Der Juni 2026 wird uns lange in Erinnerung bleiben. In der zweiten Monatshälfte legte sich eine Omegalage über Mitteleuropa, ein blockierendes Hoch, das flankiert von zwei Tiefs tagelang bewegungslos verharrte. Die Folge: subtropische Luft, ungehinderte Einstrahlung und eine Hitzewelle, die österreichweit reihenweise Rekorde pulverisierte.
Mit dem Monatswechsel kam dann die Entspannung. Atlantische Tiefdruckausläufer und zeitweise kühlere Luft brachten die Temperaturen zurück in einen normalen bis leicht überdurchschnittlichen Sommerbereich – Tageshöchstwerte meist zwischen 25 und 30 Grad, dazu wieder erholsamere Nächte.

Hitze über Frankreich und Spanien – und bald wieder bei uns
Weiter im Westen hat sich über Frankreich und Spanien erneut ein mächtiges Hoch aufgebaut, die nächste Hitzewelle ist dort schon im Gange – die dritte in diesem Jahr. Der Alpenraum liegt derzeit noch an dessen Vorderseite in einer mäßig temperierten Nordwestströmung. Am Wochenende verlagert sich das Hoch aber ostwärts, und auch bei uns kündigen sich wieder ein paar Hitzetage an. Dabei werden am Wochenende meist Höchstwerte zwischen 28 und 33 Grad erreicht.

Auch in der neuen Woche setzt sich das hochsommerliche Wetter fort, und mit aktuellem Stand wird etwa zur Wochenmitte der Höhepunkt mit Temperaturen um 35 Grad erreicht und damit wohl keine erneute Rekord-Hitzewelle. Hier sind die Modelle allerdings noch mit ein paar Unsicherheiten behaftet.
Das Prinzip Hitzeglocke
Der Mechanismus dahinter trägt einen einprägsamen Namen: die Hitzeglocke (englisch Heat Dome). Ein kräftiges Hochdruckgebiet setzt sich über einer Region fest und schließt die heiße Luft wie unter einer Glocke ein. Die absinkende Luft erwärmt sich zusätzlich, Wolken lösen sich auf, die Sonne heizt ungebremst – und kühlere Luftmassen können kaum nachrücken. So schaukelt sich die Hitze Tag für Tag weiter hoch. Es ist derselbe Mechanismus, der schon Ende Juni für die Extremwerte gesorgt hat.
Anhaltende Trockenheit
Schon im Juni war es in weiten Teilen Ost- und Südösterreichs über lange Strecken niederschlagsfrei. In Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und Teilen Oberösterreichs lagen die Niederschlagsmengen 40 bis 60 Prozent unter dem Soll. Im Juli spitzt sich die Lage weiter zu: Selbst die atlantischen Tiefausläufer der vergangenen Tage brachten – wenn überhaupt – nur marginale Mengen durch vereinzelte Schauer und Gewitter. Und daran ändert sich auch in den nächsten Tagen nichts.


Dazu steigt bei anhaltender Trockenheit das Risiko für Wasserknappheit und Waldbrände spürbar. In Westeuropa zeigt sich das bereits mit voller Wucht: In den Pyrenäen wüten derzeit schwere Brände.

Since 1 June, our #MappingTeam has been activated 7⃣ times to monitor #wildfires🔥 in #Germany🇩🇪, #France🇫🇷, and #Spain🇪🇸
Latest activations:
▶️#EMSR889 Wildfire in Pyrenees Regional Park, west of #Perpignan 🇫🇷
▶️#EMSR890 Wildfire in Diois 🇫🇷More at:https://t.co/VWHpK6dm5X pic.twitter.com/sjwD0nf62F
— Copernicus EMS (@CopernicusEMS) July 8, 2026
Aircraft drops fire retardant on a #wildfire raging in southern France, where the blaze has already burned 4,600 hectares since Saturday, and forced the evacuation of 10,000 people. pic.twitter.com/VdMZltzcvc
— ShanghaiEye🚀official (@ShanghaiEye) July 6, 2026
Dem Hochgebirge geht der Schnee aus
Schon im Winter fiel zu wenig Niederschlag, jetzt setzt die Hitze dem Rest zu: Auch auf den höchsten Bergen wird der Schnee immer knapper. Wie außergewöhnlich dieses Jahr ist, sieht man gut am Sonnblick auf über 3000 m Höhe. Dort liegen am 8. Juli nur noch 17 Zentimeter Schnee. Normalerweise sind es um diese Zeit noch rund zwei Meter mehr. Damit gab es an einem 8. Juli noch nie so wenig Schnee wie heuer. Auch im Winter kam nie richtig viel zusammen: Am schneereichsten Tag Anfang April lagen gerade einmal 244 Zentimeter – in früheren Jahrzehnten war das Mehrfache üblich. In der Grafik liegt die rote Linie das ganze Jahr über ganz unten. Und mit der Hitze, die jetzt kommt, dürften auch die letzten Zentimeter bald weggeschmolzen sein. Ein schneefreier Gipfel mitten im Sommer wird immer mehr zur Normalität. Und das ist ein schlechtes Zeichen für die Gletscher. Der Schnee vom Winter wirkt wie eine Schutzschicht: Solange er liegt, ist das darunterliegende Eis vor der Sonne geschützt. Fällt diese Decke so früh weg wie heuer, liegt das Gletschereis den ganzen Hochsommer über ungeschützt in der prallen Sonne und schmilzt entsprechend schneller. Ein Sommer wie dieser hinterlässt an den Gletschern also deutliche Spuren.


Fazit
Die Ruhe der ersten Julitage war nur eine Atempause. Ab dem Wochenende greift die nächste Hitzewelle auf Österreich über, der Höhepunkt zeichnet sich für die neue Woche ab – wie stark er ausfällt, bleibt vorerst offen. Verschärft wird die Lage durch die anhaltende Trockenheit.
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