es ähnlich warm. © UBIMET

Zunehmend schwül

Am Donnerstag hält sich an der Alpennordseite und im Süden anfangs Nebel und im Osten ziehen Wolkenfelder durch, von der Südsteiermark bis an den Alpenostrand gehen auch vereinzelte Schauer nieder. Tagsüber kommt häufig die Sonne zum Vorschein, in der feuchten Luft bilden sich jedoch Quellwolken und besonders von den Tauern bis in die Obersteiermark sowie im Mühl- und Waldviertel auch Gewitter. In der Westhälfte sowie im äußersten Osten bleibt es dagegen meist trocken. Die Temperaturen erreichen 24 bis 29 Grad bzw. in Innsbruck bis zu 30 Grad. Die Feuchtkugeltemperatur erreicht vor allem in der Osthälfte 20 bis 22 Grad, lokal sind nach dem Durchzug von Schauern aber auch höhere Spitzen um 24 Grad möglich. Damit wird es zunehmend schwül.

Prognose der Höchstwerte am Freitag (zum Vergrößern auf das Bild klicken). © UBIMET

Örtlich Gewitter

Der Freitag startet mit einigen Nebelfeldern, diese machen aber bald der Sonne Platz. Ab etwa Mittag bilden sich dann vor allem im südlichen und östlichen Berg- und Hügelland vermehrt kräftige Schauer und Gewitter. Im Gegensatz zu den Gewittern in der vergangenen Woche sind die bevorstehenden Gewitter teils ortsfest, damit kann es in der sehr feuchten Luft punktuell zu ergiebigen Regenmengen in kurzer Zeit kommen und es besteht die Gefahr von kleinräumigen Überflutungen und Vermurungen. Im Flachland gehen nur vereinzelt Gewitter nieder, oft trocken bleibt es im Tiroler Oberland und im äußersten Osten. Die Höchstwerte liegen zwischen 24 und 30 Grad. Das schwülwarme und teils gewitteranfällige Wetter setzt sich voraussichtlich bis zum Monatsende fort.

Die Temperaturen in der freien Atmosphäre steigen ab Donnerstag auf ein überdurchschnittliches Niveau. © ECMWF

Titelbild © AdobeStock

Was ist ein Höhentief?

höhentief

Höhentiefs liegen in mehren Kilometern Höhe und zeichnen sich durch niedrige Temperaturen im Vergleich zur Umgebung aus. Deren Entstehung wird oft durch Verwirbelungen des polarumlaufenden Jetstreams begünstigt, Meteorologen sprechen auch von einem Abschnürungsprozess bzw. einem „Cut-Off“. Solche Höhentiefs verlagern sich nicht mit der Höhenströmung, sondern werden durch die umgebende Luftdruckverteilung beeinflusst. Oft verharren sie wie ein Kreisel an Ort und Stelle.

Kaltlufttropfen

Ehemalige Tiefdruckgebiete bzw. Höhentiefs können sich zu sog. Kaltlufttropfen umwandeln, wenn das Bodentief durch Reibung oder Warmluftzufuhr aufgelöst wird und das Höhentief stattdessen erhalten bleibt. Tatsächlich befinden sich Kaltlufttropfen sogar oft im Randbereich eines Bodenhochs. In einem begrenzten Gebiet von etwa 100 bis 1000 Kilometern befindet sich dabei deutlich kältere Luft als in der Umgebung. Da diese kalte Anomalie aber nur in der oberen Hälfte der Troposphäre ausgeprägt ist, scheinen diese Gebiete nicht auf den Bodenwetterkarten auf. Kaltlufttropfen werden durch die bodennahe Strömung „gesteuert“, d.h. sie verlagern sich immer mit dieser zumeist relativ schwachen Strömung.

Höhentief im IR-Satbild mit IFS-Modelldaten und Blitzen am 29.5.21, 13 Uhr MESZ. © EUMETSAT / UBIMET

Labile Schichtung der Luft

Ein Höhentief wirkt sich merklich auf das tägliche Wettergeschehen aus, denn Höhenkaltluft sorgt für eine verstärkte vertikale Temperaturabnahme und somit für eine Destabilisierung der Atmosphäre. Besonders im Frühjahr und Sommer entstehen unter dem Einfluss der Höhenkaltluft Quellwolken, welche im Tagesverlauf zu Schauern und Gewittern heranwachsen. Die Lebensdauer von Kaltlufttropfen ist allerdings meist auf ein paar Tage bis etwa eine Woche begrenzt, da sich die Temperaturunterschiede in der Höhe allmählich ausgleichen.

Vorhersagegenauigkeit

Wenn Höhenkaltluft im Spiel ist, nimmt die Vorhersagbarkeit des Wetters ab: Einerseits werden Kaltlufttropfen durch die bodennahe Strömung gesteuert, was sich negativ auf die Qualität von Modellprognosen auswirkt, andererseits sorgt die konvektive Wetterlage für große Unterschiede auf engem Raum. Vor allem räumlich detaillierte Prognosen, wie etwa jene von Wetter-Apps, sind bei solchen Wetterlagen also mit Vorsicht zu genießen.

Neue Woche bringt in Österreich Hitze und Gewitter

Quellwolken eines Gewitters - pixabay.com

Die erste Augusthälfte war in puncto Niederschlag in einigen Regionen Österreichs nahezu ein Totalausfall. Vom Kaiserwinkl über den Flachgau bis ins Hausruckviertel sowie im äußersten Osten und Südosten sind meist nur wenige Millimeter Regen gefallen, örtlich wie etwa in Mattsee, Braunau am Inn oder auch Güssing hat es nicht einmal dafür gereicht. Nur vereinzelt gab es im Bereich der Hohen Tauern und der Gurktaler Alpen annähernd durchschnittliche Niederschlagsmengen.

Anteil vom mittleren Niederschlag (1. bis 13. August). © UBIMET

Grund dafür war die anhaltende nordöstliche Strömung am Südrand von Hoch OSACR. Die Großwetterlage in Mitteleuropa stellt sich derzeit aber um: Das Hochdruckgebiet liegt mittlerweile über Russland und über den Britischen Inseln hat sich Tiefdruckeinfluss etabliert.

Wie schon im Juli gab es auch in der ersten Augustdekade markante, positive Druckanomalien über dem Ostatlantik und Westeuropa.

Auch Mitteleuropa gerät zu Wochenbeginn unter den Einfluss eines Tiefs namens JELENA, welches in den kommenden Tagen zumindest regional wie etwa im Südosten Frankreiches eine Linderung der Trockenheit bringt. Österreich liegt zwar vorerst nur am Rande des Tiefs, die Höhenströmung dreht zu Wochenbeginn aber von Nordost auf West.

Hoch OSCAR ist Tief JELENA gewichen. Graphik: DWD/ FU Berlin

Am Feiertag regional Gewitter

Am Montag scheint im Süden und Osten bei nur harmlosen Wolken über weite Strecken die Sonne. Im Westen ziehen von Beginn an einige Wolken durch und in Vorarlberg sowie im Außerfern gehen bereits gewittrige Schauer nieder. Tagsüber entstehen im Bergland vermehrt Quellwolken und ausgehend von Nordtirol breiten sich Schauer und Gewitter bis in die westliche Obersteiermark aus. Punktuell sind dabei ergiebige Regenmengen in kurzer Zeit möglich. Am Abend nimmt die Gewitterbereitschaft auch im Norden zu, in den südlichen Becken und im Osten bleibt es meist trocken. Die Höchstwerte liegen von West nach Ost zwischen 22 und 32 Grad.

Niederschlagsprognose für den Montag. © UBIMET

Zur Wochenmitte lokal 35 Grad

Am Dienstag ziehen in der Osthälfte anfangs einige Wolken durch, in der Obersteiermark und am Alpenostrand gehen örtlich auch Schauer nieder. Auch in den Alpen halten sich zunächst hochnebelartige Restwolken, im Laufe des Vormittags lockert es aber generell auf und verbreitet kommt die Sonne zum Vorschein. Die Temperaturen erreichen meist 26 bis 31 Grad. Der Mittwoch verläuft dann verbreitet sonnig . Die Temperaturen steigen spürbar an und erreichen 28 bis 34, im Osten lokal auch 35 Grad.

Prognose der Höchstwerte am Mittwoch (zum Vergrößern auf das Bild klicken). © UBIMET

Zweiteilung am Donnerstag

Der Donnerstag leitet eine Wetterumstellung ein und bringt große Gegensätze. Im Westen überwiegen die Wolken und bereits am Morgen gehen gewittrige Schauer nieder. Tagsüber breiten sich diese bis zu den Tauern aus, entlang der Nordalpen gehen auch kräftige Gewitter nieder. In der Osthälfte scheint dagegen bei nur harmlosen Wolken verbreitet die Sonne. Der Wind weht teils lebhaft aus Süd, in den Alpen weht kräftiger Föhn. Am Abend kommt im Norden dann kräftiger Westwind auf. Im Osten wird mit bis zu 36 Grad der Höhepunkt der Hitze erreichen, in Vorarlberg kommen die Temperaturen nicht mehr über 22 bis 25 Grad hinaus.

Ensemble-Prognose von Temperatur (~1500 m) und Niederschlag für Salzburg. © ECMWF

Regen in Sicht?

Zum Wochenende hin stellt sich unter Tiefdruckeinfluss unbeständiges Wetter ein, regional sind auch größere Regenmengen möglich. Die Temperaturen verbleiben im Süden und Osten auf sommerlichem Niveau, Höchstwerte über 30 Grad sind nach derzeitigem Stand aber nicht mehr zu erwarten.

Beifuß und Ragweed: Pollensaison geht in die Schlussphase

Die Pollensaison geht in die Schlussphase

Die Pollensaison geht allmählich in die Schlussphase: Der Höhepunkt der Beifußblüte steht unmittelbar bevor,  im Flach- und Hügelland muss man somit spätestens ab dem Wochenende mit mäßigen bis hohen Belastungen rechnen. Ab Mitte August beginnt zudem vor allem in der Osthälfte auch die Blütezeit von Ragweed, was speziell bei Unkrautallergikern zusätzliche Kreuzreaktionen auslösen kann. Weiters gibt es in tiefen Lagen auch erhöhte Konzentrationen an Pilzsporen.

Ragweed

Das beifußblättrige Traubenkraut, mittlerweile unter seinem englischen Namen Ragweed wesentlich bekannter, wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Nordamerika nach Europa eingeschleppt und breitet sich seit den 1980er Jahren auch in Mitteleuropa aus. Bereits ab wenigen Pollenkörnern pro Kubikmeter Luft reagieren empfindliche Personen allergisch. Dieses Unkraut wächst an Straßenrändern, in Äckern oder auf Schuttplätzen, und ist verantwortlich für den „Herbstheuschnupfen“. Für Ragweedpollen spielt der Ferntransport eine wichtige Rolle: Besonders in der Pannonischen Tiefebene ist diese Pflanze stark ausgebreitet, somit treten besonders bei südöstlichem Wind erhöhte Belastungen auf.

Saisonende im September

Die gute Nachricht zum Schluss: Im September neigt sich die Pollensaison langsam dem Ende zu, nach dem Abklingen der Blüte von Ragweed sorgen lediglich Pilzsporen noch für allergische Beschwerden.

Title Photo: anro0002 on VisualHunt / CC BY-SA

Im August kommen die Perseiden

Jedes Jahr um den 12. August kreuzt die Erde auf ihrem Weg um die Sonne den Meteorstrom des Kometen 109P/Swift-Tuttle. Der Komet hat schon sehr oft die Sonne umkreist, weshalb er eine große Staubspur im All hinterlassen hat. Aus diesem Grund ist der Meteorschauer der Perseiden besonders prächtig, mit besonders vielen Sternschnuppen und über einen ungewöhnlich langen Zeitraum verteilt. Wenn diese Staubteilchen in die Erdatmosphäre eindringen, verdampfen sie schlagartig. Die Luft wird dabei ionisiert, was als schweifartige Leuchterscheinung mit bloßem Auge sichtbar ist. Die Perseiden sind jährlich zwischen dem 17.7. und 24.8. zu beobachten und heißen so, da sie aus dem Sternbild Perseus zu kommen scheinen.

Störfaktor Mond

Die Voraussetzungen sind heuer nicht ideal gut, da wir am 12. August Vollmond haben, der als störende Lichtquellen am Himmel leuchtet. Dennoch kann man mit dem Rücken zum Mond oder in etwas abgeschatteten Tälern oder Senken durchaus ein paar Sternschnuppen beobachten.

Raus aus der Stadt

Um die Perseiden in ihrer vollen Pracht zu sehen, braucht man einen dunklen Himmel ohne viel Lichtverschmutzung. Deshalb bieten die Großstädte oft nur mittelmäßige Beobachtungsmöglichkeiten mit etwa 5 Sternschnuppen pro Stunde, deutlich besser schaut es dort schon auf dem Land oder in den Bergen aus. Also nix wie raus aus der Stadt!

Hitze: Sommer 2022 in Europa auf Rekordkurs

Wenn man nur die Landmassen weltweit betrachtet, dann waren die ersten beiden Sommermonate zusammen die bislang wärmsten seit Messbeginn. Im Mittel waren Juni und Juli 0,6 Grad wärmer als im neuen Klimamittel von 1991 bis 2020.


Wenn man auch die Ozeane inkludiert, beträgt die Abweichung +0,34 Grad. Dies ist in erster Linie der weiterhin andauernden La Niña zu verdanken, einer Zirkulationsanomalie, welche in weiten Teilen des tropischen Pazifiks für unterdurchschnittliche Wassertemperaturen sorgt. Direkte Folgen davon sind u.a. die Trockenheit in Chile und die häufigen Starkregenlagen in Teilen Australiens. Wenn dagegen El Niño herrscht, dann werden im tropischen Pazifik überdurchschnittliche Temperaturen beobachtet und die Wahrscheinlichkeit für neue globale Rekorde ist deutlich erhöht.

Im tropischen Pazifik gibt es verbreitet unterdurchschnittliche Temperaturen (La Niña).

Die größten Abweichungen auf der Nordhalbkugel, wo aktuell Sommer herrscht, gab es bislang u.a. in Südeuropa, im Norden Kanadas, in Teilen Sibiriens und im Süden der USA. Eine Spur zu kühl war es dagegen etwa im Oman, in Pakistan oder auch in Teilen der Türkei.


Wenn man nur Europa betrachtet, dann liegen die Monate Juni und Juli derzeit auf Platz 2 hinter dem Sommer 2021, wobei im vergangenen Jahr der August vor allem von Frankreich über Mitteleuropa bis ins Baltikum etwas kühler als üblich war, entsprechend ist für den Sommer 2022 in Summe auch noch Platz 1 in Reichweite.

Temperaturabweichungen in der ersten Augusthälfte (Analyse bis 9. August; Prognose bis Mitte August). © K. Haustein

Rekordjahr in Italien

Die größten Anomalien in Europa wurden bislang rund um den westlichen Mittelmeerraum beobachtetet. Am Flughafen von Córdoba in Spanien lag der mittlere Höchstwerte im Juli sogar bei 40,4 Grad, ein neuer Rekord. In Italien sind der Sommer sowie auch das gesamte Jahr 2022 sowohl in puncto Temperaturen als auch bei der Trockenheit klar auf Rekordkurs. In Nord- und Osteuropa fallen die Temperaturabweichungen vergleichsweise gering aus, wobei von England bis nach Italien und in den Balkan verbreitet Trockenheit herrscht. Mitteleuropa liegt am Rande der größten Temperaturanomalien, im Alpenraum werden die markantesten Abweichungen daher vor allem im Westen bzw. an der Alpensüdseite verzeichnet.

Sommer in den Alpen auf Podestkurs

In der Schweiz war es nur im Sommer 2003 noch heißer als heuer. Besonders hoch fallen die Abweichungen in der Westschweiz, im Wallis und im Tessin aus: In Stabio im Südtessin wird heute sogar der 36. Hitzetag in Folge verzeichnet, der alte Rekord lag bei 14 Hitzetagen in Folge.

Bisherige Temperaturabweichungen im Sommer 2022 (zum Vergrößern auf das Bild klicken). © UBIMET

In Österreich liegt der Sommer derzeit auf Platz 3 nach 2003 und 2019, wobei es große regionale Unterschiede gibt. So wurden bislang vor allem von Vorarlberg über den Tiroler Alpenhauptkamm bis nach Kärnten sehr hohe Abweichungen zwischen 2 und 2,5 Grad verzeichnet, während diese im Donauraum und im östlichen Flachland mit 1 bis 1,5 Grad etwas geringer ausfallen. Im Süden ist der Sommer aber zumindest örtlich auf Rekordkurs wie etwa in Klagenfurt und Lienz.

Bisherige Temperaturabweichungen im Sommer 2022 (zum Vergrößern auf das Bild klicken). © UBIMET

Titelbild: Waldbrand nördlich von Triest am 20. Juli 2022 (© panomax.com)

Alle Jahre wieder: Die Hundstage

Die Hundstage stellen die heißeste Zeit des Jahres dar.

Die Zeit vom 23. Juli bis zum 23. August ist landläufig als Hundstage bekannt und gilt als die heißeste Zeit im Jahr. Ihren Ursprung haben diese Tage im alten Ägypten rund zweitausend vor Christus: Rund um den 23. Juli wurde damals nämlich des hellste Stern Sirius am Morgenhimmel  sichtbar. Bei den alten Ägyptern war dieses astronomische Ereignis von besonderer Bedeutung, da zu diesem Zeitpunkt oftmals die Nilflut einsetzte. Außerdem glaubten die Menschen, dass der hellste Stern am Morgenhimmel als „zusätzliche“ Sonne für die sommerliche Hitze verantwortlich sei. Die Dauer der Hundstage erklärt sich daraus, dass vom ersten Auftauchen des Sterns in der Morgendämmerung bis zum vollständigen Erscheinen des Sternbilds etwa ein Monat vergeht.

Sirius zeigt sich am Himmel südöstlich vom Sternbild Orion. Photo credit: AlvinWuFoto on VisualHunt.com

Hundstage und Hitze in Europa: Zufall

Im Alpenraum ist die Zeit während der Hundstage tatsächlich die heißeste Phase des Jahres: Häufig erleben wir von Ende Juli bis Mitte August sehr heiße Tage und warme, teils sogar tropische Nächte. Auch die meisten Hitzerekorde in Mitteleuropa stammen aus dieser Zeit. Mit dem Sternbild „Großer Hund“ hat das aber nichts zu tun, da sich das Erscheinen von Sirius im Laufe der Jahrtausende verschoben hat: Mittlerweile taucht Sirius erst ab Ende August am Morgenhimmel auf, zudem wird das gesamte Sternbild hierzulande erst im Winter vollständig sichtbar.

In Europa kommt Sirius erst im Herbst zum Vorschein. Photo credit: tsbl2000 on Visualhunt

Titelbild: visualhunt.com

 

Hitze: Wie viel Schwüle halten wir aus?

Hochsommer mit Hitzewelle

Eine für den Menschen wichtige, aber allgemein wenig bekannte Größe ist die Feuchtkugeltemperatur (englisch: wet-bulb temperature). Sie vereint Temperatur und relative Feuchte der Luft und gibt die tiefste Temperatur an, die sich durch Verdunstungskühlung erreichen lässt. Der Effekt der Verdunstungskühlung wird zum Beispiel in der Raumlufttechnik genutzt, um  die Temperatur in Innenräumen zu senken. Aber auch der menschliche Körper kühlt sich, um eine Körpertemperatur von ungefähr 36°C dauerhaft zu halten, über diesen Mechanismus – und genau das macht die Feuchtkugeltemperatur so interessant. Entscheidend dabei ist, dass die Verdunstung abnimmt, je feuchter die Luft ist.

Wie kühlen wir uns ab?

Über den Stoffwechsel erzeugt der Körper Energie und die Körpertemperatur steigt an. Um diesen Anstieg auszugleichen, gibt es mehrere Methoden. Einerseits nutzt der Körper das Prinzip des fühlbaren Wärmestroms. Ist der Körper wärmer als die Umgebungstemperatur, fließt die Luft vom warmen Körper zur kühleren Umgebungsluft. Die abgegebene Wärme wird dann über die Luftströmung abtransportiert. Ist die Lufttemperatur niedrig und es wird zu viel Energie an die Umgebung abgegeben, wirkt man zum Beispiel mit Kleidung entgegen.

Im Osten Österreichs gibt es bis zu 34 Grad.
Ventilatoren wirken kühlend, da sie die vom Körper abgegebene Wärme schneller abführen.

Verdunstungskühlung

Ist die Umgebungstemperatur zu hoch oder die Luftströmung zu schwach, hat der menschliche Körper ein weiteres ausgeklügeltes System: Steigt die Körpertemperatur an, zum Beispiel aufgrund von Bewegung, beginnt er zu schwitzen. Der Schweiß auf der Haut verdunstet und die dazu nötige Energie wird dem Körper entzogen (Verdunstungskühlung). Auch die „Nebelduschen“ etwa in Wien sorgen dank der winzigen Tropfen für eine rasche Abkühlung durch Verdunstung auf der Haut. Dieser Prozess ist besonders effektiv bei trockener Hitze und etwas Wind.

Bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr ausreichend, der Schweiß kann nicht mehr verdunsten und damit auch keine Körperwärme abtransportiert werden. Bei einer theoretischen Temperatur von 36°C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 100% könnte sich der Körper also nicht mehr kühlen und bei gleichbleibenden Bedingungen wäre der Tod die Folge.

Feuchtkugeltemperatur

An diesem Punkt kommt die Feuchtkugeltemperatur ins Spiel. Sie gibt an, wie gefährlich die Kombination aus Temperatur und relativer Feuchte für den menschlichen Körper ist. Werte im oberen 20er Bereich setzen dem Körper bereits zu und verhindern eine ausreichende Abkühlung. Steigt die Feuchtkugeltemperatur auf über 31 Grad werden die Bedingungen selbst für gesunde, junge Menschen lebensbedrohlich (neue Studie dazu), bislang galten 35 Grad als das theoretische Überlebenslimit für den Menschen (siehe Studie).

Im roten Bereich wird es für gesunde Menschen lebensbedrohlich. © W. Larry Kenney, CC-BY-ND

Man sagt also nicht umsonst, dass extreme Hitze in trockener Luft wie etwa in der Wüste für den Körper besser zu verkraften ist, als Hitze bei hoher Luftfeuchtigkeit, so kann man Temperaturen um 46 Grad bei einer relativen Feuchtigkeit unter 20% besser ertragen, als 36 Grad bei 70% Luftfeuchtigkeit.

Die Feuchtkugeltemperatur je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

In Österreich kommt es an schwülen Tagen zu Werten zwischen 20 und 25 Grad. Noch höhere Werte in der näheren Umgebung treten häufig in Norditalien auf, so werden hier manchmal Werte zwischen 25 und 28 Grad gemessen. Vereinzelt wurden aber auch schon Spitzen um 31 Grad erreicht, wie etwa an der Mittelmeerküste in Triest am 1. August 2020. Weltweit sind Extremwerte bis 35 Grad bislang selten, sie wurden aber bereits mehrfach in subtropischen Küstenregionen gemessen, wie etwa im Iran an der Küste  des Persischen Golfs, wenn auch nur vorübergehend für wenige Stunden. Bei der extremen Hitzewelle in Pakistan und Nordindien im Mai 2022 wurde etwa Jacobabad eine maximale Feuchtkugeltemperatur von 33,6 Grad und in Delhi von 33,7 Grad gemessen.

ERA5-Reanalyse der höchsten jährlichen Feuchtkugeltemperatur (>27). © Science Advances, Vol. 3, no. 8

Höhere Werte durch Klimawandel

Durch den Klimawandel nimmt die Feuchtkugeltemperatur tendenziell zu, was etwa in Teilen Indiens, Pakistans und von Bangladesch zu einem großen Problem wird. Etwa im großen Indus-Tal und in der Gangesebene wären im Worst-Case-Szenario vier Prozent der Bevölkerung zumindest einmal zwischen 2071 und 2100 mit tödlichen Hitzewellen von über 35 Grad Feuchtkugeltemperatur konfrontiert bzw. 75% mit lebensbedrohlichen Hitzewellen von über 31 Grad Feuchtkugeltemperatur.

Mehr dazu in dieser Studie auf ScienceAdvances.

Mittlere jährliche max. Feuchtkugeltemperatur von 1976 bis 2005 (B) sowie die Prognosen für 2071 bis 2100 je nach Temperaturanstieg.

Hoch JÜRGEN bringt Hitze und vor allem im Osten Trockenheit

Westeuropa liegt derzeit unter dem Einfluss eines umfangreichen Hochdruckgebiets namens JÜRGEN, welches zu Wochenbeginn im Zusammenspiel mit einem Tief über der Biskaya vor allem in Frankreich, Benelux und England für außergewöhnliche Hitze sorgt. Besonders extreme Temperaturabweichungen sind von Nordfrankreich bis zu den Britischen Inseln zu erwarten. Am Dienstag sind in England Rekordtemperaturen um 39 Grad in Sicht. Noch etwas heißer mit Temperaturen um 40 Grad wird es in Nordfrankreich und damit auch in der Metropole Paris.

In Nordfrankreich gibt es Temperaturen um 40 Grad (zum Vergrößern auf das Bild klicken).

Hoch JÜRGEN heizt ein

Zu Beginn der kommenden Woche verlagert sich der Kern des Hochs von den Britischen Inseln langsam nach Mitteleuropa, damit steigen die Temperaturen hierzulande ebenfalls an. Das Wetter gestaltet sich am Montag und Dienstag bei höchstens harmlosen Schleierwolken verbreitet sonnig und trocken. Die Temperaturen steigen am Montag auf 26 bis 33 Grad und am Dienstag auf 28 bis 36 Grad. Die Hotspots des Landes liegen vorerst in Vorarlberg und Tirol.

Große Hitze und lokale Gewitter

Zur Wochenmitte verlagert sich der Schwerpunkt der Hitze in den Osten des Landes, hier sind bei viel Sonnenschein verbreitet Temperaturen um 35 Grad bzw. lokal auch bis zu 37 Grad zu erwarten. Im Westen macht sich hingegen ein Tiefausläufer bemerkbar, somit muss man von Vorarlberg bis Salzburg im Tagesverlauf mit teils kräftigen Hitzegewittern rechnen. In der Nacht wird es auch im Norden örtlich gewittrig.

Prognose der Höchstwerte am Mittwoch (zum Vergrößern auf das Bild klicken).

Weiterhin heiß

Der Donnerstag bringt vorübergehend mehr Wolken und im Tagesverlauf gehen im südlichen Bergland und im Südosten lokal kräftige Gewitter nieder. An der Alpennordseite bleibt es trocken und im Tagesverlauf macht sich im Westen das nächste Hoch bemerkbar. Die Temperaturen gehen geringfügig zurück und erreichen 25 bis 34 Grad. Am Freitag scheint landesweit wieder häufig die Sonne, die Temperaturen ändern sich kaum. Der Samstag verläuft voraussichtlich neuerlich sehr heiß mit Höchstwerten um 37 Grad im Osten, im Vorfeld einer Kaltfront steigt die Gewittergefahr ausgehend vom Westen allerdings deutlich an.

Die Waldbrandgefahr im Osten ist ab Mittwoch sehr hoch. © UBIMET

Regional Trockenheit

Der Juli war bislang vor allem in Osttirol und Kärnten sowie auch von Vorarlberg bis ins Hausruckviertel und im östlichen Flachland deutlich zu trocken, zum Teil gab es hier weniger als die Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge. Besonders markant fallen die Abweichungen mit nur 10% des Solls vom Lienzer Talboden bis in die Gurktaler Alpen aus, aber auch in Wien gab es nur 35% der üblichen Niederschlagsmenge.

Niederschlagsabweichung bis zum 16 Juli. © UBIMET
Prognose des Gesamtniederschlags von Sonntag bis kommenden Samstag. © UBIMET

Neusiedler See erreicht Rekordtief

In der neuen Woche muss man vor allem im Osten mit einer Verschärfung der Trockenheit und einer sehr hohen Waldbrandgefahr rechnen. Der Wasserstand des Neusiedler Sees wird in den kommenden Tagen den Negativrekord aus dem Jahre 2003 unterbieten. Wenn man die Daten seit 1965 betrachtet, wird der niedrigste Wasserstand im Mittel erst zu Herbstbeginn erreicht, bis September ist also mit einer weiteren Abnahme zu rechnen.

Der Pegel des Neusiedler Sees steht kurz vor einem neuen Negativrekord. Daten: wasser.bgld.gv.at

Titelbild © pixabay.com

 

Hitze in Europa: Wie entstehen Hitzewellen?

Im Osten Österreichs gibt es bis zu 34 Grad.

Hitzewellen sind mehrtägige Perioden mit einer ungewöhnlich hohen thermischen Belastung, welche durch den Klimawandel tendenziell häufiger und intensiver auftreten. International existiert allerdings keine einheitliche Definition des Begriffs Hitzewelle, meist basieren die Definitionen auf einer Kombination von perzentilbasierten Schwellenwerten mit einer minimalen Andauer. Die einfachste Definition im deutschsprachigem Raum für eine Hitzewelle lautet drei Tage in Folge mit einem Höchstwert über 30 Grad. Doch wie kommt es zu Hitzewellen?

Hochdruckgebiete

Mitteleuropa liegt in der Westwindzone, weshalb unser Klima im Mittel stark vom Atlantischen Ozean geprägt wird. Die Stärke des polarumlaufenden Jetstreams ist in erster Linie von den Temperaturunterschieden in der Atmosphäre zwischen den mittleren Breiten und den polaren Gebieten abhängig, wobei größere Temperaturunterschiede zu höheren Windgeschwindigkeiten in der Höhe führen. Aus diesem Grund verläuft der Jetstream im Sommer weiter nördlich und ist deutlich schwächer ausgeprägt als im Winter. Der Jetstream verläuft zudem nicht geradelinig von West nach Ost, sondern mit unterschiedlich stark ausgeprägten Wellen je nach Ausprägung und Lage der Hochs bzw. Tiefs. Nicht jedes Hoch führt aber zu einer Hitzewelle.

Das Hoch über West- und Mitteleuropa sorgt zu Wochenbeginn für eine antizykonale Nordlage im Alpenraum (Prognose des Jetstreams in etwa 10 km Höhe © ECMWF / UBIMET)

Südwestlagen

Je nach Lage des Jetstreams relativ zum Alpenraum und der daraus resultierenden Anströmung sprechen Meteorologen beispielsweise von einer Nordwest- oder einer Südwestlage. Letztere führt im Sommer in Mitteleuropa aufgrund der Herkunft der Luftmassen aus subtropischen Regionen häufig zu Hitze, aber selbst im Frühjahr kann es mit Föhnunterstützung manchmal schon zu Temperaturen um 30 Grad kommen. Solche Wetterlagen können unterschiedlich lange anhalten und mitunter auch zumindest kurze Hitzewellen verursachen.

Blockierte Wetterlagen

Für extreme Hitzewellen benötigt es meist blockierte Wetterlagen, also Lagen mit einem umfangreichen, stationären Hochdruckgebiet. Bei solchen Wetterlagen wird der Jetstream in Europa unterbrochen bzw. weit nach Norden abgelenkt. Ein typisches Beispiel dafür ist die sog. „Omega-Lage“, die manchmal mehrere Wochen lang andauern kann.

Omega-Lage im extrem trockenen März 2022. © ECMWF/UBIMET

Subsidenz

Kräftige Hochdruckgebiete sorgen in der freien Atmosphäre für eine absinkende Luftbewegung („Subsidenz“). Wenn Luft absinkt, dann gelangt sie unter höheren Luftdruck und wird demzufolge komprimiert und erwärmt. Die Luft erwärmt sich dabei pro 100 Höhenmeter um etwa 1 Grad. Diese Erwärmung setzt sich zwar oft nicht direkt bis zum Boden durch (im Herbst kommt es beispielsweise zu ausgeprägten Inversionslagen, siehe hier), aber auch in der Grundschicht steigen die Temperaturen Tag für Tag an.

Vereinfachter Querschnitt der Luftströmung in einem Hoch- und Tiefdruckgebiet. © br.de

Bei einer blockierten Wetterlagen spielt dieser Prozess eine entscheidende Rolle, so wird die Luft an Ort und Stelle durch Absinken und Sonneneinstrahlung immer weiter erwärmt. In den mittleren Breiten kann sich dann auch ein sog. „Heat dome“ bzw. eine Hitzeglocke ausbilden, wie beispielsweise bei der Rekordhitze im Westen Kanadas im Juni 2021.

Bei einer „Omega-Lage“ wurde die Luft in Lytton in Kanada auf bis zu 49,6 Grad erhitzt im Juni 2021.

Hitze in Westeuropa

Die große Hitze zu Beginn der kommenden Woche in Nordfrankreich sowie auf den Britischen Inseln kommt ebenfalls durch ausgeprägtes Absinken zustande: Das umfangreiche Hochdruckgebiet namens JÜRGEN verlagert sich am Wochenende bzw. zu Wochenbeginn von den Britischen Inseln langsam nach Mitteleuropa. Die Luft in mittleren Höhen umkreist das Hoch und sinkt dabei immer weiter ab, damit kommt es am Montag und Dienstag zu teils extremer Hitze in Westeuropa. Etwa in Paris werden am Dienstag Temperaturen um 40 Grad erwartet.

Ensemble-Prognose der Herkunft der Luft in Paris am kommenden Montag. © NOAA
In Paris muss man am Dienstag mit Temperaturen um 40 Grad rechnen. © UBIMET

Und in Österreich?

Hoch JÜRGEN verlagert sich zu Beginn der kommenden Woche über Mitteleuropa hinweg und auch im Alpenraum wird es zunehmend heiß. Bereits am Dienstag sind im Westen Höchstwerte um 35 Grad in Sicht, am Mittwoch kündigen sich im Osten örtlich sogar bis zu 37 Grad an. Ganz so heiß wie etwa in Nordfrankreich wird es hierzulande aber nicht, obwohl die Luftmasse sich kaum ändert. Wie kann das sein? Grund dafür ist in erster Linie das schwächelnde Hoch: Die Subsidenz ist nicht mehr so stark ausgeprägt wie noch zu Wochenbeginn in Westeuropa, damit ist die Luftmasse um ein paar wenige Grad kühler.

Der Hochdruckrücken verlagert sich bis Mittwoch unter leichter Abschwächung ostwärts (die Schichtdicke nimmt etwas ab). © ECMWF

Extreme Hitze: Lokaleffekte

Für Temperaturrekorde spielen mehrere Faktoren eine Rolle, wie beispielsweise auch die Witterung in den Wochen vor einer Hitzewelle bzw. die daraus resultierende Bodenfeuchte: Wenn der Boden durch eine Dürreperiode bereits ausgetrocknet ist, wird die am Boden eintreffende Sonneneinstrahlung direkt in fühlbare Wärme umgewandelt, da weniger Energie für Verdunstung verbraucht wird. Weiters spielen auch geographische Faktoren eine Rolle, so kann föhniger Wind die Luft aus mittleren Höhenlagen mitunter direkt bis in tiefen Lagen absinken lassen, was dann lokal zu extrem hohen Temperaturen führen kann. Wenn alle Faktoren zusammenkommen, also ein blockiertes Hitzehoch, trockene Böden, föhniger Wind und strahlender Sonnenschein, dann sind meist neue Rekorde zu erwarten. So wurden beispielsweise auch die 46 Grad in Südfrankreich im Juni 2019 erreicht.

 

Am Freitag Gewitter von Kärnten bis Graz

Aufziehendes Gewitter

Die Kaltfront eines Skandinavientiefs namens BARBARA hat vergangene Nacht aus Norden Österreich erreicht und trennt derzeit feuchtwarme Luftmassen im Süden des Landes von etwas kühlerer Luft an der Alpennordseite bzw. im Osten. Die Kaltfront ist mittlerweile recht stationär und kommt kaum noch südwärts voran.

Südlich der Kaltfront sind im Süden Gewitter zu erwarten. © www.uwz.at

Gewitter im Süden

Im Laufe des Nachmittags sind vom südlichen Osttirol über Kärnten bis in die Südoststeiermark Schauer und Gewitter zu erwarten. Lokal können die Gewitter kräftig ausfallen und für große Regenmengen in kurzer Zeit sowie Hagel sorgen. Die Hauptgefahr stellen dabei kleinräumige Überflutungen bzw. Vermurungen dar, vereinzelt sind in Unterkärnten aber auch stürmische Böen um 60 km/h möglich.

Niederschlagsprognose von ICON-D2 bis Freitagnacht. © DWD/UBIMET

Im Laufe des Abends ziehen die Gewitter südwärts nach Friaul bzw. Slowenien ab und das Wetter beruhigt sich rasch.

Negativrekord: Hoher Sonnblick erstmals ohne Schnee im Juli

Sonnblick

Der Hohe Sonnblick in den Hohen Tauen stellt eines der wichtigsten Gebirgsobservatorien weltweit dar, so gibt es hier eine langjährige Messreihe im hochalpinen Gelände. Einmal täglich in der Früh gibt es eine manuelle Schneemessung: Am Dienstag wurden noch 3 cm gemeldet, heute sind es 0 cm.

Blick auf den Hohen Sonnblick inkl. Observatorium. Auf dem Altschnee ist Saharastaub sichtbar. © www.foto-webcam.eu

So früh wie nie zuvor

Der 6. Juli stellt die mit Abstand früheste Ausaperung seit Messbeginn im Jahre 1938 dar, bislang lag der Rekord am 13. August in den Jahren 1963 sowie 2003, also mehr als einen ganzen Monats später. Im Mittel von 1991 bis 2020 lagen am Schneemessfeld vom Sonnblick Anfang Juli durchschnittlich etwa 3 Meter Schnee bzw Ende Juli knapp 2 Meter.

Am Sonnblick liegt seit dem 6. Juli kein Schnee mehr (blau = 2021, rot = 2022). (Daten: ZAMG)

Für die Gletscher der Alpen steht ein katastrophaler Hochsommer bevor, so wurde etwa am Hintereisferner der sog. „Glacier Loss Day„, der Tag ab dem die Massenbilanz negativ ausfällt, bereits am 22. Juni erreicht. Heuer kommen mehrere ungünstige Faktoren zusammen:

  • Wenig Schnee im Winter
  • Große Saharastaub-Ablagerungen auf den Gletschern
  • Frühe Hitze bereits im Mai

Wir berichteten über die schlechte Ausgangslage bereits hier: Schneelage im Hochgebirge: geringe Reserven für den Sommer. Nach dem aktuellen, vergleichsweise kühlen Wetterabschnitt kündigen sich ab der Monatsmitte wieder überdurchschnittliche Temperaturen an, damit wird auch die Witterung im Hochsommer voraussichtlich ungünstig ausfallen und es kündigen sich große Eisverluste an.

