Herbst: Unwettersaison am Mittelmeer

Blitz am Meer

Die Gewittersaison in Mitteleuropa geht durchschnittlich von Mai bis August. In dieser Jahreszeit liefert die Sonne die nötige Energiemenge, um den Boden und somit auch die untersten Luftschichten derart zu erwärmen, dass die Luftschichtung labil wird. Im Spätsommer und Herbst verlagert sich der Schwerpunkt der Gewittertätigkeit immer weiter südwärts.

Zunehmender Tiefdruckeinfluss

Im Sommer liegt Südeuropa häufig unter dem Einfluss der subtropischen Hochdruckgebiete, welche sich von den Azoren und Nordafrika nordwärts ausbreiten. Dies sorgt für trockenes und heißes Sommerwetter. Im Herbst verlagert sich der Jetstream im Mittel langsam südwärts und die Ausläufer des subtropischen Hochdruckgürtels werden nach Nordafrika abgedrängt. Die Tiefdrucktätigkeit nimmt zu, so stellen Herbst und Winter im Mittelmeer auch die nasseste Zeit des Jahres dar.

In Barcelona ist der Oktober der nasseste Monat des Jahres.
In Barcelona ist der Oktober der nasseste Monat des Jahres.
Im Herbst fällt der meiste Niederschlag in Dubrovnik
In Dubrovnik fällt vor allem im November viel Regen.

Labile Schichtung der Luft

Der zunehmende Tiefdruckeinfluss im Herbst sorgt für die ersten markanten Kaltluftvorstoße bis in den Mittelmeerraum, was hier in Zusammenspiel mit den milden Wassertemperaturen zu einer labilen Schichtung der Luft führt. Im folgenden Bild sieht man die mittlere, potentiell verfügbare Energie für Konvektion bzw. vertikale Luftmassenbewegung (CAPE), welche ein wichtiges Maß für Gewitter darstellt: Während im Sommer das Mittelmeer eher stabilisierend wirkt und CAPE vor allem im Landesinneren wie etwa in Norditalien und Südosteuropa vorhanden ist, verlagert sich der Schwerpunkt im Herbst ins Mittelmeer und die angrenzenden Küstenregionen.

Im Herbst ist die Luftschichtung im Mittelmeer labil.
Mittlere, potentiell verfügbare Energie für Konvektion im Juni und September. © Tilev-Tanriöver

Unwettersaison

Der Spätsommer und Frühherbst stellen vor allem im nördlichen Mittelmeer die gewitteranfälligste Zeit des Jahres dar. Das zentrale Mittelmeer ist besonders im Laufe des Herbsts von Unwettern betroffen, während es im äußersten Süden und Osten meist erst im Winter der Fall ist. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen einer Studie des ESWD wider, welche die Monate mit den meisten Tagen mit Tornados zeigt: In Mitteleuropa ist dies im Hochsommer der Fall, in Südeuropa dagegen im Herbst.

Im Mittelmeer gibt es im Herbst die meisten Tagen mit Tornados
Der Monat des Jahres mit den im Mittel meisten Tagen mit Tornados. © ESWD

Warmes Mittelmeer

Die Wassertemperaturen im Mittelmeer nehmen im Zuge der globalen Erwärmung langsam zu, so gab es auch im 2019 von Mitte Juni bis jetzt überdurchschnittliche Wassertemperaturen.

Mittlere Wassertemperatur im Vergleich zum Mittel. © CEAM
Mittlere Wassertemperatur im Vergleich zum Mittel. © CEAM

Auch im langjährigen Trend seit 1982 kann man eine Zunahme der mittleren Wassertemperaturen beobachten, was für die angrenzenden Länder eine steigende Gefahr darstellt. Die Unwettersaison wird nämlich tendenziell länger und intensiver, denn je wärmer das Wasser im Herbst ist, desto mehr Energie steht für Unwetter zur Verfügung. Besonders bei auflandigem Wind unter Tiefdruckeinfluss besteht dann die Gefahr von Sturzfluten und Hochwasser.

Klimastreifen für das Mittelmeer. © CEAM
Entwicklung der Wassertemperatur im Vergleich zum Mittel 1982-2011. © CEAM

Italien sehr exponiert

Italien ist für Starkregen besonders anfällig, da es einerseits nahe einer der wichtigsten Geburtsstätten für Tiefdruckgebiete im Golf von Genua liegt, andererseits weil es hier aufgrund der geographischen Form immer exponierte Gebiete mit auflandigem Wind gibt – unabhängig von der exakten Lage der Tiefs. Weiters sorgen die Alpen und die Apenninen stets für Staueffekte beim Niederschlag.

Unwetter in Spanien

In der vergangenen Woche hat ein Höhentief über dem südwestlichen Mittelmeerraum für schwere Unwetter gesorgt. Besonders betroffen waren die Provinzen Murcia und Valencia im Südosten Spaniens, siehe auch hier: Jahrhundertflut in Südostspanien. Auch im Jahr 2018 gab schwere Unwetter auf Mallorca und in Italien.

