Über dem östlichen Pazifik hat sich Ende August ein außergewöhnlich kräftiger Tropensturm entwickelt. Er entstand am 27. August rund 2.500 Kilometer südöstlich von Hawaii. Seine Verstärkung verlief zunächst nur langsam. Verantwortlich dafür waren unter anderem eine ausgeprägte Windscherung sowie Wechselwirkungen mit dem weiter östlich liegenden Tropensturm Karina. Das änderte sich Anfang September. Am 1. September erreichte Lowell zunächst die Stärke eines Hurrikans der Kategorie 1. Noch am selben Tag intensivierte sich das System weiter und wurde zu einem Hurrikan der Kategorie 3 – damit war die Schwelle zum sogenannten „Major Hurricane“ überschritten. Nur einen Tag später folgte der nächste Sprung: Lowell erreichte Kategorie 5 und damit die höchste Stufe der Saffir-Simpson-Skala. Im Zentralpazifik hatte zuletzt 2018 Hurrikan Walaka diese Intensität erreicht.
Zwar verlor Lowell anschließend vorübergehend etwas an Kraft und fiel wieder auf Kategorie 3 zurück. Doch bereits am 4. September intensivierte sich der Hurrikan erneut bis zur Kategorie 5. Zu diesem Zeitpunkt lag der Kerndruck bei nur 922 hPa, während die maximalen, über eine Minute gemittelten Windgeschwindigkeiten rund 260 km/h erreichten.
Seit dem 5. September bewegt sich Lowell auf einer zunehmend nördlichen Bahn. Auslöser dafür ist ein Höhentief nördlich von Hawaii. Das Zusammenspiel aus kühlerem Meerwasser und stärker werdender Windscherung dürfte den Hurrikan zwar weiter abschwächen. Dennoch bleibt das System für die hawaiianische Inselkette von Bedeutung.
Derzeit liegt das Zentrum von Lowell etwa 200 Kilometer südwestlich von Niʻihau, der westlichsten der sieben Hauptinseln von Hawaii.

Kräftige Regenfälle
Die ersten Ausläufer des Niederschlags haben Hawaii bereits erreicht. Besonders Niʻihau und Kauai dürften in den nächsten Tagen große Regenmengen abbekommen. Auf der dem Wind zugewandten Seite von Big Island sind ebenfalls erhebliche Niederschläge zu erwarten. Verbreitet können sich die Summen auf etwa 200 Millimeter belaufen, örtlich sind sogar bis zu 300 Millimeter möglich.
Die Wassermassen machen sich bereits bemerkbar: Erste Flüsse sind über die Ufer getreten, und auch auf Oahu, wo Honolulu liegt, stehen vereinzelt Straßen unter Wasser.
Besonders außergewöhnlich sind die Regenmengen mit Blick auf die Jahreszeit. Der September zählt auf Kauai normalerweise zu den eher trockenen Monaten. Im langjährigen Mittel fallen dort in diesem Monat lediglich etwa 50 bis 100 Millimeter Regen. Die aktuellen und erwarteten Mengen liegen damit deutlich über dem, was für diese Jahreszeit üblich ist.

Doch nicht nur der Niederschlag ist regional problematisch, daneben gibt es weitere Gefahren durch die hohe Sturmflut oder starke Winde. Auch wurde heute auch zum ersten Mal überhaupt eine Tornado-Watch für Hawaii ausgerufen. In Hurrikans können Tornados entstehen, weil die Gewitter in den äußeren Regenbändern auf starke vertikale Windscherung treffen. Dabei ändern sich Windgeschwindigkeit und -richtung mit der Höhe, wodurch sich die Rotation in einzelnen Gewitterzellen verstärken und schliesslich ein Tornado bilden kann.

BREAKING: Hawaii has a TORNADO WATCH for the first time in history!
As Hurricane Lowell draws near, Kauai and Niihau County has been placed under a tornado watch that lasts until tomorrow morning local time! For reference, there have only been 3 tornado warnings for Hawaii over… pic.twitter.com/b0OmQsTHad
— Max Velocity (@MaxVelocityWX) September 8, 2026
Hawaii nur selten direkt im Visier
Direkte Hurrikantreffer sind auf Hawaii eine Ausnahmeerscheinung. Seit Beginn der verlässlichen Aufzeichnungen im Jahr 1949 haben bislang lediglich zwei Hurrikane die Inselkette tatsächlich als Hurrikan erreicht und Landfall gemacht: Dot und Iniki. Zwei weitere Systeme, Patsy und Walaka, zogen zwar in unmittelbarer Nähe vorbei, verfehlten die Inseln jedoch knapp.


