1 Million Blitze in Deutschland

Der kalendarische Sommer 2026 geht am Mittwoch zu Ende und neben regional außergewöhnlicher Trockenheit fällt auch die Gewitterbilanz unterdurchschnittlich aus: Im Sommer 2026 gab es in Deutschland 15 Prozent weniger Blitze als üblich. Nach dem Rekordtief des Vorjahres mit knapp 720.000 Entladungen lag die Blitzaktivität 2026 wieder deutlich höher. Blitzreiche Jahre wie 2024 mit rund 1,5 Millionen Entladungen blieben aber außer Reichweite. Der blitzreichste Monat war heuer wie üblich der Juni mit etwa 403.500 Entladungen, gefolgt vom August mit 223.300 und dem Juli mit 213.700 Blitzen.

Überdurchschnittlich viele Blitze im Nordwesten

Der Sommer 2026 war in Mitteleuropa von ungewöhnlich starkem Hochdruckeinfluss geprägt. Besonders markant war diese Anomalie von Frankreich bis Norditalien. Über Skandinavien dominierte hingegen rege Tiefdrucktätigkeit, die dort für wechselhafteres Wetter sorgte. Diese großräumige Druckverteilung spiegelt sich auch in der Blitzaktivität in Deutschland wider. Während in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen mehr Blitze als üblich registriert wurden, blieb die Blitzdichte in der Südosthälfte verbreitet unter dem mehrjährigen Mittel.

Trockenheit als ein Faktor für weniger Gewitter

Besonders deutlich zeigt sich die geringe Gewitteraktivität in der Mitte, im Osten und teilweise auch im Süden Deutschlands. Ausgerechnet dort herrschte im Sommer auch ein ausgeprägtes Niederschlagsdefizit. Deutschlandweit wurden im Flächenmittel nur rund 70 Prozent des für die Jahreszeit üblichen Niederschlags erreicht.
Die Trockenheit dürfte auch zur geringen Gewitteraktivität beigetragen haben. Für kräftige Gewitter ist neben einer labil geschichteten Atmosphäre ausreichend Feuchtigkeit erforderlich. Gerade daran mangelte es regional über weite Strecken. Ausgetrocknete Böden verdunsten zudem weniger Wasser und liefern dadurch weniger Feuchtigkeit für die Atmosphäre.
Hier kann sich eine klassische Rückkopplung entwickeln: Trockene Böden liefern weniger Feuchtigkeit für die Atmosphäre und heizen sich gleichzeitig stärker auf. Bleiben Schauer und Gewitter häufiger aus, trocknen die Böden noch weiter aus. Subjektiv entsteht in den vergangenen Jahren der Eindruck, dass Gewitter im Flachland seltener werden. Die Datenreihe ab 2006 ist allerdings noch zu kurz und die Schwankungen zwischen einzelnen Sommern sind zu groß, um daraus bereits einen belastbaren Trend abzuleiten.

Wilhelmshaven auf Platz 1

Der blitzreichste Ort lag in Niedersachsen: An der Spitze steht Wilhelmshaven, gefolgt von den Landkreisen Cuxhaven und Lüneburg. Im mehrjährigen Mittel weist Ulm die höchste Blitzdichte aller Landkreise auf. Am anderen Ende der Statistik liegt Nordfriesland. Die Gemeinde mit den meisten Gewittertagen war hingegen Lenggries im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: An rund 31 Tagen wurde dort mindestens eine Entladung registriert.

Bundesland Anzahl der Entladungen
Bayern 226.000
Niedersachsen 178.200
Nordrhein-Westfalen 126.400
Schleswig-Holstein 62.200
Brandenburg 60.300
Sachsen 54.100
Mecklenburg-Vorpommern 47.400
Hessen 45.400
Rheinland-Pfalz 44.500
Sachsen-Anhalt 37.800
Thüringen 32.500
Saarland 6.900
Berlin 2.300
Hamburg 1.900
Bremen 1.300

Stärkster Blitz

Der stärkste Blitz des Landes wurde in Schiffdorf im Landkreis Cuxhaven in Niedersachsen gemessen: „Spitzenreiter ist eine Entladung mit rund 335 kA am 2. Januar. In kürzester Zeit wurde dabei eine rund 21.000-mal höhere Stromstärke erreicht als der maximal zulässige Strom einer haushaltsüblichen Steckdose mit 16 Ampere. Anders als oft vermutet, lässt sich anhand der Stromstärke eines einzelnen Blitzes jedoch nicht auf die Intensität eines Gewitters schließen. Auch besonders starke Blitze mit sehr lautem Donner können bei vergleichsweise harmlosen Kaltluftgewittern auftreten, wie es etwa am 2. Januar der Fall war.

Höhepunkte

Der blitzreichste Tag des Jahres war der 28. Juni mit 68.700 Entladungen, gefolgt vom 31. Mai mit rund 58.900 Blitzen. Insbesondere der 27. Juni brachte mit einer Superzelle großen Hagel, das größte dokumentierte Hagelkorn mit einem Durchmesser von 8 cm wurde in der Nähe von Aurich in Niedersachsen gefunden. Ein weiterer Tag mit großem Hagel war der 13. Juli, hier wurden in der nördlichen Lüneburger Heide Hagelkörner mit Durchmessern von 6 cm beobachtet. Die stärkste Gewitterböe wurde in der Nacht vom 19. auf den 20. Juni auf der Insel Spiekeroog mit 132 km/h gemessen, gefolgt von einer weiteren Orkanböe mit 130 km/h in Nürnberg am 14. Juli. In Summe wurden bundesweit über 800 Starkregenereignisse festgestellt. Am 19. August kam es zudem insbesondere in einem Streifen quer über die Mitte des Landes vom Westwaldkreis bis in den Kreis Gotha zu einem außergewöhnlichen Tornado-Ausbruch, insgesamt wurden mehr als 15 Tornados dokumentiert.