Titelbild © Adobe Stock

46,0 Grad: Neuer Hitzerekord in Frankreich

Sonne in Frankreich

Erstmals in der Messgeschichte wurde in Frankreich am Freitag (28.6.19) eine Temperatur über 45 Grad gemessen. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2003 von 44,1 Grad wurde regelrecht pulverisiert, so wurden am Freitagnachmittag in Vérargues 46,0 Grad und in Gallargues-le-Montueux 45,9 Grad gemessen! Der bisherige Rekord wurde zudem an 13 Orten übertroffen, anbei die Top-6:

  • 46,0 °C in Vérargues (34)
  • 45,9 °C in Gallargues-le-Montueux (30)
  • 45,4 °C in Villevieille (30)
  • 45,1 °C in Marsillargues (34)
  • 44,6 °C in Saint-Chamas (13)
  • 44,5 °C in Varages (83)

Teilweise wurden die bisherigen Rekorde um mehrere Grad übertroffen und auch auf den Bergen gab es neue Höchstmarken:

Ort Alter Rekord Neuer Rekord (28.6.19)
Nîmes-Courbessac 41,6 °C (1923 und 2017) 44,4 °C
Montpellier aéroport 37,7 °C (2017) 42,5 °C
Aigues-Mortes 38,9 °C (2003) 40,9 °C
Mont Aigoual (1567 m) 29,4 °C (1923) 29,9 °C

In erster Linie hat das Zusammenspiel von zwei Faktoren diese extremen Temperaturwerte ermöglicht:

  1. Eine blockierte Wetterlage, bei der mit einer südlichen bis südwestlichen Höhenströmung über mehrere Tage hinweg sehr warme Luftmassen aus der Sahara nach Westeuropa geführt wurden.
  2. Die zusätzliche Erwärmung der Luft durch Föhn: Am Freitag wehte in Südfrankreich föhniger Nordwind vom Zentralmassiv und den Alpen bzw. dem Jura, der die Luft nochmals um ein paar Grad erwärmt hat.

Extremer Juni in Österreich

Auch in Österreich war der Juni 2019 in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Die Temperatur lag im Mittel um 4,7 Grad über dem langjährigen Mittel, das übertrifft deutlich den bisherigen Spitzenhalter aus dem Jahre 2003 mit +4,1 Grad. Besonders bei den Temperaturen gab es unzählige Rekorde, sowohl in Bezug auf die Tageshöchstwerte als auch auf die milden Nachttemperaturen. In Oberösterreich gab es etwa in der Nacht zum 15. Juni die wärmste Nacht seit Messbeginn, so sank die Temperatur in Windischgarsten nicht unter 25,3 Grad bzw. in Linz unter 23,6 Grad ab. In der Inneren Stadt in Wien gab es zudem 13 Tropennächte, auch das stellt einen neuen Junirekord dar.

Unzählige Rekorde

Bei den Tageshöchstwerten wurden hierzulande an mehr als 140 Wetterstationen neue Juni-Stationsrekorde aufgestellt, davon stellen 27 sogar neue Allzeitrekorde dar, wie etwa in Imst, am Brenner oder auch auf der Schmittenhöhe. In drei Bundesländern wurden auch neue Rekordmarken für den Monat Juni aufgestellt:

  • Kärnten: 38,1 Grad in Hermagor (27.6.)
  • Tirol: 37,5 Grad in Imst (26.6.) und Innsbruck (27.6.)
  • Steiermark: 37,2 Grad in Graz (27.6.)

Die Anzahl der Rekorde in ganz Mitteleuropa sowie deren Ausmaß stehen eindeutig in Zusammenhang mit dem Klimawandel. Solche Hitzerekorde treten weltweit schon fünfmal öfter auf als es ohne globale Erwärmung der Fall wäre.

Trockenheit

Beim Niederschlag gab es über das ganze Land betrachtet weniger als die Hälfte der sonst üblichen Regenmengen (etwa 40%). Zuletzt annähernd so trocken war es im Juni 1976. In manchen Alpentälern wie etwa im Oberen Ennstal oder im Drautal sowie teils auch im Wienerwald wurde mitunter nur 10% des Solls erreicht, so gab es etwa in Wien-Mariabrunn nur 9 mm Regen (Mittel 76 mm). Nur punktuell haben Gewitter für eine ausgeglichene Bilanz gesorgt, wie etwa in Poysdorf (NÖ), in Reichenau im Mühlkreis (OÖ) oder in Deutschlandsberg (ST). Passend dazu hat die Sonne in diesem Juni hingegen Überstunden gemacht, so schien sie in Summe fast anderthalbfach so lange wie üblich.

Höchstwerte pro Bundesland im Juni (Stand: 29.6.) C UBIMET
Höchstwerte pro Bundesland im Juni (Stand: 29.6.) © UBIMET

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Aktuelle Eisbedeckung in der Arktis

Das arktische Meereis spielt eine entscheidende Rolle für das Klima, da seine helle Oberfläche etwa 80 Prozent der einfallenden Sonneneinstrahlung in den Weltraum zurück reflektiert. Durch den Klimawandel sind im Sommerhalbjahr aber immer größere, dunkle Wasseroberflächen der Sonne ausgesetzt. Dies ist ein entscheidender Unterschied, zumal der Ozean bis zu 90 Prozent der einfallenden Strahlung absorbiert! Dadurch schmilzt das Meereis im Frühjahr schneller bzw. friert im Herbst später zu. Im Fachjargon nennt man das eine positive Rückkopplung. Dies ist einer der Gründe, weshalb die Klimaerwärmung in der Arktis besonders stark ausfällt, siehe etwa auch hier: Spitzbergen: 100 Monate lang überdurchschnittliche Temperaturen.

Immer weniger Eis

Am 18. Mai 2019 betrug die Eisausdehnung 11,4 Mio. km². Zum Vergleich: In den 80er-Jahren lag die durchschnittliche vereiste Fläche im Mai knapp über 13 Mio. km²:  Das ergibt einen Unterschied von etwa 1,6 Mio. km² an Eisfläche und entspricht der 4,5-fachen Fläche Deutschlands! Nur im Mai 2016 gab es zu dieser Jahreszeit weniger Eis als heuer. Wenn die kommenden Monate in der Arktis weiterhin überdurchschnittlich warm ausfallen, droht im September ein neuer negativer Allzeitrekord.

