Über den warmen Gewässern des Korallenmeers, dem Teil des Pazifik zwischen Papua-Neuguinea und dem nordöstlichen Australiens, hat sich aus einem tropischen Tiefdruckgebiet ein Zyklon entwickelt. Dieser hat am Donnerstagabend MEZ den ersten Landfall als Kategorie 4-Sturm an der nördlichen Ostküste des Bundesstaats Queensland gemacht.
Erste Auswirkungen
Dabei wurden bei dem Durchzug im Norden des Bundesstaats Queensland Regenmengen zwischen 200 und 300 L/m² in 24 Stunden und Böen über 100 km/h gemessen. Anzumerken ist, dass sich die Stationen nicht direkt im Bereich des Auges befinden und an der Stelle des Landegangs mit Sicherheit deutlich höhere Windgeschwindigkeiten aufgetreten sind.
Aktuelle Situation
Derzeit zieht der Zyklon in die Bucht von Carpentaria, der großen Bucht im Norden des Kontinents. und der Sturm zog mit rund 20 km/h westwärts. Die maximalen anhaltenden Windgeschwindigkeiten betragen etwa 55 kn (≈100 km/h) und die Böen um 150 km/h bei einem Kerndruck von 984 hPa, womit das System derzeit als Kategorie-2-Zyklon in der australischen Skala klassifiziert wird. Dies entspricht einem Tropensturm in der bekannten Saffir-Simpson-Skala.
Die Meeresoberflächentemperaturen vor den Küsten im Norden Australiens liegen weiterhin verbreitet über 29 °C und somit sind die Bedingungen für die Tiefdruckentwicklung hervorragend. Infrarotsatellitenbilder zeigen sehr kalte Wolkenobergrenzen (bis etwa −90 °C), was auf intensive konvektive Prozesse hinweist.

Weitere Entwicklung
Es wird erwartet, dass NARELLE im Tagesverlauf wieder über den Golf von Carpentaria zieht. Dort trifft das System erneut auf günstige Bedingungen wie die sehr hohe Luftfeuchtigkeit in allen Schichten der Troposphäre, die warmen Meeresoberflächen (>29 °C) und die weiterhin vorhandene, jedoch nicht dominante Windscherung.
Unter diesen Bedingungen wird eine erneute Intensivierung prognostiziert, wobei nach aktuellen Modellrechnungen eine Verstärkung bis Kategorie 3 vor dem nächsten Landfall an der Küste des Northern Territory wahrscheinlich ist (Samstagabend/-nacht).
Nachfolgend wird folgender Intensitätsverlauf erwartet:
– kurzfristig: spürbare Abschwächung über Land
– über Wasser: erneute Intensivierung (bis ~75 kn / 140 km/h möglich)
– nach Landfall: rasche Abschwächung über Top End
– mittelfristig: mögliches Re-Development über dem östlichen Indischen Ozean
Aktuelle Modelllage und Zugbahnunsicherheit
Auch in verschiedenen Modellprodukten (u. a. basierend auf globalen Vorhersagesystemen und spezialisierten Tropenmodellen) wird eine weitere Verstärkung bis hin zu einem schweren tropischen Zyklon als wahrscheinlich eingestuft. Hier die Prognose des Joint Typhoon Warning Centers.