Massenbilanz

Die Massenbilanz eines Gletscher ergibt sich durch den Unterschied zwischen Akkumulation und Ablation im Laufe eines Jahres, wobei die Gesamtbilanz typischerweise am Ende des Sommers gezogen wird. Schneefall stellt den wichtigsten Prozess für die Akkumulation dar, wobei für manche Gletscher auch andere Faktoren wie etwa Lawinen eine Rolle spielen. Für die Ablation ist dagegen vor allem das Schmelzen im Sommer verantwortlich. Für die Massenbilanz der Alpengletscher ist besonders die Witterung in den Sommermonaten entscheidend. Heuer ist die Schneelage jedoch bereits jetzt vergleichbar zu Mitte oder Ende August.

Titelbild via www.foto-webcam.eu

Neue Woche bringt erst Gewitter, dann Abkühlung

Wetterhahn

Österreich liegt derzeit unter dem Einfluss eines Hochdruckgebiets namens HARTMUT. Der Kern des Hochs verlagert sich aber langsam nach Osteuropa, damit stiegt die Gewitterneigung am Sonntagabend im südlichen Bergland bzw. in der Nacht auf Montag dann auch im Westen langsam wieder an.

Am Montag Schauer und Gewitter

Am Montag ziehen im Westen und Norden bereits in den Morgenstunden Regenschauer und Gewitter durch, tagsüber beruhigt sich das Wetter abseits der Alpen. Im Süden und Osten scheint noch häufig die Sonne, am Nachmittag breiten sich ausgehend vom Alpenhauptkamm aber teils kräftige Schauer und Gewitter auf das südliche und östliche Bergland aus.

Gewitterpotential am Montag. ©www.uwz.at

Am Abend greifen die Gewitter auch auf den Südosten über und in der Nacht fällt auch im östlichen Flachland teils gewittrig durchsetzter Regen. Die Temperaturen erreichen zuvor von West nach Südost 22 bis 32 Grad.

Höchstwerte am Montag (zum Vergrößern auf das Bild klicken). © UBIMET

Weiterhin unbeständig

Der Dienstag gestaltet sich vor allem im zentralen und östlichen Bergland sowie im Südosten von der Früh weg unbeständig mit teils gewittrigen Schauern, zwischenzeitlich lockert es aber auch hier auf. In Osttirol und Oberkärnten sowie im Nordosten gehen nach einem oft sonnigen Start in der zweiten Tageshälfte lokale Schauer und Gewitter nieder, zunehmend sonnig wird es am Bodensee und im Innviertel. Bei mäßigem, im Osten auch lebhaftem West- bis Nordwestwind liegen die Höchstwerte zwischen 21 und 27 Grad.

Zur Wochenmitte gelangen atlantische Luftmassen nach Mitteleuropa. © wetter.3.de

Nordwestlage ohne Hitze

Am Mittwoch ist zumindest vorübergehend eine Stabilisierung in Sicht, damit steigen die Temperaturen wieder etwas an und erreichen sommerliche 22 bis 28 Grad. In der zweiten Wochenhälfte gelangen zwischen einem Hoch über dem Ostatlantik und einem Tief über Nordosteuropa aber vergleichsweise kühle Luftmassen ins Land, damit geht es mit den Temperaturen an der Alpennordseite noch etwas bergab, sie liegen zum Wochenende hin teils nur noch um 20 Grad. Wetterbegünstigt ist der Süden des Landes.

Temperaturtrend in der freien Atmosphäre (etwa 1500 m Höhe) im Osten Österreichs. © ECMWF/UBIMET

Ab der übernächsten Woche deuten die Modelle auf eine langsame, aber anhaltende Erwärmung und pünktlich zu Beginn der sog. Hundstage steigt auch wieder die Wahrscheinlichkeit für überdurchschnittliche Temperaturen an. Die bevorstehende Woche könnte also die kühlste des Hochsommers sein.

Nach aktuellen Berechnungen steht kommende Woche die kühlste Phase des Julis bevor. © ECMWF

Titelbild © AdobeStock

Juni 2022 brachte Hitze und Gewitter

Der Juni 2022 schließt mit einer Abweichung von +2,3 Grad zum langjährigen Mittel von 1991 bis 2020 sehr warm ab, in Summe war es der viertwärmste Juni seit Messbeginn. Noch heißer war es in den Jahren 2019, 2003 und 2021. Besonders markante Abweichungen teils über +3 Grad wurden in den Alpen von Vorarlberg bis Kärnten beobachtet. Etwas geringer fallen die Abweichungen mit knapp +2 Grad dagegen im äußersten Norden und Osten aus.

Temperaturabweichung im Juni 2022. © UBIMET

35 Grad in fast jedem Bundesland

Verantwortlich für die sehr warme Bilanz waren zahlreiche Südwestlagen sowie Hochdruckgebiete mit Kern über dem Mittelmeerraum. Am 19. Juni wurde in Vorarlberg und Tirol örtlich erstmals die 35-Grad-Marke erreicht, wobei in Feldkirch mit 36,5 Grad sogar der wärmste Junitag der Vorarlberger Messgeschichte verzeichnet wurde. Noch eine Spur heißer wurde es am Monatsende im Osten des Landes, so wurden am 29. in Bad Deutsch-Altenburg sogar 36,7 Grad erreicht. Temperaturen über 35 Grad wurden in jedem Bundesland gemessen, nur in der Steiermark hat es mit maximal 34,6 Grad in Hall / Admont knapp nicht gereicht. In Summe gab es regional deutlich mehr Hitzetage als üblich, etwa in der Wiener Innenstadt waren es 12 bei einem Mittel von 5 bzw. in Innsbruck 11 bei einem Mittel von 6. In Vorarlberg sowie im Osten und Südosten gab es auch mehrere Tropennächte, wobei in Graz vom 27. auf den 28. sogar die wärmste Nacht der lokalen Messgeschichte seit dem Jahre 1894 verzeichnet wurde.

Anzahl an Hitzetagen im Juni 2022. © UBIMET

Unwetter und Blitzrekord

Der Juni brachte im Flächenmittel leicht überdurchschnittliche Regenmengen, allerdings gab es große regionale Unterschiede. So war der Monat etwa im Norden, im östlichen Flachland sowie in Osttirol und Oberkärnten niederschlagsreicher als üblich, während es in Teilen Unterkärntens, im Südosten und am Alpenostrand meist zu trocken war.

Niederschlagsabweichung im Juni 2022. © UBIMET

Verantwortlich für die markanten Unterschiede waren mehrere intensive Gewitterlagen, mancherorts wie etwa in Villach und Arriach wurden neue Rekorde aufgestellt, hier gab es in der Nacht vom 28. auf den 29. den gesamten mittleren Monatsniederschlag in weniger als 12 Stunden. Überflutungen und Vermurungen waren die Folge, siehe auch hier.
Seit Monatsbeginn wurden bereits 744.655 Blitzentladungen erfasst, davon allein 217.000 in der Steiermark und 208.000 in Oberösterreich.

Anzahl an Hitzetagen im Juni 2022. © UBIMET

Dieser Wert stellt einen neuen Junirekord seit Beginn der modernen Blitzerfassung im Jahre 2009 dar, siehe auch hier. An zweiter Stelle liegt der Juni 2018 mit etwa 450.000 Entladungen. Die Gewitter haben mancherorts für großen Hagel, Orkanböen und ergiebigen Starkregen gesorgt, so wurden etwa am 5. im Kremsmünster Böen bis 116 km/h oder am 28. in Arriach bis zu 129 km/h gemessen. Sturmböen wurden zumindest lokal in jedem Bundesland verzeichnet. Wo es normalerweise die meisten Blitze gibt, haben wir bereits hier berichtet: die blitzreichsten Regionen Österreichs.


Das Soll an Sonnenstunden wurde erreicht oder übertroffen. Vom Tiroler Unterland bis ins Salzkammergut, in Osttirol und Oberkärnten sowie auch im östlichen Flachland gab es teils sogar 20 bis 30% mehr Sonnenschein als üblich. Nahezu durchschnittlich war die Sonnenscheindauer vom Grazer Becken bis ins Südburgenland.

Abweichung der Sonnenscheindauer. © UBIMET

Extremwerte Juni 2022

(Bundesland, Tag des Auftretens)

Höchste Temperaturen
  • 36,7 Grad Bad Deutsch-Altenburg (NÖ, 29.)
  • 36,5 Grad Feldkrich (V, 19.)
  • 36,0 Grad Bludenz, Imst (V bzw. T, 19.), Gänserndorf (NÖ, 29.)
Höchste Tiefstwerte
  • 23,4 Grad Grad Straßgang (ST, 28.)
  • 22,6 Grad Hohenau (NÖ, 28.)
  • 22,5 Grad Graz Uni (ST, 28.)

(In der Nacht vom 30.6 auf den 1.7. wurde in der Wiener Innenstadt ein Tiefstwert von 24,6 Grad gemessen).

Hitzetage (Höchstwert >30 Grad)
  • 13 Ferlach (Mittel 1991-2020: 5,5)
  • 12 Wien – Innere Stadt (Mittel 1991-2020: 5,3)
  • 11 Innsbruck (Mittel 5,8), Imst (Mittel 3,8), St. Andrä im Lavanttal (Mittel 5,8)
Nasseste Orte
  • 313 Liter pro Quadratmeter Windischgarsten (OÖ)
  • 260 Liter pro Quadratmeter Obertauern (S)
  • 246 Liter pro Quadratmeter Unterach am Attersee (OÖ)
Trockenste Orte
  • 52 Liter pro Quadratmeter Friesach (K)
  • 53 Liter pro Quadratmeter St. Andrä im Lavanttal (K)
  • 60 Liter pro Quadratmeter Weitensfeld (K), Neumarkt (ST)
Sonnigste Stationen
  • 328 Sonnenstunden Mörbisch (B)
  • 327 Sonnenstunden Andau (B)
  • 319 Sonnenstunden Podersdorf, Neusiedl am See (B)
  • 315 Sonnenstunden Gänserndorf (NÖ)
Stärkste Windspitzen Niederungen
  • 129 km/h Arriach (K, 28.)
  • 116 km/h Kremsmünster (OÖ, 5.)
  • 113 km/h Linz Flughafen (OÖ, 20.)

10 Tipps für einen guten Schlaf trotz Hitze

Hitze

Die empfohlene Zimmertemperatur von knapp über 20 Grad lässt sich in den Sommermonaten ohne Klimatisierung häufig nicht erreichen. Dennoch gibt es ein paar Tricks um die derzeitigen Tropennächte in den Ballungsräumen möglichst ausgeruht zu überstehen.

Diese Tipps helfen

  1. Richtiges Lüften. Idealerweise sollte nur dann gelüftet werden, wenn die Außentemperatur niedriger ist als die Temperatur im Haus oder der Wohnung. Typischerweise empfiehlt sich das Lüften ab dem späten Abend bis zum nächsten Vormittag. Ist eine Querbelüftung, zum Beispiel von West nach Ost, in der Wohnung möglich, sollte diese genutzt werden.
  2. Tagsüber bleiben Vorhänge und Jalousien geschlossen. Jegliche Sonneneinstrahlung treibt die Temperaturen in die Höhe. Besonders geeignet sind Außenjalousien, da sie nur etwa 25% der Sonnenenergie nach innen durchlassen, Innenjalousien dagegen etwa 75%. Behelfsmäßig kann man sonst auch ein Leintuch von außen vor die Fenster hängen.
  3. Trotz hoher Raumtemperaturen sollte auf dünne Bettwäsche nicht verzichtet werden, der Körper kühlt sonst zu sehr aus. Das beste Material ist Baumwolle: Es nimmt den Schweiß auf.
  4. Falls möglich, sollte auf kühlere Räume ausgewichen werden. In Einfamilienhäusern gibt es zwischen den verschiedenen Etagen meist große Temperaturunterschiede, mit den höchsten Werten unter dem Dach.
  5. Um der Hitze im Haus gänzlich zu entfliehen, kann auf den Balkon oder den Garten ausgewichen werden. Das ist allerdings nicht jedermanns Sache.
  6. Ventilatoren bringen zwar eine Abkühlung, in der Nacht besteht aber die Gefahr der Erkältung. Daher sollte man ihn nicht direkt auf das Bett richten.
  7. Vor allem im Schlafzimmer, aber auch in den anderen Räumen sollten elektrische Geräte wie Fernseher oder Computer in den Standby-Modus versetzt oder am besten gleich ganz ausgeschaltet werden. Jeder Stromverbraucher ist eine Wärmequelle bzw. eine kleine Heizung.
  8. Als eine langfristige Möglichkeit zum besseren Umgang mit der Wärme empfiehlt sich eine Matratze mit einer Sommer- und einer Winterseite.
  9. Schwere, sprich fettreiche Speisen sollten vermieden und untertags reichlich Wasser getrunken werden, um in der Nacht eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung des Körpers zu gewährleisten.
  10. Ungeeignet für eine ruhige Nacht sind alkoholische Getränke. Sie sorgen für einen leichten Schlaf und trocknen den Körper aus.

Wir wünschen allen Lesern und Leserinnen erholsame Nächte!

Titelbild © N. Zimmermann

Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag

Siebenschläfer schaut wie das Wetter wird

Der Siebenschläfertag ist ein altbekannter Lostag in der Meteorologie, welcher sich in zahlreichen Bauernregeln widerspiegelt. Das Wetter vom 27. Juni soll demnach den Trend für die nächsten 7 Wochen setzen. Anbei eine kleine Auswahl an Bauernregeln:

  • Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag.
  • Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne.
  • Wie’s Wetter am Siebenschläfertag, so der Juli werden mag.
  • Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass.
  • Schlafen die Siebenschläfer im Regen, wird’s ihn noch sieben Wochen lang geben.

Meteorologischer Hintergrund

Tatsächlich gibt es im Hochsommer eine statistisch nachweisbare Erhaltungstendenz von Wetterlagen im Alpenraum. Für diese meteorologische Singularität ist allerdings nicht nur ein bestimmter Tag relevant, da sie allgemein oft für die letzte Juniwoche bzw. die erste Juliwoche zutrifft. Durch die gregorianische Kalenderreform findet der Tag eigentlich auch erst etwa 10 Tag später statt. Auf die erste Juliwoche trifft diese Singularität in Süddeutschland und im Alpenraum etwa 60 bis 80% der Fälle zu. Im maritim geprägten Klima Norddeutschlands ist dies hingegen deutlich seltener der Fall.

Weichenstellung

Etabliert sich Ende Juni bzw. Anfang Juli somit eine stabile Hochdruckzone über Europa, stehen die Chancen gut, dass sie bis weit in den Juli hinein erhalten bleibt. Das gleiche gilt allerdings auch umgekehrt: Liegt der Jetstream weiter südlich, so ist der Weg frei für Tiefdruckgebiete in Richtung Mitteleuropa und anhaltend wechselhafte Bedingungen sind vorprogrammiert. Derzeit deuten die Modelle auf eine Südwestlage, damit würde es in West- und Nordwesteuropa eher wechselhaft und kühl, während man im östlichen Mitteleuropa sowie in Südosteuropa mit heißem Sommerwetter rechnen müsste.

 

Siebenschläfertag leitet im Osten Hitzewelle ein

Hitze

Die Juni verlief bislang 2 Grad wärmer als im langjährigen Mittel von 1991 bis 2020, wobei die größten Abweichungen um +3 Grad von Vorarlberg über die Tauern bis nach Mittelkärnten verzeichnet wurden.

Vorläufige Temperaturabweichung im Juni 2022. © UBIMET

Vergleichsweise gering waren die Abweichungen mit 1 bis 1,5 Grad bislang im östlichen Flachland, diese werden zum Monatsende jedoch ansteigen: Ein umfangreiches Tief setzt sich aktuell über dem Ostatlantik fest und führt zumindest bis zum Monatswechsel schubweise feuchtwarme Luftmassen in den Alpenraum. Die Hitze verlagert sich dabei zunehmend in den Südosten des Landes.

Der Juni endet von Italien bis Skandinavien ungewöhnlich heiß. © K. Haustein

Tief REBECCA bringt zweigeteiltes Wetter

Derzeit etabliert sich über dem Ostatlantik bzw. den Britischen Inseln ein umfangreiches Tiefdruckgebiet namens REBECCA. An der Ostflanke des Tiefs stellt sich in Mitteleuropa bis auf Weiteres eine südwestliche Höhenströmung ein, welche schubweise sehr warme Luftmassen heranführt. Die Temperaturen steigen kommende Woche speziell im Süden und Osten spürbar an, also in jenen Regionen, die bislang von großer Hitze noch halbwegs verschont wurden. Von Vorarlberg bis Oberösterreich sorgen Schauer und kräftige Gewitter dagegen von Montagabend bis zur Wochenmitte für gedämpfte Temperaturen, somit zeichnen sich von West nach Ost zum Teil große Temperaturgegensätze an.

Rege Tiefdrucktätigkeit über dem Ostatlantik führt bis Monatsende sehr warme Luftmassen ins Land, im Westen sorgt ein Randtrog aber für teils kräftige Gewitter.

Im Osten teils über 35 Grad

Am Montag scheint verbreitet die Sonne, der Himmel wird tagsüber aber zunehmend diesig durch Saharastaub. Gegen Abend ziehen von Vorarlberg bis Oberösterreich kräftige Schauer und Gewitter durch. Bei lebhaftem Südostwind gibt es dazu von West nach Ost 25 bis 35 Grad.

Am Dienstag halten sich an der Alpennordseite einige Wolken und bereits in der Früh gehen lokale Schauer nieder. Im Süden und Südosten scheint häufig die Sonne, aber auch sonst lockert es tagsüber etwas auf. Am Nachmittag steigt die Gewitterneigung ausgehend vom westlichen Bergland rasch an, örtlich können die Gewitter auch kräftig ausfallen. Oft trocken bleibt es von Unterkärnten bis ins östliche Flachland. Dazu gibt es 21 bis 32 Grad.

Der Mittwoch bringt im Westen und Norden viele Wolken und von Beginn an ziehen im westlichen Bergland teils gewittrige Schauer durch. In der Osthälfte scheint zeitweise die Sonne, im Laufe des Nachmittags steigt die Schauer- und Gewitterneigung aber generell an. Am längsten sonnig und teils trocken bleibt es im äußersten Osten und Südosten. Die Höchstwerte liegen zwischen 22 Grad im westlichen Bergland und 36 Grad im Seewinkel.

Am Donnerstag ziehen nach derzeitigem Stand anfangs vor allem in der Osthälfte ein paar Wolkenfelder durch und lokal gehen auch gewittrige Schauer nieder. Tagsüber kommt häufig die Sonne zum Vorschein, vor allem im Berg- und Hügelland entstehen aber bald wieder Schauer und teils kräftige Gewitter. Die Temperaturen erreichen 25 bis 34 Grad.

Besonders heiß wird der Freitag. Die Modelle deuten am 1. Juli im Osten auf große Hitze mit Höchstwerten zwischen 35 und 38 Grad, der Zeugnistag in Wien und im Burgenland wird also nicht nur für die Kinder schweißtreibend. Deutlich kühler mit etwa 20 Grad bleibt es dagegen im äußersten Westen. Am Wochenende zeichnet sich dann auch im Osten eine moderate Abkühlung ab.

Aktuelle Prognose der Höchstwerte am 1. Juli. © UBIMET

Siebenschläfertag

Der Siebenschläfertag ist ein altbekannter Lostag in der Meteorologie, welcher sich in zahlreichen Bauernregeln widerspiegelt. Das Wetter vom 27. Juni soll demnach den Trend für die nächsten 7 Wochen setzen: Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag. Tatsächlich gibt es im Hochsommer eine statistisch nachweisbare Erhaltungstendenz von Wetterlagen im Alpenraum, für diese meteorologische Singularität ist allerdings nicht nur ein einzelner Tag relevant, sondern generell die Witterung rund um den Monatswechsel. Sollte die Regel heuer wieder zutreffen, würde das im Osten und Südosten einen Hitzesommer bedeuten, an der Alpennordseite dagegen einen gewitteranfälligen Sommer. Unsere ursprüngliche Sommerprognose kann man hier nachlesen.

Verhaltensregeln bei Gewittern

Gewitter mit Blitz

Allgemein kündigt sich ein Blitz nicht an und kann manchmal auch mehrere Kilometer abseits eines Gewitterkerns einschlagen. Blitze schlagen zudem nicht immer an den höchsten Objekten ein und können durchaus auch mehr als einmal den selben Punkt treffen (beispielsweise exponierte Gipfelkreuze).

Gefahrenquelle Blitz

Bei  einem Gewitter besteht nicht nur die Gefahr, dass man direkt von einem Blitz getroffen wird, sondern auch das Risiko, in der Nähe eines Einschlags zu sein. Dabei springt der Blitz aufgrund der extrem hohen Spannung auf alle Stromleiter im unmittelbaren Umfeld über – schwere Verletzungen sind die Folge. Weiters gibt es auch die Gefahr der Schrittspannung: Wenn ein starker Blitz in unmittelbarer Nähe am Boden einschlägt, kann der Strom durch den menschlichen Körper fließen, wenn man im Zuge eines Schrittes den Boden an zwei unterschiedlichen Punkten mit unterschiedlichem elektrischen Potential berührt. Alleine in Deutschland und Österreich sterben jedes Jahr etwa 10 Menschen an den Folgen eines direkten oder indirekten Blitzschlages! Besonders gefährdet sind meist Landwirte und Sportler (besonders Wanderer, Bergsteiger, Golfspieler, aber auch Fußballer und Wassersportler)

10.000 Grad bei Blitzschlag

Bei einem Blitzschlag werden durchschnittliche Stromstärken von 5.000 bis 20.000 Ampere gemessen, vereinzelt werden aber sogar mehr als 250.000 Ampere erreicht. Die Temperatur kann direkt im Blitzkanal kurzzeitig auf mehrere 10.000 Grad steigen. Das explosionsartige Verdampfen des Wassers löst eine Schockwelle aus, die man in weiterer Folge als Donner wahrnimmt.

Wo findet man Schutz?

Wenn man sich im Freien befindet sollte man hohe sowie generell stromleitende Gegenstände meiden sowie fern vom Wasser bleiben. Am besten ist der Unterschlupf in einem Haus mit verschlossenen Fenstern und Türen oder im Auto. Ist man im Freien, sollte man folgende Notmaßnahmen beachten:

  • Auf den Boden kauern, am besten in einer Mulde oder Senke. Die Beine müssen dabei eng beieinander stehen um die Schrittspannung gering zu halten. Im Notfall ist es jedenfalls besser zu hüpfen, als zu laufen.
  • Niemals unter einzelstehenden Bäumen (ganz egal welche Baumart) oder Stromleitungen Schutz suchen!
  • Im Gebirge: Von Graten und Gipfeln fernhalten und Stahlseile und Skilifte meiden. Nahe einer Felswand gibt es ein relativ sicheres Dreieck, dessen Seitenlänge am Boden der Höhe der Wand entspricht.
  • Wenn man keinen Donner mehr hört, bedeutet das nicht, dass das Gewitter vorbei ist. Blitze können auch im Umfeld der Gewitterwolke in den Boden einschlagen. Deshalb ist es auch wichtig, dass man nach dem vermeintlich letzten Donner noch für längere Zeit in Sicherheit bleibt.
  • Stets lokale Wetterberichte lesen und die Tour entsprechend planen (nicht auf Apps verlassen). Bei einer erhöhten Gewitterneigung sollte man nur kurze Touren mit Ausstiegs- oder Schutzmöglichkeiten durchführen.
  • Stets den Himmel beobachten: So erkennt man, ob sich in der Nähe mächtige Quellwolken bzw. Gewitter entwickeln.

 

Vor einem Jahr: Starker Tornado in Tschechien

tornado

Vom 21. bis zum 25. Juni kam es an der Alpennordseite zu einer ausgeprägten Unwetterserie, in Summe wurden in diesem Zeitraum 240.000 Blitzentladungen erfasst, davon allein 121.000 in Oberösterreich und 58.000 in Niederösterreich. Einen Rückblick dazu gibt es hier. Den Höhepunkt der Unwetterlage wurde am Nachmittag und Abend des 24. Junis erreicht, als es besonders in Niederösterreich zu mehreren Superzellengewittern mit großem bis sehr großem Hagel kam.


Eines dieser Gewitter führte zwischen 19:14 und 19:53 knapp hinter der Grenze zu Tschechien zu einem sehr starken F4-Tornado mit Windgeschwindigkeiten bis zu etwa 350 km/h.


Der Tornado zog über die Ortschaften Hrušky, Moravská Nová Ves, Mikulčice, Lužice und Hodonín hinweg, wo es zu mitunter zu schwersten Schäden kam, etwa wurden Dächer abgedeckt und Hausmauern teilweise zerstört, Bäume und Strommasten umgerissen und sogar Autos herumgeschleudert. In Summe hatte dieses Ereignis 6 Todesoper und hunderte Verletzte zur Folge.

Die Zugbahn des Tornaods. © ESSL / CHMI


Tornados in Europa

In Europa kommt es durchschnittlich zu 300 bis 400, aufgrund der Dunkelziffer Schätzungen zufolge auch bis zu 500 Tornados pro Jahr. Die meisten davon sind nur schwach ausgeprägt und kurzlebig, zudem handelt es sich teilweise auch um Tornados über Wasser (Wasserhosen). Im Zeitraum von 2010 bis 2020 wurden vom ESSL zwei sehr starke Tornados der Stärke F4 oder F5 registriert bzw. 26 starke Tornados der Stärke F3. Starke oder sehr starke Tornados kommen in Europa also 2 bis 3 mal jährlich vor, allerdings kommt es nicht immer zu solch schweren Schäden, da die Tornados nicht immer auf Ortschaften treffen. Typische Regionen für starke Tornados in Europa sind die flachen Regionen von Nordwestfrankreich über Benelux bis nach Norddeutschland, Norditalien, die Küsten Süditaliens oder auch Südostrumänien.

Superzellengewitter

Starke Tornados entstehen im Zusammenhang mit sog. Superzellengewittern. Es handelt sich dabei um meist langlebige, kräftige und alleinstehende Gewitter, welche einen beständigen rotierenden Aufwind aufweisen (Mesozyklone). Superzellen entstehen bei ausgeprägter Windscherung: Bei einer starken vertikalen Windzunahme bilden sich nämlich quer zur Strömung horizontal liegende Luftwalzen. Der Aufwind eines entstehenden Gewitters saugt diese Luftwalze ein und kippt ihre Achse in die Senkrechte, wobei sich der Drehimpuls nach und nach auf den gesamten Aufwindbereich überträgt. Die Zufuhr feuchtwarmer Luft wird dabei durch den räumlich getrennten Abwindbereich, in dem der Niederschlag ausfällt, nicht gestört. Mehr zum Thema Einzel-, Multi- und Superzellen gibt es hier.

Schema einer Superzelle. © https://sites.psu.edu/pmarkowski/how-tornadoes-form/
Schema einer Superzelle. © https://sites.psu.edu/pmarkowski/how-tornadoes-form/

Tornados in Österreich

In Österreich treten durchschnittlich etwa 2 bis 5 Tornados pro Jahr auf, allerdings sind die meisten davon nur schwach und kurzlebig, meist stehen sie auch nicht in Zusammenhang mit Superzellengewittern, sondern entwickeln sich an lokalen Windkonvergenzen („Typ-II-Tornados“). Starke Tornados sind extrem selten, wobei das bislang bekannteste Ereignis der Tornado von Wiener Neustadt am 10. Juli 1916 war. Die Einschätzung der Stärke dieses Tornados liegt bei F4/T8, was Windgeschwindigkeiten um 350 km/h bedeutet. Vor wenigen Jahren kam es auch knapp südlich von Wien zu einem Tornado.


Ob die Häufigkeit von Tornados sich im Zuge des Klimawandels ändert, kann man derzeit noch nicht abschätzen. Mittlerweile weiß man zwar, das beispielsweise Hitzewellen und Extremniederschlagsereignisse häufiger werden, allerdings ist für starke Tornados neben der schwülen, energiereichen Luft auch eine starke Windscherung in tiefen Luftschichten notwendig, was in Mitteleuropa im Sommerhalbjahr ohnehin nur selten vorkommt. Damit ist derzeit auch keine nennenswerte Änderung bei der Anzahl an Tornados zu erwarten.

Einen umfassenden Schadensbericht zum Tornado in Tschechien u.a. vom ESSL und CHMI gibt es hier.

Rückblick: Am Freitag Gewitter von Vorarlberg bis Wien

+++Update 21:20 Uhr+++

Mittlerweile haben die Gewitter auch Niederösterreich erreicht. Das Foto zeigt eindrucksvoll die Gewitterzelle bei Allensteig im Waldviertel mit vorgelagerter Böenwalze. Damit beenden wir unseren Live-Ticker und wünschen einen schönen Abend!

Gewitterzelle Bei Allensteig im Waldviertel, Quelle: Storm Science Austria
Gewitterzelle bei Allensteig im Waldviertel, Quelle: Storm Science Austria

+++Update 20:55 Uhr+++

Die Gewitter werden jetzt langsam weniger, ein kräftiger Gewittercluster zieht in den kommenden 1-2 Stunden noch von Südwesten kommend über das Waldviertel hinweg! Rechnet in diesem Bereich mit Starkregen und kleinkörnigem Hagel!

+++Update 20:00 Uhr+++

Die Anzahl der Blitzentladungen zeigt deutlich,  dass sich der Gewitterschwerpunkt im Land wie erwartet momentan in Oberösterreich befindet. Der Cluster bewegt sich in den kommenden Stunden ins Waldviertel, sodass Niederösterreich im Laufe des Abends noch einige Ränge gut machen wird.

Blitzanzahl Österreich, Quelle: UBIMET
Blitzanzahl Österreich, Quelle: UBIMET

+++Update 19:20 Uhr+++

Die heutigen Gewitter sind oftmals mit heftigem Starkregen begleitet. So meldeten in der letzten Stunde in Verbindung mit dem Gewittercluster in Südostbayern und in Oberösterreich 2 Station über 20 mm in 1 h:

  • Vöcklabruck: 27,5 mm
  • Adlersbach-Kriestorf: 28,4 mm

+++Update 19:00 Uhr+++

Es gewittert derzeit vor allem in Oberösterreich, und zwar zwischen dem Attersee und Linz, in der oberösterreichischen Landeshauptstadt ist auch #Hagel mit dabei!

Das lassen wir jetzt mal unkommentiert so stehen:

+++Update 18:05 Uhr+++

Übrigens: heute genau vor einem Jahr gab es in weiten Teilen Mitteleuropas einen regelrechten Schwergewittertag. Besonders heftig hat es Tschechien erwischt. Ein F4-Tornado hat dort mehrere Orte regelrecht verwüstet. Unser Kollege Nik Zimmermann hat die Ereignisse in diesem Blogbeitrag aufgearbeit.

+++Update 17:00 Uhr+++

Mittlerweile haben sich zwei Gewittercluster in Süddeutschland formiert. Einer befindet sich im Salzburger Land  und wird sich in den nächsten Stunden nach Oberösterreich verlagern. Dabei drohen nebem heftigem Starkregen und kleinen Hagel auch Sturmböen. Zudem ist die Blitzaktivität hoch.  Ein zweites Cluster befindet sich in Nordbayern und verlagert sich Richtung Fichtelgebirge.

Satellitenbild inklusive Blitze für Mitteleuropa. Quelle: www.uwz.at
Satellitenbild inklusive Blitze für Mitteleuropa. Quelle: www.uwz.at

+++Update 15:45 Uhr+++

Neben dem Gewittercluster am Alpenrand haben sich auch noch weitere Gewitter an der oberen Donau und südlich von Stuttgart entwickelt. Zudem blitzt es in der Region um die Kitzbüheler Alpen. Diese Gewitter bewegen sich in den nächsten Stunden in Richtung Salzburg!  Auch dort muss mit Starkregen und lokal mit kleinem Hagel gerechnet werden.

Aktuelle Blitzdichte in Österreich und Süddeutschland. Quelle: UBIMET
Aktuelle Blitzdichte in Österreich und Süddeutschland. Quelle: UBIMET

+++Update 14:35 Uhr+++

Das eindrucksvolle Webcambild vom Wankhaus zeigt die Gewitterzelle in der Nähe von Garmisch Patenkirchen mit vorgelagerter Böenwalze gefolgt von kräftigen Niederschlägen. Dieses Gewitter bringt Starkregen, stürmische Böen sowie lokal auch kleinen Hagel mit sich und verlagert sich in den nächsten Stunden  entlang des Alpenrandes in Richtung Bad Tölz.

Webcambild vom Wankhaus bei Garmisch Patenkirchen Quelle: foto.webcam .eu
Webcambild vom Wankhaus bei Garmisch Patenkirchen Quelle: foto.webcam .eu

+++ Update 14:05 Uhr +++

Das Gewitter im Außerfern zieht aktuell nach Bayern ab, in Oberstdorf wurden Böen bis 78 km/h sowie 18 mm Regen gemessen. Im Außerfern wurden etwa in Tannheim und Bichlbach 12 mm Regen bei Böen bis knapp 50 km/h gemessen. Die Gewitterbereitschaft nimmt aktuell aber auch im Tiroler Unterland zu, hier ziehen bereits erste Schauer durch.

+++ Update 13:35 Uhr +++

Ein kräftiges Gewitter zieht aktuell über das Außerfern hinweg. Der Kern des Gewitters zieht knapp südlich an Reutte vorbei. Eine weitere Zelle nimmt Kurs auf Ehrwald. Hauptgefahren sind derzeit Starkregen und stürmische Böen.

Radarbild um 13:35 Uhr. © DWD / UBIMET

+++ Update 13:05 Uhr +++

Die Gewitter in Vorarlberg haben vor allem für größere Regenmengen gesorgt, anbei die nassesten Stationen in der vergangenen Stunde:

  • 16 mm Schoppernau
  • 15 mm Warth
  • 11mm Bludenz

Die stärkste Windböen mit 51 km/h wurde ebenfalls in Schoppernau gemessen. Aktuell befindet sich die stärkste Gewitterzelle in den Lechtaler Alpen beim Ort namens Namlos und zieht in Richtung Reutte.

+++ Update 12:45 Uhr +++

In Vorarlberg und im Tiroler Oberland ziehen bereits kräftige Schauer und Gewitter nordostwärts. Auch am Alpenhauptkamm entstehen derzeit erste Schauer, diese können demnächst zu Gewittern heranwachsen und über Nordtirol hinwegziehen.

Satellitenbild und Blitze um 12:45 Uhr, © www.uwz.at

+++ Übersicht +++

Am Rande eines Tiefs über den Britischen Inseln entwickelt sich am Freitag ein flaches Tief namens QIARA über Mitteleuropa und sorgt für eine Konvergenzlinie, die sich quer über Deutschland und Österreich erstreckt. Hier treffen westliche und südöstliche Winde aufeinander, weshalb die Luft besonders feucht und die Schauer- und Gewitterneigung erhöht ist.

Am Freitagnachmittag und -abend sind vor allem an der Alpennordseite Gewitter zu erwarten. © www.uwz.at

Im Laufe des Tages scheint zwar zeitweise die Sonne, ausgehend vom westlichen Bergland nimmt die Gewitterneigung am Nachmittag aber rasch zu. Am späten Nachmittag und Abend sind dann vor allem an der Alpennordseite örtlich kräftige Gewitter zu erwarten, dabei besteht die Gefahr von Starkregen, Hagel und teils stürmischen Böen. Am späten Abend erfasst die Konvergenzlinie auch den Nordosten des Landes, damit steigt die Gewitterbereitschaft auch im Weinviertel sowie im nördlichen Wiener Becken an.

Niederschlagsprognose vom ICON-D2-Modell von Freitagnachmittag bis Samstagmorgen.

Titelbild: Gewitter bei Linz im Juni 2022 © Storm Science Austria

21. Juni: Astronomischer Sommerbeginn

Sommerliche Stimmung - pixabay.com

Obwohl die Tage ab dem 21. Juni langsam wieder kürzer werden, signalisiert die Sonnenwende in unseren Breiten erst den Sommerbeginn. Tatsächlich ist die heißeste Zeit des Jahres erst von Mitte Juli bis Mitte August zu erwarten. Die Ursache liegt in der thermischen Trägheit der Land- und vor allem Meeresoberflächen.

Der späteste Sonnenuntergang findet am 26. Juni statt.
Der späteste Sonnenuntergang findet am 26. Juni statt.

Der längste Tag und der früheste Sonnenaufgang fallen wegen der Neigung der Erdachse und der elliptischen Bahn unseres Planeten um die Sonne aber nicht auf den selben Tag, so findet der späteste Sonnenuntergang am 26. Juni statt, der früheste Sonnenaufgang war dagegen schon am 15. Juni.

Sommersonnenwende

Zum astronomischen Sommerbeginn, auch Sommersonnenwende genannt, sind die Tage im gesamten Jahr am längsten: In Wien etwa geht die Sonne bereits kurz vor 5 Uhr in der Früh auf und erst gegen 21 Uhr wieder unter. An wolkenlosen Tagen scheint die Sonne somit gut 16 Stunden. In Hamburg sind sogar 17 Stunden Sonnenschein möglich. Von nun an werden die Tage wieder kürzer: Vorerst nur sehr langsam, bis zum Monatsende um gerade einmal vier Minuten. Erst gegen Ende August werden die Tage merklich kürzer.

Die Tageslänge im Verlauf des Jahres. © UBIMET
Die Tageslänge im Verlauf des Jahres. © UBIMET

Titelbild © Adobe Stock

Rückblick: Zum Wochenstart vor allem im Süden kräftige Gewitter

+++ Update 22:15 Uhr +++

Die Gewittertätigkeit lässt jetzt allmählich nach, in der letzten Stunde hat es vor allem im Raum Bruck/Mur heftig geschüttet (21 Liter an der Station in Bruck/Mur, 12 Liter in Pernegg).

Auch auf Wien ziehen von Westen her noch kurze Schauer und Gewitter durch, wie schön am Radarbild von 22 Uhr zu erkennen ist. Damit beenden wir unseren Live-Ticker und wünschen einen ruhigen Abend!

+++ Update 21:10 Uhr +++

Weiterhin kräftige Gewitter in Österreich unterwegs:

Blitzverlauf mit Niederschlagsmengen der letzten Stunde,
Quelle: UBIMET, NOWCAST

Die Kärntner Zelle brachte in Klagenfurt um 15 Liter auf den Quadratmeter, weiter südöstlich sogar knappe 24 Liter in  nur kurzer Zeit. Da sind kleinere Überschwemmungen vorprogrammiert.
Auch die Steirer Zelle, die nördlich an Hartberg vorbei nun das Burgenland erreicht hat, brachte in Eichberg sogar knapp 29 Liter auf den Quadratmeter in nur 30 Minuten.

+++ Update 20:20 Uhr +++

Mit Korngrößen im Bereich von Golfball-Größen bei bzw. nördlich von Graz darf man wahrlich schon von Unwettern sprechen. Aber auch in Kärnten lassen die gemessenen Werte der Wetterstationen von der Intensität der Gewitter ahnen: 25,6 Liter/m^2 in der letzten Stunde nördlich von Villach und 81 km/h Sturmböen bei Klagenfurt.