Nur im Mai 2016 gab es bislang weniger Eis als heuer. © Zachary Michael Labe
Nur im Mai 2016 gab es bislang weniger Eis als heuer. © Zachary Michael Labe

Das jährliche maximale Eisausdehnung wurde heuer im März erreicht und lag etwa im Durchschnitt der letzten 9 Jahre. Überdurchschnittlich hohe Temperaturen haben im April aber für einen rasanten Eisschwund gesorgt, mitunter wurden dabei auch neue Negativrekorde für die Jahreszeit aufgestellt. Weitere Infos dazu gibt es z.B. hier: Rekord für Anfang März: Die Beringstraße ist nahezu eisfrei.

Die maximale Eisausdehnung wurde bereits im März erreicht. © Zachary Michael Labe
Die maximale Eisausdehnung wurde bereits im März erreicht. © Zachary Michael Labe

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Frühling in Lappland: verfrühte Eisschmelze

Eisstoß

Der Torne älv bzw. auf Finnisch Tornionjoki ist ein Fluss in Lappland, der zum Teil an der Grenze zwischen Schweden und Finnland fließt und im Winter gefroren ist. Seine Mündung liegt am Nordrand des Bottnischen Meerbusens, dem nördlichsten Teil der Ostsee. Im Frühjahr bricht das Eis wieder auf und erreicht im Mai seinen höchsten jährlichen Pegelstand. Ab Juni sinkt der Pegel im Mittel wieder und erreicht im Hochsommer keine vergleichbaren Pegelstände mehr.

Pegel torniojoki
Der Pegel vom Torniojoki (blau = Mittel; grau = bisherige Extrema). © www.environment.fi

Verfrühte Eisschmelze

Das Datum, wann das Eis im Frühjahr in Bewegung gerät bzw. wenn wieder Wasser im Fluss fließt, wird im Norden Finnlands seit vielen Jahren dokumentiert. Der Fluss Torniojoki besitzt eine der längsten Messreihen, so wird das Aufbrechen des Eises dort bereits seit dem Jahr 1693 dokumentiert. Der bislang früheste Eisgang fand am 26. April 2014 statt, der späteste am 9. Juni 1867. Auch heuer sind erste Bilder von fließendem Eis am 26. April entstanden.  Im Zuge der globalen Erwärmung, welche in der Arktis besonders stark ausgeprägt ist, findet der Bruch des Eises der Flüsse immer früher statt. Weitere Infos zum Klimawandel in der Arktis gibt es auch hier: Spitzbergen: 100 Monate lang überdurchschnittliche Temperaturen bzw. Rekord für Anfang März: Die Beringstraße ist nahezu eisfrei.


Auch andere Flüsse im Bereich des Polarkreises sind davon betroffen, so wurden in Lappland teilweise neue Pegelrekorde für die Jahreszeit verzeichnet, wie etwa beim nahe gelegenen Fluss Ounasjoki in Norden Lapplands. Mitunter fand der Eisbruch hier drei Wochen früher als üblich statt.

Pegel Ounasjoki
Der Pegel vom Ounasjoki (blau = Mittel; grau = bisherige Extrema). © www.environment.fi

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Spitzbergen: 100 Monate lang überdurchschnittliche Temperaturen

Spitzbergen: 100 Monate lang überdurchschnittliche Temperaturen

Spitzbergen ist eine norwegische Inselgruppe und liegt am Rande des Nordpolarmeers nördlich von Skandinavien. Seit November 2010 verlief hier jeder Monat überdurchschnittlich warm im Vergleich zum langjährigen Mittel (1961-1990). In manchen Monaten wie etwa im Februar 2018 lagen die Temperaturen sogar um mehr als 10 Grad über dem Durchschnitt. Besonders extrem war der Februar 2014 mit einer Abweichung von +14,5 Grad: Statt bei -16,2 Grad lag die durchschnittliche Temperatur bei -1,7 Grad!

Fast 6 Grad Temperaturanstieg

Allgemein erwärmt sich die Arktis im Zuge des Klimawandels mehr als doppelt so schnell wie der Rest der Welt, Wissenschaftler sprechen daher auch von der sogenannten „Polaren Verstärkung“ bzw. „Arctic Amplification„. Hierfür spielen die veränderte Strahlungsbilanz sowie die Eis-Albedo-Rückkoplung eine entscheidende Rolle. Seit 1961 ist die Temperatur am Flughafen von Spitzbergen allerdings sogar um 5,6 Grad gestiegen! Besonders extrem fällt die Erwärmung in den Wintermonaten aus, da es immer weniger Meereis im Bereich der Inselgruppe gibt. Aktuellen Klimaprognosen zufolge wird die durchschnittliche Temperatur in Spitzbergen bereits am Ende dieses Jahrhunderts auf über 0 Grad ansteigen.

Besonders im Westen von Spitzbergen gibt es kein Meereis
Besonders im Westen von Spitzbergen gibt es kaum noch Meereis. © NSIDC

Noch gravierender fällt die Meereisausdehnung übrigens in der Beringsee aus, wir berichteten darüber bereits Rekord für Anfang März: Die Beringstraße ist nahezu eisfrei.

Der Klimawandel in Spitzbergen findet besonders schnell statt
Temperaturtrend in Spitzbergen. © Ketil Isaksen, Norwegian Meteorological Institute

Titelbild: Giåm on Visualhunt / CC BY-SA

Rekord für Anfang März: Die Beringstraße ist nahezu eisfrei

Eis in der Arktis

Die Beringstraße ist eine Meerenge zwischen Russland und Alaska. Sie verbindet den Arktischen Ozean mit dem Pazifik bzw. genau genommen die Beringsee mit der Tschuktschensee.

