Die Schafskälte

Meteorologisch gesehen ist die Schafskälte eine sogenannte Singularität, also ein Witterungsereignis, welches in einem begrenztem Zeitraum immer wieder an einem ähnlichen Datum auftritt. Bei der Schafskälte handelt es sich um einen Kälterückfall in Mitteleuropa im Frühsommer, meist im Zeitraum zwischen dem 4. und 20. Juni. Dieser findet allerdings nicht in jedem Jahr statt. Heuer ist die Schafskälte im Alpenraum relativ pünktlich eingetroffen, so gab es am Sonntag besonders von Graubünden bis nach Vorarlberg Schnee teils bis 1200 m herab. Eine ähnliche Singularität stellen im Mai übrigens die Eisheiligen dar.

Kälte und Schafe?

Dieser Kaltlufteinbruch ist weniger im Flachland sondern vielmehr in höheren Lagen im Gebirge von Bedeutung, was auch zum Namen dieser Wetterlage führt. Denn zu dieser Zeit findet vielerorts traditionell der Albauftrieb der bereits geschorenen Schafe statt. Damit kann der Kälteeinbruch den Tieren in hochgelegenen Almgebieten durchaus bedrohlich werden, da dieser teils auch mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und mitunter auch mit Schnee bis in mittlere Höhenlagen einhergeht.

Unregelmäßiges Ereignis

Im Laufe des Junis erfassen zwar immer wieder kühle Luftmassen Mitteleuropa, allerdings gibt es kein fixes Datum für die Schafskälte. So führten Auswertungen der Jahre 1881 bis 1947 mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von über 80 Prozent zu einer Häufung um den 11. Juni, allerdings auch mit einer Streuung vom 4. bis zum 20 Juni. Etwas neuere Analysen aus den Jahren 1986 bis 1991 ergeben für das Auftreten dieser Singularität im Mittel die Zeit vom 11. bis zum 20 Juni. Auch eine Analyse der MeteoSchweiz zeigt, dass die Analyseperiode für den Zeitpunkt sowie die Dauer der Schafskälte eine wesentliche Rolle spielt, so war sie etwa in Davos am stärksten im Zeitraum 1931 bis 1960 ausgeprägt.