+++ Update 19:20 Uhr +++

Die Zwischenbilanz über den heutigen Blitzverlauf ergibt eine bunte Karte, die einerseits die Gewitter vom Vormittag/Mittag in Ober- und Niederösterreich zeigt, wie auch die aktuellen Gewitter der letzten Stunden – die kräftige Zelle erneut in Oberösterreich und jene vom Tiroler Unterland bis nach Graz

+++ Update 19:00 Uhr +++

Wie die Sturmböen in Oberösterreich (93 km/h jetzt am Flughafen Linz), so die Überflutungen auch im Süden: bei 17,8 Liter auf den Quadratmeter in Dellach im Drautal in nur 40 Minuten kein Wunder.

+++ Update 18:50 Uhr +++

Die kräftige Gewitterzelle, die vor Kurzem über Graz hinwegzog, bracht auch Hagel mit sich:

+++ Update 18:30 Uhr +++

Etliche Sturmschäden werden aus Oberösterreich gemeldet, 71 km/h wurden auch bereits aus Obertrattnach gemeldet:

+++ Update 18:15 Uhr +++

+++ Update 18:00 Uhr +++

Volltreffer in Reichersberg im Innviertel:
Die bayrische Superzelle soeben Reichersberg getroffen und dabei für eine orkanartige Böe mit 108 km/h gesorgt (außerdem für einen Temperatursturz von 27,6°C auf 19,3°C binnen 10 Minuten).
Auf ihrem weiteren Weg südostwärts schrammt sie an Ried vorbei und zieht weiter auf Wels zu. Stellen Sie sich dort auf ebenso schwere Böen und Hagel ein!

+++ Update 17:15 Uhr +++

Erneut bemühen wir das Radarbild, denn ganz klassisch nach Lehrbuch erleben wir in Kärnten einen Zell-Split – ein Gewitter, das sich teilt. Der südliche Teil zieht nun südostwärts Richtung Hermagor, der nördliche weiter nach Osten.
Weiters gilt erhöhte Vorsicht im Großraum Graz, da dort mehrfach Gewitter auslösen!
Und als dritten Gefahrenpunkt müssen wir den Bereich zwischen Schärding, Braunau und Ried im Innkreis vorwarnen vor der kräftigen Superzelle, die aus Niederbayern in der kommenden halben Stunde das Innviertel erreicht. Mäßiger Hagel ist dabei zu erwarten:

Radarbild 15:15 Uhr
Quelle: UBIMET, AustroControl

+++ Update 16:30 Uhr +++

Nach einer kurzzeitig etwas ruhigeren Phasen haben nun wieder ein paar Gewitter ausgelöst. Während sich jenes im Waldviertel bereits wieder zu einem Schauer abgeschwächt hat, ziehen vom Tiroler Unterland über die Hohen Tauern bis in die Südsteiermark Gewitter langsam ostwärts.

Erhöhte Vorsicht gilt daher momentan für Spittal an der Drau und von Deutschlandsberg bis Leibnitz:

Besonders aber in Bayern sind derzeit schwere Gewitter samt Hagel unterwegs, die zudem etwas schneller ostwärts ziehen. Es bleibt abzuwarten, ob und wo sie Österreichen erreichen.

Radarbild 16:15 Uhr
Daten: UBIMET, AustroControl

+++ Update 14:50 Uhr +++

Ein Blick auf das Satellitenbild zeigt nicht nur die quer über Deutschland liegende Kaltfront, sondern auch dass bzgl. Gewitter derzeit nicht viel los ist in Österreich. Einzig westlich von Spittal an der Drau ist aktuell ein Gewitter am Entstehen. Die roten Pluszeichen stehen dabei für die aktuellen Blitze.
Auch in den kommenden Stunden sind noch weitere Gewitter im Süden zu erwarten.

Satbild und aktuelle Blitze (+ Zeichen) von 14:40 Uhr
Quelle: UBIMET, EUMETSAT

 

 

+++ Update 13:15 Uhr +++

Derzeit gibt es große Temperaturkontraste in Österreich. Während im Mühl- und Waldviertel nur knapp 20 Grad gemessen werden, ist es in Unterkärnten mit bis zu knapp 33 Grad in St. Andrä im Lavanttal schwülheiß. Entsprechend herrscht am Nachmittag vor allem im Süden erhöhte Gewittergefahr.

Temperaturen um 13:10 Uhr; (zum Vergrößern auf das Bild klicken. Daten: ZAMG/UBIMET)

+++ Update 12:55 Uhr +++

Die Gewitter im Norden des Landes haben nachgelassen, sind aber aktuell noch für teils kräftigen Wind in Teilen Niederösterreichs verantwortlich.Anbei die gemessenen Windspitzen:

  • 71 km/h Klausen-Leopoldsdorf
  • 63 km/h St. Pölten
  • 62 km/h Retz
  • 62 km/h Gumpoldskirchen

+++ Update 12:30 Uhr +++

Vor allem im südlichen Bergland steigt die Gewitterneigung nun langsam an, in der Gurktaler Alpen ist knapp nördlich der Flattnitz vor wenigen Minuten eine Gewitterzelle entstanden.

+++ Update 12:00 Uhr +++

Anbei ein Video aus dem Waldviertel. Etwa in Weitra wurden Böen bis 61 km/h gemessen, wobei die Station nicht direkt getroffen wurde.

+++ Update 11:50 Uhr +++

Das Gewitter im Waldviertel zieht derzeit mit stürmischen Böen über Karlstein an der Thaya hinweg und verlagert sich demnächst nach Tschechien. Ein weitere Gewitter zieht derzeit in der nördlichen Obersteiermark über das Untere Ennstal zwischen Admont und Hieflau hinweg.

+++ Update 11:30 Uhr +++

Das Gewitter im Waldviertel ist weiterhin sehr kräftig und zieht in Richtung Karlstein an der Thaya. Anbei ein Webcambild aus Groß-Siegharts.

Gewitter bei Groß-Siegharts. © http://www.wetter-hausruckviertel.at/
Gewitter bei Groß-Siegharts. © https://www.wetter-hausruckviertel.at/

+++ Update 11:15 Uhr +++

Im Oberen Waldviertel bei Kirchberg am Walde ist ein kräftiges Gewitter entstanden. Das Gewitter zieht ostwärts und sorgt für Hagel- und Sturmgefahr! Eine Konvergenzlinie liegt derzeit quer über dem Westen Niederösterreichs, hier können in der kommenden Stunde weitere Gewitter entstehen.

Eine Windkonvergenz liegt quer über Niederösterreich. Die Gewitter verlagern sich ostwärts. © ACG/UBIMET

+++ Update 11:05 Uhr +++

In Oberösterreich wurden bereits knapp 10.000 Blitzentladungen gemessen. Die Gewitter haben hier neben Starkregen auch für stürmische Böen gesorgt, anbei die bislang stärksten gemessenen Windböen:

  • 68 km/h Rohrbach
  • 65 km/h Wolfsegg
  • 64 km/h Reichersberg
  • 61 km/h Kremsmünster

in Unterach am Attersee wurde zudem 16 mm Regen innerhalb von einer Stunde gemessen.

+++ Übersicht +++

Österreich liegt am Montag südlich einer Kaltfront, die sich von Nordfrankreich quer über Deutschland bis nach Polen erstreckt. Im Vorfeld der Kaltfront gelangen weiterhin feuchtwarme und labil geschichtete Luftmassen ins Land, so sind in Salzburg und Oberösterreich bereits seit den Morgenstunden mitunter kräftige Gewitter durchgezogen. Die Gewitter erfassen nun auch das Most- und Waldviertel, am Nachmittag sind dann auch im östlichen Flachland sowie im Süden örtlich kräftige Gewitter zu erwarten. Örtlich besteht die Gefahr von Hagel, Starkregen und Sturmböen!

Am Abend ziehen im Norden mit Ankunft der Kaltfront neuerlich Schauer und Gewitter durch, etwas geringer bleibt die Gewitterneigung dagegen im Bodenseeraum sowie im äußersten Südosten.

Titlebild © Storm Science Austria

Am Wochenende Hitze mit bis zu 36 Grad an der Alpennordseite

Thermometer mit Hitze über 30 Grad - Adobe Stock

Die erste Junihälfte verlief im landesweiten Flächenmittel bereits um 1,3 Grad wärmer als im langjährigen Mittel von 1991 bis 2020, wobei die größten Abweichungen um +2 Grad in der Silvretta sowie in Osttirol und Kärnten verzeichnet wurden. In den kommenden Tagen werden die Abweichungen weiter ansteigen, so steht am Sonntag steht der bislang heißeste Tag des Jahres an. Entlang der Nordalpen von Vorarlberg bis ins Mostviertel steigen die Temperaturen örtlich auf bis zu 36 Grad.

Die größte Hitze verlagert sich am Wochenende von Frankreich nach Ostdeutschland (zum Vergrößern auf das Bild klicken). © UBIMET

PETRA bringt heiße Luft

Verantwortlich für die erste große Hitze des Jahres ist ein nahezu ortsfestes Tiefdruckgebiet namens PETRA mit Kern über dem Ostatlantik bzw. der Biskaya. An der Ostflanke des Tiefs gelangen mit einer südlichen bis südwestlichen Strömung heiße Luftmassen nach Mitteleuropa, wobei die größte Hitze die Regionen westlich und nördlich von Österreich trifft. So sind am Wochenende selbst in einem Streifen von Nordfrankreich bis in die Mitte Deutschlands recht verbreitet Temperaturen zwischen 35 und 39 Grad zu erwarten.

Die heißeste Luft umströmt das Hoch EFIM. © FU Berlin / DWD

Sonniges Wochenende

Am Samstag und Sonntag dominiert in Österreich bei höchstens harmlosen Schleier- oder Quellwolken verbreitet der Sonnenschein. Dazu bleibt es weitgehend trocken, nur ganz vereinzelt sind in den westlichen Nordalpen am späten Sonntagnachmittag lokale Hitzegewitter nicht ausgeschlossen. Die Temperaturen steigen am Samstag auf 28 bis 34 Grad und am Sonntag auf 30 bis 36 Grad. Die höchsten Temperaturen sind unter leichtem Föhneinfluss von Vorarlberg bis ins Mostviertel zu erwarten.

Die Nullgradgrenze steigt am Sonntag vorübergehend auf etwa 4500 m an.

Zu Wochenbeginn bleibt es sehr heiß mit Temperaturen zwischen 29 und 35 Grad, die Gewittergefahr steigt aber vor allem im Berg- und Hügelland an.

Am Montag gibt es auch im Südosten große Hitze.

Außergewöhnliche Juni-Hitze

Temperaturen um 35 Grad sind in den vergangenen Jahren häufiger geworden, sind aber weiterhin außergewöhnlich. Beispielsweise in Bregenz und Salzburg wurde die 35-Grad-Marke im Juni überhaupt erst dreimal seit Messbeginn erreicht. Im Zuge des Klimawandels erreicht die nordafrikanische Hitze den Alpenraum jedoch immer früher im Jahr. Im vergangenen Jahr wurden Temperaturen um 35 Grad erstmals am 21. sowie am 24. Juni im Südosten gemessen, im Rekordjuni 2019 sogar in jedem Bundesland. Der absolute Monatsrekord liegt bei 38,6 Grad, gemessen in Waidhofen an der Ybbs am 20.6.2013.

Titelbild © AdobeStock

Zu Fronleichnam kräftige Gewitter mit Hagel

Hagel und Regenbogen

Die kräftigsten Gewitter sind für heute durch, die verbliebenen Gewitter werden nun auch von Stunde zu Stunde weniger. Daher beenden wir unseren heutigen Liveticker und bedanken uns fürs Mitlesen! Bis demnächst an gleicher Stelle 🙂

+++Update 18:15 Uhr+++

Beeindruckende Strukturen bei den Gewittern, hier eingefangen vor Kurzem in Kirchberg an der Pielach.

Quelle: Storm Science Austria
Hagel in Wimpassing / Leitha. Bild: R. Proyer
Hagel in Pottendorf. Bild: F. Knabl

+++Update 17:45 Uhr+++

Nachhaltig abkühlen wird es mit den Gewittern nicht – nur kurzfristig. In Vorarlberg, hinter der Störungszone, geht der Tag freundlich zu Ende. Derzeit ist Feldkirch sogar der wärmste Ort des Landes mit knapp 30 Grad!

Quelle: https://www.foto-webcam.eu/webcam/dornbirn/

+++Update 17:30 Uhr+++

Man kann anhand der Blitzdichte (also Blitze pro Quadratkilometer) gut sehen, wo die heftigsten Gewitter bis jetzt gewütet haben: Jene Zelle, die von der Packalpe zur slowenischen Grenze gezogen ist, stellt hier die anderen Gewitter ziemlich in den Schatten!


+++Update 17:15 Uhr+++

Hier der Überblick der aktuellen Gewitterherde anhand der Blitzentladungen. Alte Blitze sind dunkel – neue Blitze sind gelb dargestellt. Im Westen hat sich die Situation nun schon beruhigt, die stärksten Gewitter derzeit in Niederösterreich un der Steiermark:

+++Update 17:00 Uhr+++

Mittlerweile regnerisch auch in Wien, der Regen hält jetzt einige Zeit an und auch Blitze sind immer wieder mit dabei!

Quelle: https://www.foto-webcam.eu/webcam/wien/

+++Update 16:45 Uhr+++

Schon 30.000 Blitze heute, die Hälfte davon geht auf das Konto der Steiermark:

+++Update 16:30 Uhr+++

Das kräftigste Gewitter geht momentan nördlich von Eisenstadt nieder und zieht ostwärts Richtung Neusiedl und Bruck/Leitha. In diesem Bereich intensiver Regen und Hagel!

+++Update 16:20 Uhr+++

Blick von Bad Vöslau auf das heftige Gewitter im südlichen Wiener Becken. Danke an Storm Science Austria für das tolle Bild:

Quelle: Storm Science Austria

+++Update 16:15 Uhr+++

Große Temperaturunterschiede derzeit – je nach Sonne oder Gewitter. In der Wiener Innenstadt noch immer 29 Grad, in Weitra (Waldviertel) hat es mit einem Gewitter auf 14 Grad abgekühlt.

In der Bundeshauptstadt wird es auch demnächst nass!

+++Update 16:00 Uhr+++

Vorsicht im südlichen Wiener Becken. Hier hat sich eine sehr kräftige Gewitterzelle gebildet, rechnet hier mit intensivem Regen und auch Hagel. Hier ein Webcambild der A2 beim Knoten Wiener Neustadt:

+++Update 15:30 Uhr+++

Aktuelle Übersicht der Gewitter: Jetzt geht es auch langsam im Osten und Nordosten los, die Gewitter im Waldviertel nehmen Kurs auf Wien. Mal sehen, ob sie es schaffen…

+++Update 15:20 Uhr+++

Die Gewitter bilden sich heute in sommerlich warmer/heißer Luft, 4 Stationen im Land haben bis dato die 30-Grad-Marke geknackt.

+++Update 15:00 Uhr +++

Anbei ein Hagelbild aus der Südweststeiermark. Ähnlich groß war der Hagel auch örtlich im Lavanttal und in den Karawanken.

+++Update 14:45 Uhr +++

Vor allem entlang der Südgrenze von den Karawanken bis in die Südsteiermark gehen derzeit heftige Gewitter mit Starkregen und Hagel nieder. Diese Gewitter reichen gut 14 km hoch. Ein weiteres hochreichendes Gewitter erfasst nun das Obere Waldviertel, aber auch im Mittelburgenland entstehen nun Schauer und Gewitter.

Radar um 14:45 Uhr. © ACG/UBIMET

+++Update 14:30 Uhr +++

Anbei ein Video aus Maria Lankowitz (westlich von Köflach).


In Wolfsberg wurde Hagel mit einem Durchmesser von etwa 3 bis 4 cm beobachtet, siehe hier sowie hier

+++Update 14:20 Uhr +++

Auch im Raum Hartberg zieht derzeit ein Gewitter durch, anbei ein aktuelles Bild der Gewitterzelle.

Blitz bei Hartberg. © C. Matella

+++Update 14:15 Uhr +++

Die stärksten Gewitter gehen derzeit rund um die Koralpe nieder. In den kommenden Stunden verlagert sich der Schwerpunkt der Gewitter in den Nordosten des Landes, wo derzeit noch verbreitet die Sonne scheint. In Tschechien sind bereits erste kräftige Gewitterzellen entstanden, diese ziehen in Richtung Waldviertel.

Radar um 14 Uhr. © ACG/UBIMET

+++Update 14:10 Uhr +++

Derzeit gibt es große Temperaturkontraste: In Ferlach wurde soeben die 30-Grad-Marke erreicht und auch im östlichen Flachland liegen die Temperaturen bei 28 oder 29 Grad. In Tirol und Salzburg hat es teils auf unter 20 Grad abgekühlt, wie etwa in St. Johann i im Pongau mit 17,5 Grad.

Weitere Daten gibt es stets auch hier: Aktuelle Wetterdaten aus Österreich

+++Update 13:45 Uhr +++

Anbei aktuelles Infrarot-Satellitenbild, welches die Temperaturen an der Wolkenobergrenze zeigt. Je kälter die Temperatur, desto höher reichen die Gewitterwolken. Derzeit stechen vor allem die Wolken im nördlichen Unterkärnten sowie westlich von Graz stark heraus, stellenweise werden hier etwa -63 Grad ermittelt. Damit reichen die Gewitterwolken gut 13 km hoch.

IR-Satellitenbild um 13:35 Uhr.

+++Update 13:35 Uhr +++

In Neumarkt wurde vor wenigen Minuten eine Böe von 100 km/h gemessen. Anbei die Spitzen in den verfangenen drei Stunden in den Niederungen:

  • 100 km/h Neumarkt (ST)
  • 97 km/h St. Michael im Lungau (S)
  • 75 km/h Hochfilzen (T)
  • 73 km/h Bischofshofen (S)
  • 72 km/h Zell am See (S)
  • 72 km/h Friesach (K)

+++Update 13:15 Uhr +++

Vor allem im nördlichen Unterkärnten sowie zwischen dem Packsattel und Graz ziehen aktuell kräftige Gewitter durch, die Unwettergefahr nimmt in den Gebieten südlich bzw. südöstlich dieser Gewitter zu! Ein weiteres Gewitter ist südöstlich von München entstanden und zieht nach Salzburg.

Radar um 13:15 Uhr. © ACG/UBIMET

+++Update 12:50 Uhr +++

Die Gewitter im Murtal ziehen derzeit in Richtung Grazer Bergland. Die Hagel- und Sturmgefahr nimmt nach Südosten hin zu! Weitere Gewitter ziehen nordöstlich der Tauern sowie im Grenzbereich zu Bayern durch.

Radarbild um 12:50 Uhr. © ACG/UBIMET
Gewitter im Pongau. © www.foto-webcam.eu

+++Update 12:20 Uhr +++

Derzeit gehen vor allem in den Nordalpen vom Außerfern über die Salzburger Gebirgsgaue bis in die Obersteiermark örtlich Schauer und Gewitter nieder. In Hochfilzen wurde soeben eine Sturmböen von 75 km/h gemessen. Der Schwerpunkt der Gewitter wird sich in den kommenden Stunden in den Südosten verlagern, aber auch vom Waldviertel ostwärts nimmt die Gewitterneigung langsam zu.

Die Böenfront greift nun auf den Pinzgau über. Bild: www.foto-webcam.eu

+++Update 12:00 Uhr +++

Das kräftige Gewitter im Tiroler Unterland zieht aktuell über den Raum St. Johann in Tirol hinweg. Vorsicht vor Starkregen, kleinem Hagel und Sturmböen!

Anbei die bislang gemessenen Spitzenböen:

  • 69 km/h Mittersill (S)
  • 64 km/h Golling (S)
  • 63 km/h Kirchdorf in Tirol (T)
  • 61 km/h Windischgarsten (OÖ)

Weitere Daten gibt es stets auch hier: Aktuelle Wetterdaten aus Österreich

Gewitter im Kaiserwinkl. © www.foto-webcam.eu

+++Update 11:35 Uhr +++

Anbei zwei Webcambilder des Gewitters zwischen Wörgl und Kufstein (via www.foto-webcam.eu). In Achenkirch sowie auch in Windischgarsten wurden vor wenigen Minuten Böen um 60 km/h gemessen.

+++Update 11:15 Uhr +++

Das aktuell kräftigste Gewitter zieht derzeit vom Rofan ins Unterinntal (Raum Wörgl), hier kann es demnächst zu Starkregen, kräftigen Windböen und kleinem Hagel kommen. Weitere Gewitter sind im Berchtesgadener Land sowie im Raum Windischgarsten unterwegs. Die Gewitter ziehen mit etwa 50 bis 55 km/h ost- bis südostwärts.

Blitzentladungen um 11:10 Uhr. © UBIMET

+++Update 10:55 Uhr +++

Bei Gewittern sorgen Hagel und Sturm zwar oft für die höchsten Sachschäden, allerdings wird der klassische Blitz oft als Gefahrenquelle für den Menschen vernachlässigt. Ein paar Infos zum Thema Schrittspannung sowie generelle Verhaltenshinweise bei Gewittern findet ihr hier.

+++Update 10:30 Uhr +++

Am aktuellen Satellitenbild sieht man die hochreichenden Gewitterwolken (helles weiß) über Teilen Nordtirols. Auch in Oberösterreich sind erste gewittrige Schauer entstanden, im Süden und Osten scheint dagegen bei höchstens harmlosen Schleierwolken verbreitet die Sonne.

Satellitenbild um 10:20 Uhr. © EUMETSAT/UBIMET

+++Update 10:05 Uhr +++

Die Gewitter entlang der westlichen Nordalpen bringen vorerst starken Regen, kräftige Windböen und kleinen Hagel. Im Laufe des Tages sind vor allem im Südosten dann auch Gewitter mit großem Hagel und Sturmböen möglich.

Anbei zwei Meldungen aus dem Allgäu. Diese Gewitter ziehen aktuell über das Außerfern hinweg,

+++ Update 09:45 +++

In Vorarlberg ziehen bereits seit den Morgenstunden Schauer und Gewitter durch, hier gab es bereits mehr als 600 Blitzenladungen. Mittlerweile sich auch erste kräftige Gewitter unterwegs, diese ziehen aktuell über den Allgäu bzw. das Außerfern hinweg.

Radarbild um 9:45 Uhr. © UBIMET/ACG/DWD

+++ Übersicht +++

Österreich liegt am Donnerstag im Einflussbereich feuchtwarmer und energiereicher Luftmassen. Der Hochdruckeinfluss lässt dabei nach und aus Westen zieht tagsüber ein Tiefausläufer durch, somit muss man verbreitet mir einer zunehmenden Schauer- und Gewitterneigung rechnen. Bei teils starker Windscherung sind vor allem im Süden und Osten auch kräftige Gewitter zu erwarten mit der Gefahr von teils großem Hagel und Sturmböen!

Vor allem im Südosten zeichnet sich örtlich erhöhte Unwettergefahr ab. © uwz.at

Titelbild © AdobeStock

Gewitter in Österreich: die blitzreichsten Regionen des Landes

Gewitter können in Mitteleuropa bei passenden Wetterbedingungen im gesamten Jahr auftreten, die klassische Hochsaison geht hierzulande aber typischerweise von Mitte Mai bis Ende August. In dieser Jahreszeit sorgt einerseits der hohe Sonnenstand für eine starke Erwärmung der bodennahen Luft, was zu einer labilen Luftschichtung führen kann, andererseits werden die Luftmassen im Laufe des Sommers generell energiereicher (wärmere Luft kann mehr Wasserdampf enthalten).

Anzahl an Blitzentladungen pro Monat in Österreich von 2011 bis 2020. © UBIMET

Der blitzreichste Monat des Jahres in Österreich ist meist der Juli mit einem 10-jährigen Mittel von knapp 225.000 Blitzentladungen (Stromstärke ab 5 kA). Es folgen in absteigender Reihenfolge August, Juni und Mai. Gegen Ende August lässt die Blitzhäufigkeit aufgrund der rasch abnehmenden Tageslänge deutlich nach, der blitzärmste Monat ist der November mit durchschnittlich nur 136 Entladungen.

Blitze in Österreich

Im 10-jährigen Mittel stechen bei der Blitzdichte in Österreich zwei Regionen ganz besonders hervor:

  • Die Gebiete vom Grazer Bergland und Mürztal über das Grazer Becken bis ins Südburgenland
  • Die Gebiete vom Flachgau bzw. südlichem Innviertel über das Salzkammergut bis zu den Ennstaler Alpen

Am wenigsten Blitze gibt es dagegen am Alpenhauptkamm vom Montafon bis zu den Ötztaler Alpen, da hier die lange Schneebedeckung sowie die hochgelegenen Täler nur eine recht kurze Gewittersaison zulassen.

Mittlere Blitzdichte von 2010 bis 2019. © UBIMET

Bezirke mit der höchsten Blitzdichte

  • 34,6 Blitze/km² Weiz (ST)
  • 32,7 Blitze/km² Graz-Umgebung (ST)
  • 29,3 Blitze/km² Hartberg-Fürstenfeld (ST)
  • 28,4 Blitze/km² Graz (ST)
  • 27,5 Blitze/km² Jennersdorf (B)
  • 26,8 Blitze/km² Salzburg Stadt (S)
  • 26,7 Blitze/km² Südoststeiermark (ST)
  • 26,4 Blitze/km² Salzburg-Umgebung (S)
  • 26,4 Blitze/km² Voitsberg (ST)
  • 25,6 Blitze/km² Oberwart (B)
  • 25,2 Blitze/km² Ried im Innkreis (OÖ)

An letzter Stellen befinden sich die Bezirke Bludenz und Landeck mit einer mittleren Dichte von 8,2 bzw. 8,6 Blitzen/km² (in den Gemeinden Bartholomäberg in Vorarlberg bzw. Sölden in Tirol liegt sie bei nur 5 Blitzen/km²).

Mittlere Anzahl von Blitzen pro Tag (2007-2019). © UBIMET

Wenn man sich die mittlere Anzahl von Blitzen pro Tag betrachtet, stechen die bereits erwähnten Regionen ebenfalls klar heraus, ganz besonders die Gebiete rund um Weiz. Starke Gewitter können zwar überall auftreten, auch in dieser Kategorie liegen aber „die üblichen Verdächtigen“ an der Spitze:

  • das südöstliche Bergland (u.a. vom Murtal bis zur Buckligen Welt)
  • die Nordalpen (v.a. vom Außerfern bis zu den Niederösterrechischen Voralpen)
  • das Obere Waldviertel
Anteil der Schwergewittertage. © UBIMET

Hagel ist in Österreich keine Seltenheit, vor allem bei leicht föhnigen Wetterlagen kommt es am Alpennordrand, im Südosten oder im Waldviertel nahezu jährlich lokal auch zu großem Hagel. Vereinzelt wurde auch schon sehr großer Hagel mit einer Größe von etwa 10 cm beobachtet, wie etwa zuletzt am 5. Juni 2022 im Kaiserwinkl oder am 24. Juni 2021 in Wald- und Weinviertel.

Meldungen von großem Hagel in Österreich in der ESWD-Datenbank seit 2010. © ESWD

Blitzhauptstadt Graz

In Österreich stellt Graz aufgrund der geographischen Lage am Südostrand der Alpen die blitzreichste Landeshauptstadt dar. Einerseits gibt es hier zahlreiche Gebirgsgruppen wie etwa die Packalpe oder das Grazer Bergland, welche die Auslöse von Gewittern begünstigen, andererseits ist die Luft hier im Sommer oft sehr feucht bzw. energiereich. Hinzu kommt noch, dass sich die feuchte Luft  in tiefen Schichten bei Kaltfrontdurchgängen besonders lange halten kann, da die bodennahe Kaltluft von den Alpen blockiert wird bzw. über Wien hinweg umgeleitet wird. In mittleren Höhenlagen findet aber dennoch eine Temperaturabnahme statt, was dann in der Steiermark und im Südburgenland zu einer oft labilen Luftschichtung führt.

Im Südosten ist die Luftschichtung am häufigsten labil. © UBIMET

Dieser Effekt führt auch dazu, dass es in Graz deutlich häufiger als etwa in Wien zu kräftigen Gewittern kommt, da die energiereiche Luft in der Hauptstadt aufgrund der exponierten Lage am Alpenostrand schnell durch aufkommenden Westwind ausgeräumt wird. Da zwischen dem Waldviertel und den Voralpen zudem ein kanalisierender „Flaschenhals“ vorliegt, wird der Wind ab dem Mostviertel auch meist beschleunigt und läuft etwaigen Gewittern davon (Druckwelle). Beim Absinken hinter dem Wienerwald trocknet er die Luft schließlich noch etwas ab.

Bei sommerlichen Kaltfronten aus NW hält sich südlich der Alpen länger die energiereiche Luft.

Mittlere Blitzdichte pro Landeshauptstadt:

  1. Graz 28,4 Blitze/km²
  2. Salzburg 26,8 Blitze/km²
  3. Bregenz 16,9 Blitze/km²
  4. Eisenstadt 16,3 Blitze/km²
  5. Innsbruck 15,1 Blitze/km²
  6. Linz 11,3 Blitze/km²
  7. Wien 11,2 Blitze/km²
  8. Klagenfurt 11,1 Blitze/km²
  9. St. Pölten 10,7 Blitze/km²

In Wien handelt es sich um ein Mittel über alle Bezirke, wobei es auch innerhalb vom Bundesland Wien größere Unterschiede gibt: Während sie im Süden teils über 13 Blitzen/km² liegt, sind es in Floridsdorf nur 8,7 Blitze/km² (Zeitraum von 2010 bis 2019).

Auch auf mitteleuropäischer Ebene stechen die Gebiete rund um das Grazer Becken heraus. Besonders in Norditalien gibt es allerdings Regionen mit einer noch höheren Blitzdichte, wie etwa das Alpenvorland rund um Bergamo sowie im Nordosten Italiens von Vicenza bis Udine, generell die nördliche Adria oder auch auch die Küste Liguriens von Genua ostwärts.

Blitze pro km² pro Jahr in Österreich (2009-2019). © UBIMET

Zutaten für Gewitter

Für die Entstehung von Gewittern sind grundsätzlich drei Zutaten notwendig: Ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit in tiefen Schichten, eine labile Schichtung der Atmosphäre sowie ein Mechanismus, der die Luft zum Aufsteigen bringt. Letzteres kann beispielsweise zusammenströmender Wind über einem Berg oder auch im Flachland (Konvergenz) oder auch eine aufziehende Front sein. Für die Entstehung langlebiger Gewitter ist zusätzlich noch eine Zunahme der Windgeschwindigkeit mit der Höhe notwendig, damit der Auf- und Abwindbereich der Gewitter voneinander getrennt bleiben.

Vorwarnung und Warnung

Die Zutaten für schwere Gewitter kann man meist schon mehrere Tage im Voraus gut prognostizieren (Gewittervorwarnung), wo dann aber auch ein kräftiges Gewitter exakt durchzieht, kann man in der Regel nur kurzfristig anhand von Radar- und Satellitendaten erkennen (Gewitterwarnung).

Die Gewitterhauptstadt Österreichs

Gewitter

Für die Entstehung von Gewittern sind grundsätzlich drei Zutaten notwendig: Ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit, eine labile Schichtung der Atmosphäre sowie ein Mechanismus, der die Luft zum Aufsteigen bringt. Letzteres kann beispielsweise ein Zusammenströmen der Luft in Bodennähe oder eine Front sein. Für die Entstehung schwerer Gewitter ist zusätzlich noch eine Zunahme der Windgeschwindigkeit mit der Höhe notwendig, da diese den Gewittern ermöglicht, sich über längere Zeit hinweg am Leben zu erhalten (die sog. Windscherung).

Blitzreiche Steiermark

Graz hat „die Ehre“ die blitzreichste Hauptstadt ihrer geographischen Lage am Rande der Alpen zu sein. Die Stadt liegt im sogenannten Grazer Becken und wird umgeben vom Grazer Bergland im Norden und dem Oststeirischen Hügelland im Süden. Dabei stellt die im Südosten Österreichs oft sehr warme und feuchte Luft aus dem nahen Mittelmeerraum in Zusammenspiel mit dem Steirischen Bergland eine besonders gute Voraussetzung für Gewitter dar, da hohe Luftfeuchtigkeit zusätzliche Energie für kräftige Gewitterentwicklungen bietet. Weiters hält sich rund um Graz bei Kaltfrontdurchgängen lange Zeit schwülwarme Luft, da die bodennahe Kaltluft erst von den Alpen über Wien hinweg umgeleitet wird und zeitlich verzögert im Südosten ankommt. In mittleren Höhenlagen findet aber dennoch eine Temperaturabnahme statt, was zu eine labilen Luftschichtung führt.

Ein Blitz in Graz. © www.foto-webcam.eu

Zugrichtung: Graz

Sehr oft entstehen die Gewitter im angrenzenden Berg- und Hügelland der West- und Obersteiermark: Ganz besonders im Semmering-Wechsel-Gebiet, in den Fischbacher Alpen, im Grazer Bergland, im Bereich der Niederen Tauern oder über der Koralpe, da es hier regelmäßig zu zusammenströmenden Winden aus unterschiedlichen Richtungen kommt. Bei einer meist südwest- bis nordwestlichen Höhenströmung ziehen die Gewitter dann in Richtung Graz. Der Grazer Hausberg Plabutsch, der an der westlichen Stadtgrenze in einer Nord-Süd-Ausrichtung liegt, stellt mit seinen 754 m keine Barriere dar.

Die höchste Blitzdichte im Mai 2022 gab es in der Steiermark. © UBIMET

Im Mai wurden in der Steiermark mehr als 70.000 Blitzentladungen verzeichnet, dabei kam es mitunter auch zu kräftigen Gewittern, wie beispielsweise am 27. Mai.

Titelbild © AdobeStock

Die Schafskälte

Schafskälte

Meteorologisch gesehen ist die Schafskälte eine sogenannte Singularität, also ein Witterungsereignis, welches in einem begrenztem Zeitraum immer wieder an einem ähnlichen Datum auftritt. Bei der Schafskälte handelt es sich um einen Kälterückfall in Mitteleuropa im Frühsommer, meist im Zeitraum zwischen dem 4. und 20. Juni mit einem Maximum der Häufigkeit um den 11. Juni. Eine ähnliche Singularität stellen im Mai die Eisheiligen dar.

Kälte und Schafe?

Allgemein ist die Schafskälte weniger im Flachland sondern vielmehr in höheren Lagen im Gebirge von Bedeutung, was auch zum Namen dieser Wetterlage führt. So können plötzliche Kälteeinbrüchen für frisch geschorene Schafe durchaus bedrohlich sein, besonders für Muttertiere und Lämmer in hochgelegenen Almgebieten. In den Nordalpen gehen solche Kaltlufteinbrüche manchmal auch mit Schnee bis in mittlere Höhenlagen um etwa 2000 m einher.

Unregelmäßiges Ereignis

Im Laufe des Junis erfassen zwar immer wieder kühle Luftmassen Mitteleuropa, allerdings gibt es kein fixes Datum für die Schafskälte. So führten Auswertungen der Jahre 1881 bis 1947 mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von über 80 Prozent zu einer Häufung um den 11. Juni, allerdings auch mit einer Streuung vom 4. bis zum 20 Juni. Etwas neuere Analysen aus den Jahren 1986 bis 1991 ergeben für das Auftreten dieser Singularität im Mittel die Zeit vom 11. bis zum 20 Juni. Auch eine Analyse der MeteoSchweiz zeigt, dass die Analyseperiode für den Zeitpunkt sowie die Dauer der Schafskälte eine wesentliche Rolle spielt, so war sie etwa in Davos am stärksten im Zeitraum 1931 bis 1960 ausgeprägt.

Schaf im Schnee
Schaf friert im Winter

Titelbild © Adobe Stock

Kräftige Gewitter: am langen Wochenende regional Unwetter

Blitz

Österreich liegt seit mehreren Tagen im Bereich einer Luftmassengrenze, welche feuchtwarme Luftmassen im Mittelmeerraum von kühler, maritimer Luft über dem nördlichen Mitteleuropa trennt. Im Vorfeld eines Tiefs über Westeuropa namens JASNA erfasst die energiereiche Luft derzeit weite Teile Österreichs, so sind am Donnerstag vor allem in Kärnten und der Steiermark erste kräftge Gewitter zu erwarten. Am Freitag steigen die Temperaturen wieder landesweit  auf ein sommerliches Niveau, allerdings wird die warme Luft nicht von einem Hoch begleitet, weshalb regional wieder kräftige Gewitter zu erwarten sind.

Am Freitagnachmittag und -abend herrscht entlang der Nordalpen erhöhte Hagelgefahr. © UBIMET

Vor allem von Vorarlberg bis ins Innviertel herrscht am Freitagnachmittag und -abend örtlich Unwettergefahr. Stellenweise kann es am Alpennordrand zu Starkregen, großem Hagel und Sturmböen kommen.  Auch sonst entstehen im Bergland lokale Hitzegewitter, vorerst ruhig und mit bis zu 30 Grad sommerlich warm gestaltet sich das Wetter in den südlichen Becken sowie im Osten. In der Nacht steigt die Gewitterneigung dann auch hier an.

Sonne und Gewitter

Der Samstag hat sommerliche Bedingungen zu bieten, über weite Strecken des Tages scheint die Sonne. Allerdings ist weiterhin kein beständiges Wetter zu erwarten, so muss man im Laufe des Tages vor allem im Berg- und Hügelland lokal mit kräftigen Hitzegewittern rechnen. Oft trocken bleibt es bevorzugt im äußersten Süden sowie im westlichen Donauraum. Die Temperaturen steigen auf 25 bis 31 Grad.

Am Samstag wird es schwülwarm mit Höchstwerten um 30 Grad. © UBIMET

Zu Pfingsten neuerlich Unwettergefahr

Am Pfingstsonntag setzt sich das sommerliche Wetter fort, allerdings nimmt die Unwettergefahr aus Westen wieder zu. Besonders von Vorarlberg bis nach Oberösterreich und in der Obersteiermark sind ab dem Nachmittag kräftige Gewitter zu erwarten. Streckenweise besteht die Gefahr von ergiebigen Regenmengen, Hagel und stürmischen Böen. Im Süden und Osten scheint weiterhin häufig die Sonne, ab dem Abend steigt die Gewitterneigung generell an. Die Höchstwerte liegen zwischen 23 und 30 Grad.
Der Pfingstmontag präsentiert sich von seiner unbeständigen Seite, von der Früh weg sind teils kräftige Schauer und Gewitter einzuplanen, regional sind auch große Regenmengen möglich. Die Sonne zeigt sich vor allem im Flachland zeitweise und die Temperaturen gehen leicht zurück.

Am Dienstag Sommer-Rückkehr und erste Gewitter

Blitze erleuchten den Nachthimmel © pixabay

Der Mai war zwar außergewöhnlich warm, die vergangenen drei Tage waren aber kühler als üblich und zuletzt wurde am 27.5. ein Sommertag verzeichnet. Der kurze, kühle Wetterabschnitt wird aber bereits heute beendet, so steigen die Temperaturen am Nachmittag bei überwiegend sonnigem Wetter auf 25 bzw. lokal auch 26 Grad im Osten des Landes, was per Definition einem Sommertag entspricht.