Karte der Beringsee
Von GretarssonBase map: © OpenStreetMap contributors – Eigenes WerkBase map is from https://maps-for-free.com, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=56149949

Negativrekord

Normalerweise wird die maximale Eisbedeckung in der Beringsee erst Ende März erreicht, zudem hält sich das Eis im langjährigen Mittel bis in den Mai hinein. Seit letzten Winter zeigt sich allerdings ein völlig außergewöhnliches Bild, so gab es im Winter 2017/18 im Februar die geringste Eisbedeckung seit Beginn der flächendeckenden Messungen mit Satellitenbildern vor rund 40 Jahren. Heuer gab es im Februar nur geringfügig mehr Eis als im Vorjahr, zudem zeichnet sich für den März ein neuer Negativrekord ab. Aktuell zeigt sich die Beringstraße am Satellitenbild sogar nahezu eisfrei.

Arktische Amplifikation

Neben dem zunehmenden Wärmegehalt der Ozeane durch den Klimawandel spielt für die geringe Eisbedeckung in der Beringsee derzeit auch der wiederholt stürmisch auftretende Wind eine wichtige Rolle, welcher in Zusammenspiel mit dem erhöhten Wellengang jegliches neu entstandene, dünne Eis wieder zerstört. Allgemein erwärmt sich die Arktis im Zuge des Klimawandels mehr als doppelt so schnell wie der Rest der Welt, Wissenschaftler sprechen daher auch von der sogenannten „Polaren Verstärkung“ bzw. „Arctic Amplification„. Hierfür spielen die veränderte Strahlungsbilanz sowie die Eis-Albedo-Rückkoplung eine entscheidende Rolle. Beispielsweise sind die Temperaturen in den letzten Jahrzehnten in Alaska deutlich stärker angestiegen als im Rest der Vereinigten Staaten.

Meteorologischer Winter endet mit Rekordtemperaturen in 12 Ländern

Krokusse im Frühling

Nordwesteuropa lag in den vergangenen 10 Tagen unter anhaltendem Hochdruckeinfluss: In Zusammenspiel mit einem stark ausgeprägten Jetstream über den USA sowie einer Tiefdruckentwicklung über dem Nordatlantik baute sich sich über Nordwesteuropa ein außergewöhnlicher Hochdruckrücken bzw. Hochdruckkeil auf. In der CFSR-Modellklimatologie (seit 1979) wies das Geopotential in 500 hPa sogar Rekordwerte für diese Jahreszeit auf.

Extrem hohes Geopotential für die Jahreszeit
Rekordwerte beim 500-hPa-Geopotential über der Nordsee. © ECMWF via Tomer Burg

Hoher Luftdruck

In Mitteleuropa war der Hochdruckkeil an sich zwar nicht  so außergewöhnlich wie etwa über der Nordsee, am Boden gab es aber dennoch sehr hohen Luftdruck: Am 23. Februar wurde etwa in Wien mit 1045 hPa sogar der höchste Luftdruck seit dem 17. Februar 2008 gemessen.

Temperaturrekorde

In den letzten 10 Tagen wurden in 12 europäischen Ländern neue Rekorde für den Monat Februar aufgestellt. Teilweise wurden diese Rekorde sogar täglich übertroffen, wie etwa in Trawsgoed in England, wo es am 25. Februar mit 20,6 Grad einen neuen Landesrekord gab , der bereits am 26. Februar in Porthmadog mit 20,8 Grad überholt wurde. Dieser wurde wenige Stunden später allerdings wiederum von 21,2 Grad in London übertroffen! Neben den Landesrekorden gab es zudem von den Britischen Inseln über Deutschland bis nach Slowenien unzählige neue Stationsrekorde.

Neue Landesrekorde für Februar:

  • Schottland: 18.3 Grad in Aboyne
  • Wales: 20.8 Grad in Porthmadog
  • England: 21.2 Grad Kew Gardens, London
  • Belgien: 22.0 Grad in Dourbes
  • Niederlande: 20.5 Grad in Arcen
  • Luxemburg: 19,8 Grad am Flughafen Luxemburg
  • Schweden: 16.7 Grad in Karlshamn
  • Dänemark: 15.8 Grad in Tirstrup
  • Österreich: 24.2 Grad in Güssing und Deutschlandsberg
  • Ungarn: 23.5 Grad in Sárvár
  • Slowakei: 20,6 Grad in Hurbanovo
  • Slowenien: 24.1 Grad in Gačnik

Erwärmung durch Absinken

Für die zahlreichen Temperaturrekorde waren keine subtropischen Luftmassen verantwortlich: Die Luft in der Südsteiermark am Donnerstag stammte ursprünglich aus Schottland und davor vom Atlantik! Ausschlaggebend war das ausgeprägte Absinken der Luft in der freien Atmosphäre (Subsidenz unter Hochdruckeinfluss): Wenn Luft absinkt wird sie nämlich komprimiert und dadurch auch erwärmt. In Österreich spielte zusätzlich noch Westföhn eine entscheidende Rolle (Durchmischung der unteren Troposphäre).

Luftmassenursprung am Donnerstag
Luftmassenursprung am Donnerstag. © NOAA

 

2018 wärmstes Jahr der Messgeschichte

Das Jahr 2018 war in Mitteleuropa außergewöhnlich warm

Lediglich der Februar und der März waren heuer kälter als im langjährigen Mittel, dafür waren zwei Kaltluftausbrüche aus Russland verantwortlich. Sonst verlief das Jahr durchgehend zu warm, der April war sogar der wärmste seit mindestens 1800. Besonders groß fallen die Abweichungen an der Alpennordseite aus, so war es in Oberösterreich mehr als 2 Grad wärmer als üblich. In Summe reiht sich das Jahr 2018 mit einer Abweichung von +1,8 Grad zum Mittel vor 2014 an die Spitze der wärmsten Jahre der Messgeschichte ein. Bei der Anzahl an Sommertagen gab es neue Rekorde, so wurde in Andau an 127 Tagen die 25-Grad-Marke überschritten und der bisherige Spitzenwert aus dem 2003 in Leibnitz übertroffen.

