Namensdefinition
Den Namen Hurrikan für einen starken bis zerstörerischen Tropensturm gibt es nicht nur im Atlantik, sondern auch im Ostpazifik, östlich von 180°W. Westlich dieses Längengrads heißen die Stürme Taifune.
Pazifik
Die pazifische Hurrikansaison ist derzeit sehr aktiv, gleich zwei Stürme haben sich parallel entwickelt. Anfang des Monats hatte der Hurrikan LOWELL die US-Inselgruppe Hawaii erreicht und dort für Schäden gesorgt (wir berichteten). Der stärkere der beiden Stürme wurde auf den Namen POLO getauft, der schwächere ODALYS.
POLO
Derzeit liegt der Hurrikan rund 300 km vor der Südküste von Mexiko und erreicht in diesen Stunden die höchste Kategorie 5, noch wird er in die Kategorie 4 eingestuft. Dabei hat in den letzten 24 Stunden wieder einmal eine rapide Verstärkung stattgefunden. Neben dem schon erwähnten Sturm LOWELL und GENEVIEVE ist es bereits der 3. Sturm in dieser Saison, der Kategorie 5 erreicht. Seit 1960 gab es erst zwei andere Saisons, in denen dies geschehen ist (2002 und 2023).

Obwohl sich der Sturm recht nahe zur Küste von Mexiko befindet, wird er wahrscheinlich außer hohen Wellen kaum relevanten Einfluss dort haben. Die Prognosen erwarten, dass er parallel zur Küste nach Nordwesten ziehen wird.

Dabei wird der Sturm über sehr warmes Wasser ziehen, was ihm weiter Energie in Form von latenter Wärme zur Verfügung stellen wird. Auf seiner Zugbahn liegen die Wassertemperaturen 3 bis 5 Grad über dem Mittel. Gut zu erkennen auf der Grafik ist auch die als El Niño bekannte Anomalie auf dem Äquator.

Der meiste Regen wird dabei über dem offenen Meer fallen, lokal sind bis zum Sonntag dort 1000 L/m² nicht ausgeschlossen. Dazu werden Böen um das Auge herum (Eyewall) um 250 km/h erwartet, vereinzelt auch noch deutlich darüber.


ODALYS
Derzeit ist dieses Tief noch ein tropischer Sturm, der sich aber zumindest vorübergehend zu einem Hurrikan der Kategorie 1 verstärken wird. Zwar soll er sich durch den Einfluss von Windscherung (Windgeschwindigkeit nimmt mit der Höhe zu) wieder abschwächen, er könnte aber noch Einfluss auf die Zugbahn von POLO am Wochenende nehmen, denn beide Stürme kommen sich dann näher.
Atlantik
Die Hurrikan-Saison auf dem Atlantik verläuft weiterhin rekordmäßig schwach. Nur 6 tropische Stürme und kein einziger Hurrikan haben sich bisher gebildet. Um dies besser quantifizieren zu können, wurde die Maßeinheit ACE (Accumulated Cyclone Energy) definiert. Man erkennt in der Grafik für den Atlantik, wie unterdurchschnittlich die Saison bisher gelaufen ist. Zum Vergleich ist jene Grafik auch für den Pazifik beigefügt, hier ist die Saison bisher sehr überdurchschnittlich verlaufen.


Generell erkennt man in der Grafik oben, dass der tropische Atlantik zwar wärmer ist, als im Mittel, doch vor allem die Windscherung ist in El Niño -Jahren über dem Atlantik höher. Diese verhindert die Bildung von Hurrikane.
Titelbild: Entwickelnder Hurrikan POLO © EOSDIS