Gewitter in der Nacht

Im Laufe des Nachmittags entstehen im westlichen Bergland aber erste Regenschauer, die sich im Laufe des Abends unter Verstärkung entlang der Nordalpen ostwärts ausbreiten. Auf dem Weg nach Osten treffen sie auf zunehmend feuchtwarme Luft, somit steigt die Gewitterbereitschaft vor allem ab etwa Salzburg ostwärts an. Bei starker Höhenströmung werden die Bedingungen für Gewitter also am Abend günstiger und kurz vor Mitternacht zeichnen sich dann besonders im östlichen Flachland Schauer und Gewitter ab. Die Unwettergefahr hält sich in Grenzen, vom Traunviertel bis ins östliche Flachland kann es aber dennoch streckenweise zu teils stürmischen Windböen um 60 km/h, Starkregen und kleinem Hagel kommen.

Wetterradar-Modellprognose von Dienstagnachmittag bis Dienstagnacht. © RACE/UBIMET

Beständig unbeständig

Wie bereits am Wochenende angekündigt, steigen die Temperaturen im Laufe der zweiten Wochenhälfte weiter an und zum Wochenende hin wird es schwülwarm. Ab Freitag ist regional auch die 30-Grad-Marke in Reichweite. Das Wetter gestaltet sich allerdings nach wie vor unbeständig, da wir weiterhin im Bereich eine Luftmassengrenze liegen, die sich quer über Mitteleuropa erstreckt. Diese kommt zwar langsam nordwärts voran, weshalb die Temperaturen hierzulande ansteigen, die warme Luft wird aber nicht von einem Hoch begleitet. Kleine Randtröge (Tiefausläufer) nördlich der Alpen sorgen dagegen nahezu täglich vor allem im Bergland für Schauer und Gewitter, wobei die Unwettergefahr in der zunehmend energiereichen Luft speziell ab Donnerstag zunimmt.

Eine Luftmassengrenze liegt quer über dem Alpenraum. © GFS/UBIMET

Mai 2022 brachte erste Hitze und kräftige Gewitter

Der Mai 2022 schließt mit einer Abweichung von +2 Grad zum langjährigen Mittel von 1991 bis 2020 wärmer als üblich ab. Eine regional vergleichbare bzw. landesweit noch ausgeprägtere Abweichung gab es zuletzt im Mai 2018, welcher der wärmste Mai seit mehr als 150 Jahren war. Besonders markante Abweichungen teils über +2,5 Grad wurden heuer von Vorarlberg bis Oberkärnten beobachtet. In diesen Regionen war es einer der wärmsten bzw. lokal wie in Bregenz und Lienz sogar der wärmste Maimonat seit Messbeginn. Etwas geringer fallen die Abweichungen mit +1,5 bis +2 Grad dagegen im äußersten Norden sowie im östlichen Bergland aus.

Temperaturabweichung im Mai 2022. © UBIMET

Hochsommerliche Temperaturen

Verantwortlich für die milde Gesamtbilanz waren zahlreiche Tiefs über dem Ostatlantik bzw. Hochdruckgebiete über dem Mittelmeerraum, wobei mit einer südwestlichen Strömung wiederholt warme Luftmassen nach Österreich gelangten. Am 11. Mai wurde in Wien und Innsbruck erstmals die 30-Grad-Marke erreicht. Zur Einordnung: Im Mittel von 1991 bis 2020 wäre der erste Hitzetag etwa in der Tiroler Landeshauptstadt am 27. Mai zu erwarten, im Klimamittel von 1961 bis 1990 gar erst am 21. Juni. Der Mai 2022 bestätigt den allgemeinen Trend, dass die ersten Hitzetage immer früher auftreten. In Summe wurde in jeder Landeshauptstadt mindestens ein Hitzetag verzeichnet, wobei Innsbruck mit 4 an der Spitze liegt. Einige neue Monatsrekorde wurden zudem in Vorarlberg aufgestellt, wo am 20. Mai in Bludenz bis zu 33,7 Grad und in Schoppernau 30,8 Grad erreicht wurden. Ein nennenswerter kühler Wetterabschnitt wurden erst am Monatsende beobachtet, wobei die Schneefallgrenze kurzzeitig gegen 1600 m sank. Auch von den Eisheiligen fehlte jede Spur und die Schneelage im Hochgebirge ist sehr gering für die Jahreszeit.

Höchstwerte pro Bundesland im Mai.

Teils nass, teils trocken

Der Mai brachte im Flächenmittel nahezu durchschnittliche Regenmengen, allerdings gab es große regionale Unterschiede. So war der Monat von Tirol über das zentrale und östliche Bergland bis ins Mittelburgenland sowie im äußersten Nordosten niederschlagsreicher als üblich, während es vor allem in Teilen Vorarlbergs sowie von Oberösterreich bis ins Nordburgenland meist zu trocken war. Verantwortlich für die markanten Unterschiede waren mehrere intensive Gewitterlagen, wie sie sonst meist erst im Sommer vorkommen. So gab es im Bereich der Tauern und im Aflenzer Becken ein Plus von fast 70%, während im Norden und Osten, wie etwa in Wolfsegg oder Groß-Enzersdorf, örtlich weniger als die Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge fiel.

Niederschlagsabweichung im Mai 2022. © UBIMET

Kräftige Gewitter

In Summe wurden österreichweit 220.600 Blitzentladungen erfasst, davon allein 72.000 in der Steiermark. Dieser Wert liegt deutlich über dem Mittel von 2011 bis 2020 und stellt den höchsten Wert seit Mai 2018 dar. Örtlich gab es auch heftige Gewitter mit ergiebigen Regenmengen in kurzer Zeit und teils großem Hagel, wie etwa in Kärnten am 27.5.

Blitzdichte im Mai 2022. © UBIMET

Das Soll an Sonnenstunden wurde vom Bodensee über Oberösterreich bis ins östliche Flachland erreicht oder übertroffen. Teils etwas weniger Sonnenschein als üblich gab es dagegen am Alpenhauptkamm sowie im Süden und Südosten des Landes.

Sonnenscheinabweichung im Mai 2022. © UBIMET

Extremwerte Mai 2022

Stand: Montag, 30.05.2022, 10 Uhr (Bundesland, Tag des Auftretens)

Höchste Temperaturen
  • 33,7 Grad Bludenz (V, 14.); entspricht neuem Monatsrekord für Vorarlberg
  • 32,9 Grad Haiming (T, 14.)
  • 32,6 Grad Innsbruck (T, 14.)
Tiefste Temperaturen unter 1000 m Seehöhe
  • -2,8 Grad Schwarzau / Moorbad Harbach (NÖ, 3.)
  • -0,6 Grad Radstadt (S, 3.)
  • -0,4 Grad Zwettl (NÖ, 19.)
Sommertage (Höchstwert >25 Grad)
  • 16 St. Andrä im Lavanttal (K)
  • 14 Bad Radkersburg (ST), Ferlach (K)
  • 13 u.a. Innsbruck (T), Klagenfurt (K), Lienz (T)
Vorläufig nasseste Orte
  • 181 Liter pro Quadratmeter Präbichl (ST)
  • 163 Liter pro Quadratmeter Reichenau an der Rax (NÖ), Hochfilzen (T)
  • 153 Liter pro Quadratmeter Semmering (NÖ)
Vorläufig trockenste Orte
  • 17 Liter pro Quadratmeter Groß-Enzersdorf (NÖ)
  • 23 Liter pro Quadratmeter Melk (NÖ)
  • 26 Liter pro Quadratmeter Eisenstadt (B)
Vorläufig sonnigste Stationen
  • 264 Sonnenstunden Mörbisch (B)
  • 256 Sonnenstunden Neusiedl am See (B)
  • 255 Sonnenstunden Podersdorf (B)
Stärkste Windspitzen Niederungen
  • 99 km/h Hartberg (ST, 21.)
  • 94 km/h Golling (S, 20.)
  • 93 km/h Haiming (T, 20.)
Sommertage im Mai 2022. © UBIMET


Titelbild: Gewitter nahe Graz am 25.5.22 © Storm Science Austria

Neue Woche bringt Sommer und Gewitter

Sommertag mit Cumulonimbus - pixabay.com

Österreich liegt im Laufe der kommenden Woche zwischen reger Tiefdrucktätigkeit über Nordeuropa und einem sich verstärkenden Hoch über dem Mittelmeerraum. Mit einer südwestlichen Strömung gelangen dabei bereits in der ersten Wochenhälfte wieder warme Luftmassen nach Österreich. Pünktlich zu Beginn des meteorologischen Sommers am 1. Juni sind somit vielerorts wieder sommerliche Temperaturen in Sicht.

Die Temperaturen in der freien Atmosphäre (etwa 1500 m) steigen deutlich an. © ECMWF

Zunehmende Gewitterneigung

In der zweiten Wochenhälfte steigen die Temperaturen noch etwas an, vor allem im Süden und Osten zeichnen sich auch Spitzen um 30 Grad ab. Das Wetter bleibt jedoch unbeständig und in der zunehmend schwülen Luft zeichnen sich regional kräftige Gewitter samt Unwettergefahr ab.

Das Potential für kräftige Gewitter nimmt ab Donnerstag zu (im Loop: Mi, Do, Fr & Sa,). © ECMWF

Der Ausblick im Detail

Am Montag scheint im Osten, im Donauraum und am Bodensee zeitweise die Sonne. In den Alpen überwiegen dagegen die Wolken und vor allem in der zweiten Tageshälfte gehen vom Tiroler Alpenhauptkamm bis in die Obersteiermark einige Regenschauer nieder. Mit 14 bis 22 Grad beginnt sich die Luft langsam wieder zu erwärmen.

Der Dienstag hat vor allem im Norden und Osten einige Sonnenstunden zu bieten. Von Vorarlberg bis in die Steiermark ziehen einige Wolken durch und ab Mittag gehen im Bergland erste Regenschauer nieder. Gegen Abend wird es an der Alpennordseite von Westen her vermehrt nass und stellenweise gewittrig, im Süden bleibt es dagegen meist trocken. Die Höchstwerte liegen von West nach Ost zwischen 18 und 26 Grad.

Am Mittwoch kommt vor allem im Flach- und Hügelland häufig die Sonne zum Vorschein. Im Tagesverlauf werden die Wolken aus Westen aber neuerlich dichter und über den Bergen bilden sich Quellwolken. In der zweiten Tageshälfte breiten sich von Vorarlberg bis Oberösterreich Schauer und lokale Gewitter aus, meist trocken bleibt es dagegen in den südlichen Becken und im östlichen Flachland. Die Temperaturen erreichen maximal 20 bis 28 Grad.

Der Donnerstag beginnt gebietsweise mit Restwolken, an der Alpennordseite und im Nordosten vereinzelt auch mit Regenschauern. Am Vormittag kommt verbreitet die Sonne zum Vorschein, nachfolgend bilden sich aber neuerlich Regenschauer und teils kräftige Gewitter, dabei besteht örtlich die Gefahr von Sturmböen und Hagel. Die Temperaturen steigen auf 22 bis 30 Grad.

Am Freitag und zu Beginn des Wochenendes setzt sich das sommerliche, aber unbeständige Wetter fort. Im Westen und Norden geht es am Wochenende mit den Temperaturen tendenziell wieder langsam etwas bergab. Im Süden und Osten wird es schwül und sommerlich heiß, allerdings drohen hier auch heftige Gewitter.

Titelbild © pixabay.com

Am Freitag vor allem im Westen Hitze, in der Nacht Gewitter

Wörthersee

Der Alpenraum liegt derzeit zwischen einem Hoch über Südosteuropa und einem sich entwickelnden Randtief über Frankreich. Aus Südwesteuropa gelangen dabei außergewöhnlich warme Luftmassen in den Alpenraum, die Temperaturen steigen im Westen am Nachmittag auf bis zu 33 Grad, aber auch sonst sind verbreitet Höchstwerte um 30 Grad zu erwarten.

Aus Südwesten gelangen sehr warme Luftmassen zu den Alpen. © ECMWF/UBIMET

Lokal Rekorde in Reichweite

Die höchsten Temperaturen werden am Nachmittag mit bis zu 33 Grad im Rheintal, im Walgau und im Flachgau erwartet. Damit sind vor allem in Vorarlberg neue Stationsrekorde möglich. Beispielsweise liegt der Mairekord in Bregenz bei 32,2 Grad und in Feldkirch bei 33 Grad. In Innsbruck steht heute bereits der vierte Hitzetag in diesem Mai an, der Rekord liegt bei 6 (im langjährigen Mittel wären 1 bis 2 üblich).

Prognose der Höchstwerte am Freitag.

Im Laufe des Nachmittags entstehen zunächst nur im östlichen Bergland von den Tauern über das Grazer Bergland bis ins Mittelburgenland lokale Hitzegewitter. In den Abend- und Nachtstunden steigt die Gewittergefahr aber auch an der Alpennordseite an, besonders im Grenzbereich zu Bayern und Tschechien sind auch starke Gewitter mit Sturmböen möglich. Noch heftigere werden in der Nordhälfte Deutschlands erwartet, mehr Infos dazu gibt es hier.

Die Temperatauren liegen teils mehr als 10 Grad über dem jahreszeitlichen Mittel. Bild: © K. Haustein

Erste Tropennacht?

Im Osten sind nach derzeitigem Sand nur vereinzelt Gewitter zu erwarten, in der zweiten Nachthälfte kommt aber voraussichtlich kräftiger Westwind auf. Damit zeichnet sich hier eine sehr laue Mainacht ab, in der Wiener Innenstadt sowie lokal auch im Mittelburgenland ist sogar eine Tropennacht möglich. Tropennächte sind im Mai selbst in der Wiener Innenstadt außergewöhnlich, zuletzt gab es eine am 30. Mai 2018.

Am Samstag Gewitter im Süden

Am Samstag ziehen an der Alpennordseite von der Früh weg einige Schauer und lokale Gewitter durch, im Donauraum und im Osten klingen vereinzelte Schauer in der Früh aber rasch ab und es wird häufig sonnig. Auch von Osttirol über das westliche und nördliche Kärnten bis in die Mur-Mürz-Furche scheint häufig die Sonne, noch weiter südlich gehen nach einem sonnigen Start aber kräftige Schauer und Gewitter nieder. Bei lebhaftem bis kräftigem Nordwestwind liegen die Höchstwerte zwischen 21 und 30 Grad.

 

 

Bauernregel „Mairegen bringt Segen“

Regen im Frühling tut den Pflanzen gut.

Die alte Wetterregel beschreibt die Wichtigkeit ausreichender Regenmengen im späten Frühling für Natur und Landwirtschaft. Die vollständige Weisheit lautet:

Mairegen bringt Segen, da wächst jedes Kind, da wachsen die Blätter und Blumen geschwind„.

Heutzutage wünschen sich viele Menschen möglichst immer Sonne und Wärme, aber längere Trockenheit kann trotz moderner Technik gravierende Folgen haben.

Steigender Wasserbedarf

Im Winter verdunstet nur wenig Wasser, somit sind auch im zeitigen Frühjahr die Böden durch Wasser aus Regen und Schnee meist feucht. Mit steigendem Sonnenstand kann jedoch täglich immer mehr Wasser verdunsten, das dann durch ausreichende Niederschläge nachgeliefert werden muss. Zudem beginnen die Pflanzen zu wachsen und bilden Blätter, über die weiteres Wasser verdunstet. Daher ist nun für gutes Pflanzenwachstum häufiger Regen besonders wichtig. Das widerspricht zwar dem Bild vom Wonnemonat Mai mit Sonnenschein und bestem Outdoor-Wetter, aber neben Landwirten wissen besonders Gartenbesitzer um die Wichtigkeit des Regens in dieser Zeit des Jahres.

Feuchtes Klima

In Mitteleuropa herrscht in den meisten Jahren gutes Wachstums-Wetter, denn im Laufe des Frühlings nehmen die Regenmengen im Mittel deutlich zu, um im Sommer ihr Maximum zu erreichen. Damit wird die mit dem Sonnenstand ansteigende Verdunstung ausgeglichen, als Folge davon haben wir dichte grüne Wälder und intensive und ertragreiche landwirtschaftliche Nutzung. Allerdings kann es auch zu viel des Guten geben: Hin und wieder kommt es im Spätfrühling oder Frühsommer zu anhaltendem, starkem Regen und in weiterer Folge zu Hochwasser. Zuletzt war das Ende Mai / Anfang Juni 2013 der Fall.

Und 2022?

Das Frühjahr war bislang deutlich zu trocken, besonders im Westen sowie teils auch im östlichen Flachland gab es deutlich weniger Niederschlag als üblich. Von März bis Anfang Mai gab es etwa im Tiroler Oberland weniger als 40% der üblichen Niederschlagsmenge. In diesen Regionen ist in den kommenden Wochen nennenswerte Regenmengen also besonders wichtig! Leicht überdurchschnittliche Mengen wurden lediglich rund um Graz gemessen.

Anteil vom klimatologischen Niederschlag bis zum 7.5. © UBIMET

Quelle Titelbild: pixabay

Feuchtwarmes Wetter: Vorsicht Zecken!

Vorsicht Zecken

Entscheidend für das Erscheinen der ersten Zecken ist in erster Linie die Temperatur. Spätestens wenn kein Schnee mehr liegt und die Temperaturen an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen 7 bis 10 Grad erreichen, erwachen die ersten Zecken aus der Winterstarre. Dies passiert immer häufiger bereits im Februar.

Feuchtwarm

Kälteeinbrüche im März und im April sorgen zwar für abrupte Einbrüche der Zeckenaktivität, den Zecken schadet das aber in der Regel nicht. Neben der Temperatur spielt allerdings auch die Feuchtigkeit eine wichtige Rolle: Wenn es nach längeren Schönwetterperioden sehr trocken ist, ziehen sich die Zecken vorübergehend in schattige Plätze zurück. Regnet es dann wieder, verlassen sie schnell die schützende Laubstreu und suchen verstärkt nach Wirten. Besonders bei feuchtwarmen Wetter kann die Zeckenaktivität dann regelrecht explodieren!

Vorsicht Zecken, hohes Gras und Unterholz meiden
Zecken halten sich nahe zum Boden auf. © Adobe Stock

Jährlich viele FSME-Fälle

Entgegen der landläufen Meinung warten Zecken nicht auf Bäumen und lassen sich auf ihre Opfer fallen, sondern mögen es bodennah und feucht. Die Parasiten krabbeln auf Grashalme in Wiesen und Büschen und warten geduldig auf den Moment in dem ein potentieller Wirt sie streift und mitnimmt. Schützen kann man sich mit geschlossener Kleidung und Sprays, wobei auch diese keine Sicherheit garantieren.

Zecken
Eine Zecke auf der Lauer. © AdobeStock

 

Wichtig ist zu wissen, dass die meisten Zeckenstiche harmlos sind, da die meisten Zecken weder FSME-Viren noch Borreliose-Bakterien in sich tragen, und selbst der Biss eines infizierten Exemplars führt nicht immer zu einer Infektion. Wichtig ist es, sich nach einem Wald- oder Wiesenspaziergang nach den Blutsaugern an allen Körperstellen abzusuchen und Zecken möglichst schnell mit einer Zeckenpinzette, -zange oder -karte zu entfernen, da mögliche Bakterien und Viren erst nach einer bestimmten Zeit übertragen werden. Wenn sich die Zecke nur schwer entfernen lässt, ist dies ein Indiz dafür, dass sie sich schon länger angesaugt hat. Die Bissstelle sollte desinfiziert und auf jeden Fall noch länger beobachtet werden und bei einer Rötung oder grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen ein Arzt konsultiert werden.

 

FSME-Fälle Österreich

(Daten: MedUni Wien)

Deutschland

(Daten: NaLI)

2016 89 353
2017 116 485
2018 154 582
2019 108 444
2020 215 712
2021 128 418

Die Anzahl an FSME-Erkrankungen hat in den letzten Jahren tendenziell zugenommen. Im Jahr 2019 hat wohl die Trockenheit für einen vorübergehenden Rückgang gesorgt, allerdings folgte im ersten „Corona-Sommer“ im Jahr 2020 ein neuer Negativrekord. Etwa bei der Hälfte der Erkrankungen gibt es einen schweren Krankheitsverlauf mit einer Gehirnentzündung. Nur mit einer Impfung kann man dieses Risiko minimieren.

Titelbild © AdobeStock

Schneelage im Hochgebirge: geringe Reserven für den Sommer

Im Flachland gibt es die größte Wahrscheinlichkeit für eine Schneedecke im Mittel Anfang Februar. Mit zunehmender Seehöhe verschiebt sich der Zeitpunkt mit der maximalen Schneehöhe der Saison aber nach hinten, in höheren Tälern ist dies meist Ende Februar der Fall. Im Hochgebirge fällt der Niederschlag auch im Frühjahr noch großteils als Schnee, daher wird die maximale Schneehöhe in Lagen über 2000 m durchschnittlich erst Anfang April bzw. über 3000 m erst Ende April oder Anfang Mai erreicht.

Vor allem in den Südalpen gab es im Winter 2021/22 außergewöhnlich wenig Schnee.

Am Hohen Sonnblick liegen im Mai durchschnittlich 5 Meter Schnee, der Rekord liegt sogar bei 11,9 m gemessen am 9. Mai 1944. Derzeit ist die Schneedecke mit 2,75 m allerdings unterdurchschnittlich und kommende Woche steigt die Nullgradgrenze auf über 3000 Meter an. Auch am Tiroler Alpenhauptkamm sind die Schneehöhen unterdurchschnittlich, noch gravierender ist der Schneemangel allerdings in den Südalpen sowie teils auch in den Westalpen. In der folgenden Graphik sieht man die Abweichung zum Mittel der Tage mit Schneedecke in diesem Winter: Vor allem in mittleren Höhenlagen gab es vielerorts teils starke negative Abweichungen, mit der Ausnahme vom Klagenfurter Becken.

Abweichung der Tage mit Schneedecke im vergangenen Winter. © https://labo.obs-mip.fr/

Akkumulation und Ablation

Die Massenbilanz eines Gletscher ergibt sich durch den Unterschied zwischen Akkumulation und Ablation im Laufe eines Jahres, wobei die Gesamtbilanz typischerweise am Ende des Sommers gezogen wird. Schneefall stellt den wichtigsten Prozess für die Akkumulation dar, wobei für manche Gletscher auch andere Faktoren wie etwa Lawinen eine Rolle spielen. Für die Ablation ist dagegen vor allem das Schmelzen im Sommer verantwortlich. Wenn das Akkumulations- und Ablationsgebiet am Ende des Sommers in etwa gleich groß sind, befindet sich der Gletscher im Gleichgewicht. Die Massenbilanz reagiert sehr empfindlich auf Veränderungen des Klimas und gibt Auskunft über die Gesundheit der Gletscher.

Der Hintereisferner im September 2021: Das Ablationsgebiet war deutlich größer als das Akkumulationsgebiet (die Schnee-Eis-Grenze stellt die sog. Gleichgewichtslinie dar).

Schlechte Ausgangslage

Für die Gletscher in den Alpen ist vor allem die Witterung in den Sommermonaten entscheidend, so sind feuchtkühle Sommer besonders wichtig, um größere Eisverluste zu verhindern. Weiters spielen aber auch die Niederschlagsmengen im Winter eine Rolle, so schützt eine mächtige Schneedecke die Gletscher länger von der Sonnenstrahlung im Sommer. Heuer ist davon auszugehen, dass große Teile der Gletscher früher als sonst ausapern werden, da einerseits weniger Schnee als üblich liegt, und andererseits auch noch erhöhte Mengen an Saharastaub in der Schneedecke enthalten sind. Diese werden im Laufe des Sommers wieder zum Vorschein kommen und den Schmelzprozess beschleunigen.


Hinzu kommt noch, dass die neueste Saisonprognose vom ECMWF auf einen überdurchschnittlich warmen sowie  trockenen Sommer in Mitteleuropa hindeutet. Sollte diese Prognose eintreffen, sind heuer ungewöhnlich große Eisverluste in den Alpen zu befürchten, da die Kombination aus einem schneearmen Winter und einem sehr heißen Sommer stark negative Massenbilanzen wie etwa im Jahre 2003 zur Folge hat.


Titelbild © www.foto-webcam.eu

2. Mai 2018: Gewitter mit 50.000 Blitzen rund um Wien

Blitz in Wien

Am 2. Mai 2018 lag der Alpenraum am Rande eines Tiefdruckgebietes mit Kern über dem zentralen Mittelmeerraum. Mit einer südöstlichen Strömung gelangten dabei außergewöhnlich feuchte und labil geschichtete Luftmassen in den Osten Österreichs. Zunächst entwickelten sich am Nachmittag erste kräftige Gewitter am Alpenostrand, so kam es im Bezirk Neunkirchen und im Osten von Wien lokal zu Hagelschlag.

In den Abendstunden gab es dann im gesamten Osten kräftige Gewitter, im Wienerwald und im östlichen Tullnerfeld fielen dabei ergiebige Regenmengen: In Langenlebarn etwa gab es innerhalb von wenigen Stunden rund 64 Liter pro Quadratmeter Regen. Weiters wurden örtlich auch Sturmböen verzeichnet wie etwa in Gumpoldskirchen mit 79 km/h.

12-Niederschlag bis Freitagmorgen. © UBIMET
12-Niederschlag bis Freitagmorgen. © UBIMET

Durch die Unwetter wurden Dutzende Keller überflutet, Straßen und Äcker überschwemmt, zudem stürzten Bäume auf Strom- und Telefonleitungen. Besonders betroffen waren die Bezirke Wien Umgebung, Tulln, St. Pölten und Mödling. Die Feuerwehren standen hier im Dauereinsatz um Bäume zu beseitigen und Keller auszupumpen. Am Flughafen Wien-Schwechat musste die Bodenabfertigung für etwa 60 Minuten teilweise bzw. gänzlich unterbrochen werden.

Gewitterhotspot Niederösterreich

In Summe wurden landesweit 69.948 Blitze detektiert, davon 49.631 in Niederösterreich, 8.707 in der Steiermark, 6.761 im Burgenland und 4.683 in Wien. Diese Zahlen sind vergleichbar mit hochsommerlichen Gewitterlagen, für diese Jahreszeit ist das aber außergewöhnlich. Anbei noch eine die blitzreichsten Gemeinden:

    • Tulln an der Donau (2.261 Blitze)
    • Pressbaum (1.884 Blitze)
    • Purkersdorf (1.668 Blitze)
Blitzdichte am Mittwoch. © nowcast / UBIMET
Blitzdichte am 2. Mai 2018. ©  UBIMET

 

Klima im Mai: Von Frost bis Hitze

@ https://stock.adobe.com

Mit den Temperaturen geht es im Mai deutlich bergauf, in Deutschland liegt das langjährige Mittel im Mai mit etwa 12 Grad um rund 5 Grad höher als im April. Dabei fließen auch die Nächte in die Berechnungen ein. Am mildesten ist es im Oberrheingraben mit 15 Grad, in Mittelgebirgslagen und an der Ostsee kommt man hingegen nur auf ca. 11 Grad. Die Regenmenge beträgt im Flächenmittel knapp 70 mm, wobei es im Norden und Osten nur 50 bis 60 mm regnet, an der Nordsee teils noch weniger. Vom Schwarzwald bis zum Alpenrand liegen die Mengen hingegen bei 100 bis 130 mm, örtlich noch höher. Bei der Sonnenscheindauer haben der Norden und Osten mit 210 bis 240 Stunden die Nase vorn, die Ostsee kommt sogar auf 250 Sonnenstunden. In den Mittelgebirgen und am Alpenrand muss man sich hingegen mit 180 bis 200 Stunden zufrieden geben.

Frost und Hitze

Etwa bis zu den Eisheiligen (11. bis 15.5.) kann es nach Kaltlufteinbrüchen in klaren Nächten vereinzelt noch zu Frost kommen. In Oberstdorf im Allgäu wurden im Mai sogar schon -11 Grad gemessen, und selbst im selten sehr kalten Hamburg liegt der Mai-Kälterekord bei -5 Grad. Andererseits können von Süden schon hochsommerlich warme Luftmassen einfließen. Mit diesen sind unterstützt durch den hohen Sonnenstand schon heiße Tage mit 30 Grad oder mehr möglich. So liegt der Monatsrekord selbst in Kiel bei 33 Grad, in Berlin und Frankfurt am Main sogar bei 35 Grad.

Gewittersaison

Im Mai kommt die Gewittersaison in Fahrt, so sind in dieser Jahreszeit  markante Gewitterlagen mit Hagel, Starkregen und Sturmböen nicht ungewöhnlich. Ebenso kann es zu Hochwasserlagen kommen, da die nun warme Luft große Mengen an Feuchtigkeit aufnehmen kann. Somit können etwa bei „Vb-Wetterlagen“ regional sehr große Regenmengen fallen. Beispiele dafür sind das große Hochwasser Ende Mai / Anfang Juni 2013 oder das Pfingsthochwasser 1999. Nassschneefall mit Schneebruchgefahr stellt nun hingegen selbst in den Mittelgebirgen und am Alpenrand die Ausnahme dar, kann aber vereinzelt noch vorkommen.

Mittelwerte im Mai

durchschnittl. Max-Temp. in °C durchschnittl. Min-Temp. in °C Regenmenge in mm Regentage (mind. 0,1 mm)
Berlin 18,9 9,0 54 8,9
Hamburg 17,5 7,4 54 9,6
München 18,0 7,2 93 11,6
Köln 19,0 7,7 72 10,4
Frankfurt 20,0 9,1 63 9,7

April 2022 kühl und im Norden nass

Frühling in den Alpen

Der April 2022 schließt mit einer Abweichung von -1,6 Grad zum langjährigen Mittel von 1991 bis 2020 kühler als üblich ab. Eine ähnlich ausgeprägte negative Abweichung gab es zuletzt im August 2021. Besonders markante Abweichungen um -2 Grad wurden vom Mühl- und Waldviertel bis zum Semmering-Wechsel-Gebiet beobachtet. Nahezu durchschnittlich war der vergangene Monat dagegen in den Tallagen von Vorarlberg über Tirol bis nach Oberkärnten. Wenn man den April allerdings mit dem Klimamittel von 1961 bis 1990 vergleicht, schließt er nahezu durchschnittlich ab. Das verdeutlicht, wie sich unser Klima in den vergangenen 30 Jahren bereits erwärmt hat. Noch kühler verlief zuletzt der April 2021: Vor einem Jahr lag die Abweichung zum Mittel bei -2,5 Grad.

Temperaturabweichung im April 2022 - UBIMET
Temperaturabweichung im April 2022 – UBIMET

Einige Frosttage, erste Sommertage

Verantwortlich für die kühle Gesamtbilanz war rege Tiefdrucktätigkeit über dem Baltikum, welche im Alpenraum zu mehreren Nordlagen geführt hat. Gleich zu Monatsbeginn sorgte ein Italientief namens LOTTE für spätwinterliche Verhältnisse mit Schneefall bis in tiefe Lagen, am 3. wurden vorübergehend selbst in Wien 5 cm Schnee gemessen.

Der saisonale Zusammenbruch des stratosphärischen Polarwirbels Ende März hat die Druckanomalien im April auf der Nordhalbkugel geprägt.

In der folgenden, teils klaren Nacht gab es im Mühl- und Waldviertel strengen Frost, in Reichenau und Freistadt wurden neue Monatsrekorde aufgestellt. In der Schwarzau im Oberen Waldviertel, einer flachen Senke in der Gemeinde Moorbad Harbach, sank die Temperatur sogar auf -21,3 Grad.

Die Wetterstation in Schwarzau. Mehr Infos gibt es hier. Bild © M. Kopecky

In Summe wurde regional eine überdurchschnittliche Anzahl an Frosttagen verzeichnet, beispielsweise waren es in Salzburg 8 bei einem Mittel von 3 oder in Weitensfeld 20 bei einem Mittel von 11.

Statistik der Frosttage (Tage mit Tiefstwert unter 0 Grad).

Zwischendurch gelangte allerdings auch mehrfach wieder Saharastaub ins Land und kurz vor der Monatsmitte gab es einen sehr milden Abschnitt. Dabei wurde in Innsbruck am 12. April, deutlich früher als üblich, der erste Sommertag verzeichnet. Im Mittel von 1991 bis 2020 wäre hier der erste Sommertag am 29. April bzw. im Klimamittel von 1961 bis 1990 am 11. Mai zu erwarten.

Jahre mit (rot) und ohne (blau) Sommertage im April - UBIMET
Jahre mit (rot) und ohne (blau) Sommertage im April – UBIMET
Das Datum des ersten Sommertag des Jahres inkl. Mittelwerte.
Das Datum des ersten Sommertag des Jahres inkl. Mittelwerte.

Im Norden nass

Der April brachte im Flächenmittel durchschnittliche bis leicht überdurchschnittliche Niederschlagsmengen, allerdings gab es große regionale Unterschiede. So war der Monat vom Mühl- und Waldviertel über das Traun- und Mostviertel bis zum Alpenostrand sowie streckenweise auch im Süden niederschlagsreicher als üblich, während es vor allem in Teilen Nordtirols weiterhin zu trocken war. Besonders markant fallen die Abweichungen im Mostviertel aus, streckenweise gab es hier doppelt so viel Regen wie üblich, während es im Tiroler Oberland und im Oberpinzgau teils weniger als die Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge gab.

Anteil des klimatologischen Monatsniederschlags im April 2022 (%) - UBIMET
Anteil des klimatologischen Monatsniederschlags im April 2022 (%) – UBIMET

Im östlichen Flachland war der Monat durchschnittlich nass, damit konnte das Defizit der ersten Monate des Jahres allerdings nicht aufgeholt werden. Entsprechend liegt der Pegel des Neusiedler Sees weiterhin auf einem Rekordtief für die Jahreszeit. Im April wird hier im Mittel der höchste Pegel des Jahres erreicht, derzeit liegt er allerdings deutlich unterhalb des mittleren jährlichen Tiefststands, der meist im September erreicht wird.

Der Pegel vom Neusiedler See. © Hydrographischer Dienst Burgenland

Gewittersaison steht bevor

Auch die bevorstehende Gewittersaison gab erste Lebenszeichen von sich, so kam es am 15. und am 24. zu den ersten Gewitterlagen der Saison. Mit in Summe knapp über 17.500 Entladungen war die Blitzanzahl nahezu durchschnittlich sowie auch die höchste seit April 2018.

Blitzdichte im April 2022. © UBIMET


Das Soll an Sonnenstunden wurde im Westen und Süden erreicht oder übertroffen. Etwas weniger Sonnenschein als üblich gab es dagegen im Norden und Osten des Landes.

Extremwerte April 2022

Stand: Freitag, 30.04.2022, 18 Uhr (Bundesland, Tag des Auftretens)

Höchste Temperaturen
  • 26,9 Grad Innsbruck (T, 14.)
  • 26,1 Grad Mooslandl / Hieflau (ST, 14.)
  • 25,6 Grad Tullnerfeld (NÖ, 14.)
Anzahl Sommertage
  • 3 Innsbruck (T)
  • 2 Haiming, Landeck (T) Bad Goisern (OÖ)
  • 1 u.a. St. Andrä/Lavanttal (K), St. Johann/Pongau (S), Langenlois (NÖ),…
Tiefste Temperaturen unter 1000 m Seehöhe
  • -21,3 Grad Schwarzau / Moorbad Harbach (NÖ, 4.)
  • -12,5 Grad Summerau (OÖ, 4.)
  • -10,1 Grad Reichenau/Mühlkreis (OÖ, 4.)
Anzahl Frosttage unter 1000 m Seehöhe
  • 21 Weitensfeld (K; Mittel 11)
  • 19 Radstadt (S; Mittel 8)
  • 18 Achenkirch (T; Mittel 13), Zeltweg (ST; Mittel 9)
  • 17 Zwettl (NÖ; Mittel 10), Neumarkt (ST; Mittel 10)
Vorläufig nasseste Orte
  • 147 Liter pro Quadratmeter Lunz am See (NÖ)
  • 145 Liter pro Quadratmeter Loibl (K)
  • 134 Liter pro Quadratmeter Unterach am Attersee (OÖ)
Vorläufig trockenste Orte
  • 16 Liter pro Quadratmeter Haiming (T)
  • 17 Liter pro Quadratmeter Prutz (T)
  • 17 Liter pro Quadratmeter Landeck (T)
Vorläufig sonnigste Stationen
  • 222 Sonnenstunden Villach (K)
  • 215 Sonnenstunden Rohrspitz (V)
  • 214 Sonnenstunden Ferlach (K)
Stärkste Windspitzen Niederungen
  • 103 km/h Rohrspitz (V, 9.)
  • 94 km/h Ranshofen/Braunau (OÖ, 7.)
  • 92 km/h Reicherbserg (OÖ, 7.)

Tau: Der unsichtbare Niederschlag

Morgentau auf eine Wiese

Als Tau bezeichnet  man einen beschlagenden Niederschlag aus flüssigem Wasser. Er entsteht durch Kondensation von in der Atmosphäre unsichtbar enthaltenem Wasserdampf an unterkühlten Oberflächen. Förderlich für dieses Phänomen sind folgende Faktoren:

  • Kühle, aber frostfreie Nächte im Frühjahr und Herbst
  • Windschwache Verhältnisse
  • Wolkenloser Himmel

Die Luft kann je nach Temperatur nur eine bestimmte Menge an Wasserdampf aufnehmen. Dabei gilt: Je höher die Temperatur, desto mehr Wasserdampf kann sie fassen. Kommt etwas wärmere und feuchte Luft jedoch in Kontakt mit kühleren Oberflächen wie etwa Grashalme oder Autos, kühlt sie sich ab und kann den gespeicherten Wasserdampf nicht mehr halten. Dieser fällt aus und lagert sich dann in Form von Tautropfen ab. In unseren Breiten ist die Bedeutung von Tau vergleichsweise gering, in trockenen Regionen wie etwa in der Namib-Wüste ist Tau aber sehr wichtig für die Pflanzen und Tiere, die dort leben, da es oft keine anderen Wasserquellen gibt. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt entsteht übrigens weißlicher Reif.

Der Taupunkt

Der Tau hat in der Meteorologie sogar zur Namensgebung einer physikalischen Größe beigetragen: Unter der „Taupunkttemperatur“ versteht man nämlich jene Temperatur, auf die sich die Luft abkühlen müsste, um vollständig mit Wasserdampf gesättigt zu sein. Ab dieser Temperatur beträgt die relative Feuchte der Luft bereits 100 %. Kühlt sich die Luft nur um wenige Zehntel weiter ab, beginnt Wasser an Oberflächen oder Kondensationskernen in der Umgebung zu kondensieren und es entsteht Nebel bzw. Tau.