Trockenheit an der Alpennordseite

Rege Tiefdrucktätigkeit sorgte im Jänner heuer für viel Schnee in den Alpen, so erreichte die Lawinengefahr am 22.1. vorübergehend sogar die höchste Stufe 5. Danach fiel der atlantische Einfluss auf das Wettergeschehen im Alpenraum über weite Strecken des Jahres allerdings außergewöhnlich gering aus: Mitunter gab es über Wochen hinweg keine klassischen Frontdurchgänge aus Nordwest, weil beständige Hochdruckgebiete über Nordeuropa das Westwindband von Mitteleuropa abgelenkt haben. Dies hat von Februar bis November an der Alpennordseite zu einer ausgeprägten Trockenheit geführt, so gab es meist nur 60 bis 80 Prozent des Solls. In Linz war es mit 65% sogar das trockenste Jahr seit Messbeginn. Im Süden fällt der Dezember zwar extrem trocken aus, dafür ist die Jahresbilanz in Summe aber durchschnittlich. Vor allem im Frühsommer gab es hier zahlreiche Gewitter, siehe auch hier: Knapp 1,5 Millionen Blitze.

Mittlerer Jahresniederschlag Niederschlag im 2018 (bis 30.12.)
Wien 651 L/qm 706 L/qm
Graz 885 L/qm 859 L/qm
Linz 871 L/qm 528 L/qm
Innsbruck 911 L/qm 769 L/qm

Viel Sonnenschein

2018 war eines der sonnigsten Jahre der letzten 100 Jahre, damit setzt sich der Trend der zunehmenden Sonnenscheindauer fort. Bis auf Salzburg mit 1884 Stunden Sonnenschein wurde heuer in jeder Landeshauptstadt die 2000-Sonnenstunde-Marke übertroffen. Im langjährigen Mittel ist dies nur im Seewinkel üblich, wo es dieses Jahr in Mörbisch sogar bis zu 2350 Sonnenstunden gab.

Mittlere Sonnenscheindauer (h) Sonnenstunden im 2018 (bis 30.12)
Wien 1930 2112
Graz 1989 2015
Linz 1682 2026
Innsbruck 1949 2194

Extremwerte 2018

(Bundesland, Tag des Auftretens)

Höchste Temperaturen

  • 38,0 Grad Haag (NÖ, 09.08.)
  • 37,3 Grad Loosdorf und Enns (beide NÖ, 09.08.)
  • 37,0 Grad Wieselburg (NÖ, 09.08.)
  • 36,8 Grad Amstetten (NÖ, 09.08.)
  • 36,7 Grad Waidhofen an der Ybbs (NÖ, 09.08.)

Tiefste Temperaturen

  • -25,4 Grad, Flattnitz (K, 26.2.)
  • -25,2 Grad, St.Michael im Lungau (S, 26.2.)
  • -24,8 Grad, St. Leonhard im Pitztal (T, 28.2.)
  • -24,6 Grad, Galtür (T, 28.2.)
  • -24,3 Grad, Seefeld (T, 28.2.) und Zeltweg (ST, 26.2.)

Nasseste bewohnte Orte

  • 1800 Liter pro Quadratmeter Sulzberg (V)
  • 1749 Liter pro Quadratmeter Warth (V)
  • 1713 Liter pro Quadratmeter Schröcken (V)
  • 1586 Liter pro Quadratmeter Ebensee (OÖ)
  • 1565 Liter pro Quadratmeter Schoppernau (V)
  • 1512 Liter pro Quadratmeter Kötschach-Mauthen (K)

Trockenste Orte

  • 390 Liter pro Quadratmeter Retz (NÖ)
  • 406 Liter pro Quadratmeter Schöngrabern (NÖ)
  • 433 Liter pro Quadratmeter Hohenau an der March (NÖ)
  • 458 Liter pro Quadratmeter Laa an der Thaya (NÖ)
  • 462 Liter pro Quadratmeter Horn (NÖ)

Sonnigste Orte

  • 2350 Sonnenstunden, Mörbisch (B)
  • 2307 Sonnenstunden, Hollenthon / Bucklige Welt (NÖ)
  • 2278 Sonnenstunden, Zwerndorf (NÖ)
  • 2273 Sonnenstunden, Andau (B)
  • 2262 Sonnenstunden, Neusiedl am See (B)
  • 2255 Sonnenstunden, Feldkirch (V)

Stärkste Windspitzen Niederungen

  • 130 km/h Ferlach (K, 28.10.)
  • 126 km/h Sulzberg (V, 03.01.)
  • 122 km/h Reichneau/Rax (NÖ, 24.09.) und Schröcken (V, 30.10.)
  • 115 km/h Tannheim, Holzgau (beide T, 03.01.), Brand (V, 30.10.), Lunz am See (NÖ, 24.10.)

Stärkste Windspitzen Berge

  • 198 km/h Feuersang (S, 30.10.)
  • 176 km/h Brunnenkogel (T, 29.10.)
  • 173 km/h Sonnblick (S, 29.10.)
  • 169 km/h Feuerkogel (OÖ, 9.12.)
  • 166 km/h Patscherkofel (T, 30.10.)