Abschätzung der Tiefsttemperatur

Da beim Phasenübergang vom gasförmigen Wasserdampf zu flüssigem Wasser Wärme freigesetzt wird, wird die nächtliche Abkühlung bei einsetzender Taubildung gebremst oder sogar gestoppt. Daher gibt es in der Wettervorhersage auch eine Faustregel, welche die Taupunktstemperatur am Nachmittag als grobe Abschätzung für die nächtlichen Tiefstwerte heranzieht. Dies funktioniert natürlich nur dann, wenn die Luftmasse über einem Ort in den Stunden zwischen Nachmittag und dem folgenden Morgen nicht durch eine Wetterfront ausgetauscht wird. Auch bei bewölktem Himmel oder Wind ist diese Abschätzung nicht möglich, beides führt zu milderen Nächten.

Advektionstau

Der Morgentau, der nach ruhigen und windschwachen Nächten entsteht nennt man Strahlungstau. Es gibt aber noch einen weiteren Prozess, der zu Tau führen kann: Wenn nach einer kühlen Wetterphase plötzlich warme, feuchte Luft zugeführt wird, deren Taupunkt oberhalb der Bodentemperatur liegt, kommt es zur Kondensation des Wasserdampfes. Dieses Phänomen kann auch sämtliche Straßen nass machen und man nennt es Advektionstau.

Titelbild: Robert Körner on VisualHunt / CC BY-NC-SA

Extreme Hitze: Bis knapp 50 Grad in Pakistan

Im Norden Indiens sowie in Pakistan werden die höchsten Temperaturen des Jahres meist im Mai oder Juni erreicht, da danach aus Süden allmählich der Monsun einsetzt. Heuer kämpft die Region allerdings bereits seit einigen Wochen mit überdurchschnittlichen Temperaturen, so war etwa der März in Indien der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1901. In den kommenden Tagen sind recht verbreitet Temperaturen um 45 Grad in Sicht, was zu dieser Jahreszeit durchaus ungewöhnlich ist. Ein Ende ist zudem nicht in Sicht, ganz im Gegenteil, im Laufe dieser Woche wird es immer heißer.

Lokal bis zu 50 Grad

In den kommenden Tagen muss man im Nordwesten Indiens recht verbreitet mit Höchstwerten zwischen 40 und 45, lokal auch 47 Grad rechnen. Noch heißer wird es regional in Pakistan, wo zum vorläufigen Höhepunkt der Hitzewelle am Wochenende bis zu knapp 50 Grad erwartet werden. Solche Höchstwerte liegen etwa 11 Grad über dem Mittel. Auch in der kommenden Woche bleibt es weiterhin sehr heiß. In diesen Regionen leben hunderte Millionen Menschen, wovon ein Großteil keinen Zugang zu klimatisierten Räumen hat. Allgemein hat die Übersterblichkeit bei Hitze in Indien stark zugenommen.

Immer häufiger heiß

In den Regionen südlich des Himalaya stellt Hitze zwar keine Seltenheit dar, die Häufigkeit hat aber deutlich zugenommen. Laut einer Studie vom „India Meteorological Department“ gab es im Mittel von 1981 bis 1990 durchschnittlich 41 Tage pro Jahr mit einer Höchsttemperatur von mindestens 40 Grad, im Mittel von 2011 bis 2020 waren es bereits 60 Tage jährlich! Vor allem im Frühjahr wird große Hitze immer häufiger.

Am Sonntag werden in Pakistan Temperaturen bis knapp 50 Grad erreicht. Graphik: wxcharts.com

Die bisherigen Landesrekorde:

  • Pakistan: 53,7 Grad in Turbat am 28.5.2017
  • Indien: 51,0 Grad in Phalodi am 19.5.2016

Im April liegt der Rekord bei 50,2 Grad, gemessen am 30.04.2018 in Nawabshah, Pakistan.

Mit dem Monsun beginnt die Regenzeit und die ganz große Hitze ist vorbei.

Das Wetter zum Vienna City Marathon 2022

Sonnenschein beim Wien-Marathon

Der Vienna City Marathon findet in diesem Jahr zum 38. Mal statt. Der Startschuss um 9 Uhr bei der UNO-City fällt zwar bei überwiegend bewölktem Himmel, es bleibt aber trocken und die Wolken lockern am Vormittag etwas auf. Einzig der Wind könnte die Läufer streckenweise behindern, so kommt am Vormittag lebhafter Süd- bis Südostwind mit Böen bis 40 oder knapp 50 km/h auf.

Uhrzeit Temperatur Windmittel
9 Uhr 11 Grad 10 km/h Südost (Böen um 25 km/h)
11 Uhr 17 Grad 15 km/h Südost (Böen um 35 km/h)
13 Uhr 19 Grad 17 km/h Süd (Böen um 45 km/h)

Am Nachmittag erreicht die Temperatur bis zu 21 Grad, dann steigt allerdings auch die Schauer- und Gewitterneigung ausgehend vom Wienerwald langsam an.

Das ideale Laufwetter

Das perfekte Laufwetter hängt im Grunde vom subjektiven Empfinden des Läufers ab. Studien zeigen allerdings, dass die idealen Wetterbedingungen bei einem Marathon Temperaturen zwischen etwa 5 und 10 Grad, Windstille, niederschlagsfreies Wetter sowie nicht zu trockene Luft sind. Das Wetter ist heuer zwar nicht ganz ideal, aber in Summe dennoch günstig. Der Weltrekord im Marathon wurde übrigens 2018 in Berlin vom Kenianer Eliud Kipchoge bei ähnlichen Temperaturen erreicht, allerdings bei etwas schwächerem Wind. Die Strecke von 42,195 Kilometer legte er damals in 2:01:39 Stunden zurück. Neben dem Wetter spielt allerdings auch eine flache Streckenführung eine entscheidende Rolle, hier gilt beispielsweise Berlin als besonders günstig.

Wetterextreme beim VCM

Der Marathon ging in der Vergangenheit bei äußerst unterschiedlichen Wetterverhältnissen über die Bühne. So fand etwa der Zieleinlauf am 25. Mai 2003 bei schweißtreibenden 29 Grad statt. Am 13. April 1986 schneite es hingegen immer wieder und die Temperaturen kamen nur knapp über den Gefrierpunkt hinaus. Im Jahr 2017 sorgte der kräftige Nordwestwind mit Böen bis knapp 60 km/h für Probleme.

Titelbild © Adobe Stock

19. April 2017: Schneesturm am Alpenostrand

Die Monatsmitteltemperatur im April entspricht in den Niederungen mit 10 Grad etwa der durchschnittlichen Jahrestemperatur. Allerdings kann es im April mit Kaltluftausbrüchen aus Norden geradezu winterlich sein, während warme Luft aus den Subtropen mitunter schon für sommerliche Verhältnisse sorgt. Diese Aprilwetter-Extreme wurden uns in den letzten Jahren deutlich vor Augen geführt: Während es am 20. April 2018 den zweitfrühesten „30er“ der Messgeschichte gab, kam es am 19. April 2017 zu einem regelrechten Schneesturm am Alpenostrand mit Schnee bis Wien.

Schnee
Verschneites Auto im Triestingtal. © Storm Science Austria

Schnee bis Wien

Am 19. April 2017 lag der Alpenraum unter dem Einfluss eines Mittelmeertiefs, das sich nordostwärts in Richtung Ungarn verlagerte („Vb-Tief„). Mit einer nordöstlichen Höhenströmung führte dies sehr feuchte Luftmassen in die Osthälfte Österreichs, gleichzeitig strömten von Norden her immer kältere Luftmassen ins Land. Die Schneefallgrenze sank somit bis ins Flachland und der Wind wehte kräftig mit stürmischen Böen aus Nord. Am Nachmittag musste die Wiener Außenring Autobahn (A21) schließlich in beide Fahrrichtungen komplett gesperrt werden und auch Teile der Westautobahn (A1) wurden für den Verkehr geschlossen.

A21 am 19. April 2017. © ASFINAG
Die A21 am 19. April 2017. © ASFINAG

Schneebruch

Die Berufsfeuerwehr Wien musste in den westlichen Außenbezirken zu etwa 120 Einsätzen ausrücken,  hinzu kommen unzählige Einsätze der Freiwilligen Feuerwehren im Wienerwald. Etwa musste die Kaltenleutgebner Straße von Rodaun bis nach Kaltenleutgeben gesperrt werden, bis in die frühen Morgenstunden mussten noch unzählige Bäume von der Schneelast befreit werden, um ein Umstürzen zu verhindern.

Die Kaltenleutgebner Straße musste ab Rodaun gesperrt werden. ©fireworld.at

Die Temperaturen kamen in mittleren Höhenlagen nicht über den Gefrierpunkt hinaus, so lag der Höchstwert in Mariazell bei -2.8 Grad, dazu gab es hier in Summe fast einen Meter Neuschnee. Ein paar Zentimeter Nassschnee gab es aber sogar in der Wiener Innenstadt! Anbei die gemeldeten Schneehöhen am 20. April 2017 um 8 Uhr in der Früh:

  • 92 cm Mariazell (866 m, ST)
  • 86 cm Lunz am See (614 m , NÖ)
  • 57 cm Mooslandl / Hieflau (470 m, ST)
  • 18 cm Rekawinkel / Pressbaum (374 m, NÖ)
  • 5 cm Wiener Neustadt (285 m, NÖ)
Schneefall
Schneesturm in Mariazell. © https://www.mariazell.at/


Die Österreichische Unwetterzentrale hatte Schneewarnungen mit der höchsten Stufe für das Mariazellerland und dem Semmeringgebiet ausgegeben. In exponierten Lagen des Alpenostrand kam es zudem zu massiven Schneeverwehungen.

Schnee im Frühling
Durch die bereits weit entwickelte Vegetation kam es regional zu Schneebruch. Foto: Apfelbaum © Storm Science Austria
Schneebruch
Umgestürzte Bäume in der Kaltenleutgebner Straße. © FF Kaltenleutgeben
Schneewarnungen vom 19. bis 20. April 2017. © www.uwz.at / UBIMET
Schneewarnungen vom 19. bis 20. April 2017. © www.uwz.at / UBIMET

Noch ergiebiger fielen die Mengen auf den Bergen aus, so gab es in den Niederösterreichischen Voralpen in 1.100 m Seehöhe bis zu 150 cm Neuschnee! Die Lawinengefahr erreichte am 20. April in den Ybbstaler Alpen sogar die höchste Stufe 5. Spannende Bilder der Schneemassen rund um das Triestingtal in Niederösterreich gibt es auch hier.

Schnee
Schneesturm im Süden von Wien. © http://www.zesch.com

2018: Hitze im Frühling

Dass der April aber auch anders kann, zeigte er im Jahr 2018. Mit einer Abweichung von knapp 5 Grad gegenüber dem langjährigen Mittel war dies nicht nur der wärmste April seit rund 200 Jahren, auch in Punkto Hitze hatte er schon ein Wort mitzureden. So wurde am 20. des Monats in Salzburg die 30-Grad-Marke erreicht, Tags darauf war es auch in Wien so weit.

Titelbild © Adobe Stock

Osterwetter-Extreme in Österreich: Von Schneefall bis Sommerwetter

Hase im Schnee

Das Osterfest findet jährlich zwischen dem 22. März und dem 25. April statt. Genauso variabel wie das Datum gestaltet sich auch das Wetter, wobei das Datum nicht der einzige Grund dafür ist: Einerseits befinden sich zu dieser Jahreszeit im hohen Norden nämlich noch sehr kalte Luftmassen (die arktische Meereisfläche erreicht im März ihre maximale Ausdehnung), welche bei passender Großwetterlage bis nach Österreich gelangen. Andererseits können bei einer südwestlichen Strömung bereits sehr milde Luftmassen aus Nordafrika zu uns gelangen, welche bei dem bereits hohen Sonnenstand vor Ort nochmals erwärmt werden.

Die Meereisausdehnung nimmt meist ab April wieder ab. © www.meereisportal.de

Schnee im Jahr 2013

Schaut man sich die Osterfeste der letzten 30 Jahre an, so sticht einem sofort 2013 ins Auge. Ein massiver Kaltlufteinbruch hat damals am 31. März für winterliche Verhältnisse mit Schneefall bis in tiefe Lagen gesorgt. In den östlichen Nordalpen gab es 20 bis 30 cm Schnee, aber selbst im Flachland fiel im Norden und Osten etwas Nassschnee. Die Höchstwerte am Ostersonntag lagen zwischen -1 Grad im östlichen Berg- und Hügelland und +7 Grad in Lienz. In Wien kam die Temperatur bei zeitweiligem Schneefall und lebhaftem Nordwestwind nicht über 2 Grad hinaus und in der folgenden Nacht gab es verbreitet Frost.

Schnee am Erlaufsee
Schnee am Erlaufsee im 2013. © Fred Lindmoser; www.mariazellerland-blog.at
Höchstwerte zu Ostern im Jahr 2013.

Sommer im Jahr 2000

Dass Ostern wettertechnisch auch ganz anders ausfallen kann, zeigt ein Blick auf das Jahr 2000: Bei Temperaturen bis zu 29 Grad in Salzburg gab es teils sogar hochsommerliches Wetter im April. Auch in den Jahren 2009, 2011, 2019 und 2020 konnte man Mitte bzw. Ende April bei Temperaturen über 20 Grad die Osterneste getrost im T-Shirt suchen.

Höchstwerte zu Ostern im Jahr 2000.

Anbei die Höchstwerte am Ostersonntag seit 1999:

Höchstwert Wien Innsbruck Kranebitten
15.4.1990 17 12
31.3.1991 11 14
19.4.1992 17 10
11.4.1993 5 10
3.4.1994 11 8
16.4.1995 14 11
7.4.1996 16 18
30.3.1997 9 5
12.4.1998 11 10
4.4.1999 21 13
23.4.2000 27 (max)
26 (max)
15.4.2001 8 4
31.3.2002 19 16
20.4.2003 19 18
11.4.2004 11 11
27.3.2005 14 20
16.4.2006 19 17
8.4.2007 18 17
23.3.2008 6 3 (min)
12.4.2009 23 23
4.4.2010 18 14
24.4.2011 22 21
8.4.2012 5 4
31.3.2013 2 (min)
5
20.4.2014 18 18
5.4.2015 8 6
27.3.2016 15 18
16.4.2017 14 10
1.4.2018 13 12
21.4.2019 22 24
12.4.2020 23 24
4.4.2021 10 13
17.4.2022 13* 16*

* Prognose für 2022 (Stand: 13.4.22)

Der mittlere Höchstwert zu Ostern von 1991 bis 2020 liegt in Wien bei 14,6 und in Innsbruck bei 13,7 Grad, wobei dafür vor allem das variable Datum des Osterfests eine entscheidende Rolle spielt (der mittlere Höchstwert am 22. März liegt in Wien bei 12 Grad und am 25. April bereits bei 19 Grad). Temperaturen oberhalb der 20-Grad-Marke wurden seit dem Jahre 1990 in Innsbruck an 5 bzw. in Wien an 6 Ostersonntagen verzeichnet (im Jahr 2005 hat es in Innsbruck mit 19,9 Grad knapp nicht gereicht).

2022 bringt Abkühlung

Zu Ostern gelangen heuer mit einer nördlichen Höhenströmung kühle und vergleichsweise trockene Luftmassen arktischen Ursprungs nach Österreich. Damit scheint am Sonntag in weiten Teilen des Landes zumindest zeitweise die Sonne, nur im Norden vom Salzkammergut bis ins Mariazellerland halten sich teils kompakte Wolken. Tagsüber ziehen auch im Osten ein paar Wolkenfelder durch, es bleibt aber überall trocken und nach einem regional leicht frostigen Start erreichen die Temperaturen 9 bis 17 Grad mit den höchsten Werten im Walgau, im Tiroler Oberland sowie in Oberkärnten.

Am Ostermontag zieht ein „Osterei“ (Höhentief) aus Osten auf (Animation von Sonntag bis Mittwoch; © ECMWF / UBIMET)

Am Ostermontag führt ein abgetropftes Höhentief über Osteuropa feuchte Luftmassen in den Nordosten des Landes, damit ziehen im Norden und Osten teils dichte Wolken durch und im Wald- und Mostviertel sowie im östlichen Bergland gehen ein paar Schauer nieder, wobei bis auf etwa 800 m herab Schneeflocken dabei sind. Wetterbegünstigt bleiben der Süden und Westen des Landes. Die Höchstwerte liegen zwischen 7 Grad im Mariazellerland und 18 Grad im Oberinntal.

Am Rande eines Skandinavienhochs bzw. eines Höhentiefs über Osteuropa gelangt kühle Luft nach Mitteleuropa. © www.wetter3.de / NOAA

Tiefpunkt am Dienstag

Am Dienstag erreicht der Tiefdruckeinfluss seinen Höhepunkt und vor allem im Norden, im östlichen Bergland sowie im Südosten gehen immer wieder Schauer nieder. Die Schneefallgrenze liegt im östlichen Bergland bzw. am Alpenostrand zwischen 600 und 1000  m. Meist trocken und häufig sonnig bleibt es in Vorarlberg, im Tiroler Oberland und in Osttirol. Die Temperaturen erreichen meist nur noch 5 bis 12 Grad, nur im äußersten Westen sind mit mehr Sonne bis zu 17 Grad möglich. Ab der Wochenmitte geht es im Osten dann langsam wieder bergauf mit den Temperaturen.

24h-Neuschneeprognose für den Dienstag. © UBIMET

Titelbild © Adobe Stock

Am Karfreitag im Norden lokale Gewitter

Quellwolken die zu Gewittern heranwachsen - Adobe Stock

Am Freitag ist in den Morgenstunden die Kaltfront eines Tiefs namens QUELLA mit Kern über Weißrussland durchgezogen, dabei ist vor allem im Norden sowie im östlichen Bergland etwas Regen gefallen (alle Daten gibt es hier). Hinter der Kaltfront gibt es am Freitagmittag und -nachmittag sonnige Auflockerungen, dabei steigt die Schauer- und Gewitterneigung im Vorfeld einer weiteren Kaltfront vom Mühlviertel über das Mostviertel bis ins Wiener Becken an.

Satellitenbild um 14:20 Uhr. Die Kaltfront von Tief QUELLA zieht südostwärts ab. © EUMTSAT / UBIMET

Lokale Gewitter

Unter Tiefdruckeinfluss sorgt eine bodennahe Windkonvergenz am Freitagnachmittag ausgehend vom Mühl- und Waldviertel für Hebung und mit etwas Erwärmung der bodennahen, angefeuchteten Luft kommt es zu einer leicht-labilen Luftschichtung. Vor allem in Niederösterreich sowie stellenweise auch in Oberösterreich und Wien ist dementsprechend mit den ersten Gewittern der Saison zu rechnen. Einzelne gewittrige Schauer sind zudem auch im Süden und Südosten möglich. Die Unwettergefahr ist aber generell gering, lokal kann es allerdings zu Platzregen und sehr kleinem Hagel kommen.

Zusammenströmender Wind sorgt für Hebung. © UBIMET / ECMWF
Nach dem Frontabzug im Südosten gibt es ab dem Nachmittag weitere Schauer und Gewitter im Nordosten. © UBIMET

Das erste Gewitter ist im Mühlviertel bereits entstanden, mit der nordwestlichen Höhenströmung zieht dieses in Richtung Mostviertel. Am Abend gehen weitere Schauer nieder, mit einfließender Kaltluft lässt die Gewitterneigung aber nach. Zu Ostern gestaltet sich das Wetter kühler als zuletzt und Gewitter sind vorerst nicht mehr zu erwarten.

Schnee, Hagel und Graupel

Graupelkörner auf dem Boden©Jne Valokuvaus

Fälschlicherweise wird Graupel oftmals als kleiner Hagel abgetan, eigentlich ist Graupel aber noch eine Schneeart. Durch anfrieren unterkühlter Wassertröpfchen werden Schneekristalle zu kleinen bis 5 mm großen Kügelchen verklumpt. Dazu ist die Dichte von Graupel geringer als von Hagel und die Oberfläche eher rau. Dadurch fallen sie langsamer und können keinen direkten Schaden anrichten, sie können allerdings in kürzester Zeit für rutschige Fahrbahnen sorgen.

Höhenkaltluft

Graupelschauer entstehen vor allem dann, wenn die Luft in einigen Kilometern Höhe sehr kalt ist. Im Winterhalbjahr sind Temperaturen von unter -30 Grad in rund 5 Kilometern Höhe keine Seltenheit. Wenn es dann am Boden gleichzeitig leichte Plusgrade gibt, dann ist der Temperaturunterschied von etwa 35 oder 40 Grad groß genug, dass sich kräftige Schauer oder Gewitter bilden können. In diesen Schauerwolken vermischen kräftige Auf- und Abwinde Schneeflocken mit unterkühlten Wassertröpfchen, die beim Zusammenwachsen schließlich zu Graupel werden und Richtung Erdoberfläche fallen.

Glätte und Böen

Da der Wechsel von Sonne hin zu kräftigen Schauern und umgekehrt oftmals sehr rasch vonstatten geht und daher für viele überraschend erfolgt, sind besonders Autofahrer nicht zu unterschätzenden Gefahren ausgesetzt. Innerhalb nur weniger Augenblicke können die Straßen nämlich von Schnee oder Graupel bedeckt sein und entsprechend für eine erhöhte Glättegefahr sorgen. Weiters kommt es meist auch zu einer Einschränkung der Sichtweite und zu teils stürmischen Böen.

Tief MIRELLA bringt am Montag in der Nordhälfte Regen und Sturmböen

Überflutungen sind in Spanien möglich!

Zu Wochenbeginn gerät Deutschland unter den Einfluss eines umfangreichen Tiefs mit Kern über der Nordsee bzw. Skandinavien. Mit Drehung der Höhenströmung auf West stellt sich die Großwetterlage um und deutlich mildere Luftmassen gelangen nach Mitteleuropa.

Tief MIRELLA zieht am Montag auf. © FU Berlin / DWD

Regen und Wind

Ausgehend von der Nordsee breitet sich am Montagvormittag im Nordwesten verbreitet Regen aus, anfangs ist regional auch noch etwas Schneeregen dabei. Im Laufe der zweiten Tageshälfte erfasst der Regen auch auf den Mittelgebirgsraum, dabei fällt in höheren Lagen wie etwa im Sauerland, im Harz und vor allem im Thüringer Wald zunächst noch etwas Schnee. Im Bergischen Land regnet es dagegen zeitweise auch kräftig.

Schneeprognose bis inkl. Montagnacht. © UBIMET

Dazu kommt in der Nordhälfte verbreitet frischer bis starker Südwestwind auf, vor allem an den Küsten sowie vom Harzvorland bis zum Erzgebirge muss man mit Sturmböen um 90 km/h rechnen, aber auch sonst sind verbreitet stürmische Böen um 70 km/h zu erwarten. Deutlich schwächer bleibt der Wind dagegen im Süden des Landes, hier bleibt es bis zum Abend auch noch weitgehend trocken.

Prognose der Windspitzen am Montag von UCM © UBIMET
Sturmwarnung für Montag, 4.4.2022 (Stand: 3.4.22; 14 Uhr). © www.uwr.de

Schnee im April: Alltag oder Seltenheit?

Schnee im Frühling. © Nikolas Zimmermann

Allgemein kommt Schnee im April viel häufiger vor, als viele Menschen glauben. Allerdings handelt es sich meist um kurze, mitunter aber markante Einzelereignisse. Eine im Flachland über mehrere Wochen liegende Schneedecke ist im April hingegen extrem selten. Anbei der langjährige Mittel (1977 bis 2007) der Schneedeckentage (Schneehöhe mind. 1 cm) für ausgewählte Orte in Deutschland:

Ort

Häufigkeit Schneedecke > 1 cm

Rostock

alle 10 Jahre
Hamburg alle 5 Jahre
Schleswig alle 3 Jahre
Berlin alle 3 Jahre
Magdeburg alle 3 Jahre
Dresden jedes Jahr
Erfurt jedes Jahr
Düsseldorf statistisch nie
Bremen alle 10 Jahre
Frankfurt/M. alle 10 Jahre
Stuttgart alle 3 Jahre
Saarbrücken alle 5 Jahre
Augsburg alle 1-2 Jahre
Neuruppin alle 3 Jahre
Hannover alle 5 Jahre
Trier alle 2-3 Jahre

Geht man in die höheren Lagen der Mittelgebirge, sieht die Sache natürlich gleich um einiges winterlicher aus. Auf der Zugspitze liegt im Mittel an jedem Apriltag Schnee, am Hohenpeißenberg auf knapp 1.000 m noch an jedem dritten Apriltag:

Ort mittlere Anzahl Schneedeckentage (> 1 cm)
Zugspitze 30
Fichtelberg 24
Kahler Asten 13
Hohenpeißenberg 9

Sowohl bei den Orten im Flachland als auch bei den Bergstationen muss man bei dieser Betrachtung natürlich eines berücksichtigen: Häufig „rettet“ sich eine Schneedecke aus dem März noch in den April hinein und schmilzt dann ab.

Winter im April 1970

Häufig kommt es im April zu markanten Schneefallereignissen im Umfeld von Nord- und Ostsee. Das Meer erwärmt sich allmählich, aus Norden strömen manchmal aber noch eiskalte Luftmassen nach Mitteleuropa. Der markante Temperaturunterschied zwischen dem Wasser und der darüberströmenden Luft sorgt für eine Labilisierung der unteren Atmosphäre und es entwickeln sich kräftige Schneeschauer. Eine solche „Lake-Effekt-Wetterlage“ hat sich auch rund um den 11.4.1970 eingestellt: An der Rückseite eines Ostseetiefs strömten anhaltend kalte Luftmassen über die Ostsee nach Nordostdeutschland. Über dem Meerwasser konnte die Luft zusätzliche Feuchtigkeit aufnehmen, dementsprechend kräftig schneite es an den Küsten und in abgeschwächter Form auch im Landesinneren. Hier ein Überblick über die Schneehöhen in Mecklenburg-Vorpommern am Morgen des 11. April 1970:

Ort Schneehöhe
Waren 50 cm
Altentreptow 45 cm
Lohmen 40 cm
Tüzen 40 cm
Gersdorf 40 cm
Kühlungsborn 40 cm
Ventschow 35 cm
Roggendorf 35 cm
Lalendorf 35 cm

Am Samstag spätwinterlich mit Schnee bis in tiefe Lagen

Nassschnee

Der Alpenraum liegt derzeit am Rande eines ausgeprägten Höhentiefs, welches sich von Frankreich zum Golf von Genua verlagert. Mit einer nordöstlichen Strömung erfassen dabei immer kühlere Luftmassen den Alpenraum und am Samstag sorgt ein Italientief namens LOTTE für trübe und vielerorts spätwinterliche Verhältnisse in Österreich.

Ein Italientief führt feuchte Luft in den Alpenraum, aus Norden sickert dabei Kaltluft ein. © ECMWF/UBIMET

Schnee bis in tiefe Lagen

Am Samstag regnet und schneit es verbreitet, nur im östlichen Flachland bleibt es bis Mittag noch meist trocken. Die Schneefallgrenze liegt an der Alpennordseite in tiefen Lagen, vom Klagenfurter Becken bis in die Südsteiermark fällt dagegen mitunter auch noch Regen oder Schneeregen. Im Laufe des Nachmittags beginnt es auch im Osten allmählich zu schneien, der Abend verläuft dann verbreitet spätwinterlich. Auf den Bergen kommen bis Samstagnacht verbreitet 25 bis 40 cm Neuschnee zusammen, in den Hochtälern ab etwa 1000 m aufwärts werden es 15 bis 25 cm. Aber auch in den größeren Tallagen sowie im Norden und am Alpenostrand sind um 5 cm Nassschnee zu erwarten, auf den Straßen muss man also vielerorts mit winterlichen Verhältnissen rechnen. Vom Großraum Linz über das Tullnerfeld bis ins östliche Flachland kommen etwa 1 bis 3 cm Nassschnee zusammen.

24h-Schneeprognose bis Sonntag früh. © UBIMET

Frostiger Wochenstart

Am Sonntag ist eine zögerliche Wetterbesserung in Sicht, nur in den Nordalpen schneit es anfangs noch leicht. Im Laufe des Tages lockern die Wolken etwas auf und die Nacht auf Montag verläuft im Norden teils nur gering bewölkt und entsprechend frostig. Die neue Woche beginnt somit vor allem im Norden mit mäßigem Frost um -5 Grad, also Temperaturen, bei denen Frostschäden an den noch blühenden Marillen möglich sind. Im Laufe der ersten Wochenhälfte steigen die Temperaturen dann aber an und ab Dienstag ist Frost kaum noch ein Thema.

Prognose der Tiefstwerte in der Nacht auf Montag. © UBIMET

Titelbild © AdobeStock

März 2022 extrem sonnig und trocken

Dürre am Land

Der März 2022 war im Flächenmittel mit einer Abweichung von +0,4 Grad zum klimatologischen Mittel von 1991 bis 2020 nahezu durchschnittlich temperiert, wobei es von Vorarlberg bis Oberösterreich meist 1 bis 1,5 Grad zu mild war und im Südosten etwa -0,5 Grad zu kühl.

Die Geopotential-Anomalie im März zeigt die überwiegende „Omega-Lage“ über Europa.
Temperaturabweichung im März 2022. © UBIMET

Sonnenscheinrekord an der Alpennordseite

Der Monat war vor allem durch anhaltenden Hochdruckeinfluss geprägt, weshalb auch die Sonnenscheinbilanz mit einem Plus von etwa 50% stark positiv ausfällt und der März sich auf Platz 3 der Messgeschichte einreiht. An der Alpennordseite war der März mancherorts sogar sonniger als ein durchschnittlicher Juni. Regional wurden neue Sonnenscheinrekorde aufgestellt, wie etwa in den Landeshauptstädten Bregenz, Innsbruck, Salzburg, Linz und St. Pölten.

Sonnenscheinabweichungen im März 2022. © UBIMET
Sonnenscheinextreme im März. © UBIMET

Besonders in der Tiroler Landeshauptstadt war der Monat in jeder Hinsicht außergewöhnlich, so gab es hier auch die längste Periode im Frühjahr ohne Niederschlag sowie auch den trockensten März seit Messbeginn.

Niederschlagsextreme im März. © UBIMET

Im Flächenmittel liegt die Niederschlagsbilanz bei -75%, was dem 4. trockensten März seit Messbeginn entspricht. Lediglich am letzten Tag des Monats gab es etwa in Teilen Nordtirols und der Steiermark messbaren Niederschlag.

Niederschlagsabweichungen im März 2022. © UBIMET

Die trockene Luft hat auch zu überdurchschnittlich vielen Frostnächten geführt, etwa in Wien mit 15 Tagen (Mittel 7) oder in Graz mit 19 Tagen (Mittel 10), sowie auch zu teils außergewöhnlichen Tagesgängen der Temperatur. In Gars am Kamp stieg die Temperatur am 24. von -9.9 Grad in der Früh auf +20,5 Grad am Nachmittag, was einem Tagesgang von gut 30 Grad und damit einem der bislang höchsten der Messgeschichte in Österreich entspricht (mehr dazu hier). Bemerkenswert im März waren allerdings auch die teils starken Saharastaub-Ausbrüche, ganz besonders rund um den 15. März.

Extremwerte März 2022

(Bundesland, Tag des Auftretens)

Höchste Temperaturen
  • 23,8 Grad Leibnitz (ST, 28.)
  • 23,5 Grad Deutschlandsberg (ST, 28.)
  • 23,4 Grad Bad Radkersburg (ST, 28.)
Tiefste Temperaturen unter 1000 m Seehöhe
  • -16,3 Grad Radstadt (S, 1.)
  • -14,5 Grad Zell am See (S, 2.)
  • -13,4 Grad Bad Mitterndorf (ST, 1.)
Nasseste bewohnte Orte
  • 43 Liter pro Quadratmeter Unterach am Attersee (OÖ)
  • 38 Liter pro Quadratmeter Loibl (K)
  • 37 Liter pro Quadratmeter Bad Ischl (OÖ)
Trockenste Orte
  • 2 Liter pro Quadratmeter Steinach am Brenner, Imst (T)
Sonnigste Stationen
  • 290 Sonnenstunden Brunnenkogel (T)
  • 268 Sonnenstunden Dachstein-Hunerkogel (ST)
  • 267 Sonnenstunden Sonnblick (S)
Sonnigste Stationen
  • 261 Sonnenstunden Mittersill (S)
  • 260 Sonnenstunden Mörbisch (B)
  • 259 Sonnenstunden Haag (NÖ)
Stärkste Windspitzen Niederungen
  • 95 km/h Brand (V, 14.)
  • 83 km/h Innsbruck-Kranebitten (T, 12.)
  • 79 km/h Reichenau an der Rax (NÖ, 16.)

Die Sommerzeit beginnt!

Somerzeit

Mit der Umstellung von Winter- auf Sommerzeit fühlen sich viele Menschen um eine Stunde Schlaf beraubt und so beklagen sich manche zu Beginn der neuen Arbeitswoche auch über Müdigkeit. Doch schon mit dem nächsten sonnigen Frühlingstagen kommen die Vorteile der Zeitumstellung ans Tageslicht, denn gegen die eine oder andere Sonnenstunde nach der Arbeit oder dem Homeoffice haben nur wenige etwas einzuwenden. Aber was ist denn eigentlich der Grund für die alljährlichen Zeitumstellungen?

Eine lange Geschichte

Die Idee, die Uhrzeit im Sommer und Winter an den Sonnenstand anzupassen, gibt es schon lange, doch erstmals wurde sie am 30. April 1916 im Deutschen Reich sowie in Österreich-Ungarn eingeführt. 1919 wurde sie wieder abgeschafft, kam im Laufe des 20. Jahrhunderts in unregelmäßigen Abschnitten aber zeitweise wieder zum Einsatz. U.a. im Jahre 1947 wurde in Deutschland vorübergehend sogar eine doppelte Sommerzeit eingeführt, also eine Abweichung von zwei Stunden, um das Tageslicht maximal auszunutzen (Mitteleuropäische Hochsommerzeit). Nach der Ölkrise im Jahre 1973 wurden Energiesparmaßnahmen wieder zum Thema und 1980 kam es schließlich zu einem Konsens: Die Zeitänderungen im mitteleuropäischen Raum wurde nachhaltig festgelegt. Das Resultat: Seit dem 6. April 1980 wird zwischen 2:00 Uhr und 3:00 Uhr morgens zweimal jährlich an Europas Uhren gedreht. Als Stichtage wurden vorerst die letzten Sonntage im März und September gewählt, im Jahr 1996 hat man dann jedoch den Beginn der Winterzeit auf das letzte Oktoberwochenende verschoben. Derzeit wird wieder diskutiert, ob die Zeitumstellung neuerlich abgeschafft werden soll.

Straße in der Nacht ©picjumbo.com - https://picjumbo.com/night-car-lights-on-the-road/
Die Uhr wird in der Nacht umgestellt, da das Verkehrsaufkommen gering ist und es kaum wirtschaftliche Aktivität gibt. ©picjumbo.com

70 Länder drehen an der Uhr

In insgesamt etwa 70 Ländern wird nach wie vor an der Zeitumstellung festgehalten. Auf diese Weise lassen sich in den Sommermonaten die langen und warmen Tage bis in den späten Abend hinein genießen. Im Gegenzug kommt mit der Umstellung auf die Winterzeit, die im übrigen die tatsächliche Tageszeit darstellt, wieder langsam die Vorfreude auf die anstehende Weihnachtszeit auf.

Titelbild © AdobeStock 

Hauptblüte der Marille geht los

Marille

Aus phänologischer Sicht befinden wir uns seit Beginn der Forsythienblüte im Erstfrühling, also der mittleren Phase des phänologischen Frühlings. Nur kurze Zeit später beginnen meist die Marillen zu blühen, welche daher die am stärksten frostgefährdete Obstsorte darstellen. In der Wachau hat die Blüte in diesen Tagen begonnen, etwas früher als im langjährigen Mittel. Mit Beginn der Apfelblüte folgt dann im April schließlich der Vollfrühling, also das letzte Drittel des phänologischen Frühlings.

Die sog. phänologische Uhr. © DWD

Hauptblüte

Derzeit blühen täglich mehr Knospen auf und kommende Woche findet die Hauptblüte der Marille statt. Die Dauer der Marillenblüte ist vom Wetter abhängig: Bei sehr warmen Temperaturen beträgt die Blühdauer etwa 1 Woche, bei kühleren Temperaturen auch entsprechend länger bis zu ca 2 Wochen. Da sich das milde Wetter nach derzeitigem Stand bis weit in die kommende Woche hinein fortsetzen wird, kann man heuer von etwa einer Woche mit vielen Bäumen in Vollblüte rechnen. Die Ernte beginnt dann voraussichtlich Anfang Juni.

Die Marille blüht. © https://www.wachauermarille.at/

Spätfrostgefahr

Als die am frühesten blühende Obstsorte ist die Marille auch am stärksten frostgefährdet. Heuer ist die Spätfrostgefahr keinesfalls gebannt, so sind auch im April durchaus markante Kaltlufteinbrüche möglich, wie etwa im Jahr 2020. Paradoxerweise hat sich die Gefahr von Frostschäden aufgrund der steigenden Temperaturen vergrößert, mehr dazu hier: Frühe Vegetationsentwicklung und Spätfrostgefahr. Derzeit deuten die Modelle auf einen möglichen Kaltlufteinbruch im Laufe der zweiten Wochenhälfte, infolgedessen wäre mittelfristig auch leichter Frost denkbar. die Unsicherheiten sind aber noch groß.

Ensemble-Prognose von Tempertaur in 1500 m Höhe und Niederschlag für Wien. © ECMWF

Birkenpollen

Die Marillenblüte kündigt Pollenallergikern meist die unmittelbar bevorstehende Blüte der Birke an, dessen Hauptblütezeit in Mitteleuropa im April bzw. in den Wäldern Nordeuropas sowie im Gebirge im Mai oder Juni stattfindet. Die Blühbereitschaft wurde regional bereits erreicht und im Laufe der kommenden Woche werden die Birken in den Niederungen zunehmend zu stäuben beginnen. Birkenpollen sind als starkes Allergen bekannt und stellen das wichtigste Baumpollenallergen dar. Sie stehen zudem in Zusammenhang mit Kreuzreaktionen zu Pollen von Hasel, Erle und Hainbuche, weiters kann es auch zu Kreuzallergien mit Nahrungsmitteln kommen wie etwa Äpfel, Steinobst, Karotten oder Nüsse.

Birkenpollen
Birkenpollen.

Titelbild © AdobeStock

Am Sonntag ist astronomischer Frühlingsbeginn

Frühlingswetter im Bergland - pixabay.com/RolPet

Der astronomische Frühling beginnt am Sonntag um exakt 16:32 Uhr. Dieser Zeitpunkt wird als Tag-und-Nacht-Gleiche (lat. Äquinoktium) bezeichnet. Das Faszinierende dabei ist, dass zu diesem Zeitpunkt Tag und Nacht überall auf der Erde nahezu gleich lange sind. Dass für den Frühlingsbeginn ein fixer Zeitpunkt angegeben wird, liegt daran, dass exakt in diesem Moment die Sonne am Äquator im Zenit steht. Ihre Sonnenstrahlen treffen dort also im 90-Grad-Winkel auf die Erdoberfläche.

Äquinoktium
Die Erde am Äquinoktium: Die Sonne steht senkrecht über dem Äquator.

Definitionssache

Neben der astronomischen Frühlingsdefinition gibt es auch noch zwei andere Möglichkeiten den Start zu definieren. Der meteorologische Frühlingsbeginn findet jedes Jahr am 1. März statt. Dies wurde vor allem aus statistischen Gründen gemacht, da sich eine Jahreszeit mit fixem Start- und Endzeitpunkt besser vergleichen lässt. Der astronomische Frühlingsbeginn ist hingegen an drei verschiedenen Tagen möglich, dies würde eine statistische Auswertung deutlich erschweren. Eine weitere Alternative ist der phänologischen Frühlingsbeginn, der vom Wachstum der Pflanzen abhängt: Der Vorfrühling startet mit dem Blühbeginn der Schneeglöckchen oder der Haselnuss. Darauf folgt der Erstfrühling mit der Blüte der Forsythie und schließlich der Vollfrühling mit Blühbeginn der Apfelbäume.

Die phänologische Uhr. © DWD

Mit dieser Definition ist der Frühlingsbeginn natürlich sehr von den örtlichen Gegebenheiten abhängig. So variiert der Zeitpunkt großräumig sowohl mit der geographischen Breite als auch mit der Höhenlage. Aber auch das Mikroklima kann einen großen Einfluss darauf haben, denn im geschützten Stadtklima blühen Pflanzen oft deutlich früher als auf freien Flächen. Beobachtet man den Blühstart der einzelnen Pflanzen über viele Jahrzehnte, kann man daraus auch weitere Hinweise auf ein sich veränderndes Klima gewinnen.


Quelle Titelbild: pixabay

Saharastaub in weiten Teilen Europas

Saharastaub

Saharastaub ist in geringen Konzentrationen in Süd- und Mitteleuropa mehrmals pro Jahr anzutreffen, das aktuelle Ereignis ist aber außergewöhnlich und kommt in Mitteleuropa dieser Intensität nur selten vor. Meteorologen sprechen dabei auch von Mineralstaub, der eine Größe von nur 0,1 bis etwa 20 Mikrometern aufweist (ein menschliches Haar ist etwa 50 bis 80 Mikrometer dick) und damit in der Atmosphäre schweben und auch Auswirkungen auf die gemessene Feinstaubbelastung haben kann (PM10 sowie PM2.5).

Bodenwetterkarte am Mittwoch, 0 UTC. © DWD/FU Berlin

Verantwortlich für das aktuelle Ereignis ist ein kräftiges Tiefdruckgebiete bei Marokko und Algerien, welches dort Staubpartikel kilometerhoch aufgewirbelt hat. Mit einer südlichen bzw. in Mitteleuropa westlichen Strömung wurde der Staub zu Wochenbeginn nach West- und Mitteleuropa verfrachtet. Große bzw. schwere Teilchen fallen dabei auf Grund ihres Gewichts tendenziell schneller wieder auf den Boden zurück (trockene Deposition), während kleine Partikel große Entfernungen zurücklegen und mitunter auch als Kondensationskeime für Eiswolken dienen können. In Mitteleuropa kommt der Staub meist nur mit Niederschlag zu Boden (nasse Deposition), wobei bei diesem Ereignis vor allem im Bergland auch die trockene Deposition eine Rolle gespielt hat.

Satellitenbild von Tief ELKE am Dienstag.

Zu Wochenbeginn waren vor allem der Osten Spaniens und die Pyrenäen betroffen, in weiterer Folge dann auch Frankreich, Süddeutschland und der gesamte Alpenraum. In Österreich sind die hohen Staubkonzentrationen in Vorarlberg gegen Dienstagmittag angekommen, im Osten dagegen erst am späten Abend. In der Nacht auf Mittwoch hat ein Randtief namens FATIME dann regional zu regenbedingten Staubablagerungen sowie in der Osthälfte auch zu einer deutlichen Abnahme der Staubkonzentrationen geführt.

Ein annähernd ähnlich starkes Ereignis gab es zuletzt am 6. Februar 2021 während dem Wintersturm TRISTAN, wie man in den folgenden Aufnahmen sieht. Damals war die betroffene Fläche in Mitteleuropa aber geringer.

Am Donnerstag neuerlich viel Staub

Derzeit gibt es von Vorarlberg bis nach Osttirol und Oberkärnten weiterhin hohe Konzentrationen an Saharastaub, am Donnerstag sind diese aber wieder im gesamten Land zu erwarten. Damit muss man verbreitet mit diesigen Verhältnissen rechnen und tagsüber ziehen teils dichte, hochliegende Wolken durch. Ab Freitag dreht die Höhenströmung dann wieder zunehmend auf Nord bis Nordost, damit wird der Saharastaub wieder nach Süd- bzw. Südwesteuropa verdrängt.

Prognose der Staubkonzentration. © Univ. of Athens

Saharastaub und Wetter

Meist erreicht uns Saharastaub vor allem in größeren Höhen oberhalb von etwa 5 km, damit wirkt er sich hauptsächlich auf die Himmelsfärbung und Wolkenbildung aus. Der Himmel erscheint nicht mehr strahlend blau, je nach Konzentration eher milchig weiß bis leicht gelblich, zudem fördert der Staub die Bildung von kompakten Cirruswolken in Höhen oberhalb von etwa 7 km. Kommt es jedoch gleichzeitig zu Niederschlag, dann kann der Staub entsprechend aus der Atmosphäre ausgewaschen werden und mit den Regentropfen zum Boden gelangen. Weiters kann auch das Absinken der Luft durch Subsidenz in einem Hoch sowie föhniger Wind den Staub in tiefere Luftschichten bringen.

Am Mittwoch bzw. Mittwochnacht hatte die Staubschicht im Süden eine große vertikale Ausdehnung und es gab auch etwas Regen. Am Donnerstag ist die Konzentration hoch, die Untergrenze liegt im Süden und Osten aber etwas höher. ©NOAA

Bilder aus Südwesteuropa


Titelbild © www.foto-webcam.eu

Saharastaub erfasst Europa

Saharastaub

Die verursachende Wetterlage ist selten, aber nicht unbekannt und tritt vornehmlich zwischen November und Mai auf. Wenn Kaltluft über dem Ostatlantik bzw. über Westeuropa weit nach Süden vorstößt, können sich beispielsweise über Marokko und Algerien kräftige Tiefdruckgebiete bilden. Diese bringen neben Regen auch viel Wind in die Wüste, der die Sandpartikel kilometerhoch aufwirbeln kann. An der Ostflanke solcher Tiefs findet man zumeist starken Südwind, der neben warmer Luft auch den Sandtransport nach Mitteleuropa bewerkstelligt. In dieser Woche ist das Tief ELKE dafür verantwortlich. Ein annähernd ähnlich starkes Ereignis gab es zuletzt am 6. Februar 2021 während dem Wintersturm TRISTAN.

Bodenwetterkarte am Mittwoch, 0 UTC. © DWD/FU Berlin

Zunächst hat der Staub am Montag den Osten Spaniens und die Pyrenäen erreicht, in weiterer Folge hat er sich am Dienstag mit der südlichen bzw. in Mitteleuropa westlichen Höhenströmung weiter in Richtung Deutschland ausgebreitet. Ein sich entwickelndes Randtiefs namens FATIME hat dabei in der Nacht zum Mittwoch im Süden regional zu regenbedingten staubablagerungen geführt und den Staub vorübergehend wieder südwestwärts verdrängt.

Satellitenbild von Tief ELKE am Dienstag.

Höhepunkt steht bevor

Am Mittwochabend erfassen hohe Konzentrationen an Saharastaub den Westen des Landes. Aufgrund der hohen vertikalen Ausdehnung der Staubschicht zeichnet sich regional ein orangefarbener Himmel ab, ähnlich wie es am Dienstagnachmittag im äußersten Süden der Fall war. Am Donnerstag sind dann im gesamten Land erhöhte Konzentrationen zu erwarten, wobei die Kaltfront vom Randtief GESINE im Nordwesten zu Regen und damit auch für Staubablagerungen führt. Im Osten und Süden ist die Staubschicht etwas weniger mächtig, hier muss man aber dennoch mit diesigen Verhältnissen rechnen und tagsüber ziehen dichte, hochliegende Wolken auf. Ab Freitag dreht die Höhenströmung wieder zunehmend auf Nord bis Nordost, damit wird der Saharastaub wieder nach Süd- bzw. Südwesteuropa verdrängt.

Prognose der Staubkonzentration. © Univ. of Athens

Saharastaub und Wetter

Grundsätzlich erreicht uns Saharastaub meist in größeren Höhen oberhalb etwa 5 km, damit wirkt er sich hauptsächlich auf die Himmelsfärbung und Wolkenbildung aus. Der Himmel erscheint nicht mehr strahlend blau, je nach Konzentration eher milchig weiß bis leicht gelblich, zudem fördert der Staub die Bildung von kompakten Cirruswolken in Höhen oberhalb von etwa 7 km. Kommt es jedoch gleichzeitig zu Niederschlag, dann kann der Staub entsprechend aus der Atmosphäre ausgewaschen werden und mit den Regentropfen zum Boden gelangen. Weiters kann auch das Absinken der Luft durch Subsidenz in einem Hoch sowie föhniger Wind den Staub in tiefere Luftschichten bringen.

Am Mittwoch bzw. Mittwochnacht hatte die Staubschicht im Süden eine große vertikale Ausdehnung und es gab auch etwas Regen. Am Donnerstag ist die Konzentration hoch, die Untergrenze liegt im Süden und Osten aber etwas höher. ©NOAA

Bilder aus Südwesteuropa


Titelbild © www.foto-webcam.eu

Wochenausblick: Frühlingshaft, staubig und am Ende neuerlich kühl

Saharatsaub

Zu Wochenbeginn liegt Österreich zwischen Hoch NOE, dessen Kern mittlerweile über Rumänien liegt, und einem umfangreichen Tiefdruckgebiet namens ELKE im Bereich der Straße von Gibraltar. Mit einer südlichen Höhenströmung gelangen dabei milde Luftmassen ins Land, allerdings lässt der Hochdruckeinfluss etwas nach.

Prognose der Bodenwetterkarte für Montagnachmittag. © FU Berlin/DWD

Der Montag verläuft trocken und oft sonnig, nur an der Alpennordseite ziehen zeitweise kompakte Wolken durch. Die Temperaturen steigen auf 10 bis 17 Grad. Am Dienstag entwickelt sich direkt über Mitteleuropa ein Randtief und im ganzen Land ziehen teils dichte, hochliegende Wolken durch, längere sonnige Abschnitte gibt es am ehesten im Südosten. Die Temperaturen erreichen 9 bis 15 bzw. im Walgau auch 17 Grad. Tagsüber fallen nur im westlichen Bergland vereinzelt ein paar Tropfen, am Abend ziehen im Norden aber Regenschauer auf und in der Nacht ist dann von den Kitzbüheler Alpen ostwärts etwas Regen in Sicht. Im östlichen Bergland zeichnen sich regional um etwa 20 Liter pro Quadratmeter ab, sonst halten sich die Mengen jedoch in Grenzen.

Niederschlagsprognose von Dienstagabend bis Mittwochnachmittag. © UBIMET

Der Mittwoch startet mit häufig dichten Wolken und vom zentralen Bergland bis in den Südosten fällt zeitweise Regen, Schnee ist meist nur oberhalb von etwa 1400 bis 1600 m ein Thema. Tagsüber gehen nur noch einzelne Schauer nieder und die Wolken lockern ausgehend von Vorarlberg auf. Die Temperaturen steigen auf 9 bis 16 bzw. in Vorarlberg auch 19 Grad.

Saharastaub

Das Tiefdruckgebiet ELKE wirbelt zu Wochenbeginn große Mengen an Saharastaub in Marokko und Algerien auf, die im Laufe der Woche mit der südlichen bis westlichen Höhenströmung weite Teile Europas erfassen. Es zeichnet sich ein massiver Staubausbruch ab, der sich auch auf unser Wetter auswirken wird: Bereits ab Dienstag nehmen die Unsicherheiten bei der Bewölkungsprognose zu, da die Staubpartikel als zusätzliche Kondesationkeime fungieren können. Mit dem Regen kann es zudem Dienstagnacht bzw. Mittwochmorgen vor allem im Norden und Osten auch zu Staubalagerungen etwa auf Autos und Gartenmöbeln kommen. Auch in der zweiten Wochenhälfte dürfte der Staub zeitweise zu einer Trübung der Atmosphäre bzw. zu diesigen Verhältnissen führen, die Unsicherheiten bezüglich der Staubkonzentrationen sind aber noch erhöht.

Prognose der Staubkonzentration von Montag bis Donnerstag. © Univ. of Athens

Erneut Ostlage

In der zweiten Wochenhälfte etabliert sich über dem Baltikum das nächste, umfangreiche Hochdruckgebiet, damit dreht die Höhenströmung wieder auf östliche Richtung und trockene sowie in weiterer Folge auch kühle Luftmassen breiten sich in Ost- und Mitteleuropa aus. dabei scheint vor allem an der Alpennordseite und im Osten bei teils diesigen Verhältnissen häufig die Sonne. Die Temperaturen gehen ab Freitag von Osten her wieder spürbar zurück. Am Wochenende kündigt sich auch wieder verbreitet Frost an, der Wetterablauf ist aber noch unsicher: Am Südrand des Hochs deuten die Modelle nämlich auf durchziehende Höhentiefs, dessen Lage aber noch mit großen Unsicherheiten behaftet ist. Tendenziell deutet das aber vor allem im Bergland auf eine leicht erhöhte Schauerneigung hin.

Am Ende der Woche geht der Temperaturtrend wieder bergab. © ECMWF/UBIMET

Titelbild © AdobeStock

Frühjahr ist Föhnzeit

Föhn in den Bergen.

Im Allgemeinen ist Föhn ein Wind, der auf der Leeseite von Gebirgen durch Absinken wärmer und relativ trockener wird. Wenn Gebirgsketten der Luftströmung  im Weg stehen, kann Luft auf der windabgewandten Seite des Gebirges (im Lee) bei bestimmten Bedingungen als trockener Wind in die Täler durchgreifen. In Europa sind es die über weite Strecken West-Ost verlaufenden Alpen, die namensgebend für dieses Phänomen sind, das sich somit je nach Anströmung als Süd- oder Nordföhn äußert. Es gibt aber durchaus auch Westföhn, wie etwa am Alpennordrand, im Inntal oder im Wiener Becken, sowie Ostföhn etwa in den französischen Alpen.

Erscheinungsbilder

Die bekannteste Form ist der Südföhn, wenn Luft von Italien über die Alpen nordwärts strömt. Typisch dafür ist die Annäherung eines kräftigen Tiefs über Westeuropa. An dessen Vorderseite baut sich über dem Alpenraum eine straffe Südströmung auf. Der Luftdruckunterschied zwischen Alpensüd- und Alpennordseite setzt die Föhnströmung in Gang. Beim klassischen Föhn („Schweizer Föhn„), kühlt die Luft beim Aufsteigen an der Alpensüdseite ab, wobei es vielfach zur Kondensation und oft auch zur Niederschlagsbildung kommt. Auf der anderen Seite des Gebirgskamms rauscht die Luft dann als turbulenter Fallwind talwärts, wobei sich diese, ihrer Feuchtigkeit mittlerweile entledigt, schneller erwärmen kann, als sie sich zuvor abgekühlt hat. So kommt es dass die Luft bei gleicher Höhenlage an der Alpennordseite deutlich wärmer als an der Alpensüdseite ist.

Der „Schweizer“ Föhn. © Roland Stull; Univ. of British Columbia

Wolken und Niederschlag im Luv der Berge sind aber keine Voraussetzung, so kann der Föhn manchmal auch auftreten, obwohl der Himmel nahezu wolkenlos auf beiden Seiten der Alpen ist. Tatsächlich kann Luft in mittleren Höhen nach dem Überströmen des Alpenhauptkamms wasserfallartig in die Täler strömen. Die Luft steigt zuvor nicht auf, sondern befindet sich in mittleren Höhenniveaus über den mit Kaltluft gefüllten Tälern südlich des Alpenhauptkamms („Österreichischer Föhn„).

Der „österreichische“ Föhn. © Roland Stull; Univ. of British Columbia

Beide Föhntypen können überall auftreten, es handelt sich keineswegs um geographisch begrenzte Varianten, so gibt es durchaus auch in Österreich Föhnlagen mit Niederschlag am Alpenhauptkamm bzw. südlich davon. Der Begriff „Österreichischer Föhn“ stammt aus Innsbruck, da es hier häufig föhnig ist, auch wenn in Südtirol mitunter noch die Sonne scheint.

Frühjahr und Herbst

Speziell im Winter steigt die Wahrscheinlichkeit für zähe Kaltluftseen in den tieferen Tallagen deutlich an. Dann kommt es bei schwach ausgeprägten Luftdruckunterschieden vor, dass sich der Föhn nicht gegen die kalte Talluft durchsetzen kann und sich auf die Hochtäler beschränkt. Gut zu sehen ist dieses winterliche Minimum auch im folgenden Bild, es zeigt die Häufigkeit für Südföhn in Innsbruck im Laufe eines Jahres: Die „föhnigste“ Jahreszeit ist demnach der Frühling (der hohe Sonnenstand begünstigt den Föhndurchbruch), ein zweites Maximum gibt es im Oktober. Im Sommer sind die Druckgegensätze und die Höhenströmung dagegen meist nur schwach ausgeprägt.

Boxplot der monatlichen Anzahl von Föhntagen in Innsbruck. © A. Ortner / Uni Innsbruck

Des einen Freud, des anderen Leid

Im Gegensatz zur Luv-Seite, wo der Himmel oft bewölkt ist und zum Teil auch der feuchte und kühle Wettercharakter dominiert, bewirkt Föhn als trockener Wind im Lee oft freundliche Wetterbedingungen. Dabei zeigt sich der Himmel häufig wolkenarm und somit kommen Sonnenhungrige auf ihre Rechnung. Allerdings kann der Föhn in Sachen Windstärke Probleme bereiten und örtlich durchaus auch für Sturmschäden verantwortlich sein. Überdies ist der Föhn bei manchen Menschen in Verruf geraten, denn er steht in Verdacht, den Organismus zu beeinflussen. Empfindliche Menschen leiden bei Föhn unter Nervosität, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, innerer Unruhe und mitunter auch unter Kreislaufbeschwerden. Weiters kann die südliche Höhenströmung auch Saharastaub im Gepäck haben, weshalb die Luft bei Föhnlagen manchmal diesig erscheint und die Fernsicht eingeschränkt ist.

Titelbild © visualhunt.com

Blockierendes Hoch sorgt für Trockenheit

Trockenheit © Adobe Stock

Wenn ein umfangreiches und nahezu ortsfestes Hochdruckgebiet an seiner Südost- und Südwestflanke von zwei Tiefdruckgebieten flankiert wird, sprechen Meteorologen von einer „Omega-Lage“. Grund für diesen Name ist die Form der Strömung im Uhrzeigersinn rund um das Hoch, die dem griechischen Buchstaben Omega ähnelt. Diese blockierte Wetterlage beeinflusst aller Voraussicht nach bis in die zweite Märzhälfte hinein das Wettergeschehen in Europa, dabei gelangen trockene und in der kommenden Woche allmählich auch milde Luftmassen ins Land.

Großwetterlage am Dienstag. Man erkennt das "Omega" (griechisches Alphabet Ω) rund um Hoch MARTIN über Dänemark - UBIMET, ECMWF
Man erkennt das „Omega“ (Ω) rund um Hoch MARTIN. © UBIMET, ECMWF

Viel Sonnenschein

Am Donnerstag erfasst ein weiterer Schwall kontinentaler Kaltluft den Osten des Landes, somit ziehen im Osten anfangs kompakte Wolken durch. Im Laufe des Tages kommt im Osten wieder häufig die Sonne zum Vorschein, abseits davon dominiert stets der Sonnenschein. Die Temperaturen erreichen 4 bis 14 Grad mit den mildesten Werten im Oberinntal.

Im Westen mild, sonst noch kühl

Der Freitag und das Wochenende bringen in weiten Teilen des Landes sonniges Wetter, nur in den Südalpen halten sich mitunter hochnebelartige Wolken. Dazu kommt im Donauraum kräftiger, kalter Ostwind mit teils stürmischen Böen auf. Die Temperaturen präsentieren sich zweigeteilt: Während es im Süden und Osten sowie im Donauraum meist nur 3 bis 8 Grad gibt, wird es im westlichen Bergland frühlingshaft mild mit bis zu 15 Grad. In der kommenden Woche kündigt sich weiterhin oft sonniges und trockenes Wetter an, die Temperaturen steigen aber im ganzen Land an. Der Frühling kommt langsam in Fahrt, allerdings fehlt der Regen.

Niederschlagsprognose bis zum 18 März. © UBIMET

Regional Trockenheit

In den Nordalpen war der vergangene Winter ausreichend nass, während es im Süden und Osten des Landes meist weniger Niederschlag als üblich gab. Besonders trocken war es im Bereich der Karawanken sowie in Teilen Oberkärntens und Osttirols. Der Herbst 2021 war nahezu landesweit zu trocken und im Süden sowie Südosten selbst der Sommer 2021. In diesen Regionen gab es im vergangenen Jahr also mehrfache Dürreperioden, weshalb man regional von einer hydrologischen Dürreperiode sprechen kann, was ein Absinken des Grundwasserspiegels unter den langjährigen Durchschnitt zur Folge hat. Weitere Infos zu diesem Thema gibt es hier. Eindrücklich sieht man dies auch am Pegel des Neusiedler Sees, wo sich in den kommenden Wochen ein neuer Negativrekord für die Jahreszeit ankündigt (Messbeginn 1965). Weiters stiegt die Waldbrandgefahr langsam an, ab dem Wochenende herrscht vor allem im Osten und Südosten bereits erhöhtes Risiko.

Kontinentale Kaltluft erfasst Österreich

Nebel und Frost

Mitteleuropa liegt derzeit zwischen einem umfangreichen Hoch über Nordeuropa und reger Tiefdruckaktivität über dem Mittelmeerraum bzw. Südosteuropa. Damit gelangen aus Nordosten kalte, aber nur mäßig feuchte Luftmassen nach Österreich. Eine nennenswerte Änderung der Großwetterlage ist nicht in Sicht, die erste Märzhälfte wird in Österreich zu kalt ausfallen.

Auf Nordosten gelangen kalte Luftmassen ins Land. © ECMWF / UBIMET

Am Wochenende teils zähe Wolken

Am Samstag überwiegen in der Osthälfte meist die Wolken und im östlichen Berg- und Hügelland fällt da und dort etwas Schneegriesel bzw. in tiefsten Lagen auch Nieselregen. Wetterbegünstigt sind die Regionen von Vorarlberg bis nach Salzburg und Oberkärnten, hier scheint häufig die Sonne. Bei mäßigem, kaltem Ostwind kommen die Temperaturen nicht mehr über 0 bis +8 Grad hinaus. Der Sonntag beginnt im Süden sowie entlang der Nordalpen mit hochnebelartigen Wolken, sonst scheint zeitweise die Sonne. Im Tagesverlauf ziehen auch im Osten und in den Alpen einige Wolken durch. Die Temperaturen ändern sich kaum.

Prognose der Höchstwerte am Samstag. © UBIMET

Kalt, regional etwas Schnee

In der neuen Woche dominieren an der Alpennordseite und im Osten weiterhin die Wolken, entlang der zentralen und östlichen Nordalpen schneit es zeitweise leicht. Besonders vom Salzkammergut bis an den Alpenostrand und selbst im Wienerwald ist durchaus mit dem einen oder anderen Zentimeter Neuschnee zu rechnen, vor allem in den Nächten. Auch im Nordosten ziehen lokale Schneeschauer durch, die Mengen bleiben hier aber gering.

Kommende Woche zeichnet sich vor allem in den östlichen Nordalpen etwas Neuschnee ab. © UBIMET

Leicht wetterbegünstigt sind weiterhin der äußerste Westen sowie Osttirol und Kärnten. Bei teils lebhaftem Nordwind kommen die Temperaturen im Norden und Osten nicht über -1 bis +5 Grad hinaus, nur im Südwesten gibt es noch bis zu +8 Grad. In mittleren Höhenlagen stellt sich von Oberösterreich bis an den Alpenostrand leichter Dauerfrost ein. Eine nennenswerte Änderung ist auch in der zweiten Wochenhälfte nicht in Sicht, selbst im Donauraum kommen die Temperaturen teils nur noch knapp über den Gefrierpunkt hinaus. Erst gegen Monatsmitte stiegen die Chancen auf eine Umstellung der Großwetterlage langsam an.

In der zweiten Märzwoche liegen die Temperaturen unterhalb des Mittels. © ECMWF

Titelbild  © AdobeStock

Reif, Raureif und Raueis

Frost

Ein häufiges Phänomen bei stabilen Hochdruckwetterlagen mit klaren Nächten im Winterhalbjahr ist der Reif. Während er im Flachland meist tagsüber wieder sublimiert, kann er sich in schattigen Tallagen über mehrere Tage hinweg halten: Der Reifansatz wird nämlich Nacht für Nacht etwas mächtiger. In extrem feuchten und schattigen Lagen, etwa entlang von Bächen und Flüssen, können die Reifkristalle mehrere Zentimeter groß werden. Besonders in West-Ost ausgerichteten Tälern kann man den starken Kontrast zwischen grünen, sonnigen Südhängen und reifig-weißen, schattigen Nordhängen bzw. Talböden beobachten.

Raureif
Raureif und Nebel in der Buckligen Welt. © www.foto-webcam.eu

Entstehung von Reif

Die Luft kann je nach Temperatur nur eine bestimmte Menge an Wasserdampf aufnehmen. Dabei gilt: Je höher die Temperatur, desto mehr Wasserdampf kann sie fassen. Kommt die Luft jedoch in Kontakt mit kalten Oberflächen, dessen Temperatur kälter als der eigene Taupunkt ist, kühlt sie sich ab und kann den gespeicherten Wasserdampf nicht mehr halten (siehe auch Taupunkt). Der Wasserdampf wächst bei Temperaturen unterhalb des Gefrierpunkts in Form von Eiskristallen typischerweise an Grashalmen oder Autos an. Dabei handelt es sich um Eisablagerungen in Form von Schuppen, Nadeln oder Federn. Dieser Prozess, bei dem der Wasserdampf der Luft in den festen Zustand übergeht, nennt man Resublimation.

Raureif

Raureif ist ein fester Niederschlag, der bei hoher Luftfeuchtigkeit, wenig Wind und kalten Temperaturen unter etwa -8 Grad an freistehenden Gegenständen wie etwa Bäume oder Zäune durch Resublimation entsteht (oft innerhalb einer Wolke bzw. bei Nebel). Er besteht meist aus dünnen, an Gegenständen nur locker haftenden und zerbrechlichen Eisnadeln oder -schuppen.

Raureif
Raureif im Wienerwald am 2.12.2020. © N. Zimmermann

Raueis

Raueis bzw. Raufrost entsteht meist bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt und erhöhten Windgeschwindigkeiten, wenn unterkühlte Nebel- oder Wolkentropfen auf freistehende Gegenstände treffen. Raueis wächst entgegen der Windrichtung und ist relativ fest. Durch Lufteinschlüsse erscheint es milchig weiß.


Klareis

Eine weiter Form der Frostablagerung ist das Klareis. Es handelt sich um eine glatte, kompakte und durchsichtige Eisablagerung mit einer unregelmäßigen Oberfläche. Klareis entsteht bei Temperaturwerten zwischen 0 und -3 Grad durch langsames Anfrieren von unterkühlten Nebeltröpfchen an Gegenständen und kann zu schweren Eislasten anwachsen.

Klareis im Wienerwald am 19.12.2020. ©: M. Beisenherz

Titelbild © AdobeStock

Februar im Flachland teils mehr als 4 Grad wärmer als üblich

Frühling und Winter kämpfen gegeneinander.

Der Februar 2022 war durch zahlreiche Nordwest- sowie Westlagen geprägt. Zu Monatsbeginn gab es mehrmals kräftigen Schneefall in den Nordalpen, wobei die Kombination aus viel Wind und Neuschnee zu großer Lawinengefahr führte. Vom 4. bis 6. Februar kam es dadurch in Tirol auch zu einem neuen Rekord an Lawinen-Einsätzen. Am 7.2. sorgte die Kaltfront von Tief ROXANA mit orkanartigen Böen bis zu 115 km/h zudem für einen neuen Windrekord in Innsbruck.

Zahlreiche Sturmtage

Nach einer vorübergehenden ruhigen Phase zur Monatsmitte war die zweite Monatshälfte durch zahlreiche atlantische Sturmtiefs geprägt. Der Höhepunkt der Westlage wurde am 17. Februar erreicht, als Sturm YLENIA in Enns Orkanböen bis 120 km/h brachte und in Graz frühlingsfhafte 22 Grad gemessen wurden. Im Südosten handelte es sich örtlich wie in Graz um den zweitwärmsten Wintertag der dortigen Messgeschichte bzw. in Eisenstadt wurde der Rekord von 21,1 Grad eingestellt. Mancherorts kam es zudem zu doppelt bis dreimal so vielen Tagen mit stürmischen Böen als üblich, etwa in Wien und St. Pölten mit 13 Tagen (Mittel bei 6,5 bzw. 4), in Eisenstadt mit 12 Tagen (Mittel 7) und in Salzburg mit 8 Tagen (Mittel 2,5). Mehr Infos zu den Hintergründen der Großwetterlage gibt es hier. Erst zum Ende des Monats stellte sich die Lage um und kühle Luftmassen erfassten das Land.

Teils mehr als 4 Grad zu warm

Im Flächenmittel war der Februar rund 3 Grad wärmer als im langjährigen Mittel. Die größten Abweichungen von mehr als 4 Grad gab es im Norden und Osten, mancherorts wie etwa im Tullnerfeld liegen die Abweichungen sogar bei 4,5 Grad. In diesen Regionen handelt es sich um einen der wärmsten Februarmonate der Messgeschichte, etwa in Wien war es der zweitwärmste Februar nach 2020, nahezu gleichauf zu den Jahren 1966 und 2016.

Die Temperaturabweichung im Februar. © UBIMET

Die geringsten Abweichungen gab es dagegen in windgeschützten, inneralpinen Lagen, wo sich in den klaren Nächten ausgeprägte Inversionen bilden konnten. In Radstadt, wo mit -20,3 Grad die tiefste Temperatur des Winters in einem bewohnten Ort gemessen wurde, war der Monat nahezu durchschnittlich.

Im Süden sehr trocken

Die Abwechslung von Nordwest- bis Westlagen mit Hochdrucklagen hat im Süden des Landes zu Trockenheit geführt, so wurde im Klagenfurter Becken mit nur 13 l/m² lediglich ein Drittel der üblichen Niederschlagsmenge verzeichnet. Auch im Weinviertel war der vergangene Monat sehr trocken, meist gab es hier nur knapp weniger als die Hälfte der zu erwartenden Niederschlagsmenge. Ganz anders präsentiert sich die Bilanz dagegen an der Alpennordseite: In den Nordalpen und im Mühlviertel wurde das Soll übertroffen, mancherorts gab es in den Alpen sogar doppelt so viel Niederschlag wie üblich. Im landesweiten Flächenmittel präsentiert sich die Bilanz dadurch recht ausgeglichen.

Der Niederschlagsanteil vom Mittel. © UBIMET

Entsprechend dazu präsentiert sich auch die Sonnenscheindauer: Vor allem von Unterkärnten über die südliche Steiermark bis ins östliche Flachland war es deutlich sonniger als üblich, regional gab es hier sogar ein Plus von etwa 40%. Leicht unterdurchschnittlich bilanzieren dagegen die Nordalpen, so war der relativ trübste Ort mit -35% Warth am Arlberg.

Die Sonnenscheinabweichung im Februar. © UBIMET

Extremwerte Februar 2022

Stand: Sonntag, 27.2.2022, 09 Uhr (Bundesland, Tag des Auftretens)

Höchste Temperaturen
  • 22,1 Grad Graz Straßgang (ST, 17.)
  • 21,9 Grad Deutschlandsberg (ST, 17.)
  • 21,5 Grad Graz Universität (ST, 17.)
  • 21,4 Grad Mörbisch (B, 17.)
Tiefste Temperaturen unter 1500 m Seehöhe
  • -20,3 Grad Radstadt (S, 13.)
  • -20,1 Grad Zell am See (S, 14.)
  • -20,0 Grad Lech am Arlberg (V, 12.)
  • -19,3 Grad St. Michael im Lungau (S, 14.)
Nasseste bewohnte Orte
  • 260 Liter pro Quadratmeter Schröcken (V)
  • 248 Liter pro Quadratmeter Warth (V)
  • 243 Liter pro Quadratmeter Mittelberg (V)
Trockenste Orte
  • 4 Liter pro Quadratmeter Schöngrabern (NÖ)
  • 4 Liter pro Quadratmeter Gars am Kamp (NÖ)
  • 5 Liter pro Quadratmeter Limberg (NÖ)
Vorläufig sonnigste Stationen
  • 172 Sonnenstunden Kanzelhöhe (K)
  • 168 Sonnenstunden Wolfsberg-Klippitztörl (K)
  • 166 Sonnenstunden Villacher Alpe (K)
Vorläufig sonnigste Orte
  • 166 Sonnenstunden Laßnitzhöhe (ST)
  • 164 Sonnenstunden Graz (ST), Hollenthon (NÖ)
  • 163 Sonnenstunden Villach (K)
Stärkste Windspitzen Niederungen
  • 120 km/h Enns (OÖ, 17.)
  • 118 km/h Kremsmünster (OÖ, 17.)
  • 117 km/h Melk (NÖ, 17.)
Stärkste Windspitzen Berge
  • 167 km/h Feuerkogel (OÖ, 17.)
  • 150 km/h Galzig (T, 7.), Dachstein (ST, 7.)
  • 146 km/h Buchberg (NÖ, 17.)
Windspitzen im Februar. © UBIMET

Stürmische Bora an der Adria

Bora in Triest

In den kommenden Tagen liegt die Adria zwischen einem Hoch über Nordosteuropa und einem Mittelmeertief. Durch diese Druckverteilung kommt es zu einer östlichen Strömung und an der Ostseite der Adria kommt Bora auf. Besonders entlang des Dinarischen Gebirges, welches kühle Luftmassen im Landesinneren von feuchtmilder Adrialuft trennt, kommt es zu großen Druckgegensätzen.

Zwischen Hoch KAI und dem Mittelmeertief kommt Bora auf. Karte: © FU Berlin

Die kalte Luft fällt hier wasserfallartig zur Adria ab, wo es in exponierten Lagen am Rande des Velebit-Gebirges zu Okranböen über 120 km/h kommt. Aber auch sonst sind von Triest südwärts schwere Sturmböen um 100 km/h zu erwarten.

Prognose der Böen von Samstag- bis Sonntagabend von ICON D2. © UBIMET/DWD

Auf der anderen Seite der Adria fällt im Oststau der Apenninen dagegen kräftiger Regen und Schnee, im Bergland Mittelitaliens wie etwa in den Abruzzen ist gebietsweise 1 Meter Neuschnee zu erwarten.

Bora-Typen

Die Bora wird anhand ihres Auftretens in zwei Haupttypen klassifiziert: Die „schwarze Bora“ (Bora scura) wird durch eine Zyklone über dem Mittelmeerraum ausgelöst und meist von Niederschlägen begleitet, die „weiße Bora“ (Bora chiara) wird dagegen durch ein markantes Hoch über Osteuropa hervorgerufen und tritt bei klaren Bedingungen auf. In besonders exponierten Lagen wurde sogar schon Orkanböen um 250 km/h gemessen. Zusätzlich zu diesen beiden Typen gibt es noch den Borino, der mit meist nur mäßiger Intensität vor allem in klaren, kalten Winternächten durch die Hauptschneisen der Dinarischen Alpen weht, wie beispielsweise von der Pforte von Postojna in Slowenien zur Bucht von Triest.

Titlebild © AdobeStock

Bora vs. Föhn

Die Bora wird meist als trockenkalter Fallwind definiert, obwohl bei schwarzer Bora sogar intensive, mitunter gewittrige Niederschläge auftreten können. Tatsächlich kommt es durch das Absinken der Luft auf dem Weg zur Adria, analog wie beim Föhn in den Alpen, zu einer Kompression und damit zu einer Erwärmung der Luft um knapp 1 Grad pro 100 m Höhenunterschied. Ungeachtet dieser Erwärmung wird der Wind aber dennoch als kalt empfunden, da die Luft im Gegensatz zum Föhn häufig einen kontinentalen Ursprung hat und somit vor allem im Winter trotz der Erwärmung noch immer sehr kalt ist (und der Windchill auch noch im Spiel ist). Da die Bora zudem manchmal nur eine geringe vertikale Ausdehnung von ein paar hundert Metern besitzt, kann in mittleren Höhenlagen zeitgleich noch feuchter Südwestwind wehen, der auf die relativ kalte Boraluft aufgleitet. Bei diesem Prozess wird Niederschlag gebildet, der anschließend in die eigentlich trockene Boraluft hinein fällt.

Wo weht die Bora?

Die Bora weht besonders häufig in der Bucht von Triest, entlang der Dalmatinischen Küste sowie der Küste Montenegros. Besonders bekannt dafür sind die Städte Triest in Italien, die Ortschaften an der Westflanke des Velebit-Gebirges in Kroatien sowie auch die Städte Makarska und Dubrovnik. Die Bora weht allerdings nicht immer an der gesamten Adriaküste gleichzeitig: Während bei nördlichen Zugbahnen von Mittelmeertiefs vor allem die nördliche Adria betroffen ist, sind bei südlichen Zugbahnen der Tiefs hingegen Süddalmatien und Montenegro betroffen. Bora-Winde gibt es allerdings nicht nur an der Adria, sondern auch in anderen Regionen der Welt, wie zum Beispiel die russische Schwarzmeerküste bei Noworossijsk, auf der russischen Insel Nowaja Semlja im Nordpolarmeer, an der Norwegischen Westküste oder auch in der Kantō-Ebene in Japan.

Das Gewicht der Luft und der Luftdruck

Luftdruck

Neben Galileo Galilei erforschte auch der Magdeburger Physiker Otto von Guericke das Eigengewicht der Luft. Er kam zur Erkenntnis, dass Luft ein Gewicht haben müsse. Denn alles was eine Masse hat, wird von der Erde angezogen. Die Luft würde also davonfliegen, wenn sie kein Eigengewicht hätte, so seine Auffassung. Er wies anhand seiner zahlreichen Versuche mit Luft unter anderem nach, dass im Vakuum Kerzen nicht brennen und dass der Schlag auf eine Glocke keinen Klang erzeugt.