Hitze mit bis zu 50 Grad in Australien

Eine Hitzwelle sorgt in Australien für extreme Temperaturen

In Australien steht der Hochsommer zwar noch bevor, schon jetzt haben die Leute aber mit einer ausgeprägten Hitzewelle zu kämpfen, zudem ist auch die Gefahr von Buschfeuern bereits deutlich erhöht.

Vielerorts gab es Temperaturen über 40 Grad
Höchstwerte in Australien am Freitag

Knapp 50 Grad in WA

Vor allem in Teilen des Bundesstaats Westaustralien, im Landesinneren sowie an der Südküste vom Bundesstaat Südaustralien gab es in den vergangenen Tagen extreme Hitze, so wurden recht verbreitet Temperaturen von über 45 Grad gemessen. Die 50-Grad-Marke wurde im Nordwesten von Westaustralien am Donnerstag nur knapp verfehlt:

Marble Bar 49,3 Grad
Onslow Airport 49,2 Grad
Roebourn 49,0 Grad

Der Höchstwert von Marble Bar stellt einen neuen Stationsrekord in der über 100-jährigen Messgeschichte dar. Auch in den Großstädten gab es allerdings sehr hohe Temperaturen:

  • 43,8 Grad Adelaide
  • 39,9 Grad Melbourne Airport
  • 37,5 Grad Melbourne Olympic Park
  • 36,9 Grad Canberra
  • 34,0 Grad Sydney Airport

Weiterhin heiß

In den nächsten Tagen steigen die Temperaturen zwar nicht mehr auf ganz so extreme Werte, besonders im Westen und im Landesinneren ist aber weiterhin mit Höchstwerten über der 40-Grad-Marke zu rechnen.

Herbst im Mittelmeer: Unwettersaison durch Regen und Gewitter

Im Herbst gehen im Mittelmeer kräftige Gewitter nieder

Während die Gewittersaison in Mitteleuropa vor allem von Mai bis Anfang  August ihren Höhepunkt erlebt, verlagert sich der Schwerpunkt der Gewittertätigkeit in den Herbstmonaten immer weiter südwärts.

Zunehmender Tiefdruckeinfluss

Im Sommer liegt vor allem das südliche Mittelmeer häufig unter dem Einfluss des subtropischen Hochdruckgürtels, welches für trockene und heiße Wetterbedingungen sorgt. Im Herbst verlagert sich die Westwindzone im Mittel aber langsam südwärts und die Ausläufer des subtropischen Hochdruckgürtels werden nach Nordafrika abgedrängt. Aus diesem Grund stellen der Hebst und der Winter im Mittelmeer die nasseste Zeit des Jahres dar.

Im Herbst fällt der meiste Niederschlag in Dubrovnik
In Dubrovnik fällt besonders im November und Dezember viel Regen.

Labile Luftschichtung

Der zunehmende Tiefdruckeinfluss und die ersten Kaltluftvorstoße aus Nordeuropa führen in Zusammenspiel mit den milden Wassertemperaturen zu einer labilen Schichtung der Luft. In der folgenden Graphik sieht man die mittlere, potentiell verfügbare Energie für vertikale Luftmassenbewegung (MLCAPE), welche ein wichtiges Maß für Gewitter darstellt. Im Herbst verlagert sich der Schwerpunkt südwärts.

Im Herbst ist die Luftschichtung im Mittelmeer labil.
Mittlere, potentiell verfügbare Energie für Konvektion im Juni und September. © Tilev-Tanriöver

Unwettersaison

Im nördlichen Mittelmeerraum erreicht die Gewittersaison im Spätsommer und zu Herbstbeginn ihren Höhepunkt, im zentralen Mittelmeer im Laufe des Herbsts und im äußersten Süden und Osten erst im Winter. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen einer Studie des ESWD wieder, welche die Monate mit den meisten Tagen mit Tornados zeigt.

Im Mittelmeer gibt es im Herbst die meisten Tagen mit Tornados
Der Monat des Jahres mit den im Mittel meisten Tagen mit Tornados. © ESWD

Mildes Mittelmeer

Die Wassertemperaturen im Mittelmeer nehmen im Zuge der globalen Erwärmung langsam zu, so gab es auch im 2018 von Ende April bis Anfang November in weiten Teilen des Meeres nahezu durchgehend überdurchschnittliche Wassertemperaturen. Auch im langjährigen Trend seit 1982 kann man ein Zunahme der mittleren Wassertemperaturen beobachten, was für die angrenzenden Länder eine Gefahr darstellt. Die Unwettersaison wird nämlich tendenziell länger und intensiver, denn je wärmer das Wasser im Herbst ist, desto mehr Energie steht für Unwetter zur Verfügung.

Das Mittelmeer wird immer wärmer
Trend der Wassertemperaturen im Mittelmeer. © CEAM

Sturzfluten in Sizilien

Auch in der letzten Woche hat anhaltender Tiefdruckeinfluss im Mittelmeerraum wiederholt für Unwetter in Italien gesorgt. Zu Wochenbeginn war vor allem der Norden Italiens von Tief VAIA betroffen, am Wochenende sorgte Tief XENA dann für gewittrigen Starkregen in den südlichen Landesteilen. In Summe kamen dabei in Italien über 30 Menschen ums Leben.

Überdurchschnittliche Temperaturen in der Arktis: 30% weniger Eis

Die Eisbedeckung in der Arktis bleibt unterdurchschnittlich

Im langjährigen Mittel wird das jährliche Minimum der Eisbedeckung in der Arktis in der zweiten Septemberhälfte erreicht. Nach dem astronomischen Herbstbeginn werden die Tage in der Arktis rasant kürzer, so beginnt am geographischen Nordpol die Polardämmerung (Details siehe hier: Polarnacht). Im langjährigen Mittel von 1981 bis 2010 liegt das Minimum bei etwa 6,3 Millionen Quadratkilometer, heuer gab es mit etwa 4,6 Millionen Quadratkilometer wie auch in den vergangenen Jahren einen deutlich unterdurchschnittlichen Wert.