Gewicht der Luft

Ein Liter Luft wiegt 1,2 Gramm. Aber Luft wiegt nicht immer gleich viel, der Wert von 1,2 Kilogramm pro Kubikmeter gilt für sogenannte Normalbedingungen, also bei einer Temperatur von 20 Grad und auf Meeresniveau. Bei kälterer Luft sind die Luftmoleküle näher beisammen, weshalb die Luftdichte größer ist. Dies bedeutet nichts anderes, als dass kältere Luft schwerer als warme ist. Stehen wir also beispielsweise bei -20 Grad am Meer, wiegt dort ein Kubikmeter Luft bereits 1,4 Kilogramm. Als Luftdruck wird die Kraft bezeichnet, welche die Masse der Luft unter Einwirkung der Gravitationskraft auf eine Fläche ausübt. Eine vertikale Luftsäule, die sich vom Meeresniveau bis an den Rand der Atmosphäre erstreckt, übt auf eine Einheitsfläche einen Druck von durchschnittlich 1013,25 hPa aus.

Bodendruck- und Frontenkarte für Montag, 21. Februar 2022, 13:00 Uhr MEZ (Quelle: UBIMET)

Siedepunkt

Auf der Welt steht der Luftdruck nicht nur mit dem Wetter in Zusammenhang. Beispielsweise gilt der Siedepunkt des Wassers von 100°C nur bei Normalbedingungen, so kocht das Wasser etwa im Kern eines mächtigen Hochdruckgebiets erst bei einer Temperatur von knapp über 100 Grad. In einem Dampfdruckkochtopf wird noch größerer Druck hergestellt, damit stiegt die Siedetemperatur des Wassers gegen 130 Grad an! Mitten in einem umfangreichen Tiefdruckgebiets geht das Wasser dagegen schon knapp unterhalb von 100 Grad in den gasförmigen Aggregatzustand. Da der Luftdruck mit der Höhe nachlässt, siedet das Wasser auf den Bergen bei niedrigeren Temperaturen: Auf dem Hohen Dachstein sind es etwa 90 Grad und auf dem Mount Everest nur noch 70 Grad!


Drucktendenz

Bei täglichen Wetter kann der Blick aufs Barometer manchmal irreführend sein, denn auch bei vergleichsweise hohem Luftdruck kann sich das Wetter mitunter unbeständig präsentieren. Für das Wetter ist tatsächlich die Luftdruckänderung mit der Zeit viel aussagekräftiger als der absolute Luftdruck, wobei ein rascher Druckfall auf schlechtes Wetter hindeutet.
Titelbild: Adobe Stock

Spektakuläre Lichtsäulen in Kanada

Lichtsäule

Lichtsäulen entstehen durch die Spiegelung von Lichtquellen an hexagonalen Eisplättchen, die bei windschwachen Bedingungen langsam absinken bzw. in der Luft schweben und sich dabei vorzugsweise horizontal in der Luft ausrichten. Als Lichtquelle ist einerseits die Sonne geeignet, andererseits aber auch die Lichter einer Stadt. In diesen Tagen wurden in Alberta, Kanada, außergewöhnlich hohe Lichtsäulen beobachtet. Die Temperatur lag zu diesem Zeitpunkt knapp unter -20 Grad.

Diese Lichterscheinung ist nicht mit Polarlichtern zu verwechseln, welche in diesen Regionen ebenfalls häufig auftreten – allerdings in viel größeren Höhen. Anbei ein Bild mit Polarlichtern und Lichtsäulen aus Norwegen:

Light Pillars
Lichtsäulen in Kanada. Bild © Tree Tanner

Sonnensäule

Lichtsäulen werden häufig oberhalb der tiefstehenden Sonne beobachtet: Ausgehend von der Sonnenscheibe erstreckt sich ein linear ausgedehnter schmaler Lichtstreifen senkrecht nach oben bzw. in seltenen Fällen auch nach unten. Voraussetzung für diese sog. Sonnensäule sind allerdings ausgedehnte Cirruswolken bzw. Schleierwolken mit hexagonalen Eiskristallen.

Sonnenuntergang
Lichtsäule oberhalb der Sonne inkl Spiegelung im Wasser. Bild: Adobe Stock

Ein ähnliches Phänomen kann man übrigens auch auf einer leicht bewegten Wasserfläche beobachten, wenn die Sonne für einen „Glitzerpfad“ auf der Wasseroberfläche sorgt.

Titelbild: Adobe Stock

Stürmischer Winter 2021/22

Sturm

Der Winter 2021/22 zeichnet sich nicht nur durch mildes Wetter, sondern auch durch zahlreiche Tage mit stürmischen Böen aus, so gab es etwa in Wien schon 31 Tage mit Böen über 60 km/h. In einem gewöhnlichen Winter kommt Wien im Mittel auf 19 Tage, der Rekord aus dem Winter 1975/76 liegt bei 36 Tagen. Während dieser Rekord in Reichweite ist, war die bislang höchste Windspitze mit 102 km/h eher unauffällig und weit entfernt von jeglichen Rekorden (klimatologische Station Hohe Warte). Im Winter 2006/07 wurden hier mit Orkan Kyrill bis zu 122 km/h gemessen, im Winter 1975/76 mit dem Capella-Orkan sogar bis zu 135 km/h.

Sturm in Wien
Entwicklung der Tage mit Böen > 60, 70, 80 und 100 km/h in Wien (zum Vergrößern auf das Bild Klicken). © M.Salmi/UBIMET

Wenn man die Entwicklung der Tage mit stürmischem Wind pro Jahr in Wien seit 1951 beobachtet, fällt tendenziell eher eine geringfügige Abnahme auf, auch wenn es eine hohe jährliche bzw. sogar dekadische Variabilität gibt. Heuer spielt beispielsweise der außergewöhnlich stark ausgeprägte stratosphärische Polarwirbel eine entscheidende Rolle, der im Laufe des Winters zunehmend auch den troposphärischen Jetstream beeinflusst hat (positive Phase der Nordatlantischen Oszillation bzw. NAO).

Mittlerweile kann man bereits einige Wetterereignisse klar dem Klimawandel zuordnen, wie beispielsweise die Zunahme an winterlichen Wärmewellen und sommerlichen Hitzewellen, die im Mittel steigende winterliche Nullgradgrenze bzw. die abnehmende Schneemenge in tiefen Lagen. Oder auch die Zunahme an Starkregenereignissen, da wärmere Luft generell mehr Wasserdampf enthalten kann. Aber was ist mit dem Wind? Bei tropischen Wirbelstürmen spielen die Wassertemperaturen eine entscheidende Rolle, weshalb man davon ausgeht, dass der Klimawandel zu einer schnelleren Verstärkung der tropischen Wirbelstürme führt (die Wirbelstürme werden also kräftiger, aber die Anzahl bleibt ähnlich). Die Auswirkungen auf außertropische Tiefs sind allerdings komplexer.

Der Polarwirbel in der Stratosphäre ist heuer sehr stark und beeinflusst zeitweise den Jetstream. © stratobserve.com

Jetstream entscheidend

Für ausgeprägte Sturmlagen in den mittleren Breiten sind dynamische Wetterlagen mit einem starken, von West nach Ost ausgerichteten Jetstream erforderlich. Die Stärke des polarumlaufenden Jetstreams ist in erster Linie von den Temperaturunterschieden in der Atmosphäre zwischen den mittleren Breiten und den polaren Gebieten abhängig, wobei größere Temperaturunterschiede zu höheren Windgeschwindigkeiten in der Höhe führen.

Im Nordwesten war der westliche Höhenwind im Jahr 2022 bislang überdurchschnittlich stark, im Süden dagegen unterdurchschnittlich.

Durch den Klimawandel wird der Temperaturunterschied zwischen der Arktis und den Subtropen aber etwas geringer (die Arktis erwärmt sich gut dreimal schneller als der Rest der Welt), weshalb Studien darauf hindeuten, dass der Jetstream in den mittleren Breiten tendenziell ein wenig an Stärke verliert. Diese Ergebnisse sind allerdings noch nicht abgesichert, am Thema Jetstream, Polarwirbel und Klimawandel wird noch intensiv geforscht. So zeigt eine neue Studie, dass die abnehmende Eisausdehnung in der Arktis im Winter zu einer leichten Verschiebung des Jetstreams nach Süden führen könnte, diese ist aufgrund der hohen jährlichen Variabilität aber kaum mit Messungen feststellbar. Derzeit kann man jedenfalls keine Zunahme an Stürmen in Mitteleuropa nachweisen, sondern eher eine leichte Abnahme.

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Zunehmende UV-Strahlung ab dem Spätwinter

Sonne, Berge und Schnee sorgen besonders im Frühling für erhöhte Sonnenbrandgefahr - pixabay.com

Die UV-Strahlung ist eine für den Menschen unsichtbare, elektromagnetische Strahlung mit einer Wellenlänge, welche kürzer ist als diejenige des für den Menschen sichtbaren Lichts. Diese Strahlung trifft als kurzwelliger Anteil der Sonnenstrahlung auf die Ozonschicht der Erde auf und wird nur teilweise von dieser absorbiert. Während der UV-A Anteil (Wellenlänge 380 bis 315 Nanometer) zu großen Teilen von der Ozonschicht nicht absorbiert wird und somit bis zur Erdoberfläche durchkommt, nehmen die Ozonmoleküle zu 90 % den UV-B Anteil (Wellenlänge 315 bis 280 Nanometer) und gar zu 100 % den UV-C Anteil (Wellenlänge 280 bis 200 Nanometer) auf.

Vor allem UV-A-Strahlung dringt bis zum Erdboden durch.
Vor allem UV-A-Strahlung dringt bis zum Erdboden durch.

Gefahren

Bereits als kleines Kind lernt so gut wie jeder, dass zu viel Sonnenstrahlung schädlich für die Haut sein kann. Dabei sorgt insbesondere die zuvor erwähnte UV-A Strahlung bei einer zu hohen Dosis für lichtbedingte Hautausschläge und Sonnenallergien. Im fortgeschrittenen Alter führt dies vermehrt zu Hautalterung und Faltenbildung, zudem hinterlässt die Strahlung Schäden im Erbgut und erhöht die Hautkrebsgefahr teils deutlich. Für den Sonnenbrand ist allerdings die UV-B Strahlung verantwortlich, das heißt selbst wenn jemand keinen Sonnenbrand erlitten hat, sind andere Schäden, insbesondere Spätschäden, in der Haut nicht ausgeschlossen!

UV-Index

Gemessen wird die UV-Belastung mit dem sog. UV-Index. Er hängt vor allem vom Sonnenstand ab und ändert sich daher am stärksten mit der Jahreszeit, der Tageszeit und der geografischen Breite. Die Bewölkung und die Höhenlage eines Ortes spielen ebenfalls eine Rolle, sowie weiters auch die Gesamtozonkonzentration in der Atmosphäre, welche im Frühjahr je nach Wetterlage etwas variieren kann! In Mitteleuropa werden im Sommer Werte von 8 bis 9, in den Hochlagen der Alpen sogar bis 11 erreicht. Am Äquator können Werte von 12 und höher auftreten.

UV-Index und Schutzmaßnahmen - bfs.de
UV-Index und Schutzmaßnahmen – bfs.de
Maximal erreichbarer UV-Index in den Alpen im Laufe des Jahres (angenommen perfekt sonniges Wetter und Schnee auf den Bergen) - UBIMET
Maximal erreichbarer UV-Index in den Alpen im Laufe des Jahres (angenommen perfekt sonniges Wetter und Schnee auf den Bergen) – UBIMET

Schutz

Den besten Schutz erhält man durch die Bedeckung der Haut durch Textilien und das Tragen einer Kopfbedeckung. Zudem sollte besonders die Mittagssonne gemieden werden bzw. man sollte sich soviel wie möglich im Schatten von Sonnenschirmen oder natürlichen Schattengebern aufhalten. Besonders sehr helle Hauttypen besitzen eine Eigenschutzzeit von lediglich 5 bis 10 Minuten. Eine ergänzende, aber durchaus notwendige Maßnahme, stellt das Sonnenschutzmittel dar. Je höher der Lichtschutzfaktor, umso länger kann man sich, abhängig vom jeweiligen Hauttyp in der Sonne aufhalten. Nachcremen bzw. nach einer gewissen Dauer die Sonne meiden ist jedoch unumgänglich.

Aktuelle Infos zum UV-Index gibt es hier: http://www.uv-index.at/

Titelbild © pixabay.com

Hoch HOLM bringt einen Hauch von Frühling

Ski und Sonnenschein

Am Dienstag zieht an der Alpennordseite eine schwache Warmfront durch, dabei frischt vom östlichen Mostviertel bis zum Neusiedler See neuerlich kräftiger Westwind mit stürmischen Böen auf. Aus Westen setzt sich aber zunehmend hoher Luftdruck durch und der Wind lässt im Laufe der Nacht langsam etwas nach.

Sonnig und mild

Der Mittwoch beginnt vom Innviertel bis ins Nordburgenland mit Restwolken, diese lockern aber noch am Vormittag langsam auf. Tagsüber ist der Himmel im westlichen Bergland meist sogar wolkenlos, nur vom Mühl- bis ins Weinviertel ziehen zeitweise noch ein paar Wolkenfelder durch. Bei nachlassendem Westwind steigen die Temperaturen auf sehr milde 7 bis 15 Grad mit den höchsten Werten vom Steirischen Hügelland bis zur niederösterreichischen Thermenlinie. In 2000 m Höhe liegen die Temperaturen tagsüber zwischen 3 und 7 Grad bzw. in 3000 m Höhe um +1 Grad. Skifahrer und Tourengeher sollten sich durch das sonnige Wetter aber nicht zu unüberlegten Abfahrten verleiten lassen: Die Lawinengefahr bleibt erheblich, die Schneedecke ist vor allem nordseitig weiterhin sehr störanfällig!

Die Lawinengefahr ist regional groß! © www.lawinen.at

Teils hohe Pollenbelastung

Auch der Donnerstag hat ruhiges und freundliches Wetter zu bieten, lokale Nebelfelder lichten sich rasch und bei nur harmlosen Wolken scheint verbreitet die Sonne. Bei meist nur schwachem Wind erreichen die Temperaturen 6 bis 14 Grad. In den Niederungen muss man allerdings mit dem ersten Belastungsgipfel durch Hasel- und Erlenpollen rechnen, ganz besonders im Donauraum und im Südosten. Zu Saisonbeginn kann das Immunsystem von Pollenallergikern besonders empfindlich reagieren, zudem können auch Birkenpollenallergiker durch Kreuzreaktion betroffen sein.

Pollen
Haselpollen. © AdobeStock

Auf HOLM folgt INGO

Am Freitag zieht eine Kaltfront mit etwas Regen bzw. oberhalb von etwa 600 bis 800 m Schnee durch, die Mengen halten sich jedoch in Grenzen. Bereits am Samstag setzt sich dann schon das nächste Hoch namens INGO durch und sorgt am Wochenende für viel Sonnenschein. Die Temperaturen sind aber tiefer als zuletzt und liegen am Samstag meist zwischen 1 und 6 Grad.

Der Fahrplan für den Rest der Woche: Nach der Kaltfront am Freitag folgt ein weiteres Hoch. © FU Berlin/ DWD /UBIMET

Titelbild © AdobeStock

Die Semesterferien bringen oft sonniges und mildes Wetter

Skifahrer genießen im Liegestuhl am Berg den Sonnenschein © pixabay/sunyela

Nach der ausgeprägten Nordwestlage zum Monatswechsel liegt in den Alpen mittlerweile recht verbreitet durchschnittlich bzw. regional wie etwa auf dem Seefelder Plateau auch überdurchschnittlich viel Schnee. Anbei eine Auswahl an aktuellen Schneehöhen:

  • 132 cm Lech am Arlberg
  • 92 cm Hochfilzen
  • 85 cm Seefeld
  • 85 cm Saalbach
  • 66 cm Ramsau am Dachstein
  • 53 cm Mariazell
  • 52 cm Krimml
  • 40 cm Dellach im Drautal
  • 36 cm Windischgarsten
  • 30 cm Lunz am See
Aktuelle Schneelage in Leutasch. © Land Tirol

Am Wochenende Sonne und Wolken

Nach Durchzug einer schwachen Kaltfront scheint am Samstag häufig die Sonne. Nur im Donauraum und im Nordosten ziehen untertags bei teils kräftigem Westwind auch dichtere Wolkenfelder durch. Die Temperaturen erreichen 2 bis 10 Grad. Der Sonntag bringt vor allem im Süden zeitweiligen Sonnenschein, an der Alpennordseite ziehen dagegen zeitweise ausgedehnte, hochliegende Wolken durch. Ab dem Nachmittag verdichten sich die Wolken zunehmend und am Abend breitet sich an der Alpennordseite bei neuerlich kräftig auffrischendem Westwind Regen bzw. oberhalb von etwa 800 bis 1100 m Schneefall aus.

Turbulenter Wochenbeginn

Zu Beginn der kommenden Woche zieht die Kaltfront eines Skandinavientiefs durch und in den Alpen fällt anfangs verbreitet Regen bzw. oberhalb von etwa 500 bis 800 m Schnee. In den Nordalpen sind auf den Bergen recht verbreitet 30 bis 60 Neuschnee in Sicht. Auch abseits der Alpen ziehen ein paar Regen- und Graupelschauer durch, dazu weht verbreitet kräftiger Nordwestwind mit teils stürmischen Böen. Die Lawinengefahr bleibt erheblich, Wintersportler sollten auf den gesicherten Pisten bleiben. Die Temperaturen erreichen von Nord nach Süd 5 bis 11 Grad, am Abend beruhigt sich das Wetter.

Neuschneemengen von Sonntag- bis Montagabend. © Ubimet

Zur Wochenmitte sehr mild

Am Dienstag gerät der Alpenraum zunehmend unter Hochdruckeinfluss und aus Westen erfassen milde Luftmassen das Land. Die Temperaturen steigen deutlich an, zur Wochenmitte liegt die Nullgradgrenze in gut 3000 m Höhe. Skifahrer können sich also auf frühlingshaftes Wetter mit viel Sonnenschein freuen. In der zweiten Wochenhälfte lässt der Hochdruckeinfluss langsam nach, vorerst setzt sich das milde Wetter aber fort. Die Höchstwerte liegen in tiefen Lagen meist um oder oberhalb der 10-Grad-Marke bzw. am Mittwoch und Donnerstag im Südosten auch bei 15 Grad.

Gutes Skiwetter in den Alpen, © www.foto-webcam.eu

Neuer Rekord: längster Blitz mit 768 Kilometern

Gewitter

Der längste jemals gemessene Blitz hat sich laut der UN-Wetterorganisation WMO über 768 Kilometer erstreckt. Das entspricht in etwa der Entfernung von Wien bis nach Hamburg. Die Entladung ereignete sich am 29. April 2020 zwischen den US-Staaten Texas, Louisiana und Mississippi. Der Blitz erstreckte sich überwiegend horizontal innerhalb der Wolken auf der Rückseite einer ausgedehnten Gewitterlinie, welche an jenem Tag von den Großen Ebenen zum Golf von Mexiko gezogen ist.

Der längste Blitz (in weiß) wurde auf der Rückseite innerhalb der Gewitterwolke erfasst, die höchste Blitzdichte (farbig) gab es dagegen im vorderen Teil der Gewitterlinie. © NOAA
Radarbild der Gewitterlinie am 29. April 2020. © NOAA / UBIMET

Als bisheriger Rekordhalter galt ein Blitz mit 709 Kilometern über Südbrasilien im Oktober 2018. Der geostationäre Satellit GOES-16 ist allerdings erst seit dem Jahr 2017 operativ, entsprechend ist die Messreihe noch nicht besonders lang (mehr zum Messverfahren folgt unten).

17 Sekunden

Die WMO hat auch einen neuen Rekord für den am längsten dauernden Blitz bestätigt: Ein Blitz über Uruguay am 18. Juni 2020 dauerte ganze 17,1 Sekunden. Auch in diesem Fall handelte es sich um einen Blitz, der sich über mehrere hundert Kilometer innerhalb eines Gewitterkomplexes quer über dem Südwesten Uruguays erstreckte. Als bisherige Rekordhalter galt ein 16,7 Sekunden dauernder Blitz über Nordargentinien im März 2019.

Der Blitz mit der längsten Dauer (weiß) und die Blitzdichte (farbig). © NOAA

Voraussetzungen

Solche zeitlich und räumlich extreme Blitze treten im Zuge von großräumigen Gewitterkomplexen mit zahlreichen eingelagerte Gewitterkernen auf, Meteorologen sprechen auch von „mesoskaligen konvektiven Systemen“. Während im vorderen, aufwind-dominierten Teil der Gewitterwolken viele Bodenblitze auftreten, welche meist eine Länge von nur wenigen Kilometern aufweisen, kann es auf der Rückseite zu sehr vielen Entladungen innerhalb der Gewitterwolken kommen. Die „Rekordblitze“ setzen sich also aus unzähligen kleineren, sich fortpflanzenden Entladungen zusammen (auch mit eingelagerten Bodenblitzen), welche aber laut Satellitenanalyse eine durchgehende Verbindung aufgewiesen haben.

Messungen nur in Amerika

Die Messung dieser Blitze erfolgte nicht mittels klassischer, bodenbasierter Blitzortung, sondern über den Satellit GOES-16.  Dieser geostationäre Satellit wurde erstmals mit einem optischen Blitzsensor im NIR-Band ausgestattet (Nahinfrarot) namens Geostationary Lightning Mapper (GLM). Dieser Sensor erfasst Informationen wie die Häufigkeit, den Ort und das Ausmaß von Blitzentladungen mit einer räumlichen Auflösung von etwa 10 km und einer Rate von 500 Bildern pro Sekunde . Derzeit werden davon Nord- und Südamerika sowie die angrenzenden Ozeangebiet abgedeckt, in Europa wird es solche Daten voraussichtlich ab 2023 geben (Meteosat Third Generation). Man kann davon ausgehen, dass annähernd ähnlich lange Blitze am ehesten im Mittelmeerraum im Zuge von besonders heftigen Gewitterlagen möglich sind.

Regionen, wo sog. „Megaflashes“ aufgetreten sind in den Jahren 2018 und 2019. © BAMS 102, 3; 10.1175/BAMS-D-20-0178.1

Weitere Infos sowie eine Animation gibt es hier.

Blitz
Ein Wolkenblitz. © AdobeStock

Tief NADIA bringt im Nordosten schwere Sturm- und lokal Orkanböen

Sturm Orkan

Deutschland liegt derzeit eines Tiefs namens MARIA mit Kern über Russland, das besonders von Bayern bis in die Lausitz für unbeständige und windige Wetterverhältnisse sorgt.

Bodenwetterkarte am Samstag. © FU Berlin

Auf MARIE folgt NADIA

Nach einer vorübergehenden Pause gelangt Deutschland am Samstag unter den Einfluss eines Skandinavientiefs namens NADIA, dessen Warmfront im Tagesverlauf das Land überquert. Im Laufe der zweiten Tageshälfte erfasst aus Norden die Kaltfront das Land und der Wind frischt stark bis stürmisch aus West bis Nordwest auf.

Sturmwarnungen für den Sonntag, 30.1.2022. © www.uwr.de

Sturmflut und Orkanböen

In der Nacht zum Sonntag legt der Wind im Nordosten weiter zu, besonders in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns sind auch schwere Sturmböen bzw. in exponierten Lagen von Warnemünde bis nach Rügen auch Orkanböen um 120 km/h zu erwarten. An der Nordsee muss man zudem mit einer Sturmflut rechnen. Am Sonntag tagsüber zeichnen sich dann auch im Osten schwere Sturmböen zwischen 80 und 100 km/h ab.

Prognose der Windspitzen am Sonntag. © UBIMET

Schneechaos: Bis zu 40 cm in Athen

Athen im Winter

Am vergangenen Wochenende hat ein Tief namens IDA mit Kern über Russland einen markanten Kaltlufteinbruch in Südosteuropa eingeleitet. Am Rande davon kam es auch Österreich zu teils kräftigem Schneefall in den Nordalpen, der Kern der Kaltluft hat aber die Ukraine und Südosteuropa getroffen. Mittlerweile ist hat sich das Tief vom Jetstream abgeschnürt und liegt nun als umfangreiches, abgetropftes Höhentief über der Ägäis bzw. dem Schwarzen Meer.

Der Kaltlufteinbruch in Südosteuropa wurde durch ein blockierendes Hoch über Westeuropa begünstigt.
Schnee in Athen. © D. Klapanaras

Schneegewitter

Unter Tiefdruckeinfluss hat die Kaltluft im Zusammenspiel mit dem relativ milden Wasser der Ägäis zu einer labilen Schichtung der Luft geführt, weshalb es zu zahlreichen Gewittern kam. Diese wurden mit der nordöstlichen Höhenströmung am Montagabend nach Mittelgriechenland bzw. Athen gelenkt, ähnlich wie es manchmal auch im Bereich der Großen Seen in den USA passiert (dort spricht man auch von „lake-effect snow“).

24h-Blitzentladungen bis Dienstagmorgen. © UBIMET

Lake-effect snow

Das Phänomen „lake-effect snow“ tritt  allgemein im Bereich von sehr großen Seen sowie auch Meeren auf, wo man es dann korrekterweise „sea-effect snow“ nennen muss. Typische Beispiele sind etwa das Japanische Meer bzw. der Norden Japans oder auch das Schwarze Meer und die Nordtürkei. Manchmal kann es aber auch an der Nord- und Ostsee sowie an der Westküste der Adria in Italien dazu kommen. Auch in Griechenland sind solche Lagen nicht ganz unbekannt, so gab es etwa in Mittelgriechenland sowie vorübergehend auch in Athen zuletzt erst am 14. Februar 2021 Schneefall. Am 23. Februar 2019 kam es vor allem in der nördlichen Ägäis zu starkem Schneefall, etwa auf der Insel Limnos und Samothraki kam es zu Blizzard-ähnlichen Bedingungen.

Schneechaos

Der starke Schneefall hat rund um Athen zu einem Verkehrskollaps geführt. In diesen Regionen herrscht keine Winterreifenpflicht und es gibt auch vergleichsweise wenig Räumfahrzeuge. Dadurch mussten tausende Autofahrer die Nacht in ihren Autos verbringen, teils sogar mehr als 20 Stunden lang. Mittlerweile ist auch das Militär im Einsatz, um die Straßen wieder frei zu bekommen. Am Hauptstadtflughafen wurden zahlreiche Flüge gestrichen, zudem stürzten mancherorts Bäume durch die Schneelast auf Stromleitungen, weshalb es auch zu einigen Stromausfällen kam.

Athen ist derzeit die schneereichste Hauptstadt Europas:

  • 40 cm Athen (Tatoi)
  • 30 cm Athen (Flughafen)
  • 16 cm Helsinki
  • 13 cm Sofia
  • 12 cm Oslo
  • 4 cm Belgrad
  • 4 cm Sarajevo
  • 2 cm Zagreb
  • 1 cm Warschau

Mehr Schnee liegt nur in Moskau mit 45 cm.

Schnee in Athen. © P. Goulas

Schneegewitter auch in Istanbul

Auch die Türkei hat derzeit mit dem Wintereinbruch zu kämpfen. Die türkische Metropole Istanbul wurden am Montagabend ebenfalls von Schneegewittern getroffen, hier wurden 25 cm Schnee gemeldet. Der Flughafen wurde komplett gesperrt, erst im Laufe des Dienstags soll der Betrieb wieder aufgenommen werden.

Titelbild © AdobeStock

Lawinen – die weiße Gefahr

Lawinen die weiße Gefahr

Derzeit herrscht in den Alpen vom Tiroler Unterland bis zu den Wiener Alpen verbreitet Lawinenwarnstufe 3 bzw.  oberhalb der Waldgrenze von den Ybbstaler Alpen und dem Hochschwab bis zum Rax-Schneeberg-Gebiet sogar Lawinenwarnstufe 4. Es ist also größte Vorsicht abseits der Pisten geboten!

Eine Schneebrettlawine. © Nikolas Zimmermann
Schneebrettlawinen auf einer Schwachschicht im Schnee. Bild © N. Zimmermann

Verschiedene Typen von Lawinen

Bei den meisten Lawinen handelt es sich um sog. Schneebrett- oder Lockerschneelawinen. Schneebretter kennzeichnen sich durch einen linienförmigen Abriss quer zum Hang aus, dabei rutscht eine ganze Schneeschicht auf einer anderer oder auf dem Grund ab. Wenn die gesamte Schneedecke am Boden abgleitet, spricht man auch von Gleitschneelawinen. Lockerschneelawinen haben ihren Ursprung in einem einzelnen Punkt, sie nehmen beim Abgang immer mehr Schnee auf und wachsen daher rasch an. Vor allem bei mildem Wetter im Winter sowie generell im Frühjahr auf Südhängen kommt es vermehrt zu Nassschneelawinen: Hauptauslöser ist dabei flüssiges Wasser, welches die Bindung innerhalb der Schneedecke schwächt. Staublawinen sind dagegen vergleichsweise selten und treten meist nur bei markanten Lagen mit sehr viel Neuschnee auf.

Eine kleine Lockerschneelawine. © Nikolas Zimmermann
Eine kleine Lockerschneelawine. Bild © N. Zimmermann

Hangneigung und Schneemenge

Grundsätzlich ist eine gewisse Masse an Schnee notwendig, die sich an einem Hang mit einer Neigung von etwa 30° oder mehr ansammelt. Je größer die Neigung, desto öfter ist mit Lawinenabgängen zu rechnen. Andererseits können sich gerade auf nur mäßig steilen Hängen besonders große Schneemengen ansammeln, weshalb hier besonders viele Unfälle passieren. Ist der Hang zudem nach Norden ausgerichtet und damit weniger der Sonneneinstrahlung ausgesetzt, kann sich eine Schneedecke schlechter stabilisieren und eine mögliche Gefahrenstelle bleibt länger bestehen. Bei Lawinenwarnstufe 3 sind in vielen Fällen besonders schattige Nordhänge oberhalb der Waldgrenze zu meiden!

Beispielbild eines Schneebretts @ https://pixabay.com/de/users/hans-2/
Eine Gleitschneelawine in steilem Gelände.

Schwachschichten

Fällt viel Neuschnee in kurzer Zeit, ist dieser mit einer vorhandenen, bereits gesetzten Schneedecke vorübergehend schlecht verbunden. Erst nach ein paar Tagen – je nach Höhe und Exposition – kann sich der Neuschnee setzen und mit dem Altschnee verbinden. Auch ohne Neuschnee können die verschiedenen Schneeschichten allerdings große Unterschiede in der Beschaffenheit aufweisen, beispielsweise kann es zu einem Festigkeitsverlust in einer Schneeschicht durch die sogenannte aufbauende Schneeumwandlung kommen. Zudem kann es auch eingelagerte Schwachschichten geben wie eingeschneiter Oberflächenreif. Manchmal reicht dann bereits ein geringes Zusatzgewicht wie beispielsweise ein Skifahrer aus, um eine Schneeschicht ins Rutschen zu bringen.

Staublawinen treten nur bei markanten Lagen mit viel Neuschnee auf.

Faktor Wind

Der Wind spielt für Lawinen eine ganz entscheidende Rolle: Verfrachteter Schnee lagert sich auf windabgewandten Seiten von Hängen ab und es bilden sich Treibschnee und Schneewächten. Diese sind in der Regel für ein paar Tage nur schlecht verbunden zur unteren Schneeschicht und sind somit besonders leicht zu stören. Wenn Triebschnee von frischem Neuschnee überlagert wird und somit schlecht zu erkennen ist, dann ist die Lage besonders brenzlig.

Wind und Schnee © Nikolas Zimmermann
Wind und Schnee stellen eine gefährliche Kombination dar. Bild © N. Zimmermann

Foto: Kecko on Visual Hunt / CC BY

Am Samstag in den Alpen starker Schneefall

Schneefall im Westen

Zwischen einem Hoch über den Britischen Inseln namens ERICH und einem Tief über Russland mit dem Namen IDA liegt Österreich derzeit unterm dem Einfluss einer kräftigen, nördlichen Höhenströmung. In der Nacht auf Samstag zieht aus Norden eine Warmfront auf, die in weiterer Folge kaum mehr ostwärts vorankommt und als Luftmassengrenze quer über dem Osten des Landes zum Liegen kommt. Vor allem im zentralen und östlichen Bergland ist somit kräftiger Schneefall in Sicht.

Mit der Warmfront gelangt feuchte Luft zu den Alpen. © FU Berlin / DWD

Starker Schneefall

In der Nacht auf Samstag setzt im Norden verbreitet Schneefall ein, der sich in der zweiten Nachthälfte auf den Osten ausbreitet. Dazu frischt neuerlich kräftiger Westwind mit teils stürmischen Böen auf, am Alpenostrand zeichnen sich stellenweise Schneeverwehungen ab. Am Samstag in der Früh schneit es an der Alpennordseite und im Osten verbreitet und vor allem von den Kitzbüheler Alpen bis ins Mariazellerland kräftig. Im Donauraum und im Wiener Becken ist sind recht verbreitet 3 bis 6 cm zu erwarten. Tagsüber gehen im Osten nur noch einzelne Schauer nieder, in den Nordalpen fällt dagegen weiterhin anhaltend Schnee mit den größten Niederschlagsraten vom Kaiserwinkl bis in die nördliche Obersteiermark. Die Schneefallgrenze steigt im westlichen Donauraum langsam gegen 300 bis 400 m an. Weitgehend trocken bleibt es von Lienz über das Klagenfurter Becken bis ins die Südweststeiermark.

Vor allem im zentralen und östlichen Bergland schneit es am Samstag intensiv. © UBIMET

Vom östlichen Tiroler Unterland über die Salzburger Gebirgsgaue bis in die Obersteiermark und zum Semmeringpass sind recht verbreitet 20 bis 40 cm Neuschnee zu erwarten, im Dachsteingebiet sowie rund um den Hochschwab kommt sogar ein halber Meter Neuschnee zusammen, damit ist hier mit starken Behinderungen im Straßen- und Bahnverkehr zu rechnen, zudem sind mancherorts Stromausfälle in Folge von Schneebruch möglich. Im Hochgebirge fällt teils bis zu 1 Meter Neuschnee, was in Kombination mit dem teils stürmischen Nordwestwind zu einer stark ansteigenden Lawinengefahr führt. Deutlich geringer bleiben die Schneemengen dagegen im westlichen Bergland.

Am Sonntag im Westen Besserung

Am Sonntag fällt vom Kaiserwinkl ostwärts zeitweise noch etwas Regen und Schnee, wobei die Schneefallgrenze zwischen tiefen Lagen im äußersten Osten und etwa 400 bis 500 m im Norden liegt. Die Mengen halten sich aber meist in Grenzen, nur noch vom Gesäuse bis zum Wienerwald sind nennenswerte Mengen in Sicht, wobei der Schnee in den Tälern zunehmend feucht wird. Von Innsbruck westwärts bleibt es bereits trocken.

Zweiteilung zu Wochenbeginn

Der Montag verläuft zweigeteilt: Von Vorarlberg bis Kärnten scheint häufig die Sonne, im Norden und Osten dominieren dagegen die Wolken und von der Eisenwurzen ostwärts regnet oder schneit es zeitweise mit leichter bis mäßiger Intensität. Die Schneefallgrenze liegt weiterhin zwischen tiefen Lagen im äußersten Osten und etwa 500 m im Mostviertel.

18. Januar: Jahrestag von Orkan Kyrill und Friederike

Kyrill Wetterkarte

Kyrill

Am 18. Januar 2007 zog das Orkantief Kyrill vom Atlantik über die Nordsee hinweg in Richtung Baltikum. Orkanböen richteten in weiten Teilen Mitteleuropas schwere Schäden an,  dabei kamen europaweit 47 Menschen ums Leben, davon allein in Deutschland 13. In vielen Regionen gab es Stromausfälle und der Zugverkehr wurde in ganz Deutschland erstmals wegen eines Orkans eingestellt. Nach Angaben des Gesamtverbandes der Versicherer beliefen sich die Schäden allein in Deutschland auf etwa 4,7 Milliarden Euro. Vor allem in den Wäldern von Nordrhein-Westfalen bis nach Sachsen kam es zu erhebliche Schäden, örtlich wurden ganze Waldstücke umgelegt.

Schäden durch Orkan Kyrill
Typisches Bild von Windbruch durch Kyrill (hier im Thüringer Wald). © Michael Sander

Spitzenböen auf den Bergen in Deutschland:

  • 201 km/h Wendelstein
  • 198 km/h Brocken
  • 184 km/h Fichtelberg
  • 178 km/h Großer Kornberg
  • 176 km/h Zugspitze
  • 169 km/h Großer Arber
  • 166 km/h Feldberg im Schwarzwald

Auch im Flachland kam es allerdings zu Orkanböen, ganz besonders mit Durchzug der Kaltfront. Diese sorgte in den zentralen Landesteilen für eine ausgeprägte Gewitterlinie, dabei kam es sogar zu mehreren Tornados.

Orkanböen in den Niederungen (Auswahl):

  • 150 km/h Eppendorf (Sachsen)
  • 148 km/h Bad Liebenwerda  (Brandenburg)
  • 146 km/h Berlin-Adlershof (Berlin)
  • 144 km/h Flughafen Düsseldorf (NRW)
  • 137 km/h Fürstenzell (Bayern)
  • 133 km/h Chemnitz (Sachsen)
  • 133 km/h Flensburg (Schleswig-Holstein)
  • 130 km/h Wolfsbrug (Niedersachsen)
  • 130 km/h Flughafen Köln-Bonn (NRW)
  • 122 km/h Flughafen Dresden (Sachsen)
  • 119 km/h Flughafen Erfurt (Thüringen)
  • 119 km/h Flughafen München (Bayern)
  • 119 km/h Aachen (NRW)
  • 118 km/h Karlsruhe (B-W)
Schäden durch Kyrill
Schäden durch Kyrill. Photo: pittigliani2005; Visual Hunt / CC BY-NC-ND

Friederike

Der Tiefkern von Orkan Friederike zog am 18. Januar 2018 von England über Norddeutschland nach Polen hinweg. Besonders betroffen vom Sturmfeld waren NRW, das südliche Niedersachsen, Nordhessen, das südliche Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. Auf dem Brocken wurden 203 km/h gemessen, aber auch im Flachland gab es Orkanböen bis zu 138 km/h. Der Fernverkehr der DB wurde landesweit eingestellt und in manchen Bundesländern auch der Regionalverkehr. Der Orkan forderte mindestens 8 Todesopfer und der versicherte Schaden betrug eine Milliarde Euro. In der Mitte Deutschlands war es das stärkste Sturmereignis seit Kyrill.

Spitzenböen auf den Bergen:

  • 203 km/h Brocken
  • 174 km/h Fichtelberg
  • 158 km/h Zugspitze

Spitzenböen in den Niederungen (Auswahl):

  • 138 km/h Gera (Thüringen)
  • 134 km/h Frankenberg-Geismar (Hessen)
  • 130 km/h Erfurt (Thüringen)
  • 130 km/h Flughafen Leipzig/Halle (Sachsen)
  • 126 km/h Flughafen Münster/Osnabrück (NRW)
  • 122 km/h Werl (NRW)
  • 122 km/h Dresden (Sachsen)
  • 116 km/h Flughafen Düsseldorf (NRW)
Orkan Friederike
Böen am 18. Januar 2018. © UBIMET

Kyrill und Friederike stellen zwei außergewöhnliche Ereignisse dar. Orkan Kyrill war allerdings wesentlich großräumiger als Friederike, so beeinflusste sein Sturm- und Orkanfeld ganz Deutschland und weite Teile Mitteleuropas. Friederike beeinflusste in erster Linie die Niederlande und den Streifen von NRW bis nach Sachsen in Deutschland.