Die Eisbedeckung der Arktis ist unterdurchschnittlich.
Meereiskonzentration am 5. Oktober 2018. © NSIDC, Univ. of Colorado Boulder

Eisproduktion stockt

Überdurchschnittliche Wassertemperaturen in den Randmeeren des arktischen Ozeans sorgen heuer für eine Verzögerung bei der Bildung von neuem Meereis (der dunkle, eisfreie Ozean absorbiert im Sommer die meiste Sonnenstrahlung und gibt sie jetzt langsam an die Luft ab). Wie man in der folgenden Graphik sieht, lag die Eisbedeckung im Kernbereich der Arktis zu Oktoberbeginn weiterhin im Bereich des jährlichen Minimums.


Wenn man die gesamte Arktis betrachtet, so ist der Wert der Meereisfläche in den letzten Wochen von 4,6 auf etwa 5 Millionen Quadratkilometer gestiegen, da es nördlich von Kanada etwas mehr Eis gibt als üblich. Dieser Gesamtwert liegt allerdings knapp 2,5 Millionen Quadratkilometer unter dem langjährigen Mittel und entspricht lediglich 68% des Solls.

Milder Ozean

Die Wassertemperaturen liegt derzeit vielerorts über dem Mittel, vor allem im Bereich der Beringstraße sowie nördlich von Russland. Besonders betroffen davon sind folgende Randmeere:

  • Tschuktschensee
  • Karasee
  • Barentssee
  • Laptewsee

Selbst an der Nordspitze Alaskas gibt es derzeit keine Spur vom Eis (siehe Bild aus Utqiaġvik weiter unten), zudem wurden hier über dem offenen Ozean letzte Woche mitunter sogar noch geringe Eisverluste beobachtet!

Die Wassertemperaturen liegen besonders im Randbereich der Arktis über dem Mittel.
Anomalie der Wassertemperaturen in der Arktis. © Danish Meteorological Institute

Keine Änderung in Sicht

Rege Tiefdrucktätigkeit über dem Nordatlantik führt in den kommenden Tagen schubweise milde Luftmassen subtropischen Ursprungs über Mitteleuropa hinweg bis weit in die Arktis. Besonders im Bereich der Barentssee und auf Spitzbergen sind somit in der kommenden Woche deutlich überdurchschnittliche Temperaturen zu erwarten.

Das milde Wetter behindert die Neubildung von Eis in der Arktis
Temperatur in 850 hPa (ca. 1300 m) am Samstag. © UBIMET / NCEP

Klimawandel und Extremniederschlag

Überflutungen durch Starkregen.

Statistisch signifikante Änderungen bei Wetterextremen zu beweisen ist besonders beim Niederschlag nur begrenzt möglich: Einerseits sind Extreme selten, andererseits werden sie oft nicht von den Messnetzen erfasst. Für signifikante Trends braucht man allerdings sehr viele Daten. Bei Ereignissen wie Hitzewellen, welche eine große Fläche betreffen, ist dies  hingegen wesentlich einfacher.

Extremniederschlag

Allgemein kann die Luft durch die globale Klimaerwärmung mehr Wasserdampf aufnehmen und in weiterer Folge auch abregnen. Ob extremer, konvektiver Niederschlag zunimmt, ist allerdings schwer zum nachweisen, da er räumlich und zeitlich sehr variabel auftritt.  Solch kleinräumige Ereignisse werden nicht explizit von Klimamodellen aufgelöst und zudem oft nicht von Wetterstationen erfasst. Ein weiteres Problem stellt die Tatsache dar, dass in manchen Regionen der mittlere Niederschlag zwar abnehmen kann, während die Extreme zunehmen. Auf der vergleichsweise geringen Fläche einzelner europäischer Länder kann man daher kaum signifikante Trends feststellen was Extremniederschlag betrifft. Aus diesem Grund haben Forscher bereits vor ein paar Jahren eine Auswertung der globalen Niederschlagsdaten von 11.000 Wetterstationen in Hinblick auf Regenrekorde durchgeführt. Bei der Häufigkeit von neuen Rekorden in der Tagesregenmenge konnte man bis 2010 tatsächlich eine Zunahme von 26% im Vergleich zu einem stabilen Klima feststellen, wenngleich von Jahr zu Jahr starke Schwankungen vorhanden sind.  Auch der DWD hat im 2016 ein Bericht über die zunehmende Rolle der Großwetterlage „Tief Mitteleuropa“ veröffentlicht und dabei festgehalten, dass es in den letzten 15 Jahren in Deutschland Hinweise auf ein vermehrtes Auftreten von Starkregen gibt.

Persistente Wetterlagen

In den letzten Jahren wurden sehr häufig persistente Wetterlagen beobachtet, so wie auch aktuell die Wetterlage „Tief Mitteleuropa“, siehe hier: Festgefahrene Wetterlage. Allgemein wird vermutet, dass die Erwärmung der Arktis hierfür eine wesentliche Rolle spielt: Einerseits nehmen die Temperaturgegensätze zwischen den Tropen und der Polarregion ab (und somit auch die Antriebskraft des Westwindbands), anderseits sorgt die zunehmende Zufuhr von Süßwasser im subpolaren Atlantik für eine Abschwächung des Golfstroms. Wir berichteten darüber bereits hier: Golfstrom schwächer als je zuvor in den vergangenen 1000 Jahren. Die damit verbundene kalte Anomalie im subpolaren Nordatlantik, welche auch heuer vorhanden ist, sorgt für ein schwach ausgeprägtes Islandtief. Letzteres begünstigt in Nordeuropa Hochdruckgebiete, während sich die Tiefdrucktätigkeit überwiegend auf Südwesteuropa beschränkt. In Mitteleuropa stellt sich dann häufig eine gradientschwache Wetterlage oder die Lage „Tief Mitteleuropa“ ein, welche ortsfeste Gewitter mit ergiebigen Regenmengen begünstigt.