Tief HANNELORE sorgt für stürmischen Wochenbeginn

Sturm

Der Alpenraum liegt derzeit zwischen einem umfangreichen Hoch über Westeuropa namens DIETER und reger Tiefdruckaktivität über Osteuropa bzw. Russland. Am Montag zieht ein Tief mit dem Namen HANNELORE von Skandinavien nach Russland und die Druckgegensätze in Österreich nehmen deutlich zu. Das sorgt besonders im Osten für stürmisch auffrischenden Westwind.

Bodenwetterkarte am Montag. © UBIMET

Örtlich schwere Sturmböen

Am Montag weht von Oberösterreich bis ins Nordburgenland von Beginn an kräftiger Westwind und auch von Osttirol bis ins Grazer Bergland kommt gebietsweise kräftiger, föhniger Nordwestwind auf. Tagsüber legt der Wind besonders in Niederösterreich, Wien und dem Nordburgenland weiter zu, hier muss man am Nachmittag verbreitet mit Sturmböen zwischen 70 und 90 km/h rechnen. Vor allem in der Thermenregion sowie in Teilen Wiens zeichnen sich örtlich auch schwere Sturmböen um 100 km/h ab und auf den Bergen gibt es von den Niederen Tauern ostwärts Orkanböen.

Prognose der Windspitzen am Montag. © UBIMET

Bei vielen Wolken fällt zudem vor allem vom Kaiserwinkl bis ins Mariazellerland immer wieder Regen bzw. oberhalb von 400 bis 700 m Schnee. Gegen Abend ziehen mit Durchzug der Kaltfront des Tiefs auch im Osten Regen- und Schneeschauer durch, dabei lässt der Wind etwas nach. Die Höchstwerte liegen zuvor von Nord nach Südost zwischen 1 und 10 Grad.

Sturmwarnung für Montag. © www.uwz.at
Sturmwarnung für Montag. © www.uwz.at

Am Dienstag Wetterberuhigung

Am Dienstag halten sich im Norden weiterhin dichte Wolken und vom Salzkammergut bis ins Mariazellerland schneit es anfangs noch leicht. Sonst bleibt es meist trocken und tagsüber kommt zeitweise die Sonne zum Vorschein. Anfangs weht noch lebhafter Nordwestwind, am Nachmittag lässt der Wind nach. Die Höchstwerte liegen zwischen 1 und 8 Grad. Zur Wochenmitte sorgt Hochdruckeinfluss wieder für ruhiges und nach Nebelauflösung oft sonniges Wetter. Am Donnerstag kündigt sich an der Alpennordseite dann die nächste Kaltfront mit Schnee- und Graupelschauern sowie teils stürmischen Windböen an.

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Sturm, Orkan und die Beaufortskala

Sturm Orkan

Phänomenologisch beschreibt die Beaufortskala die Wirkung der Windgeschwindigkeit, sowohl auf dem Land als auch auf dem Meer, in 13 Stärken bzw. Stufen von 0 (= Windstille, Flaute) bis 12 (= Orkan).

Beaufort
km/h Bezeichnung der Windstärke Bezeichnung des Seegangs Wirkung auf dem Land
0 0-1 Windstille, Flaute völlig ruhige, glatte See keine Luftbewegung
1 1-5 leichter Zug Ruhige, gekräuselte See kaum merklich, Windfahnen unbewegt
2 6-11 leichte Brise schwach bewegte See Blätter rascheln, Wind im Gesicht spürbar
3 12-19 schwache Brise schwach bewegte See Blätter und dünne Zweige bewegen sich
4 20-28 mäßige Brise leicht bewegte See Zweige bewegen sich
5 29-38 frische Brise mäßig bewegte See größere Zweige und Bäume bewegen sich, Wind deutlich hörbar
6 39-49 starker Wind grobe See dicke Äste bewegen sich, hörbares Pfeifen
7 50-61 steifer Wind sehr grobe See Bäume schwanken, Widerstand beim Gehen gegen den Wind
8 62-74 stürmischer Wind mäßig hohe See große Bäume werden bewegt, beim Gehen erhebliche Behinderung
9 75-88 Sturm hohe See Äste brechen, kleinere Schäden an Häusern, beim Gehen erhebliche Behinderung
10 89-102 schwerer Sturm sehr hohe See Bäume werden entwurzelt, Baumstämme brechen, größere Schäden an Häusern; selten im Landesinneren
11 103-117 orkanartiger Sturm schwere See heftige Böen, schwere Sturmschäden, schwere Schäden an Wäldern, Gehen ist unmöglich; sehr selten im Landesinneren
12 >117 Orkan außergewöhnlich schwere See schwerste Sturmschäden und Verwüstungen; sehr selten im Landesinneren

Sturm und Orkan

Als Sturm werden mittlere Windgeschwindigkeiten (über 10 Minuten gemessen) von mindestens 75 km/h oder 9 Beaufort bezeichnet. Wenn ein Sturm eine Windgeschwindigkeit von mindestens 118 km/h oder 12 Beaufort erreicht, spricht man hingegen von einem Orkan. Erreicht der Wind nur kurzzeitig Sturmstärke, also für wenige Sekunden, so spricht man von Sturmböen bzw. ab 118 km/h von Orkanböen. Beispielsweise wenn der Wind im Mittel mit 45 km/h weht, es aber Böen von 75 km/h gibt, handelt es sich nicht um einen Sturm, sondern um starken Wind mit Sturmböen. Manche Wetterdienste sprechen von einem Sturmtief allerdings bereits ab mittleren Windgeschwindigkeiten der Stärke 8  bzw. von einem Orkantief ab mittleren Windgeschwindigkeiten der Stärke 11.

Francis Beaufaurt

Die Beaufortskala verdankt ihren Namen den britischen Hydrographen Francis Beaufort, der die Skala 1806 das erste mal in dieser Form veröffentlichte. Gute 30 Jahre später wurde die Skala dann von der britischen Admiralität als verbindlich eingeführt, allerdings ohne auf Beaufort Bezug zu nehmen. Erst 1906 machte der britische Wetterdienst diese als ‚Beautfortskala‘ bekannt.

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Der Wind und die Böen

Neben der Richtung und der mittleren Geschwindigkeit zählt auch die Böigkeit zu den Eigenschaften des Windes. Als Böe oder Bö bezeichnet man einen kräftigen Windstoß, der zum Teil auch mit einer Variation der Windrichtung verbunden sein kann. Böen können sehr überraschend auftreten, obwohl es kurz zuvor fast windstill war. Im unteren Windgeschwindigkeitsbereich ist die Böigkeit vor allem für Segler und Flugsportler relevant, bei Gewittern, Böenwalzen und großräumigen Stürmen ist sie aber für das Schadenpotential entscheidend. Die zu erwartenden Schäden nehmen im Kubik mit der Windgeschwindigkeit zu!

Mittelwind und Windböen

Der mittlere Wind ist der Durchschnitt über ein gewisses Zeitintervall, in der Regel sind das 10 Minuten. Bei einer Böe muss nun per Definition diese mittlere Windgeschwindigkeit um mindesten 5 m/s überschritten werden (das sind 18 km/h oder auch 10 Knoten) – und dies für mindestens 3 und höchstens 20 Sekunden (Definition nach deutschem Wetterdienst). Man kann den Wind in unterschiedlichen Einheiten angeben, besonders oft werden Knoten, Stundenkilometer und Beaufort verwendet. Hier gibt es mehr Infos zur: Die Beaufortskala.

Windverlauf am Säntis, 4.1.2022, schwarze Linie: Böen, blaue Linie: Mittelwind. Graphik: Meteonews

Reibung und Turbulenz

Warum ist der Wind nicht konstant, sondern variabel? Das hat mehrere Ursachen. In der freien Atmosphäre ist die Strömung typischerweise ziemlich gleichmäßig und wenig turbulent. Sie verläuft in Schichten (parallele Stromlinien), die sich nicht miteinander vermischen. Man nennt dieses Eigenschaft laminar. In den unteren Luftschichten nimmt aber der Einfluss des Erdbodens und damit die Reibung zu, die Strömung wird turbulenter. Die Turbulenz an sich ist ein dreidimensionaler und chaotischer Prozess. Man kann sich das auch als Verwirbelung vorstellen. Dabei gibt es eine Kaskade von großen Wirbeln hin zu immer kleineren Strukturen (bis hinunter zur Reibung und Bewegungsenergie der Luftteilchen, und damit letzten Endes Wärme).

Falschfarbenbild einer turbulenten Strömung, Quelle: Wikipedia

Die Luft verhält sich quasi wie Wasser. In einem großen Fluss oder Kanal fließt das Wasser wesentlich ruhiger und glatter als beispielsweise in einem Wildbach. Je komplizierter die Orographie und die Strukturen an der Oberfläche sind, umso turbulenter und umso unberechenbarer wird die Strömung (Meeresoberfläche vergleichsweise glatt, Hügel und bebautes Terrain rau).

Zunahme mit der Höhe

Die Windgeschwindigkeit nimmt in der Regel mit der Höhe rasch zu, die größte Änderung gibt es in der Grund- oder Grenzschicht. Das sind die untersten 1 bis 2 Kilometer der Atmosphäre. Für fachlich interessierte Leser – auch hier kann man noch einmal in drei Regionen unterscheiden. Die untersten Millimeter, wo sich Atmosphäre und Erboden berühren, nennt man die viskose Unterschicht. Hier gibt es typischerweise wenig Turbulenz, Prozesse auf molekularer Ebene sind entscheidend. Für den Alltag und die Böigkeit wichtiger ist die darüber liegende Prandtl-Schicht. Sie erstreckt sich bis in eine Höhe von rund 100 Metern. Hier gibt es bereits viel Turbulenz, die Windgeschwindigkeit nimmt mit der Höhe rasch zu, die Windrichtung ist aber noch nahezu konstant. In der darüber anschließenden Ekman-Schicht steigen die Windgeschwindigkeiten weiter an, aber auch die Windrichtung beginnt zu drehen.

Durchmischung

Die stärkeren Winde in der Höhe können unter gewissen Voraussetzung heruntergemischt werden, dabei spielt die thermische Schichtung eine große Rolle. Ist die Schichtung stabil (keine großen Temperaturunterschiede in der Höhe, im Extremfall auch Kaltluftseen), so passiert dies weniger effektiv. Im umgekehrten Fall, nämlich bei labiler Schichtung oder guter thermischer Durchmischung, funktioniert das wesentlich besser. Wirbelstrukturen können bis zum Erdboden durchgreifen und hier für einen sprunghaften Anstieg der Windgeschwindigkeiten sorgen.

Und dieses sprunghafte Ansteigen, der abrupte Wechsel, ist im Hinblick auf das Schadenspotential entscheidend! Hohe, aber konstante Windgeschwindigkeiten sind weniger problematisch als eine starke Änderung derselben. Bildlich kann man sich einen Baum vorstellen, der sich im Wind biegt. Solange der Wind sich nicht ändert, passiert zunächst nicht viel. Variiert nun aber die Geschwindigkeit und/oder die Richtung, dann kann das den Baum entwurzeln, den Stamm knicken oder durch Torsion zerstören. Ähnlich verhält es sich auch bei Gebäuden.

Sturmschaden - umgestürzter Baum

Am Montag etwas Neuschnee in den Nordalpen

Schnee und Schneefahrbahn

Österreich liegt derzeit unter dem Einfluss eines sich auflösenden Tiefs namens DOREEN mit Kern über der Nordsee, welches aus Westen feuchte Luftmassen in den Alpenraum führt. Am Montag geraten wir unter den Einfluss einer nördlichen Höhenströmung und die feuchte Luft wird gegen die Nordalpen gedrückt.

An den Alpen staut sich aus Norden feuchte Luft (in grün). © ECMWF / UBIMET

An der Alpennordseite dominieren am Montag die Wolken und vom Tiroler Unterland über das Salzkammergut bis in den Wienerwald schneit es zeitweise. Auch im Norden und Osten fällt gelegentlich etwas Schnee bzw. unterhalb von etwa 300 m Regen. Die größten Niederschlagsmengen sind vom Salzkammergut über die Eisenwurzen bis ins Mariazellerland zu erwarten, besonders in den Ybbstaler Alpen sind um die 20 cm Neuschnee zu erwarten. Weitgehend trocken und zeitweise sonnig verläuft der Tag hingegen im Süden, am Nachmittag lockert es mit lebhaftem Nordwestwind auch im östlichen Flachland langsam auf. Die Höchstwerte liegen zwischen -2 Grad in den Kitzbüheler Alpen und +5 Grad im Grazer Becken.

Neuschneeprognose für Montag. © UBIMET

Hoch breitet sich aus

In den kommenden Tagen etabliert sich über Nordeuropa ein Hochdruckgebiet und im Alpenraum stellt sich eine nordöstliche Höhenströmung ein. Diese führt kühle und vor allem im Osten auch trockene Luftmassen ins Land. Auf den Bergen sowie im Osten ist somit sonniges Winterwetter in Sicht, im Westen und Norden sowie in Unterkärnten muss man allerdings gebietsweise mit zähem Hochnebel rechnen.

Titelbild © AdobeStock

Jänner 2019: Schneemassen in den Nordalpen

Schnee am Auto

Durch eine gut zwei Wochen anhaltende, nasskalte Nordlage gab es im Jänner 2019 an der Alpennordseite außergewöhnliche Neuschneemengen. Zur Monatsmitte lagen in den Tälern der Nordalpen oberhalb von etwa 700 m recht verbreitet 1 bis 2 Meter Schnee, stellenweise wurden auch neue Schneehöhenrekorde für den Jänner aufgestellt wie etwa in Reutte mit 116 cm. Auch bei den 15-tägigen Neuschneesummen vom 1. bis 15. Jänner wurden mancherorts Rekordwerte aufgestellt:

  • 451 cm Hochfilzen (Messungen seit 1971)
  • 283 cm Seefeld (Messungen seit 1895)
  • 263 cm Lofer (Messungen seit 1971)
  • 240 cm Abtenau (Messungen seit 1964)
  • 168 cm Kufstein (Messungen seit 1923)
Hoher Luftdruck über dem Ostatlantik hat zu einer anhaltenden Nordlage geführt (im Bild: Druckanomalien in der ersten Jännerhälfte 2019). © NOAA

Auf den Bergen türmten sich die Schneemassen teilweise bis zu 5 Meter in die Höhe, wie etwa am Loser im Toten Gebirge am 10.1.2019. Diese enormen Schneemengen führten im Zusammenspiel mit dem zeitweise starken Wind zur höchsten Lawinenwarnstufe 5, das Hochkar bzw. die Göstlinger Katastralgemeinde Lassing in Niederösterreich wurde zum Katastrophengebiet erklärt. Dadurch kam es zu weitreichenden Straßensperren und einige Orte waren für Tage von der Außenwelt abgeschnitten. Das Bundesheer war vielerorts im Einsatz um etwa Dächer freizuschaufeln und Straßen zu räumen.

In den Nordalpen liegen vielerorts mehr als 2 m Schnee
Schneehöhen am 10. Jänner 2019. © UBIMET

Vergleich max. Schneehöhen im Jänner 2019 vs. Jänner 2022:

Station Max Schneehöhe Jänner 2019 Max Schneehöhe Jänner 2022 (vorläufig)
Schröcken (V) 213 cm 64 cm
Seefeld (T) 157 cm 27 cm
Hochfilzen (T) 218 cm 21 cm
Windischgarsten (OÖ) 112 cm 5 cm
Lunz am See (NÖ) 110 cm 2 cm
Abtenau (S) 112 cm 8 cm
Reutte (T) 116 cm 8 cm
Innsbruck (T) 45 cm 0 cm
Furkajoch am und am 11.1.2019 und am 7.1.2022. © www.foto-webcam.eu



Kaltfront beendet am Mittwoch winterliche Wärmewelle

Wind un Kälte, der Windchill-Effekt - pixabay.com

Der Jahreswechsel und die ersten Tage des neuen Jahres verliefen unter dem Einfluss subtropischer Luftmassen außergewöhnlich mild. Auf den Bergen und im Osten lag die Temperatur bis zu 13 Grad über dem klimatologischen Mittelwert. An einzelnen Wetterstationen hat diese winterliche Wärmewelle auch zu neuen Monatsrekorden geführt, wie etwa auf der Hohen Wand mit 18,0 Grad, in St. Anton am Arlberg mit 11,9 Grad oder auch auf der Rudolfshütte in 2.317 m Höhe mit 8,5 Grad. Anbei ein paar eingestellte bzw. neue Monatsrekorde:

  • 18,0 Grad Hohe Wand (NÖ)
  • 14,3 Grad Tannheim (T)
  • 11,9 Grad St. Anton am Arlberg (T)
  • 10,5 Grad Obertauern (S)
  • 10,4 Grad Galtür (T)
  • 8,5 Grad Rudolfshütte (S)
  • 5,6 Grad Pitztaler Gletscher (T)
Temperaturabweichung zu Neujahr. © UBIMET

Nicht nur Österreich war von dem milden Wetter betroffen, sondern weite Teile Mitteleuropas. In Summe wurden unzählige neue Tagesrekorde gebrochen, wie u.a. zu Silvester bzw. Neujahr in Wien, Eisenstadt, Berndorf, Krems, Wiener Neustadt, Reichenau an der Rax, Köflach, Gleisdorf oder auch Wörterberg.

Temperaturabweichungen in Europa in den ersten 54 Stunden des neuen Jahres. © K. Haustein

Kaltfront in Sicht

Am Dienstag zieht über Deutschland ein Randtief namens ANNETTE durch und von Vorarlberg bis ins Wald- und Weinviertel fällt zeitweise Regen. Tagsüber wird es in den Alpen vorübergehend föhnig und vor allem in den Nordalpen nochmals sehr mild: Die Temperaturen erreichen bis zu 14 Grad in Vorarlberg. Nur in Unterkärnten bleibt es bei hochnebelartigen Wolken weiterhin kühl. In der Nacht zieht aus Westen dann eine Kaltfront auf und im Zusammenspiel mit einem Italientief verläuft der Mittwoch verbreitet trüb und nass. Die Schneefallgrenze sinkt im Tagesverlauf von 1000 m allmählich gegen 400 m ab. Vor allem in Kärnten wird es gegen Abend auch in tiefen Lagen wieder winterlich. Auf den Bergen schneit es gebietsweise kräftig, so kündigen sich etwa im Arlberggebiet und in den Hohen Tauern 30 bis 50 cm Neuschnee an.

Neuschneeprognose für Mittwoch. © UBIMET

Spürbare Abkühlung

Am Dreikönigstag gehen an der Alpennordseite ein paar Schneeschauer nieder, im Süden und Südosten kommt dagegen zeitweise die Sonne zum Vorschein. Die Temperaturen erreichen -1 Grad in den Nordalpen und bis zu +7 Grad im Südosten. Der Freitag verläuft unter Zwischenhocheinfluss nach Nebelauflösung oft sonnig und winterlich, so liegen die Temperaturen mit -4 bis +3 Grad wieder im Bereich der langjährigen Mittelwerte. Nur im äußersten Westen ziehen tagsüber Wolken auf und am Abend zeichnet sich leichter Schneefall ab. Mittelfristig ist derzeit weder ein markanter Kaltlufteinbruch noch eine weitere Wärmewelle in Sicht.

Temperaturtrend in der freien Atmosphäre im Osten Österreichs. © ECMWF

Titelbild © pixabay.com

Schneebringer Adria

Winter und Schnee

Wenn kalte Luftmassen westlich der Alpen in den Mittelmeerraum vordringen, bewirken sie dort in der Regel die Bildung eines Tiefdruckgebiets. Diese sogenannten Italientiefs führen oft sehr feuchte Luftmassen nach Österreich und manchmal ziehen sie in weiterer Folge über die Adria hinweg nach Nordosteuropa. Dann bestehen auch im Osten und Südosten Österreichs die größten Chancen auf Schneefall. Allgemein kann man zwischen zwei typischen Wetterlagen unterscheiden, welche im Süden bzw. Osten mit großen Niederschlagsmengen verbunden sind:

  • Ergiebiger Südstau
  • Vb-Tief („Fünf-b-Tief“)

Ein weiterer Spezialfall ist die sog. Gegenstromlage, mehr dazu findet ihr hier.

Südstau

Nahezu ortsfeste Tiefdruckgebiete über dem westlichen Mittelmeerraum sorgen in Österreich für eine anhaltende Südströmung. Bevor die Luft auf die Alpen prallt, nimmt sie über dem Mittelmeerraum viel Feuchtigkeit auf und wird in weiterer Folge vor allem in den Karnischen und Julischen Alpen sowie in den Hohen Tauern wie ein Schwamm ausgepresst (weitere Details dazu gibt es hier). In Österreich sind davon vor allem Osttirol und Oberkärnten betroffen. Besonders im Herbst sorgen Kaltluftvorstoße über den noch relativ milden Gewässern rund um Italien zudem für eine labile Schichtung der Luft, weshalb die Niederschläge besonders intensiv ausfallen.  Trotz der eigentlich recht milden Luftmasse kann die Schneefallgrenze dabei bis in manche Tallagen absinken: Die Schmelzwärme des Schnees, die der Umgebung entzogen wird, sorgt nämlich in engen Tälern für eine Abkühlung der Luft bis auf 0 Grad.

Tief VAIA sorgt für Wetterextreme in Mitteleuropa.
Tiefs über dem westlichen Mittelmeerraum sorgen für Südstau (Bild: Sturm VAIA).

Vb-Tief

Wenn sich Tiefdruckgebiete von Norditalien über Slowenien und Ungarn in Richtung Baltikum verlagern, sprechen Meteorologen von einem Tief mit einer Vb-Zugbahn („Fünf-b-Tief“). Solche Tiefdruckgebiete bringen vor allem im Südosten und Osten Österreichs teils große Regen- oder Schneemengen: Feuchte Adrialuft gleitet nämlich bei solchen Wetterlagen oft auf kühle Luftmassen in tiefen Schichten auf, weshalb die gesamte Luftsäule Temperaturen um oder knapp unterhalb des Gefrierpunkts aufweist.

Vb-Tief
Bereits vor über 100 Jahren hat Van Bebber die häufigsten Tief-Zugbahnen analysiert.

Schnee und Klimawandel

Die Klimawandel sorgt bekanntermaßen für steigende Temperaturen im Alpenraum, weshalb die Anzahl an Tagen mit einer Schneedecke besonders in tiefen Lagen deutlich abnimmt: Die winterliche Nullgradgrenze ist in den letzten 50 Jahren im Mittel um etwa 250 m angestiegen. Dieser Trend wird sich fortsetzen, so wird die Nullgradgrenze wohl noch vor 2050 im Winter durchschnittlich über einer Seehöhe von 1000 m liegen. Dadurch nimmt die Länge des Winters ab, gemessen an der Tage mit Schneedecke: Der Schnee kommt später und schmilzt früher. Etwa in Arosa in der Schweiz hat sich die Periode mit einer Schneedecke von mindestens 40 cm bereits von fünfeinhalb Monaten auf etwas mehr als drei Monate verkürzt. Studien aus der Schweiz zeigen, dass derzeit Lagen unterhalb von 1300 m davon besonders stark betroffen sind, während es in Lagen oberhalb von etwa 2000 m keinen klaren Trend gibt.

Klimawandel in Arosa
Mittlerer Verlauf der Schneehöhe in Arosa. Mehr Details dazu gibt es hier: Meteoschweiz

Extremereignisse

Besonders in den Alpen kann es in manchen Jahren aber zu Extremereignissen kommen, wie wir es etwa im Jänner 2019 an der Alpennordseite oder im November 2019 sowie Dezember 2020 in den Südalpen erlebt haben. Tatsächlich kann mildere Luft nämlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte, zudem sorgen die steigenden Wassertemperaturen rund um Mitteleuropa (Nordsee, Mittelmeer) bei Kaltluftvorstoßen für eine labile Schichtung der Luft. Bei manchen Wetterlagen kann es also besonders von mittleren Höhenlagen aufwärts ergiebig schneien, zudem kann die Schneefallgrenze durch die Niederschlagskühlung auch im Einflussbereich relativ milder Luftmassen manchmal bis in windgeschützte Täler absinken. Dadurch nimmt die Gefahr von Schneebruch und Gleitschneelawinen tendenziell zu. Laut manchen Studien soll es zudem auch eine Zunahme an blockierten Wetterlagen geben, was ebenfalls größere Niederschlagsextreme zur Folge hat. Andererseits kann es aber je nach Lage der Tiefs und Hochs auch zu ungewöhnlich langen trockenen Phasen kommen.

Titelbild © www.foto-webcam.eu

Die markantesten Unwetter im Jahr 2021 in Österreich

Jahreszeiten

Das Jahr 2021 ist in wenigen Stunden Geschichte und wir blicken zurück auf ein abwechslungsreiches Jahr mit einigen Unwettern. Anbei folgt eine Auswahl an besonders markanten Wetterlagen in den vergangenen 365 Tagen, auf die wir etwas näher eingehen wollen:

  • 14.1. Starker Schneefall im Westen
  • 17.2 Gefrierender Regen im Osten
  • 2.5. Sturm im Wiener Becken
  • 21. bis 24.6. Gewitter mit Hagel in Ober- und Niederösterreich
  • 13. bis 18.7. Tief BERND bringt Hochwasser und Gewitter
  • 30.7. Unwetter in Graz
  • 5. bis 9.12. Schnee in ganz Österreich
  • 23.12. Gefrierender Regen im Norden und Osten

14.1. Starker Schneefall im Westen

Der erste Monat des Jahres brachte vor allem im Süden und Westen große Neuschneemengen. Ein Italientief sorgte gleich zu Beginn des Monats im Süden und Südwesten für große Niederschlagsmengen, bis zu knapp einem Meter Neuschnee fiel in Osttirol und Oberkärnten. Zur Monatsmitte sorgte eine nahezu stationäre Luftmassengrenze dann vor allem in Westösterreich, in der Schweiz und in Südwestdeutschland für anhaltenden und teils starken Schneefall. In Gaschurn gab es 66 cm Neuschnee innerhalb von nur 24 Stunden und selbst im Rheintal fiel fast ein halber Meter Schnee. Auch Bregenz und Innsbruck haben im Jänner mehr Schnee ausgefasst als sonst in einem ganzen Winter.

17.2. Gefrierender Regen im Osten

Der Februar verlief deutlich wärmer als im langjährigen Mittel, zum Monatsende wurde sogar reihenweise neue Rekorde aufgestellt wie etwa in Bregenz, Wien und Zwettl. Zwischen dem 11. und 15.2. gab es aber einen sehr kalten Abschnitt, dabei wurde mit -29,4 Grad am Dachstein auch die tiefste Temperatur des Jahres verzeichnet. Diese kalte Phase wurde am 17. durch eine Warmfront mit gefrierendem Regen im Osten beendet, auch in der Landeshauptstadt kam es dabei auf einigen Gehwegen zu Glatteis.


2.5. Tief DANIEL bringt Sturm in Wien

Der April war heuer kühl und frostreich, in Summe handelt es sich österreichweit um den kühlsten April seit 1997 und den ersten zu kühlen Monat seit Mai 2020. Lokal wurden sogar neue Monatsrekorde aufgestellt wie etwa in Bad Mitterndorf mit -11,8 Grad. Auch der Mai verlief kühler als im langjährigen Mittel, zudem gab es gleich zu Monatsbeginn einen außergewöhnlichen Sturm: Tief DANIEL brachte am 2.5. in Wien orkanartige Böen bis 112 km/h bzw auf der Jubiläumswarte sogar 124 km/h, was dem schwersten Maisturm seit Aufzeichnungsbeginn entspricht. Auch wenn der Monat in Summe kühl verlief, sorgte der Föhn für sehr warme Abschnitte: In der Nacht auf den 10. gab es im Rheintal die erste Tropennacht und am 10. wurde in Salzburg der erste Hitzetag verzeichnet.

21-24.6. Gewitter mit Hagel und Sturm

Vom 21. bis zum 24 bzw. im Südosten auch 25. Juni wurden in Österreich mehr als 240.000 Blitzentladungen erfasst. Vor allem in Ober- und Niederösterreich sowie örtlich auch in der Steiermark gab es teils schwere Unwetter mit großem Hagel. Etwa am 22.6. wurde das Oberösterreichische Seengebiet besonders heftig getroffen, als eine Superzelle mit Sturmböen und großem Hagel vom Flachgau über Gmunden bis  in den Raum Sierning zog.

Der Höhepunkt der Unwetterlage wurde am 24.6. erreicht, als es in Oberösterreich sowie auch in Teilen Niederösterreichs und Wiens Superzellen mit teils sehr großem Hagel gab. Eines dieser Gewitter sorgte knapp hinter der Grenze zu Tschechien sogar für einen sehr starken  F4-Tornado mit einer Zugbahn von etwa 26 km! In dieser Woche wurde laut der Österreichischen Hagelversicherung mit 28 Millionen Euro Gesamtschaden in Ober- und Niederösterreich eine neuer Negativrekord aufgestellt.

13.-18.7. Tief BERND bringt Starkregen

Mitte Juli sorgte das nahezu ortsfeste Tief BERND für eine schwere Hochwasserkatastrophe in Westdeutschland, Belgien und den Niederlande mit mehr als 200 Todesopfern und Schäden in Milliardenhöhe.



Österreich war davon zunächst nur marginal betroffen, vom 16. bis zum 18. kam es dann aber auch entlang der Nordalpen zu ergiebigem Regen, in Melk wurden beispielsweise 170 mm in 48 Stunden gemessen. Einige Flüsse führten Hochwasser und es kam zu Überflutungen und Vermurungen.


Im Osten Österreichs gab es Gewitter mit Starkregen, so kam es auch in Teilen Wiens zu Überflutungen. Im Orbi-Tower in Wien-Erdberg wurden zwei unterirdische Geschosse komplett geflutet und das Hochhaus steht aufgrund des Schadens in Millionenhöhe weiterhin leer.

30.7. Unwetter in Graz

Der heißeste Tage des Jahres wurde mit bis zu 37,1 Grad in Wien sowie am Neusiedler See der 8. Juli. Im Süden bleibt der Sommer aber vor allem für Trockenheit und vergleichsweise wenig Gewitter in Erinnerung, allerdings wurde Graz am 30. Juli noch von einem schweren Unwetter getroffen. Innerhalb von nur einer Stunde wurden dabei 61 mm Regen gemessen, in wenigen Stunden sogar 112 mm. Den gesamten Sommerrückblick gibt es hier: 1,4 Millionen Blitze im Sommer 2021.

Anfang Dezember: Verbreitet Schnee

Nach einem milden und gebietsweise sehr trockenem Herbst (in der Südsteiermark gab es Mitte September noch einen Hitzetag und in Wien wurde sogar noch eine Tropennacht verzeichnet) und nur einem nennenswerten Sturm am 30. November stellte sich die Wetterlage pünktlich zu Winterbeginn um. Ein Italientief brachte am 5. Dezember in Kärnten, in den Hohen Tauern sowie im Oberen Murtal kräftigen Schneefall, in Klagenfurt wurden 32 cm gemessen. Ein weiteres Italientief versorgte am 9. Dezember das gesamte Land mit Schnee, selbst in Teilen Wiens wurden 15 cm gemessen.


23.12. Gefrierender Regen im Norden & Osten

Das winterliche Wetter im Flachland währte nicht lange und noch vor Weihnachten gelangten schubweise immer mildere Luftmassen ins Land. Von Oberösterreich bis ins östliche Flachland kam es dabei mehrmals zu gefrierendem Regen. Nach Weihnachten gelangte vorübergehend nochmals kontinentale Kaltluft in die Osthälfte des Landes, dabei kam es im Norden streckenweise erneut zu Glatteis.

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In Wien mildester Jahreswechsel seit mindestens 80 Jahren

Wien zu Silvester

Österreich liegt in den kommenden Tagen unter dem Einfluss einer milden Westströmung, welche subtropische Luftmassen ins Land führt. Zu Silvester gerät das Land zudem unter den Einfluss eines Hochs namens CHRISTINE, somit machen die Restwolken im Norden und Osten sowie auch die Nebelfelder in manchen Tal- und Beckenlagen tagsüber immer häufiger der Sonne Platz. Die Temperaturen steigen verbreitet auf frühlingshaft anmutende 10 bis 17 Grad, nur in den Niederungen Kärntens und in schattigen Tallagen liegen die Höchstwerte stellenweise um 5 Grad.

Subtropische Luft erreicht den Osten Österreichs. © NOAA

Jahr klingt ruhig und trocken aus

Der Jahreswechsel gestaltet sich zumindest vom Wetter her trocken und vor allem in den Alpen und im Osten ist der Himmel oft sogar sternenklar. Der Wind frischt vom Mostviertel über das Wiener Becken bis ins Nordburgenland lebhaft bis kräftig aus West auf, in der zweiten Nachthälfte sind von der Hohen Wand bis in die Thermenregion stellenweise auch stürmische Böen zu erwarten. In Oberösterreich sowie im Most- und Waldviertel ziehen dagegen hochnebelartige Wolken durch und in den südlichen Becken bildet sich streckenweise Nebel. Vor allem im Norden und Osten verläuft die Nacht zudem sehr mild, leicht frostig wird es nur in Kärnten sowie in höheren Tallagen der Nordalpen.

Temperaturprognose Jahreswechsel

Extrem milder Jahreswechsel im Wiener Becken

Der zunehmende Wind treibt die Temperaturen in der Silvesternacht in die Höhe: Um Mitternacht liegen die Temperaturen im Wiener Becken oft zwischen 10 und 13 Grad. Damit kündigt sich in der Landeshauptstadt der mildeste Jahreswechsel seit mindestens dem Jahre 1941 ab: Wenn man die Temperaturen um exakt 0 Uhr betrachtet, erlebten die Wiener den bislang mildesten Jahreswechsel mit rund 9 Grad um 0 Uhr am 1.1.1987. Dieser Wert dürfte heuer überboten werden. Den kältesten Jahreswechsel in Wien gab es dagegen am 1.1.1997 mit -9,4 Grad.

Temperaturen zum Jahreswechsel in Wien seit 1941. © M. Salmi / UBIMET

Zu Neujahr im Süden und Westen oft sonnig

Am Samstag, Neujahr, ziehen im Norden und Nordosten kompakte Wolken durch, bis auf vereinzelte Regentropfen bleibt es aber trocken und im Tagesverlauf kommt im östlichen Flachland zeitweise die Sonne zum Vorschein. Von Vorarlberg bis ins Südburgenland überwiegt meist der Sonnenschein, nur in den Niederungen kann sich stellenweise Nebel halten. Im Nordosten weht anfangs kräftiger Nordwestwind, der tagsüber nachlässt. Die Temperaturen liegen weiterhin über dem jahreszeitlichen Mittel mit maximal 4 bis 15 Grad. Eine Abkühlung ist nach derzeitigem Stand erst gegen Mitte der kommenden Woche in Sicht.

Temperaturtrend in Wien in der freien Atmosphäre. © ECMWF

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Bergwetter am Wochenende

Sonne, Berge und Schnee sorgen besonders im Frühling für erhöhte Sonnenbrandgefahr - pixabay.com

Freitag, 31. Dezember 2021

Der Freitag beginnt vom Salzkammergut ostwärts mit einigen Restwolken und in manchen Tallagen sowie in den südlichen Becken wie etwa in Unterkärnten hält sich Nebel. Tagsüber setzt sich allgemein trockenes und häufig sonniges Wetter durch, in den Alpen ist der Himmel oft wolkenlos. Auch in der Silvesternacht bleibt es in den Alpen meist trocken und vielerorts auch sternenklar. Der Wind weht lebhaft bzw. in den Hochlagen zeitweise kräftig aus West bis Nordwest. In der Nacht gibt es von den Fischbacher Alpen bis in den Wienerwald dann stürmische Böen. Die Temperatur erreicht in 3.000 Meter Höhe 0 bis +3 Grad, in 2.000 Meter Höhe liegen die Höchstwerte zwischen 6 Grad am Schneeberg und 10 Grad am Arlberg.

Samstag, 1. Jänner 2022

Am Samstag, Neujahr, ziehen von den Berchtesgadener Alpen über die nördliche Obersteiermark bis zum Semmering-Wechsel-Gebiet anfangs teils kompakte Wolken durch, bis auf vereinzelte Regentropfen bleibt es aber trocken. Von Vorarlberg und dem Allgäu über die Tauern bis nach Kärnten und zum Grazer Bergland scheint dagegen bei höchstens harmlosen Schleierwolken oft die Sonne, nur in den Niederungen hält sich anfangs Nebel. Tagsüber lockert es auch im östlichen Bergland auf, nur vom Toten Gebirge bis zu den Gutensteiner Alpen bleibt es überwiegend bewölkt. Der Wind weht von den Tauern bis an den Alpenostrand kräftig mit Sturmböen aus Nordwest, im Laufe der zweiten Tageshälfte lässt er dann langsam nach. Die Höchstwerte liegen in 3.000 m Höhe zwischen -1 und +2 Grad, in 2.000 m gibt es von Ost nach Südwest 2 bis 7 Grad.

Sonntag, 2. Jänner 2022

Der Sonntag beginnt im Bergland oft noch sonnig, im Flach- und Hügelland sowie in einigen Tälern häufig trüb durch Nebel oder Hochnebel. Tagsüber ziehen von Westen her auch über dem Nebel immer mehr Wolken durch, meist bleibt es aber trocken und vor allem inneralpin sowie im Süden freundlich. Die meisten Sonnenstunden sind in den Südalpen und am Alpenostrand zu erwarten, aber auch am Alpenhauptkamm überwiegt meist der freundliche Eindruck. Der Wind weht mäßig, in den westlichen Nordalpen auch lebhaft aus westlicher Richtung. Die Temperatur erreicht in 3.000 Meter Höhe -1 bis +2 Grad, auf 2.000 m liegen die Höchstwerte zwischen 5 und 9 Grad.

Bergwetter-Tipp:

In den Alpen kann man sich in der Silvesternacht recht verbreitet auf sternenklaren Himmel und milde Temperaturen freuen. Selbst in 2.000 Meter Höhe liegen die Temperaturen um Mitternacht deutlich über 0 Grad, so erwarten wir etwa auf der Schmittenhöhe und am Galzig +5 Grad und selbst auf der Rudolfshütte +3 Grad. Leicht frostig wird es nur in den Niederungen in Kärnten sowie in einzelnen, höheren Tallagen der Nordalpen. Extrem mild verläuft die Nacht im Wiener Becken: Bei föhnigem Westwind liegen die Temperaturen zum Jahreswechsel zwischen 10 und 13 Grad!

Temperaturprognose für den Jahreswechsel (zum Vergrößern auf das Bild klicken). © UBIMET

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