Anomalie der Wassertemperaturen im letzten Monat. © NOAA
Anomalie der Wassertemperaturen im letzten Monat. © NOAA

Weiterführende Links

Blog von S. Rahmstorf (PIK)

Artikel in Nature

Golfstrom schwächer als je zuvor in den vergangenen 1000 Jahren

Golfstrom im Nordatlantik. © shutterstock.us

Der Golfstrom ist eine starke Meeresströmung im Atlantik, welche erhebliche Mengen an warmen Wasser aus subtropischen Breiten nordwärts transportiert. So ist das Wasser am Nordende des Golfstroms vor Neufundland im Mittel noch 20 Grad warm, dort trifft er aber auf den kalten Labradorstrom und verliert dadurch an Kraft. Ab hier wird der Golfstrom auf seinem Weg in Richtung Westeuropa zum Nordatlantikstrom und teilt sich in zwei Äste auf. Der nördliche kühlt im weiteren Verlauf immer weiter ab, wird schwerer und beginnt schließlich abzusinken, um dann am Meeresgrund wieder südwärts zu strömen. Dies wird auch als atlantische Umwälzzirkulation bezeichnet.

Das Globale Förderband

Der Golfstrom und die atlantische Umwälzzirkulation sind ein Teil des globalen Förderbands, einem weltumspannenden Strömungssystem, welches von den Dichteunterschieden des Wassers innerhalb der Weltmeere angetrieben wird. Die Salzkonzentration des Wassers spielt dabei eine wichtige Rolle, da sie in Zusammenspiel mit der Temperatur die Dichte des Oberflächenwassers bestimmt. Allgemein ist kaltes und salzreiches Wasser schwerer als warmes und salzarmes Wasser, und neigt daher zum Absinken. Der Salzgehalt des Wassers wird durch die Bildung von Meereis erhöht, somit ist das Wasser in der Labrador- und Grönlandsee besonders salzig. Dies ist ein entscheidender Faktor um die atlantische Umwälzzirkulation und somit auch den Golfstrom anzutreiben.

Salzgehalt nimmt ab

Durch die globale Erwärmung kommt es im subpolaren Nordatlantik zu einer ansteigenden Zufuhr von Süßwasser, einerseits durch zunehmende Niederschlagsmengen, andererseits durch das Schmelzen des Grönland- und Polareises. Der abnehmende Salzgehalt erschwert in diesen Regionen das Absinken des Wassers und beeinträchtigt somit die gesamte atlantische Umwälzzirkulation. Um diese Abschwächung nachzuweisen, wurden in einer neuen Studie vom Potsdamer-Institut für Klimafolgenforschung die verfügbaren Messdatensätze der Meerestemperaturen seit dem 19. Jahrhundert mit einer Simulationsrechnung eines hochaufgelösten Klimamodells verglichen.

Golfstrom und beobachtete Änderung der Temperatur. © Caesar; Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
Golfstrom und beobachtete Änderung der Temperatur. © L. Caesar; Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Die Ergebnisse zeigen eine Abkühlung des subpolaren Atlantiks südlich von Grönland und eine Erwärmung entlang der amerikanischen Ostküste, was laut den Forschern auf eine Abschwächung sowie Verschiebung des Golfstrom in Richtung Küste zurückzuführen ist. Die Änderung der Wassertemperaturen zeigt zudem, dass sich der Golfstrom seit Mitte des 20. Jahrhunderts um etwa 15% abgeschwächt hat. In einer weiteren neuen Studie wurden Bohrkerne von Sedimenten am Meeresgrund analysiert (paläoklimatischen Proxydaten) . Die Messgenauigkeit ist zwar geringer, dafür ermöglicht dies aber Rückschlüsse über einen wesentlich größeren Zeitraum von etwa 1.600 Jahren zu ziehen. Die analysierten Daten dieser Studie ergeben, dass der Golfstrom in den letzten 150 Jahren wesentlich schwächer geworden ist im Vergleich zu den vorherigen 1.500 Jahren.

Folgen für Europa

Die Auswirkungen des sich abschwächenden Golfstroms betreffen derzeit in erster Linie die Wassertemperaturen im Nordatlantik. Diese spielen allerdings eine wesentliche Rolle für die großräumige Luftdruckverteilung und somit auch für die allgemeine atmosphärische Zirkulation über Europa. So deuten die Ergebnisse einer weiteren Studie darauf hin, dass die veränderte Luftdruckverteilung besonders im Sommer Hitzewellen in Europa begünstigt, wie es etwa auch im Jahr 2015 der Fall war. Damals war der subpolare Atlantik so kalt wie noch nie zuvor seit Messbeginn und in Mitteleuropa gab es einen der bislang heißesten Sommer der Messgeschichte. Andere Forscher vermuten zudem, dass Winterstürme in Europa häufiger werden könnten. Das eher unwahrscheinliche Szenario eines vollständigen Zusammenbruchs des Golfstroms würde hingegen vor allem in Nordwesteuropa zu einem um mehrere Grad kälteren Klima führen.

Abweichung der Temperatur zum Mittel im 2015. © NOAA
Negative Temperaturanomalie über dem subpolaren Nordatlantik im 2015. © NOAA

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